Pegida - Meinungen und Ursachen

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Ich wusste nicht, das Lügenpresse ein Nazi Wort sein soll. Irgendjemand hat es mal gepostet, ich fands witzig und da die Medien aus jeder Fliege den nächsten Weltuntergang machen, nervt es einfach nur noch wenn man sich zu jedem Thema erstmal selbst informieren muss.

Ein Beispiel für Lügenpresse wären die Arbeitslosenzahlen die stark beschönigt sind oder der Fachkräftemangel, der die große Zuwanderung rechtfertigen soll.
 
Jedenfalls, wenn man eine zielführende Diskussion anstreben will, dann muss man sich vorher (!) Gedanken drüber machen, wie man "draußen" ankommt.
Da wäre es dann z.B. geschickt, sich nicht von vorbestraften Rechten anführen zu lassen. Oder sich eher "Vereinigung Besorgter Bürger" oder so zu nennen als "PEGIDA". Man sollte nicht pauschalisieren, wenn man selbst nicht pauschalisiert werden will. Usw.

Ja, ich denke auch dass die Politik anders hätte reagieren sollen - um den Extremisten gleich den Boden unter den Füßen wegzuziehen.

Ansonsten drehen wir uns hier seit Seiten im Kreis...

Zitat einer Bekannten, zu sehen als eine Einladung zur (Selbst)reflexion:
E. schrieb:
Für viele Menschen ist sowas ein Ventil. Unzufriedenheit lässt sich besser ertragen, wenn andere schuld sind. Hass geht leichter als Nachdenken. Und wenn man dann auch noch pöbeln kann, ist es ja perfekt..

Oder auch polemisch: wie sieht es denn eigentlich mit einer PEGDAVD (Patriotische Europäer gegen die Amerikanisierung von Deutschland) aus? Ich mein, wenn man sich so anschaut was so nach dem 2. Weltkrieg an unserer Kultur geändert wurde...

Und wer sagt denn, dass Wandel gleich schlecht? (Ja, da sind wir wieder bei Angst, Angst vor Veränderungen. Auch ein wichtiger Grund für die Parlamentsfeindlichkeit in der Weimarer Republik.)

Dass westliche Werte und die Kultur des "Abendlandes" Toleranz, Religionsfreiheit etc. einschließen haben ja schon etliche Leute angesprochen. Dass sich daraus ein intrinsischer Widerspruch allein im Namen "PEGIDA" ergibt, hatte ich auch schon erklärt.
Also wogegen konkret (ja, konkreter als in den 19 Punkten) oder wofür ist denn PEGIDA nun eigentlich wirklich aus ihrer eigenen Sicht?

GevatterTod schrieb:
Ja, die Medien schlachten wirklich jeden Fehltritt der PEGIDA aus
Viele Medien schlachten jeden Fehltritt von allen aus. Ob nun links, mittig, rechts.... Gleiches Recht für alle auch hier.
 
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Daaron schrieb:
Wenn man fürchten muss, das jede Äußerung durch die Medien auf die Goldwaage gelegt wird und am Ende eben mit der Nazikeule nachgedrückt wird, um das gewünschte öffentliche Bild zu erzeugen... ja, dann redet man lieber gar nicht.
Ja, die Medien schlachten wirklich jeden Fehltritt der PEGIDA aus - aber das ändert doch nichts daran, dass die PEGIDA reichlich Futter liefert! Nochmal: Wenn die Führungsriege der PEGIDA durch die Bank aus Rechtspopulisten und Rechtsradikalen besteht (und auch rechtsradikal spricht), wenn sich der Mob auf der Straße nationalsozialistischer Rhetorik und Verhaltensweisen bedient, wenn bei PEGIDA etliche verfassungsfeindliche Organisationen mit marschieren, dann weißt du, woher der Wind weht. Da ist die "Nazikeule" dann auch angebracht, denn man es mit Rechtsradikalen zu tun!

Nur weil PEGIDA es vermieden hat, in ihrem Positionspapier Begriffe wie "mohammedanische Kamelwämser" zu verwenden, macht das PEGIDA noch lange nicht zu einer moderaten Bewegung. Um eine Analogie aus dem Fußball zu verwenden: Was zählt ist auf'm Platz, und da gibt sich PEGIDA alles andere moderat.

