Ich überlege mir gerade, was eigentlich das heftige Diskutieren bringt - außer Sozialisation. Die Wenigsten unter uns sind Compilerbauer oder beherrschen Assembler, um die neuen Möglichkeiten von SB und BD ausnutzen zu können - der überweigende Teil derjenigen, die hier Software selber entwickeln, ist auf den Compiler angewiesen. Soweit ich informiert bin, fußen die Spekulationen bezüglich AMDs Bulldozer auf Anakysen des AMD-eigenen, quelloffenen 'Open64' Compilers. Spezialisten haben versucht, die offenbar schon rudimentär implementierten BD-Optimierungen zurück in Hardwareabbildungen zu übertragen. Ob GNU und LLVM bereits auf Spezifikationen von Intel oder AMD zurückgreifen können, weiß ich nicht. Letztlich ist es aber für uns hier unbedeutend. Aktuelle Windoof-Software wird kompatibel übersetzt, Optimierungen auf eine spezielle Architektur sind meistens nicht möglich, die Software würde schlichtweg auf nicht allen 'Kompatiblen' laufen. Bibliotheken verfügen so meist über CPUID Abfragemechanismen, um Teile ihrer Funktionen eben in SSE oder eben nicht anzubieten zu können.
Es ist immer wieder für mich erstaunlich, wieviel Mehrleistung man aus seiner Software holen kann, wenn man mit dem Compiler experimentiert. Loop-Optimierungen, SSE-Optimierungen und dieverse andere Dinge. Meistens erkennen die Compiler-Treiber anhand der CPUID, was sie da vor sich haben und generieren dann von selbst optimierten Code. Das geht aber nur, wenn man Quellen übersetzt - so wie man das im UNIX Umfeld traditionell macht. Unter Windows sieht es einfach viel 'kompatibler' aus, die Leistungssteigerung gewinnt man dadurch, daß eben im Bereich des kleinesten größten gemeinsamen Teilers steigert und das geht nur über Takt oder tiefgreifende Änderungen am Schaltablauf im Innern der CPU. Und genau hier will ich meine Kritik ansetzen. 10% Steigerung sind nicht wirklich berühmt und sie würden mich auch ungerne beim Neuerwerb einer prvaten Plattform noch ein Jahr warten lassen wollen. Was wird ein 3 GHz schneller 6-Kern XEON auf Sandy-Bridge rein rechentechnisch mehr auf die Beine stellen können, als ein 3GHz schneller 6-Kern XEON 3680? Solange man das wirkliche Novum AVX nicht nutzt, wird es lediglich eine evolutionäre Verbesserung sein.
Was mich an der ganzen Sache stört ist diese Blindheit der Kundschaft, mit der Intel und AMD mitlerweile gezielt spielen. Da werden exaggerierte Begriffe in die Plebs geworfen, die Massen jubeln wie unter einem Demagogen, 'heimlich' durch Lücken im Netz geschlüpfte Benchmarks werden wie Spionageprodukte gehandelt - das gehört offenbar alles zu einer widerlichen anglo-amerikanischen PR-Methodik, um groß Beute zu machen. Leider kann man selbst im professionellen Umfeld kaum noch an wirklich verläßliche Informationen gelangen. Wünschenswert wäre mir, ich könnte nebst vielen anderen einfach meinen wartenden Arsch in einen Sessel legen und abwarten, was aus den 'Versprechungen' und Lobhudeleien denn wirklich auf meiner real erwerbbaren Plattform ankommt. So ein SPEC-benchmark offenbart ja immer noch so manches Wunder, ob nun positiv oder negativ.
Hatte nicht AMD 2006 die Massen mobilisieren können mit wilden Versprechen, was denn der neue 'Barcelona' alles könne und was Intel alles NICHT dagegen setzen könne? man warf auf Hochoffizien die jeweils Top-CPU des Konkurrenten vor laufender Kamera in einen Abfalleimer. Am Ende knallte es gewaltig - für denjenigen, der zu hoch gepokert hatte. Eigentlich hatte man ja mit dem Geld der Anleger gepokert, aber Techniker sind keine Aktionäre oder Anteilehalter - reden durften nur die PR-Leute, die nach den Phrasen sprachen, die das Geld der Investoren lockerten. Daß am Ende, also heute, AMD mit derlei Überzug der Realitat viel verloren hat, scheint niemanden wirklich zu interessieren.
Nun ja. Warten wir das Frühjahr ab. Dann wissen wir etwas mehr über Bulldozer und Sandy-Bridge. Dann ist auch das Weihnachtsgeschäft vorüber und man darf sich wieder normalisierte Preise erhoffen, der unchristliche Rausch ist verflogen, die Klarheit der Gedanken hält hoffnungsvoll wieder Einzug.
Addendum:
Das Schlimme an allem ist aber, daß wenn man noch so rational an die Sache geht und sich jetzt noch einen Rechner mit aktueller Hardware beschafft, diese sofort wertlos wird, wirklich wertlos, wenn die neue Generation am Markt ist. Das besteht gar kein 'Investitionsschutz' mehr, wie es noch zu Zeiten DECs hieß, wenn neue, pinkompatible RISC CPUs auf die vorhandenen Plattformen paßten. Schon aus diesem Grunde lege ich viel Hoffnung in AMDs Wurf. Wenn gleich zum Start ein Opteron auf Bulldozer mit 8 Modulen an den Start gehen würde, den man bexahlen kann und die Leistung stimmt, wäre ich einer Abkehr von Intel gewogen. Warum Intel plötzlich die Sockel und damit die Basishardware ändern muß, ist mir ein Rätsel. Es gibt sicher viele (einfache) Gründe, die dafür sprechen, der gewichtigste ist, daß die Kunden nochmals zaahlen müssen, damit Intels Quartalszahlen stimmen, aber es gibt mindestens ebensoviele Gründe die für eine mehrfachverwendbare Plattform sprechen.