Welches sind objektive Merkmale für politisch Links/Rechts?

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Fu Manchu

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Woran kann man eine linke oder rechte Meinung bzw. Einstellung festmachen?

Gibt es objektive Merkmale die eine Person eindeutig als rechts/links beschreiben? Welche? Von der Kleidung oder anderen Äußerlichkeiten mal abgesehen. Es soll hier mal nur um Ziele, Wege und Mittel gehen. Nehmen wir jeweils eine Person im Business-Anzug/Kostüm an ;).

In welchen Punkten unterscheiden sich rechts und links deutlich? Gibt es auch Gemeinsamkeiten bzw. gleiche Ziele?

Und bitte keine Diskussion darüber welche Seite besser ist oder in der Vergangenheit schlimmer war
 
Nun eine schwere Frage. Im Grunde gibt es da keine Definitionen.

Wenn ich Begriffe wie "Links" und "Rechts" benutzte, dann bin ich mir darüber im Klaren, dass dies nur eine starke Vereinfachung und um Grunde auch eine Pauschalisierung ist.

Für mich Grenzen sich "Rechte" dadurch von anderen ab, dass sie meinen, dass bestimmte Menschengruppen nur auf Grunde gewisser Äußerlichkeiten oder Herkunft "minderwertig" sind.

"Linke" sind für mich alle die einer mehr oder weniger sozialistischen Einstellung anhängig sind. Wobei hier die Grenzen zwischen Sozialismus und "Sozial" auch leider immer mehr verschwimmen.
 
Nimmt man die klassischen politischen Grundströmungen als Orientierungshilfe, so unterscheidet man bekanntlich zwischen dem Konservatismus, dem Liberalismus und dem Sozialismus. Wenn ich das rückwirkend betrachte, zum Beispiel bezogen auf die Weimarer Republik, dann gab es in der „politischen Mitte“ das eher bürgerlich-liberale Lager (damals Zentrum, SPD, DDP), entsprechend rechts davon die Konservativen, als dessen geistiger Vater Edmund Burke angesehen werden kann. Konservative Kräfte wie die DNVP kamen aus verschiedenen Lagern und hatten unterschiedliche Schwerpunkte: manche trauerten dem Kaiserreich nach und lehnten die Demokratie mehr oder weniger ab, einige standen dem Militär nahe. Es war zudem ein Sammelbecken auch für Nationalisten und Antisemiten. Das linke Spektrum wurde vor allem von der USPD ausgefüllt, einer sozialistischen Partei, sowie am Rande von der KPD.

Aus den hier in aller Knappheit skizzierten Strömungen, die sich in der Folgezeit oftmals vermischten (sozial-demokratisch, liberal-demokratisch, sozial-liberal, national-demokratisch usw.) beziehen wir die bis heute verwendeten Einordnungen. Politisch rechts stehen demnach Leute, denen man gemeinhin nachsagt, ihnen sei „Ruhe und Ordnung“ wichtig. Rechte bzw. Konservative betonen häufiger als andere ihren Nationalstolz, sie singen die Hymne mit. Die auffällige Betonung des eigenen Landes führt bei politisch Rechten häufiger zu Problemen mit Ausländern und Migranten. Themen wie Einwanderung und Integration oder das Wahlrecht für Ausländer werden sehr kritisch gesehen. Konservative legen Wert auf Eigentum, das sie verteidigt wissen wollen. Das Militär und der Behördenapparat genießen in ihren Kreisen ein eher höheres Ansehen. Sie sind in der Masse tendenziell obrigkeitshöriger als andere Menschen. Zudem findet man unter den Konservativen viele christliche „Hardliner“, die z. B. darauf Wert legen, dass in den Schulklassen Kreuze hängen.

Die linken politischen Kräfte orientieren sich grundsätzlich eher am sozialistischen Gedankengut. Das Gemeinwohl ist ihnen wichtiger als der Eigennutz. Sie betonen die Bedeutung der Gewerkschaften und des Sozialstaats und stehen den Arbeitnehmern näher als den Arbeitgebern. Linke streben tendenziell den Ausgleich zwischen Armen und Reichen an und nehmen dafür die Vermögenden und die Besserverdienenden in die Pflicht. Der Gedanke der Ausbeutung der Arbeiterklasse ist bei den Linken oft tief verwurzelt. Am äußersten linken Rand stehen die Befürworter des offenen Klassenkampfes und des Kommunismus.