"Ich finde den Namen viel zu nett und gutmenschenfraktionskompatibel. Haben wir das nötig?? Warum muss unbedingt friedliebend rein? Europäer? Ich bin deutscher... NATIONAL ist das Wort."

Am Ende konnte es die Gruppe dann wohl doch noch vermeiden, sich "NEGIDA" zu nennen.


Daaron schrieb:
Außerdem willst du doch nicht behaupten, dass die deutschen "Leitmedien" tatsächlich unabhängig sind. Wie viel Unabhängigkeit da vorhanden ist, hat man doch beim Thema Ukrainekonflikt gesehen. Da gab es keinerlei differnzierte Berichterstattung. Putin, Russland & Separatisten = Böse. EU/NATO = Engelsgleich.
Oder schau auf das Thema Israel/Gaza. Wie oft hast du da wirklich scharfe Kritik an Israel gehört, allen voran an der Siedlungspolitik? Is nich weil is nicht.
Schwurbel-Wurbel ... irgendwas, irgendwas ... einfach mal einen diffusen Strohmann in den Raum stellen ... schwurbel-wurbel. Ist das jetzt deine Ausrede dafür, dass PEGIDA nur mit Gesinnungsgenossen reden will?
 
Daaron schrieb:
Da gab es keinerlei differnzierte Berichterstattung. Putin, Russland & Separatisten = Böse. EU/NATO = Engelsgleich.

Du hast aber schon mitbekommen, dass es bereits heftig Kritik hagelte und sich Journalisten, quer durch alle Redaktionen, damit auseinandersetzen mussten, dass viele Bürger, nun wahrlich nicht nur Pegida-Anhänger, diese einseitige Berichterstattung kritisierten?
Trotz der Einseitigkeit konnte, den Medien sei Dank, jeder mitbekommen, wie man in Nato-Kreisen denkt und handelt. Dafür braucht man nur etwas Verstand, der über das nachplappern von Kommentaren (die es einseitig gab) hinaus reicht.
Diese Kritik heisst keineswegs, dass Putin nebst Gefolge unschuldig an der Entwicklung sind, soviel Verstand sollte man schon besitzen, um da klare Grenzen zu ziehen und das Wort "Putinversteher" als das zu werten, was es ist.

Daaron schrieb:
Oder schau auf das Thema Israel/Gaza. Wie oft hast du da wirklich scharfe Kritik an Israel gehört, allen voran an der Siedlungspolitik? Is nich weil is nicht.

Verteidigt nicht Israel das "christlich-jüdische Abendland" in Nahost? Warum sollte man das kritisieren? ..als Pegida Sympathisant?

Billige Polemik beiseite: Wer das Existenzrecht Israels nicht verstehen will, der hat die vergangenen 200 Jahre europäische Geschichte nicht begriffen.
 
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Daaron schrieb:
Außerdem willst du doch nicht behaupten, dass die deutschen "Leitmedien" tatsächlich unabhängig sind. Wie viel Unabhängigkeit da vorhanden ist, hat man doch beim Thema Ukrainekonflikt gesehen. Da gab es keinerlei differnzierte Berichterstattung. Putin, Russland & Separatisten = Böse. EU/NATO = Engelsgleich.
Oder schau auf das Thema Israel/Gaza. Wie oft hast du da wirklich scharfe Kritik an Israel gehört, allen voran an der Siedlungspolitik? Is nich weil is nicht.

Du darfst dir selbst überlegen, wer am Ende diese einseitige Berichterstattung durchgewunken hat. Ich würde auf den Chefredakteur tippen.

Wer seine Allgemeinbildung aus Zeitungen wie Bild bezieht, gewinnt sicher den Eindruck einseitiger Berichterstattung in allen Themenbereichen. Siehe hier vor allem die Meldung über die "Scharia-Polizei" und irgendwelche "radikalen" Prediger. Keiner schlachtet diese belanglosen Themen so aus wie die Bild, keine Sau interessiert es, wenn sich Leute eine Weste mit entsprechender Aufschrift anziehen. Ich zieh mir morgen mit 10 anderen Leuten eine NOPEGIDA-Uniform an ... und niemanden interessiert es.

