Telefonkabel Telekom HVT - welches Teil ist das?

speedy2022

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Hallo,

im YouTube-Channel der Telekom wurde in einem Video Einblick in den Hauptverteiler gegeben.

Kennt jemand was gegenüber des HVT (rechts auf dem Bild) für eine Einrichtung steht?
Würde mich sehr interessieren:-)
 

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Hallo,
vielleicht habe ich mich falsch ausgedrückt. Ich weiß was ein HVT ist. Zu sehen ist dieser links im Bild.
Mich würde aber technisch interessieren was die Einrichtung gegenüber davon ist, also rechts im Bild. Hat das was mit Datenleitungen vielleicht zu tun?
 
Zuletzt bearbeitet:
speedy2022 schrieb:
Mich würde aber technisch interessieren was die Einrichtung gegenüber davon ist, also rechts im Bild. Hat das was mit Datenleitungen vielleicht zu tun?
Das kenn ich von uralten, noch kupferbasierten Fernkabeln. Also Kabeln zur Verbindung von Vermittlungsstellen. Schon seeehr lange außer Betrieb.

HVts als Verteiler wirds mMn noch ne Weile geben. Da läuft ja doch noch der eine oder andere Anschluss drüber oder Vodafone/QSC-TAL-Leitungen. Vermittlungsstellen als Gebäude ebenfalls, die neue FTTH-Technik wird ja auch dort aufgebaut.
 
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rezzler schrieb:
Das kenn ich von uralten, noch kupferbasierten Fernkabeln.
Kommt mir auch bekannt vor. Was es darstellt[e] will mein Gedächtnis aber ums Verrecken nicht raus rücken. Pupin Spulen?
 
Richtig, hierbei handelt es sich um Pupinspulen. Hier haben wir mal eine.

https://www.picflash.org/picture.php?key=4U3AL0&action=show
https://www.picflash.org/picture.php?key=RM88CB&action=show

Die Lötanschlüsse sind in dem Gestell vorne zu sehen, wodurch die Spulen dann beschaltet werden konnten, je nachdem welche Variante (siehe Schaltplan auf der Spule) man brauchte. Da die Pupinspule alle höherfrequenten Signale ausfiltert, ist die Technik nur für Analogtelefonie und andere extrem niederfrequente Signale geeignet und so praktisch heute nutzlos. Ich benutze die Pupinspule heutzutage noch für einen anderen Zweck, weswegen ich diese zweite Spule hier noch als Reserve herumliegen habe, sollte die erste wider Erwarten kaputt gehen. Ich habe hier noch einen alten HDW Echotest T2/03 zu Kabelfehlerortung im Einsatz (hier ist gerade einer zu sehen). Diesen habe ich durch eine zusätzliche Vorschaltbox ergänzt, um das Messgerät noch effektiver zu machen.

Durch einen Schalter in der Box kann ich ein paar einfache elektrische Komponenten dazwischenschalten. Durch zwei bipolare Kondensatoren wird zunächst der Echotest von der Kupferader elektrisch getrennt. Parallel zu den Kondensatoren (auf der Kabelseite) befindet sich dann diese Pupinspule, die quasi jedes höherfrequente Signal sofort schluckt, aber elektrisch durchgängig ist. Nach der Pupinspule befindet sich dann ein Taster und dahinter ein alter (und damit meine ich wirklich einen so alten, dass noch Post draufsteht, denn die halten mehr aus als die neuen) ISDN-NTBA, wobei ich hier den S0-Bus abgreife (40V).

Ich kann so quasi die normale Impulsspannung des Echotest (die mit 40V auch höher ist als die aller moderneren TDR) abschalten und von Hand eine entgegengesetzt gepolte Spannung von 40V auf die Ader legen. So findet man im Gegensatz zu allen modernen TDR sofort und eindeutig viele Kabelabsüffe, weil man eigentlich nur die Stelle suchen muss, die sich beim anlegen der Spannung verändert.
 
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thom53281 schrieb:
Richtig, hierbei handelt es sich um Pupinspulen. Hier haben wir mal eine.

https://www.picflash.org/picture.php?key=4U3AL0&action=show
https://www.picflash.org/picture.php?key=RM88CB&action=show

Die Lötanschlüsse sind in dem Gestell vorne zu sehen, wodurch die Spulen dann beschaltet werden konnten, je nachdem welche Variante (siehe Schaltplan auf der Spule) man brauchte. Da die Pupinspule alle höherfrequenten Signale ausfiltert, ist die Technik nur für Analogtelefonie und andere extrem niederfrequente Signale geeignet und so praktisch heute nutzlos. Ich benutze die Pupinspule heutzutage noch für einen anderen Zweck, weswegen ich diese zweite Spule hier noch als Reserve herumliegen habe, sollte die erste wider Erwarten kaputt gehen. Ich habe hier noch einen alten HDW Echotest T2/03 zu Kabelfehlerortung im Einsatz (hier ist gerade einer zu sehen). Diesen habe ich durch eine zusätzliche Vorschaltbox ergänzt, um das Messgerät noch effektiver zu machen.
Vielen Dank für die tolle Erklärung!

