@ insane42: Also schön, dann mal zu Deinen Fakten.
Laut Statistik sind alte Fahrer nicht öfter in Unfälle verwickelt, als jüngere. Die Statistiken, die man bekommt, sind aber nicht wirklich verwertbar.
Es wird eine einfache Gegenüberstellung (Alter -> Unfälle) dargestellt. Im Grunde absolut unbrauchbar. Es sollten noch weitere Werte mit einfließen. Z.b. wieviel Prozent einer Altergruppe überhaupt noch fahren, oder wie hoch die Jahreskilometerleistung ist.
Das verstehe ich so, dass Du vorhandene Statistiken zwar anzweifelst, aber anhand harter Zahlen
nicht widerlegen kannst.
Ein weiteres Problem: Alte Menschen fahren zwar oft ruhig und besonnen, aber oft auch zu ruhig und dies kann auch ein Problem werden! Wenn ein Fahrzeug nicht mit dem Verkehrsfluss "schwimmt", wenn ein Fahrer viel zu langsam fährt, o.ä., kann dies andere Autofahrer dazu veranlassen, dass sie waghalsig überholen, nah Auffahren oder ähnliches.
Mit der Begründung müsstest Du aber auch gegen Radfahrer, Traktoren, Baufahrzeuge, Lkw, Trabis und jeden anderen Verkehrsteilnehmer vorgehen, der das Pkw-Tempo nicht mitgehen kann. Wobei ich die Begründung ohnehin nicht nachvollziehen kann, denn jeder körperlich und geistig gesunder, reaktionsschneller und meinentwegen auch junger Pkw-Fahrer sollte sich auf langsamere Verkehrsteilnehmer einstellen können, sonst hat er imho hinter dem Lenkrad eines Autos nichts verloren.
Ein anderes Problem, welches die Uneinsichtigkeit begünstigt, sind die Fahrzeuge. Große, hochmoderne Fahrzeuge geben alten Leuten ein Gefühl der Sicherheit, dessen Schein leider trügt. Rückfahrsensoren, Bordcomputer, Assistenten hier und Technik da können niemals einen gesunden, fitten Körper ersetzen und auch die besten Bremsen können nicht vollständig einen zu schwachen Bremsfuß und eine zu langsame Reaktion kompensieren. Da werden die Überlebenschancen eines vor das Fahrzeug laufenden Kindes ganz schön klein.
Das ist ein generelles Problem, dass die höhere Sicherheit, die ein modernes Auto suggeriert, durch entsprechend riskante Fahrweise größtenteils wieder zunichte gemacht wird - aber in allen Altersklassen! Ich würde hohe Geldbeträge darauf wetten, dass auch die 40- bis 50-Jährigen mehrheitlich z.B. bei einer Vollbremsung mit ABS falsch reagieren würden, wenn sie sich denn überhaupt trauen, voll in die Bremse zu steigen - gelernt haben die nämlich noch, immer gefühlvoll zu bremsen und auf jeden Fall eine Vollbremsung zu vermeiden. Wenn das ABS auslöst und das Auto damit zu rappeln und das Bremspedal zu pulsieren beginnt, würden die meisten vor Schreck die Bremse wieder lösen. Zumindest war das bei den Eltern aller meiner Freunde und auch meinen Eltern so, dass wir denen das am Wochenende auf leeren Fabrikhöfen bei Glatteis erst beibringen mussten.
Nichts von dem, was Du schreibst, ist damit falsch. Es hat aber auch für mich nur sehr wenig bis gar nichts mit der Eingrenzung auf das Fahrverhalten alter Menschen zu tun.
Ich habe mich seinerzeit als Fahranfänger genauso gegen die Pauschalverurteilung gewehrt, wie ich Probleme mit Deiner Website habe. Probleme im Straßenverkehr entstehen doch immer durch individuelles Fehlverhalten, nicht durch das wie auch immer statistisch ermittelte Durchschnittsverhalten irgendwie definierter Gruppen. Und, offen gesagt, wenn ich eine Gruppe benennen müßte, denen ich auf der Straße am wenigsten zutraue, dann sind das die Familienväter mittleren Alters, die normalerweise einmal die Woche zum Bierholen fahren, sich dann aber im Sommer auf die Urlaubsreise machen und auf der Autobahn hoffnungslos überfordert sind. Das sind die Leute, die die Geschwindigkeit anderer Fahrer nicht einschätzen können, die unvermittelt die Spur wechseln, die aus Angst vor Spurwechseln konsequent links fahren, denen man die Rückspiegel mangels Benutzung unbemerkt abschrauben könnte, und so weiter. Ich bin beruflich viel unterwegs, und glaube es mir, die Sommermonate sind immer die schlimmste Zeit.
Ich stimme Dir auch durchaus zu, dass sich Leute, die nicht dazu geeignet sind, nicht mehr Auto fahren sollten. Das trifft natürlich besonders auf ältere Menschen zu, aber nicht ausschließlich. Daher hätte ich gegen einen regelmäßigen Gesundheitscheck nichts einzuwenden, aber auch das bitte für alle. Ich möchte gar nicht so genau wissen, wieviele auch jüngere Fahrer mit mangelnder Sehkraft, reaktionshemmenden Medikamenten und anderen Beeinträchtigungen jeden Tag auf unseren Straßen unterwegs sind.
Dennoch bleibe ich dabei, dass es imho der falsche Weg ist, ein "Feindbild alte Autofahrer" aufzubauen, um damit gegen eine andere Falschdarstellung, die junge Autofahrer betrifft, vorzugehen.
Bis dann, Tiguar