Die ZEIT bereichtet öfter äußerst differenziert zu dem Thema Israel und deren Siedlungspolitik, beleuchtet dabei mehrere Positionen. Hat halt nur wenige Bilder und reißerische Überschriften.
Ebenso laufen auf ARTE und 3sat Dokumentationen zu der Ukraine-Krise, die durchaus differenziert sind. Auf RTL/RTLII/sat1/ProSieben ist das natürlich schlecht zu finden, weil es private massen-konforme Sender sind.
 
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@belzebub19
Bei ARTE wäre ich ein wenig vorsichtig. Ich habe mal, ist schon eine Weile her, eine offene Diskussionsrunde mit "ausgewählten Gästen" sowie Bildmaterial und Aufnahmen zum China/Tibet Konflikt gesehen. Auf dem ersten Blick sah und hörte sich das alles wie ein neutrale Diskussion an wo jeder seine Meinung vertreten durfte und eine angebliche differenzierte Betrachtungsweise der Beteiligten in der Sendung gegeben ist. Dem war aber nicht so. Was 1-2 Personen als Contra sagten, wurde durch professionelle Mitschnitte und Zwischenszenen über Geschehnisse in den Gebieten, nachfolgend anders dargestellt. Hier wurden Audio-Visuell, das Gegenteil gezeigt (das nicht mal stimmte) was die Gäste sagten die anderer Meinung waren. Die ausgestrahlte Sendung wurde dann auch auf einer Internetseite von anderen Medien und Tontechnikern Stück für Stück auseinandergenommen um aufzuzeigen, wie nahezu perfekt Manipulation heutzutage funktioniert. Da wurde wirklich jedes Wort, die Reaktion des Moderators, seine Körperhaltung und Handbewegungen, Mimik, Redezeit der Teilnehmer, die gezeigten Video und Bildaufnahmen, der Aufbau des Studios, wo was hängt usw. berücksichtig. Seitdem bin ich nicht mehr von ARTE überzeugt und würde den Sender weder als unparteiisch oder gar neutral ansehen. Die Medien sind mittlerweile unglaublich gleichgeschaltet, zensiert und kontrolliert so das man als Zuschauer (selbst Experte) in dem Moment wo man sich das anschaut, nicht überblicken oder richtig einordnen kann.
 
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"Die Medien sind mittlerweile unglaublich gleichgeschaltet, zensiert und kontrolliert."
Bleibt die Frage wer tut das , wie wird das getan und warum?
 
Geld regiert die Welt. Wie das gemacht wird? Korruption und Vetternwirtschaft. Wenn die Nato aggiert, mag es um Sicherheit gehen, aber wichtiger ist das Business dahinter. Wenn Journalisten fast alle die gleiche Meinung haben, liegt das daran, dass von dieser Meinung ihre Karriere abhängt, heute mehr als früher, weil die Branche unter Druck ist. Wenn die Öffentlich-Rechtlichen Sender die Meinung teilen, liegt das am Einfluß der Regierenden, die wiederum auch nur ihre Pöstchen erhalten, wenn sie bestimmten Parteispendern entgegenkommen, Subventionen verteilen, Geschäftsfelder eröffnen/Geschäfte ermöglichen bzw. Arbeitsplätze erhalten, das kann dann auch einmal die Waffenindustrie nebst Zulieferern sein. Bei Journalisten, die für die Presse oder Privatsender arbeiten, sind die Abhängigkeiten teilweise undurchsichtiger, reichen über die Werbung direkt in die Industrie, haben Querverbindungen in die Politik, aber natürlich existiert auch der direkte Einfluss über die Inhaber/Verleger und Investoren. Eigentlich ein lustiges System, in dem diejenigen, die den Ton angeben, nicht in Erscheinung treten müssen, die genießen ihren "Wohlstand", aber auch, dass ihre Investments recht sicher sind.
 
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Die TU Dresden hat nun eine Studie veröffentlicht, die die Teilnehmer der Demonstrationen etwas näher beleuchtet:
http://tu-dresden.de/aktuelles/news/pegida_pk

Halten wir mal so fest, dass 2/3 gar keine Angaben machen wollten und den Aussagen des Rests einfach so Glauben geschenkt wurde.
Für den Islam interessiert sich da sowieso niemand und überdurchschnittlich viel verdienen die Leute auch noch, wahrscheinlich wie hier im Forum im entsprechenden Thread :D
 
Facebook-Likes am 14.01.2015 (Veränderung seit 12.01.2015)

PEGIDA 141.474 (+8.962)
AFD 139.272 (+562)
LINKE 99.060 (+119)
CDU 90.155 (+77)
SPD 81.144 (+98)
Grüne 56.932 (+74)
FDP 32.119 (+83)

Pegida hat seit Merkels "Islam gehört zu Deutschland"-Bekenntnis am Montag 100 mal mehr Fans auf Facebook gewonnen als die CDU.
 
