Gute Argumentation, die schlauen Köpfe entscheiden, wir haben sie ja gewählt
Ich habe Schwarz-Gelb nicht gewählt, und das soll dann für mich in Ordnung sein, weil die meisten Leute sie für schlau halten? Ich denke nicht

Ich habe gewählt, aber nicht die Verarschung von Hartz-Empfängern, die Verteuerung des Gesundheitswesen, welches in die Hänge der Pharmaindustrie fällt (Umkehrung der Beweislast bei der Zulassung neuer Medikamente inklusive der Streichung des Expertenrates (Ärzte) bei eben Dieser. Und der Umlage zu Lasten der Mieter, welche bald nicht mal mehr etwas dagegen machen können, wenn ihr Haus Energieoptimiert wird. Nichts gegen Energieoptimierung, das ist gut. Aber laut der Gesetzgebung muss ich mögliche mehrere hundert Euro im Monat mehr zahlen, für Optimierungen, die mir nichts nutzen, weil ich trotzdem heizen muss? Ach ja, das haben ja die intelligenten Leute entschieden, die ich ja gewählt habe... Nein habe ich nicht.
Okay, das klingt jetzt als würde das der kleine Dorfpunk schreiben, der beim 10. Bier vergisst, dass er erst 14 ist und sich für den intelektuellen Nabel der Welt hält. Ich bin 27 und beginne momentan meine Magisterabschlussarbeit in Philosophie und Geschichte. Das Qualifiziert mich nicht mehr als 90% der anderen Leute, aber es steckt schon ein Gedanke dahinter.
Ich habe es glaube ich schonmal geschrieben, am Anfang, als die Aktionen mit den Wasserwerfern losgingen. In der Zwischenzeit ist viel passiert. Beide Seiten bewegen sich auf einander zu, was auch gut so ist, denn nur so kann eine Einigung erzielt werden.
Der Baustopp hat teilweise stattgefunden, zwar ist der Bau nicht gestoppt, Grundwasseränderungen dürfen vorgenommen werden, aber beispielsweise die Betonierung des Fundamentes darf während der Gespräche nicht durchgeführt werden. Das ist zumindest etwas, da die Fundamentierung nicht hätte zurückgenommen werden können. Solange das nicht gebaut ist, wäre ein Stopp möglich. Ander Verarsche wie der Abbaustopp des Südflügels (wäre eh erst 2012 gestartet worden, von daher war das kein Einleken) und der Verzicht der weitern Baumfällungen (wären eh illegal, wegen des Käfers dort) scheinen gerade nicht statt zu finden.
Jetzt bleibt es abzuwarten, was die S21-Gegner daraus machen. Vermutlich wird es darauf hinauslaufen, dass die Bahn ihr Projekt bekommt, Mappus an der Macht bleibt, dafür aber Umweltschutzzahlungen getätigt werden oder so etwas. Es sei denn die Gegner können ihren Protest aufrecht erhalten und bleiben sich intern einig, was passieren soll. Auch die Leute auf der Straße zu halten ist nicht so leicht, wie es klingt.
Ich finde es toll, dass eine neue Protestkultur entsteht, dass der deutsche Michel nicht mehr alles mit sich machen lässt. Es zeigt sehr schön, wie egal der Bürger der Politik ist, und dass er nach sehr vielen Jahren nicht mehr alles schlucken will. Selbst die seriösen Medien kommen nicht mehr ohne Kritik aus, was vor ein paar Jahren noch anders war. Sofern ich mich erinnere, gab es zwar negative Berichte über Hartz-4, aber diese Heftigkeit der Negativ-Reportagen, die in dieser Zeit ausgestrahlt werden, ist relativ neu.
Aber vor allem bewegt sich das Volk endlich einmal wieder. Was ich an den Franzosen bewundere ist, dass, wenn ihnen etwas nicht passt, das halbe Volk auf der Straße steht, und Paris mehrere Tage lang lahmlegt. Wenn denen etwas nicht passt, sind sofort hunderttausende auf der Straße. Hier braucht es schon mehrere asoziale entscheidungen (sorry, meine Meinung, was CDU/FDP seit ihrer Wahl gebracht haben geht unter keine Kuhhaut, und das fing schon damit an, dass sie ein Geheimabkommen hatten, keine Entscheidungen zu treffen, bis in NRW gewählt wurde), die im Grunde alle Menschen betreffen, bis sie sich ein Symbol suchen. Und genau das haben wir hier.
Ich hoffe, dass es nun doch friedlich bleibt und sich die Gegner mit intelligenten Personen an den Tisch setzen, die sich nicht mit Ausgleichszahlungen etc. abspeisen lassen.
Ich will gewalttätigen Protest etc. wirklich
nicht gutheißen. Aber, dass man zehntausende Deutsche über Monate hinweg auf
friedliche Weise, auf die Straßen bekommt, weil ihnen etwas nicht passt, das ist mir, seit ich Politik verfolge, außerhalb von Dokumentationen und Geschichtsbüchern neu. Diese Veränderung heiße ich gut, da sie die Politik auch zum Handeln zwingt. Vielleicht gibt es bald endlich wieder Politiker, die für das stehen, was sie auch vertreten, ohne nur herumzulawieren.
Und damit meine ich nur, dass ich mir mal wieder Politiker wünsche, die für etwas einstehen, und nicht nur zum Machterhalt auf Kommando eines Konzernes eine andere Linie einschlagen, wie die FDP es tut, die CDU fst genau so, und die CSU am rechten Rand es tut...