Die politische Überzeugung wirkt sich im Alltag auf die politischen Forderungen aus. Liberale treten für eine Zurückhaltung des Staates in Wirtschaftsfragen ein und betonen die Bedeutung möglichst freier Märkte. Wenn es nach ihnen ginge, würde man z. B. alle Krankenkassen privatisieren. Ein linker Politiker wie Lafontaine verlangt das genaue Gegenteil, nämlich insgesamt mehr Staat. Durch Steuererhöhungen (die mehrheitlich von den einkommensstarken Bevölkerungsgruppen gezahlt werden) sollen soziale Ungerechtigkeiten ausgeglichen werden. Außerdem rufen Linke eher nach nach dem Staat, um regulierend in die Wirtschaft einzugreifen (Konjunkturprogramme, Mindestlöhne). Bei den Konservativen erkenne ich ein überdurchschnittliches Sicherheitsdenken. Das mündet in Forderungen nach härteren Strafgesetzen bzw. nach der härteren Anwendung bestehender Gesetze. Staatliche Maßnahmen wie die Videoüberwachung öffentlicher Räume werden sehr viel eher toleriert bzw. befürwortet als von anderen Gruppierungen.

Nun sind die Themen in der Politik sehr vielfältig. Aber trotzdem erkennt man nicht selten eine Tendenz zwischen Linken und Rechten, etwa beim Thema Energiepolitik, wo die Befürworter der Kernenergie eher aus dem konservativen Lager kommen, die Gegner eher aus dem linken. Wenn es um die Einbindung der Bundeswehr in die NATO geht, ist es ähnlich: Konservative zeigen sich flexibler, wenn es darum geht, deutsche Truppen im Ausland unter NATO-Befehl zu stellen. Viele Linke sehen darin Kriegstreiberei und manche von ihnen würden die NATO am liebsten abschaffen. Man kann sich auch die übrigen Diskussionspunkte hier im Forum ansehen (Verbot von sog. Killerspielen, Bundes-Trojaner, Todesstrafe, Begnadigung, Wehrpflicht). Die Fronten verlaufen überraschend oft mit einer klar erkennbaren Trennlinie.
 
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http://de.wikipedia.org/wiki/Politisches_Spektrum

Ich persönlich halte es für Bedenklich, dass man bei uns so Dinge wie Konzerte "gegen Rechts" veranstaltet. Für mich macht sich die Einordnung von links und rechts vor allem daran fest, ob man mehr auf das Kollektiv (links) oder das Individuum (rechts) setzt. Dass solche Faktoren wie Rassismus oder Antisemitismus damit etwas zu tun haben sollen, das lehne ich absolut ab.

Diese "gegen Rechts" Hexenjagd in Deutschland (und auch in Skandinavien und Frankreich) halte ich für eine Neurose, die mit Selbstherrlichkeit und Ablehnung der eigenen Kultur/Geschichte/Identität zusammenhängt. Ich glaube teilweise sogar dass dies ein allgemeines Problem aller westlichen Staaten ist. Sogar die eigentlich so stolzen USA zeigen deutliche Ansätze einer solchen Entwicklung.

PS: Mensch Daedalus, ich bin geschockt über deine Definition oben. Da hätte ich dir mehr zugetraut. *g*
 
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Natürlich handelt es sich stets um Pauschalierungen und Schubladendenken, wenn man solche Begriffe verwendet. Es ist auch nicht immer das gemeint, was in den Parolen gesagt wird. Ein Schlagwort wie "Rock gegen Rechts" meint nicht die grundsätzliche Ablehnung des konservativen Gedankenguts, sondern sehr konkret eine Kampfansage an Rechtsradikale und Neonazis bzw. Faschisten. Je "linker" die Gesinnung der Protestierer "gegen Rechts" in dem von mir erläuterten Sinne ist, desto wahrscheinlicher mag ein Unbehagen gegen den Konservatismus vorliegen. Aber das sind zwei paar Schuhe.