Schrammler schrieb:
Du hast aber schon mitbekommen, dass es bereits heftig Kritik hagelte und sich Journalisten, quer durch alle Redaktionen, damit auseinandersetzen mussten, dass viele Bürger, nun wahrlich nicht nur Pegida-Anhänger, diese einseitige Berichterstattung kritisierten?
Also wenn eine einseitige Berichterstattung über den Ukrainekonflikt bemängelt wird, ist es vollkommen in Ordnung und wird von dir an die große Glocke gehängt. Wenn man die einseitige Berichterstattung über PEGIDA bemängelt, sieht die Sache aber mal wieder anders aus, hm? Heuchler!

Billige Polemik beiseite: Wer das Existenzrecht Israels nicht verstehen will, der hat die vergangenen 200 Jahre europäische Geschichte nicht begriffen.
Das ist gerade die biligste Polemik von allen.... Aggressive Siedlungspolitik und vollkommen überzogene Militäraktionen mit einem Existenzrecht gleich setzen... sag mal, gehts noch?
 
2015pegida-facebook-lugu8r.png


Warum hat Pegida also so viel Zulauf, nicht nur bei Facebook, trotz Schelte von gefühlt überall?

Ich bin sicher, ein wichtiger Grund liegt in der einseitigen Berichterstattung der Medien. Wenn Bürger sich nicht mehr repräsentiert fühlen, und zwar weder im Parlament, noch in den Massenmedien, kann die Trotzhaltung eigentlich nur steigen. Manch einer wird sich dann auch an die DDR erinnert fühlen oder sich zur Beschimpfung "Lügenpresse" verleitet sehen.

Über Pegida selbst wird z.B. sehr parteiisch berichtet. Ein typisches Beispiel dafür ist das Wort "vermeintlich", das die eigentlich journalistisch ideale Trennung von Kommentar und Nachricht unterläuft. Wer "vermeintlich" zu einer Sache sagt, sendet gleichzeitig die Botschaft aus, dass er diese Sache als nicht existent betrachtet.

Und so wurde nicht nur fast überall Pegida in Kommentaren negativ begleitet, sondern auch bei der eigentlich neutralen Berichterstattung über Ereignisse wurde oft behauptet, Pegida warne vor einer "vermeintlichen Islamisierung".

Dass sich dann auch noch die "Volkszeitung" BILD mit einer massiven Promi-Kampagne gegen Pegida stellte und diese als "Idioten" beleidigte, ebenso Merkel in Alarmismus verfiel, hat den Zulauf sicher nochmals verstärkt.

2014pegida-brgerundmee6ueo.png
 
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komisch bei Internet Umfragen liegt die Linke und AfD ganz vorn doch bei der Wahl sind sie die Schlusslichter...das war auch beid er letzten Wahl so. Die Linke lag gleichauf mit der CDU (Focus Umfrage) . Erklärung?
 
Ich gebe es auf, noch weiter über die wahre Gesinnung der PEGIDA zu diskutieren. Wer angesichts des Personals und des Verhaltens der PEGIDA noch immer nicht erkennt, wessen Geistes Kind diese Mitbürger, der kann oder will es nicht einsehen. Daher will ich mal über das Programm der PEGIDA. Dankenswerterweise waren die Leute bei PEGIDA so freundlich, das wilde Sammelsurium aus teils kruden Ideen ein wenig zu ordnen und auf sechs Kernpunkte (vorher 19) zu reduzieren.



1. Die Schaffung eines Zuwanderungsgesetzes, welches die unbestritten notwendige QUALITATIVE Zuwanderung regelt und die momentan gängige, unkontrollierte quantitative Zuwanderung stoppt! Dies sollte nach dem Vorbild von Kanada oder der Schweiz erfolgen!

