Warum kann man nicht einfach so sein eigener Provider werden?

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Mickey Cohen

Gast
hallo,

warum braucht man unbedingt einen ISP, wenn man ins internet will? das internet als solches ist doch ziemlich dezentral organisiert. ich könnte doch einfach meine leitung bei der telekom mieten und die öffentlichen DNS server von google verwenden.
ich weiss, dass das nicht geht, aber warum?

danke euch
 
Naja, irgendwer muss schon noch das Routing übernehmen. Du kannst ja die Google-DNS Server verwenden, da hält dich keiner von ab. Aber irgendwer muss dir halt eine IP geben und deine Daten durchreichen. Da das keiner kostenlos macht -> ISP.
 
"ich könnte doch einfach meine leitung bei der telekom mieten und die öffentlichen DNS server von google verwenden"

*amkopfkratz*

das machen mehrere tausend leute so... ein internet-abo bei der telekom abschliessen und den dns-server (8.8.8.8 und 8.8.4.4) von google eintragen.

*nochmalamkopfkratz*

oder du mietest dir ein internetknotenpunkt, kaufst die nötigen gerätschaften und hast dein eigener internetzugang... minus ein paar tausend euro pro monat.
 
Mickey Cohen schrieb:
warum braucht man unbedingt einen ISP, wenn man ins internet will? ich könnte doch einfach meine leitung bei der telekom mieten

Tust du doch indem du einen Vertrag über DSL abschließt.
Was hätte es überhaupt für einen Sinn sich selber einen Internetzugang anzubieten, so als Provider?
 
Wenn du selbst im Internet vertreten sein möchtest, baust du dir dein eigenes AS auf und beantragst bei der Ripe eine ASN. Zusätzlich benötigst du einen IP-Adressbereich den du dir zuteilen lassen musst. Um dann die Verbindung zu anderen ASNen herstellen zu können, musst du dich mit einem Internetknoten Peeren oder bei einem großen Transit einkaufen.
Ob du dann netznahe Funktionen wie z.B. eine DNS Infrastruktur / RADIUS noch hinzufügst bleibt dir überlassen ;-)
 
DocWindows schrieb:
Tust du doch indem du einen Vertrag über DSL abschließt.
Was hätte es überhaupt für einen Sinn sich selber einen Internetzugang anzubieten, so als Provider?

die frage war nur interesse halber ;)
naja ich mein keinen DSL vertrag über die telekom, sondern die infrastruktur. machen ja die ganzen anderen provider auch (abgesehen von denen, die übers tv-kabel laufen). o2 zum beispiel mietet ja auch die anshclussdose, das kabel und die grauen kästen auf der strasse von der telekom. trotzdem ist die telekom nicht mein ISP, sondenr in dem fall halt dann beispielsweise o2.

also so wie ich das bisher verstanden habe, scheiterts am routing?
 
Dann sage ich mal dass dich rein hypothetisch nichts davon abhält dein eigener Provider zu sein. Du musst dir halt die nötige Infrastruktur aufbauen und dich an einem CIX anmelden.

PhilAd hat ja schon gesagt was man braucht. Wenn du dich in den CIX eingestöpselt hast, wird dein gekauftes Subnetz über dein Kabel geroutet und du kannst es dann bei dir intern weiterrouten.

Den ganzen Regulierungsbehörden-Papierkram lassen wir dabei mal außen vor :D
 
wenn ich eure schilderungen also so weiterführe: wenn jetz jemand auf die idee kommt, diesen DE-CIX knoten zu zerstören, würde das ja heissen kein internet in deutschland über monate? das kann doch nicht sein, dass das nicht irgendwie redundant ist?
 
Das ist ein Knoten. zwar der Größte, aber eben nur einer. Das Internet ist dezentral organisiert und würde so einen Ausfall auch verkraften. Mit (großen) Einschränkungen vielleicht, in DE, aber es würde nicht ausfallen.

Davon ab wird der Knoten selber redundant sein.

Ansonsten, die Frage mutet sich komisch an. Du fragst ja auch nicht, warum kann ich nicht meine eigene Krankenversicherung werden?

Die Masse macht es. Damit Du ein Provider sein kannst, musst Du Investitionen tätigen, die sich nicht mal Ansatzweise lohnen würden, fpr Dich alleine.

Auch wenn die Provider die letzte Meile der Telekom nutzen, so haben sie dennoch ihre eigenen Netze und Hardware usw.
 
