Yosup schrieb:
Er kann es ja auch einfach lizenzieren und sich so die Entwicklungskosten für diesen Teilaspekt sparen. Genau so ist das auch gedacht.
So mag es gedacht sein, aber so funktioniert das in vielen Faellen gerade im Computer- und Software-Bereich nicht. Da sind in jedem Computerchip oder Programm tausende von Ideen drinnen, die halt Ingenieure, die mit dem Stand der Technik vertraut sind (und damit meine ich das, was sie auf der Uni gelernt haben und was in der wissenschaftlichen Literatur so zu finden ist), im Zuge der Entwicklung einsetzen, und von denen sie Variationen entwickeln. Oft ergibt sich das, was da entwickelt wird, aus einer Problemstellung, die gerade aktuell ist (z.B. Spectre), oder aus anderen Entwicklungen (z.B. weil jetzt mehr metal layers verwendet werden koennen, geht auf einmal etwas, das in der vorigen Generation noch nicht ging.
Jetzt kann man hingehen, und versuchen, diese Ideen, die in den verschiedensten Firmen unabhaengig voneinander entwickelt werden, zu patentieren, und im Idealfall wird das erste von diesen eingereichten Patenten auf dieselbe Idee erteilt und alle anderen nicht. Die anderen haben die Entwicklungskosten aber trotzdem genauso, und zusaetzlich dann noch die Lizenzkosten, nur weil sie nicht schnell genug beim Einreichen waren.
Dazu kommt, dass die Beschreibung "die Idee" oben eine stark vereinfachte Darstellung ist. Patentprozesse waeren nicht so exorbitant teuer, wenn man so einfach sagen koennte, ob das, was in einem Patent steht, von dem, was eine andere Firma entwickelt hat, verletzt wurde oder nicht. Umgekehrt kann man sich im Normalfall keine Entwicklungskosten ersparen, indem man einfach eine Idee aus einem Patent uebernimmt, weil man das dann sowieso an das eigene Projekt adaptieren muesste, und das aehnlich aufwendig wie die Eigenentwicklung ist.
Dazu kommt, dass zumindest in den USA Ingenieure von ihren Firmen grundsaetzlich verboten wird, Patente zu lesen, damit man der Firma nur ja nicht absichtliche Patentverletzung vorwerfen kann, denn das wuerde die Schadenersatzansprueche verdreifachen.
Dazu kommt, dass Patente so geschrieben sind, dass kaum ein Ingenieur sich das antut, sowas zu lesen, selbst wenn er es duerfte. Ich habe einmal ein Patent in einem Bereich gelesen, zu dem ich ein paar Jahre frueher publiziert hatte; es war sehr schwer, zu verstehen, was fuer Ideen in dem Patent drinnensteckten, und das, obwohl ich Experte in dem Gebiet war (in dem Patent war mein Paper zitiert worden).
Zusammenfassung: Entwicklungskosten sparen durch Lizensieren von Patenten funktioniert nicht, zumindest fuer die meisten Patente im Hardware- und Software-Bereich. Leider ist es kein Kriterium fuer die Patenterteilung, ob ein Patent Entwicklungskosten bei einem typischen Hardwareprojekt ersparen koennte. Wenn es das waere, gaebe es viel weniger Patente.