Unbestritten höchstens im rechten Flügel. Tatsächlich findet keine unkontrollierte Zuwanderung statt. Ob diesbezügliche Abläufe verbessert werden können, sei mal dahin gestellt, aber es stimmt einfach nicht, dass wir "jeden Kamelwämser" nach Deutschland holen. Richtig ist, dass die Zahl der Personen ohne Schulabschluss oder mit einem niedrigen Abschluss unter Immigranten besonders hoch ist. Gleichzeitig gibt es aber keinen quantitativen Unterschied zwischen den Bevölkerungsgruppen bei gehobenen Schulabschlüssen, und bei der Hochschulreife liegen Personen mit Migrationshintergrund sogar teils deutlich vor der einheimischen Bevölkerung.

Viel wichtiger aber: Zuwanderer haben in den letzten Jahren die einheimische Bevölkerung hinsichtlich des Bildungsniveaus überholt! Zuwanderer sind im Schnitt besser ausgebildet als Deutsche! Wo bitte ist die unbestritten existierende unkontrollierte Zuwanderung, die Quantität vor Qualität stellt? Das wirkliche Bildungsproblem steckt in der gealterten Bevölkerung mit Migrationshintergrund (die noch aus der bildungsfernen Gastarbeiter-Generation herrührt), nicht in der Zuwanderung!

http://www.berlin-institut.org/publikationen/studien/neue-potenziale.html
http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Publikationen/WorkingPapers/wp13-schulische-bildung.pdf



2. Die Aufnahme eines Rechtes auf und der Pflicht zur Integration! Diese Pflicht zur Integration beseitigt, wenn sie denn wirklich kommt, viele Ängste der Menschen zum Thema Islamisierung, Überfremdung und Verlust unserer Kultur automatisch!

Was für ein vager, diffuser Quatsch, aus dem sich keinerlei Lösungen heraus arbeiten lassen. Wer bitte definiert, was unsere Kultur ist? PEGIDA?

Kultur ist kein feststehender Begriff, sondern wird von jedem anders empfunden und ist einem ständigen Wandel unterworfen. Für mich sind bspw. Zuwanderer und eine grundsätzliche weltoffene Gesellschaft ein ganz integraler Bestandteil unserer Kultur, während mir das Deutschland der PEGIDA völlig fremd ist.

Erfolgreich integriert ist, wer die hiesigen Gesetze achtet, am sozialen teilnehmen kann und aktiv teilnimmt und sich in den Arbeitsmarkt eingliedern kann. Das sind die einzigen Faktoren, die sich irgendwie objektiv erfassen und bewerten lassen.

Weiterhin finden Überfremdung (übrigens noch so ein Begriff aus dem Wortschatz der Nationalsozialisten) und Islamisierung nicht statt, ganz egal wie oft es noch behauptet wird. Zwar leben in Deutschland 16 Millionen Menschen mit einem Migrationshintergrund, davon leben aber ein Drittel in zweiter oder dritter Generation in Deutschland - und die neu zugewanderten haben wie dargelegt ein vergleichbares oder besseres Bildungsniveau als die einheimische Bevölkerung. Und bei einem Bevölkerungsanteil muslimischer Mitbürger von 5 Prozent kann man wirklich nicht von einer Islamisierung sprechen.

https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2014/11/PD14_402_122.html
http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlag...urzfassung-deutsch.pdf?__blob=publicationFile



3. Wir fordern eine konsequente Ausweisung bzw. ein Wiedereinreiseverbot für Islamisten und religiöse Fanatiker, welche unserem Land den Rücken gekehrt haben um in heiligen Kriegen zu kämpfen!

Hier zeigt sich das mangelnde Verständnis für die Komplexität der Problemstellung und der rechtliche Hintergründe. Wir haben bereits eine gesetzliche Grundlage, die die Abschiebung von Personen, die lediglich über einen Aufenthaltstitel verfügen, ermöglicht (eben gerade auch um Terrorgefahren zu begegnen), und dieses Mittel wird auch angewandt. Mehr als das ist nicht möglich. Sollen etwa auch deutsche Staatsbürger, die einen Migrationshintergrund aufweisen, ggf. abgeschoben werden? Unter Umständen in eine Krisenregion? Soll dies auch für Jugendliche gelten, die keinerlei Bindung zum und keine Verwandtschaft im elterlichen Herkunftsland haben? Wer deutscher Staatsbürger ist, hat alle Rechte und Pflichten, die mit der Staatsbürgerschaft einhergehen, erworben und kann nicht abgeschoben werden.