Bei den Leuten, die sich über "die Linken" beschweren, muss man ebenfalls unterscheiden, ob sie damit den "linken Flügel der SPD" meinen oder z. B. Leute aus der Hausbesetzer-Szene.
 
Sicherlich gibt es objektive Merkmale dafür einen Menschen als eher links / rechts einzuordnen, die Frage ist aber, ob man diese Einordnung pauschal anwenden kann.
Ich selbst bin bsw. für ein härteres Vorgehen gegen gewalttätige Demonstanten, dass mich wohl eher in die Konservative rechte Ecke drängt, auf einer anderen Linie bin ich für vereinfachte Steuergesetze was mehr auf der Wellenlänge der liberalen Kräfte liegt und in sachen G8 lehne ich die Globalisierung ab und dürfte dort eher linken politischen Ansichten näher stehen. Da ich das schon an mir selber sehe, versuche ich es erst gar nicht mehr irgendwen pauschal als links/rechts einzuordnen, sondern nur noch auf das Thema bezogen.
 
@Tiu
Also nur als Anmerkung: Es sind auch genug Neonazis gegen die Globalisierung. Ich glaube nicht, dass es von denen so viele gibt, die dafür sind.

Generell würde ich zu "links" sagen:
Im Zweifel ist jemand der links ist grundsätzlich für die Seite der Arbeitnehmer in einem Land. Weiter ist der politisch Linke eher an Themen wie Umwelt und Soziales interessiert denn an Ökonomie. Wenn man eine Rangliste aufstellen müsste, dann würde Ökonomie nicht auf den ersten beiden Plätzen sich befinden. Weiter würde ich sagen, dass der Linke (sofern er reflektiert ist) einen fast schon grundsätzlich anderen Begriff von Leben hat und wie dieses überhaupt organisiert werden sollte. Wie, ist ein anderes Thema.
Das Problem bei "links" ist aber, dass es grundsätzlich sehr viele Strömungen gibt. Es gibt den Anarchismus, den Sozialismus, den Kommunismus, dann gibts die Betrachtungsweise des Linksintellektualismus usw.. Will heißen, dass die Linke als solche eher gespalten ist als die Rechte.

Zu "rechts" oder besser gesagt "konservativ" würde mir erstmal natürlich das vielleicht pauschale Ergreifen der Partei für Arbeitgeber einfallen. Weiter ist ein Konservativer am Thema Wirtschaft primär interessiert, also eben das Gegenteil zum oben Genannten. Die konservative Seite ist meiner Beobachtung nach aber auch nicht so gespalten wie die Linke. Das würde ich dadurch interpretieren, dass die Konservativen sich einen geringeren Interpretationsspielraum für bestimmte Themen geben, sodass die Entscheidungen in den jeweiligen Themen eher übereinstimmen als bei den Linken.

Naja, es würde einem mit Sicherheit mehr einfallen, aber das ist das was ich spontan zusammenbekomme.
 
th3o schrieb:
...Im Zweifel ist jemand der links ist grundsätzlich für die Seite der Arbeitnehmer in einem Land.....

Auch die rechten sind für die Arbeitnehmer. Die NSDAP in den 20er Jahren die Arbeiterschaft umworben, Arbeit für alle zu beschaffen und die wirtscahftliche und soziale Situation zu verbessern.
Und aktuell treten die rechten Parteien auch für die Arbeitnehmer ein und umwerben sie mit ähnlichen Sprüchen wie die Linken (Arbeitsplätze, Soziales) - aber eben für die deutschen Arbeitnehmer.
 
BessenOlli schrieb:
Mensch Daedalus, ich bin geschockt über deine Definition oben. Da hätte ich dir mehr zugetraut. *g*

Ich meine, daß du Daedalus völlig zu Unrecht kritisierst. Er hat mit seinem Beitrag ganz im Sinne des Threaderstellers seine sachliche Definition geliefert ohne auch nur im Ansatz seine eigene Position in dem Links-Rechts-Spektrum anklingen zu lassen. Gleiches kann man übrigens auch über den Beitrag von Keshkau sagen. Toll, ihr Beiden. Beharken auf Grund unterschiedlicher Positionen und Anschauungen können wir uns in anderen Threads noch zur Genüge.