Mickey Cohen schrieb:
wenn ich eure schilderungen also so weiterführe: wenn jetz jemand auf die idee kommt, diesen DE-CIX knoten zu zerstören, würde das ja heissen kein internet in deutschland über monate? das kann doch nicht sein, dass das nicht irgendwie redundant ist?

Das Internet besteht aus vielen autonomen Systemen die über BGP miteinander sprechen. Die Netze addressiert man mittels ASN.
Verbunden sind die Netze auf verschiedene Art und Weise die mit Verträgen aufgesetzt und ausgehandelt sind und in BGP Policys umgesetzt werden.

- Transit: Kleiner Netzbetreiber kauft sich bei großem Netzbetreiber an
- Peering: Gleichwertige Geschäftspartner die nichts zahlen (Üblich bei Tier-1 Carrier wie AT&T/DTAG/...)
- Peering an freien Internetknoten: ECIX / DECIX / ...

Das Internet ist nicht 'kaputt' nur weil ein Knoten ausfällt. Der DECIX ist der größte Knoten Europas. Die Telekom ist z.B. vollkommen unabhängig vom DECIX, auch wenn sie mitlerweile kleine Leitungen (n x 10G) dort angeschaltet hat.
Viele Wege führen nach Rom, aber jeder Betreiber versucht natürlich kostenoptimiert zu routen. Sollte eine Route ausfallen, wird eine andere gewählt. Es ist mutig sich nur an einem AS anzubinden. Allerdings kann es natürlich sein, dass ein Link dann maßlos überfordert ist, wenn ein anderer ausfällt

Wenn man z.B. Transit bei zwei anderen Betreibern einkauft, um sicher zu sein nicht von der Außenwelt abgeschnitten zu sein, wenn es mal bei einem Probleme gibt, liegt die maximale Auslastung für einen Link bei 50%. Alles andere wäre bereits Überprovisionierung. Kein vernünftiger Anbieter sollte aus dem 'Internet' verschwinden, nur weil mal ein Link ausfällt.
Für einen Anbieter wäre es z.B. katastrophal wenn er im Falle von DNS seinen PNS und SNS in einem AS stehen hat. Ist das eigene AS aus irgendeinem Grund wie z.B. Fehlkonfiguration einige Zeit nicht erreichbar, fallen weltweit die Domains der Kunden aus.

Fällt der DECIX aus, wird es sicher kleinere ASen geben, die nicht erriechbar sein werden. Die meisten werden weiterhin erreichbar sein, allerdings wird alles 'langsamer' laufen, da mit Sicherheit viele mit erheblicher Überprovisionierung ihre Netze geplant haben und andere Links total überfordert sein werden. Möglicherweise werden sie sogar gedrosselt, weil ihm die anderen Transit Links einfach zu teuer sind und man Geld sparen möchte.

Als Telekomkunde brauchst du dir jedenfalls keine Sorgen zu machen, wenn der DECIX ausfällt ;-) Lediglich darum, ob du andere Ziele im Internet erreichst die hauptsächlich über den DECIX angebunden sind.


Möchtest du wirklich autark im Internet vertreten sein. Benötigst du wie gesagt eine ASN, ein IPv4/v6-Adressnetzbereich, einen BGP fähigen Router als PE/LER (kleiner Anfang wäre ein Cisco ASR1k) und natürlich eine physikalische Leitung zu einem Internetknoten mit dem du Peering betreibst oder wo du dir Transit einkaufst.

Mal abgesehen davon, dass man nicht mal eben an IP-Adressen und eine ASN kommt, benötigst du ein kleines Vermögen, um die physikalische Grundlage zu schaffen.

Solch ein Netz (Backbone) inkl. netznaher Funktionen (AAA/DNS/Billing/...) hat jeder ISP, auch wenn er mittels Wholesale die physikalische Infrastruktur zum Kunden einkauft.
 
Um den Transit fall von PhilAd für deinen Fall noch bissel zu konkretisieren. Legst du dir samt Technik von dir bis zur nächsten Glasfaser Leitung eines Carrier eine eigene Glasfaser Strecke und schließt eine Netzkoppelung ab.

So tief wie wohl PhilAd stecke ich nicht drin. Daher die Frage mal. Würde eine AS, BGB fähige Glasfaser Strecke von einem Carrier nicht ausreichen?
 
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