Eine Forderung, die entweder unnötig ist da bereits umgesetzt, oder nicht umgesetzt werden kann und völlig weltfremd ist.

http://de.wikipedia.org/wiki/Aufenthaltsgesetz



4. Wir fordern die Ermöglichung DIREKTER DEMOKRATIE auf Bundesebene auf der Basis von Volksentscheiden.

Funktioniert ja auch so toll bei den Schweizern, wenn sie wegen einer handvoll Minarette nach einer von Rechtspopulisten subjektiv und emotional geführten Wahlkampf am Rad gedreht haben. Aber ich verstehe schon, warum sich PEGIDA für Bürgerentscheide stark macht, denn in der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass Bürgerentscheide vor allem emotional geführt und entschieden werden, und das ist ja ganz nach dem Geschmack der PEGIDA: Mit populistischen Themen die Änste und subjektiven Wahrnehmungen der Menschen berühren. Zwar glaube ich, dass zumindest wenn es um die Themen der PEGIDA ginge, die PEGIDA in der Regel verlieren würde, aber wir hätten dann ständig eine Stimmung im Land wie in den letzten Wochen. Eine dauerhafte populistische Bedröhnung aus allen Kanälen (und glaubt jemand wirklich, dass Leute, die "Lügenpresse" und "Vaterlandsverräter" skandieren, eine Niederlage an der Wahlurne akzeptieren würden?).

Versteht mich nicht falsch, ich bin nicht grundsätzlich gegen direkte Demokratie. Ich bin lediglich der Meinung, dass wir uns als Gesellschaft weiter entwickeln müssen, ehe wir das Mittel der direkten Demokratie wirkungs- und verantwortungsvoll einsetzen können.



5. Wir fordern ein Ende der Kriegstreiberei gegen Russland und ein friedliches Miteinander der Europäer ohne den zunehmenden Verlust an Autorität für die Landesparlamente der einzelnen EU-Staaten durch die irrwitzige Kontrolle aus Brüssel.

Russland ist in die Ukraine einmarschiert und hat fremdes Territorium annektiert, aber die EU ist der Kriegstreiber?

Anyway, reden wir über die irrwitzige Kontrolle aus Brüssel. Das ist ja ein naheliegender Punkt, wenn man einen Halbsatz vorher über Russland und Kriegstreibereien gesprochen hat. Also, was hat es mit der Brüsseler Regulierungswut auf sich? Im Wesentlichen geht es darum, Verbraucher aber auch Waren innerhalb der EU besser zu schützen. Darüber hinaus leben wir in einer globalisierten Welt, in der Staatengrenzen immer weiter an Bedeutung verlieren und Personen, Waren und Informationen ganz selbstverständlich zwischen Nationen verkehren. Das funktioniert nur mit harmonisierenden Regulierungen.

Das Problem an der Stelle: Nichte jede Regulierung ist für jedes Land gleichermaßen bedeutend, muss aber dennoch EU-weit umgesetzt werden. Eine Verordnung, die für Schweden von essentieller Bedeutung ist, kann in Deutschland für kollektives Kopfschütteln sorgen, weil niemand versteht, was diese Verordnung nun schon wieder soll. Im Übrigen sind aber viele Geschichten über die Brüsseler Regulierungswut schlichte Mythen. Der vermeintliche Brüsseler Bürokratie-Moloch schlappe 23.000 Mitarbeiter. Das ist nicht viel für einen ganzen Kontinent. Zum Vergleich: Die Stadt Köln beschäftigt 28.000 Mitarbeiter.



6. Wir fordern mehr Mittel für die Innere Sicherheit unseres Landes! Dies umfasst einen sofortigen Stopp beim Stellenabbau der Polizei und die Ausstattung selbiger mit den erforderlichen, zeitgemäßen Mitteln um den gewachsenen Anforderungen gerecht zu werden!