@Topic
Ich habe schon häufiger überlegt, ob sich das Spannungsfeld zwischen „linker“ und „rechter“ Einstellung auf einen Kernbegriff reduzieren ließe. Und zwar so, daß man davon die unterschiedlichen Anschauungsrichtungen als „natürliche Konsequenz“ ableiten könnte. Und das trotz der äußerst vielfältigen und eigentlich auf den ersten Blick als zusammenhanglos erscheinenden „Gesinnungsfelder“. Ich bringe diese Gedanken ins Spiel, weil auch Keshkau in seinen Überlegungen auf dieses Phänomen (?) stößt und seinen Beitrag mit der Feststellung „Die Fronten verlaufen überraschend oft mit einer klar erkennbaren Trennlinie.“ abschließt.

Aus seiner ausführlichen Darlegung wird deutlich, daß manche Positionen widersprüchlich sowohl der einen als auch der anderen Seite zugeschrieben werden können. Beispiel: Der Ruf nach dem Staat. Aus den von Keshkau angeführten Beispielen kann man erkennen, daß staatliches Eingreifen oder staatliche Präsenz von der jeweiligen Seite immer dann gefordert wird, wenn man der individuellen Regulierungsfähigkeit der Gesellschaft nicht zutraut, aus dem eigenen Blickwinkel „gerecht“ erscheinende Zustände herzustellen. Und trotzdem gibt es allem Anschein nach so etwas wie eine durchgehend erkennbare Trennlinie.

Ich kann jetzt leider nicht von mir behaupten, den casus knacktus gefunden zu haben. Aber wäre eine derart begriffliche „eierlegende Wollmilchsau“ zu finden, ließen sich m.E. viele Dinge leichter zu durchschauen.

Als Fan der deutschen Verfassung bin ich natürlich auf eine „Tretmine“ innerhalb unseres Grundgesetzes gestoßen: Artikel 14 (Eigentum).

Hier noch einmal zu Erinnerung:

(1) Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt.
(2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.
(3) …

Die „Mütter und Väter“ des Grundgesetzes haben hier eigentlich auch schon deutlich gemacht, daß sie auch nicht wußten, wie sie mit dem in dem Privateigentum steckenden Konfliktpotential umgehen sollten. Ich bin inzwischen davon überzeugt, daß die individuelle Einstellung zum Privateigentum in seiner ganzen denkbaren Ausgestaltungsbreite die Triebfeder darstellt, die die Einstellung zu selbst vollkommen unterschiedlichen Gesellschaftsfragen bestimmt und auf diese Weise eine so klar erkennbare Trennlinie erzeugt.
 
Salut,

provokant ausgedrückt, könnte man aus th3os wunderbarer Sozial-Exegese, die bei uns im Betrieb heute in der Mittagspause sehr für Amüsement gesorgt hat, folgende Quintessenz ziehen:

1. Linke sind - sofern reflektiert – gespaltene Sozialschmarotzer, ansonsten Arbeiter mit Interesse an Umwelt, Sozialem und Ökonomie. Fahren einen Uralt-Opel oder -VW, haben eine Vorliebe für selbstgebatikte Secondhand-Kleidung und tragen Palästinarennsandalen, auch zärtlich Birkenstock genannt
2. Rechte sind die Arbeitgeber, die vornehmlich die Linken knechten aber auch damit das Geld erwirtschaften, daß sich die Linken an Themen wie Umwelt und Soziales austoben können. Fahren meist einen Proll-Mercedes oder -BMW, tragen Boss-Imitationen und Gucci-Sandälchen

Wir haben th3os Posting zum Anlaß genommen, damit eine Umfrage unter den heute anwesenden Mitarbeitern zum Thema Links oder Rechts zu machen. Ergebnis:

die Linken in unserem Unternehmen haben nicht verstanden, daß sie obwohl der Arbeiterklasse zugehörig, Linke sind und zumeist Null Interesse an Umwelt, Sozialem und Ökonomie haben,
die Rechten in unserem Unternehmen haben trotz Interesse an Umwelt, Sozialem und Ökonomie nicht verstanden, daß sie Rechte sind und eher dem dunklen Lager zugeordnet gehören,
und keiner, ob Links oder Rechts, vom Azubi bis zum GF, konnte mit dem Begriff - sofern er reflektiert ist – etwas anfangen.