Spannend, dass diese Technik wohl noch bis heute nicht in den Betriebsstellen der Telekom zurückgebaut wurde.
Das Video zeigt übrigens „meinen HVT“, ich hänge dort aber inzwischen per FTTH dran. Da braucht es diese Spulen ganz sicher nicht ;-)
 
speedy2022 schrieb:
Spannend, dass diese Technik wohl noch bis heute nicht in den Betriebsstellen der Telekom zurückgebaut wurde.
Platz- und Kostengründe.
Würde der Platz für was anderes gebraucht, hätte man die Kosten für den Rückbau schon lange locker gemacht.

Ist jetzt aber auch nicht so, dass das in jedem HVt so aussieht.
Werde da mal drauf achten, aber kann mich nicht erinnern sowas schon mal bei uns in den HVts gesehen zu haben.
 
Hier gibts übrigens das Video, ab 09:30 sieht man welche Dimension diese Technik hatte.

 
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Wenn Du auf die größe des HVt auch abzielst: Die vorderen braunen Streifen sind noch Trennleiste 55 und brauchen daher nochmal deutlich mehr Platz als die später weiter vorne verbaute Trennleiste 71 mit LSA-Technik.

blastinMot schrieb:
Ist jetzt aber auch nicht so, dass das in jedem HVt so aussieht.
Werde da mal drauf achten, aber kann mich nicht erinnern sowas schon mal bei uns in den HVts gesehen zu haben.
In den meisten VSt wurde diese Technik bereits abgebaut oder war nie vorhanden. Einige VSt wurden erst errichtet, als diese Technik schon gar nicht mehr Stand der Dinge war. Schließlich wurde schon 1981 schön langsam EWSD aufgebaut, das zwar auch noch über Kupfer-Fernkabel lief, aber dann eben schon mit HDB3 und entsprechenden Zwischenregeneratoren.

Da wurden dann zum Teil auch VSt aufgegeben, umgebaut, etc., als die DIV kam. Brauchte ja alles viel weniger Platz als die alte analoge Technik und hatte auch eine höhere Reichweite.

Wobei Dir die Gestelle vielleicht in der einen oder anderen VSt auch einfach nicht aufgefallen sind. So viele Pupinspulen dürfte eine normale Vermittlungsstelle eher nicht gebraucht haben, also wird das wohl eher eine KVSt sein, oder zumindest eine eher zentral gelegene.
 
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thom53281 schrieb:
Wobei Dir die Gestelle vielleicht in der einen oder anderen VSt auch einfach nicht aufgefallen sind. So viele Pupinspulen dürfte eine normale Vermittlungsstelle eher nicht gebraucht haben, also wird das wohl eher eine KVSt sein, oder zumindest eine eher zentral gelegene.
Nicht wirklich. Diese steht, zusammen mit einer weiteren, in einem Ortsnetz mit ca. 25.000 Einwohnern. Die (ehem.) zuständige KVst. steht in Heilbronn. Somit war hier ziemlich sicher nur Ortsvermittlung.

Aber vielleicht liefen tatsächlich Fernleitungen hier vorbei die dann auf die Pupin-Spulen geschaltet waren.

Das Gebäude steht in meiner Nachbarschaft, im Verhältnis zu anderen VSt. sogar eher recht klein. Aber schon von außen zu erkennen: Schätzungsweise gebaut in den frühen 60er Jahren.
 
speedy2022 schrieb:
Aber vielleicht liefen tatsächlich Fernleitungen hier vorbei die dann auf die Pupin-Spulen geschaltet waren.
Fernkabel gibt/gab es ja auch zwischen Orstnetzen, so dass Verbindungen zwischen den Ortsnetzen nicht über KVSt liefen.
 
"Damals" irgend ein IT-Standort in der Nähe? Militärstützpunkt? Bundesbehörde?
Die hatten teilweise eine respektable Menge an Standleitungen.
 
Standleitungen dürften aber erst lange nach dieser Technik gekommen sein. ;)

Allerdings hatten die in der Tat sehr viele analoge Anschlüsse in den Anfangszeiten vor ISDN und Primärmultiplexanschlüssen. Daher waren dort oft Wählsternschalter oder später AslMx im Einsatz, zumindest wenn irgendwelche Kabelstrecken zu klein wurden.
 
Oh, sehr interessant!

Ich interessiere mich auch für alte Telekommunikations Technik besonders von der Bundespost Telekom und die technische Entwicklung danach.

Gibt eigentlich Seiten wo solche Dinge ausführlich beschrieben sind, oder auch Videos dazu?

Wo man auch Mal unbekanntere Themen wie z.B. BIGFON, ATM oder so nachlesen kann. Wikipedia ist da mit Infos ziemlich dürftig.


Wäre ggf. auch Mal was für einen Retro-Artikel 👍
 
thom53281 schrieb:
Standleitungen dürften aber erst lange nach dieser Technik gekommen sein.
?????
Standleitungen gab es in den 60ern bereits.
 
polyphase schrieb:
Ich interessiere mich auch für alte Telekommunikations Technik besonders von der Bundespost Telekom und die technische Entwicklung danach.

Gibt eigentlich Seiten wo solche Dinge ausführlich beschrieben sind, oder auch Videos dazu?
Vielleicht findest du hier Dinge, die dich interessieren: https://www.fernmeldelehrling.de/

In der Rubrik Lernmittel gibt es viele alte Bücher und Infos.
 
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