Es gibt keinen signifikanten Stellenabbau bei der Polizei. Die Zahl der Stellen liegt seit 1999 bei rund 245.00 und verändert sich kaum. Wir können darüber reden, ob mehr Stellen geschaffen werden sollten, dabei kann es dann aber nur Beamte im Ermittlungsverfahren gehen und um neue Kriminalitätsfelder wie etwa Cyber-Kriminalität. Die Zahl der Straftaten ist seit 2004 rückläufig, gleiches gilt im erhöhtem Maße seit 2007 für die Fälle von Gewaltverbrechen. Jugendkiminalität ist rückläufig, gleiches gilt den Anteil der Straftäter mit Migrationshintergrund. Deutschland wird sicherer, nicht gefährlicher!

http://de.statista.com/statistik/daten/studie/156792/umfrage/anzahl-der-polizisten-in-deutschland/
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/197/umfrage/straftaten-in-deutschland-seit-1997/
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/153880/umfrage/faelle-von-gewaltkriminalitaet/
http://www.tagesspiegel.de/politik/...laenderkriminalitaet-ein-mythos/10269280.html



Zusammenfassung: Das Papier besteht Größtenteils aus den üblichen populistischen Themen und Forderungen, die diffuse Ängste und subjektive Wahrnehmungen ansprechen sollen, welche nicht von der Datenlage gestützt werden. Die konkreten Forderungen und Vorschläge, die das Papier enthält, zeugen von einem mangelnden Verständnis für die Komplexität der Problemstellungen und den rechtlichen Rahmenbedingungen.
 
Na zum Glück sind Facebook-Aktivisten auch nur genau das, ein LIKE ist eben schneller gemacht als sich mal vernünftige Informationen einzuholen; deshalb würde ich die Menge mit keiner Goldwaage aufwiegen wollen.

Auch wenn ich dir zustimme, dass die Berichterstattung in Deutschland generell voreingenommen und parteiisch ist, hast du dir ein denkbar schlechtes Beispiel herausgesucht.
Fakt ist nuneinmal, dass es (gerade in dem Gebiet wo PEGIDA groß ist) keine Islamisierung gibt, gibt dort ja nichtmal Moslems, da kann man schonmal gerne "vermeintlich" benutzen.

Die untere Umfrage ist übrigens von YouGov, nicht Emnid, auf deren Seite nicht einsehbar, und daher nicht nachvollziehbar, es haben wohl 1107 Leute auf einer Online-Plattform mit Anmeldung und Vergütung teilgenommen. Für wie repräsentativ man das hält, ist jedem selbst überlassen.
 
so wenig ich die pegida unterstützen möchte muss man ihr imho tatsächlich zugestehen, dass kaum medien oder politiker die inhalte thematisiert haben, sondern gleich pauschal auf die "rechtsradikale bewegung" recht unreflektiert eingeprügelt haben. einzig die csu hat sich anfänglich getraut die pegida als ausdruck besorgter bürger zu deuten, davon ist aber auch nichts mehr zu hören. dass auch nazis und sicher nicht wenige unter den anhängern von pegida sind, ist denke ich selbst bei den ahnängern der pegida unstrittig. aber man darf diese ebensowenig pauschal alle über einen kamm scheeren wie man es mit moslems und islamisten darf. pauschalisierungen können nie einen konflikt lösen.
eine differenzierte auseinandersetzung mit den forderungen und inhalten der pegida wäre sicherlich wünschenswert gewesen. man kann die bedenken der (nicht-nazi-) anhänger von pegida nicht ausräumen, indem man die pauschal als nazis beschimpft.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ist mir auch schon aufgefallen, habe noch eine etwas neuere Grafik gefunden.

Laut Emnid haben ebenfalls knapp die Hälfte der Deutschen Verständnis für Pegida.

Aber die "Like"-Zahlen auf Facebook korrelieren durchaus mit den "Demo"-Zahlen:

pegidawikipediav9qwh.png


Quelle: Wikipedia
 
Bounceback schrieb:
Facebook-Likes am 14.01.2015 (Veränderung seit 12.01.2015)
Valide Facebook likes? Wo jeweils eine echte Person dahinter steht? ;)
Likes etc. kann man sich für sehr kleines Geld kaufen.

Selbiges gilt für Online Umfragen ;) für kleines Geld oder mit minimalem Aufwand, ohne dass der Umfragenersteller etwas drehen muss, kann man das Ergebnis in die gewünschte Richtung anpassen. Solange man sich zur Abgabe eines Likes oder eines Votes nicht verifizieren muss, sagen diese Zahlen nicht wirklich etwas aus.