Einig waren sich nur alle in dem Tenor: th3os politische Hermeneutik ist noch ausbaufähig
 
BessenOlli schrieb:
PS: Mensch Daedalus, ich bin geschockt über deine Definition oben. Da hätte ich dir mehr zugetraut. *g*

Ich nehme mal diesen Ausspruch zum Anlass etwas deutlicher zu werden.

Das Problem ist, und darauf wurde ja schon eingegangen, dass diese Begriffe wie "Links" und "Rechts" in unserem Sprachraum völlig anders definiert werden als es z.B. in den USA der Fall ist.

Ist unsere Definition deswegen falsch?

Nein sie ist es nicht, denn jeder Sprachraum definiert die Bedeutung eines Wortes für sich. Zwar gibt es viele Begriffe (wohl die Mehrzahl) die 1:1 übersetzt in anderen Regionen der Welt das selbe Bedeuten wie bei uns, aber es gibt eben auch Begriffe die sich nicht so ohne weiteres 1:1 übersetzen lassen.

Wenn wir einen Sprachwissenschaftler fragen, so wird der sicher Beispiele dafür nennen können, dass ein und das ein Wort im Bayrischen Dialekt eine völlig andere Bedeutung hat als z.B. im plattdeutschen Dialekt.

Um jetzt wieder auf die Begriffe "Rechts" und "Links" zu kommen:

Wenn du lieber Olli jetzt sagst, dass jemand der mehr auf das Individuum setzt rechts sei, dann ist diese Aussage für unseren Sprachraum betrachtet grundlegend falsch. Denn dann wäre ich rechts und das bin ich nun einmal nicht.

Lustiger wird es dann noch, wenn man die Worte "Arbeitgeberfreundlich" und "Rechts" miteinander verbandelt. Hilft natürlich dabei die Feinde alle in einen Sack zu stecken ... :freak:

Man kann jetzt natürlich darauf beharren, dass im politikwissenschaftlichen Sinne die Einordnung Rechts nichts mit einer nationalistischen Einstellung zu tun habe...
Doch dies bringt einen in einer Diskussion unter nicht Politikwissenschaftlern kaum weiter.

Ein Beispiel aus meinem Fachgebiet:

Wir diskutierten viel über das Klima und die "Klimaerwärmung".
Das der Begriff "Klimaerwärmung" an sich völliger Non Sens ist, wurde nie betont (völlig zurecht).
Das Klima kann sich nicht "erwärmen" und es kann auch nicht "wärmer" werden, denn dies ist im Sinne der thermodynamischen Definition des Wortes (und hier geht es um Thermodynamik) nicht möglich.

Dennoch verwenden wir das Wort "Wärme" zur Beschreibung eines Zustandes und jeder, auch mein Thermodynamik Professor macht mit. Denn hier läuft die wissenschaftliche Definition nun einmal der sprachlichen Bedeutung des Wortes entgegen.
 
Fu Manchu schrieb:
Auch die rechten sind für die Arbeitnehmer. Die NSDAP in den 20er Jahren die Arbeiterschaft umworben, Arbeit für alle zu beschaffen und die wirtscahftliche und soziale Situation zu verbessern.
Und aktuell treten die rechten Parteien auch für die Arbeitnehmer ein und umwerben sie mit ähnlichen Sprüchen wie die Linken (Arbeitsplätze, Soziales) - aber eben für die deutschen Arbeitnehmer.