Nochmal: Wenn die Führungsriege der PEGIDA durch die Bank aus Rechtspopulisten und Rechtsradikalen besteht (und auch rechtsradikal spricht), wenn sich der Mob auf der Straße nationalsozialistischer Rhetorik und Verhaltensweisen bedient, wenn bei PEGIDA etliche verfassungsfeindliche Organisationen mit marschieren, dann weißt du, woher der Wind weht.
:daumen:
 
@Lübke
Aber du siehst doch hier schon im Thread selbst. Eine differenzierte Betrachtungsweise sollen nur alle Pegida-Anhänger haben. Jegliche anderen Menschen, die nicht bei Pegida mitlaufen, sind davon (scheinbar) freigestellt.

So muss nämlich überhaupt niemand auch nur einen Deut weit sich zu den Themen äußern. Man erstickt die Diskussion im Keim, weil sie eben nicht gewünscht ist.

Selbst wenn hier Links, Statistiken, Fakten aufgezählt werden, sind diese nicht aussagekräftig für die Pegida-Gegner. Warum auch? Mal ist die Führung von Pegida komplett rechtsradikal. Dann ist sie es nicht, aber es werden rechte Sätze gesprochen. Dann auf einmal sind es:
Es gibt schon einen Unterschied zwischen "von Nazis verwendet" und "von Nazis geprägt".
Es ist wie mit der Auslegung der heiligen Schriften. Jeder legt es genau so aus, wie er es gerne hätte, was dabei völlig außer acht gelassen wird, ist der Inhalt. Der wiederum wird mit dem Totschlagargument erschlagen, dass das Problem ja gar nicht existent wäre, es wird durch Pegida selbst induziert. Pegida ist also in jedem Fall, nachdem es sie jetzt gibt, Schuld an weiteren Gegendemonstrationen mit Gewalt. Selbst im Nachhinein ist also Pegida schuld.

So kann man wirklich nicht diskutieren, bisher habe ich nur eine handvoll Leute gelesen, die es auch von beiden Seiten verstehen wollen. Alle Anderen treten auf der Stelle weil sie sich entweder für die eine Seite, oder die Andere entschieden haben, anstatt das Gesamte zu sehen und dann zu differenzieren und beim grau zu bleiben. Irgendwo dazwischen.

Selbst der Spiegel und die Technische Universität Dresden sprechen nun auf einmal nicht mehr von den populistischen Rechten, sondern von einem ungefähren Mittelwert, einer Mittelschicht aus. Mal hiervon, mal davon. Was wir ja auch schon von Anfang an in der Diskussion gesagt haben, nur dass wir bemerkt haben, dass der Anteil an radikalen Komponenten innerhalb von Pegida, das loseste Mundwerk hat und daher "der Mob" (das heißt die Konsumenten von Medien und Gesellschaftlichen Gesprächen) annimmt, dass sie Pegida anführen. Dass sich da 64% der Leute gar nicht erst äußern (vielleicht weil sie eben NICHT wollen, dass ihnen das Wort entweder so oder so rum umgedreht wird) ist nicht zu leugnen.

Die meisten gingen zu Pegida, weil sie "unzufrieden mit der Politik" und mit den Medien seien.
Denn das ist genau das, was ich schon vor ettlichen Posts und Seiten geschrieben hatte, als mich diRam fragte, ob ich die Menschen dort für so naiv halte, oder ob sie einfach mitlaufen, ohne für alle Punkte zu stehen.
Ja, für so naiv halte ich sie, weil die Probleme, die Ängste die sie haben bisher nicht angesprochen werden durften, da droht ein moralischer Nullpunkt wenn man seine Meinung vertritt (selbst wenn man sie erklären kann). Die rennen da mit. Scheinbar ein großer Teil. Selbst wenn es nur die Hälfte ist, die eben nicht mit der "Islamisierung" im Namen konform gehen, so sind das eben keine extremistischen Personen, keine Terroristen, keine Nazis, sondern "stinknormale Bürger".

Wem das nicht auffällt, dem will das aus einem ganz einfachen Grund nicht auffallen. Weil so sein Argument zerstört wäre.
 
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