Nicht ganz. Ein tiefgreifender Geschichtsunterricht hätte das vielleicht besser erläutern können. Die NSDAP hat die Arbeitgeber nur umworben, weil sie von ihnen ja gewählt werden wollte und weil sie diese Rasse verbreiten wollte. Es ist wahr das es in dieser Zeit fast keine Arbeitslosigkeit gab, aber auch nur weil man jeden überall reinsteckte, Autobahnen wie verrückt baute und die Rüstung massiv aufgedreht wurde. Zudem wahren viele schlecht bezahlt, aber sie waren erstmal "weg von der Straße", was die Zufriedenheit deutlich steigerte - vorallem im Kontrast der grade zuvor durchschrittenen Weltwirtschaftskrise. Zudem wurden die Gewerkschaften verboten, enteignet und das Streikrecht abgeschafft. Undauch SPD die damals den Arbeitnehmern noch näher stand als heute wurde gleichfalls verboten.
Daran sieht man auch, das es bei extrem Rechts nicht um Individuen geht, sondern immer um das Volk, Reich, Gruppe etc. man beachte nur die ganze gleichschalterei.
Und so ist das heute auch, man geht halt nur zuerst an die Arbeitnehmer ran, weil die viel leichtere Opfer für die Ideologie sind, als Intellektuelle - zumeist Arbeitgeber. Denn unbestritten sind die Parteien dort stark wo es hohe Arbeitslosigkeit gibt. Und dann findet man immer nur Parolen, es geht immer nur um "alle", "alle Ausländer" sind auch immer gleich und die schlimmen, und so zieht es sich durch alle Themen. Allein die ganzen Demos, etliche Skinheads einer wie der andere, ausgedrückt bereits durch die Kleidung. Da sind nur die Denker die Individuen, der Rest ist Marschvolk.
 
RicmanX schrieb:
... Die NSDAP hat die Arbeitgeber nur umworben, weil sie von ihnen ja gewählt werden wollte und weil sie diese Rasse verbreiten wollte. Es ist wahr das es in dieser Zeit fast keine Arbeitslosigkeit gab, aber auch nur weil man jeden überall reinsteckte, Autobahnen wie verrückt baute und die Rüstung massiv aufgedreht wurde. ....

Und die SPD, Grünen, Linke usw. wollen nicht gewählt werden und umwerben die Leute aus anderen Gründen!
Man kann Programme wie Autobahnbau, Rüstung und andere Staatliche Maßnahmen auch unter dem Begriff Keynesianismus zusammenfassen. Das ist eine Maßnahme die beide Seiten aufgegriffen haben, sowlh rechts als auch links.
 
@Julesbärle
Dass meine Hermeneutik ausbaufähig ist habe ich selbst am Ende meines Postings angegeben.
Auf eine inhaltliche Kommentierung deines Beitrags verzichte ich, denn dafür müsste dieser erstmal Inhalt besitzen.
Aber mal abgesehen davon: Gib doch einfach mal selber deine Gedanken zu diesem Thema ab. Das würde mich sogar interessieren.
 
Im Laufe des Tages habe ich mir einige Male Gedanken zur Ausgangsfrage gemacht. Zunächst habe ich überlegt, ob man versuchen sollte, die Einordnung einzelner Personen auf Parteien zu erweitern. Schließlich sind Parteien diejenigen Institutionen, in denen sich politisch Interessierte sammeln, um dann gemeinsame Politik zu machen. In dem Wikipedia-Link von BessenOlli findet man ein viel versprechendes Schema: den Hoefelschen Parteienraum. Anders als die weiter oben im Wiki-Artikel beschriebenen Polarisierungen, z. B. egalitär – elitär oder progressiv – konservativ, kommen hier zwei Dimensionen ins Spiel: einmal die Entscheidungslast, die entweder mehr beim Staat oder mehr beim Individuum liegen kann und dann das Maß der ökonomischen Umverteilung, das stark oder schwach ausgeprägt sein kann.

Ich habe überlegt, ob man eine dritte Dimension einführen sollte, um eine räumliche Darstellung zu erhalten. Ob die beiden bisherigen Dimensionen dann beibehalten oder durch andere ersetzt werden sollten, bedürfte einer gesonderten Überlegung. In diesem dreidimensionalen Raum könnte man die Reichweite der Parteiprogramme quasi als Wolken einfügen. Möglicherweise könnte man die Betonung bestimmter Programmschwerpunkte durch Helligkeitsabstufungen wiedergeben.

Im Ergebnis müsste man erkennen können, dass sich manche Bereiche mehr oder weniger weit und vermutlich sogar mehrfach überschneiden Weil aber die Politik mehrdimensional ist, benötigt man wohl mehr als einen Raum, um Unterschiede oder Gemeinsamkeiten abzubilden.

Bei den einzelnen Parteien ist stets von Bedeutung, welches „Lager“ im Augenblick die Oberhand hat. Eine SPD unter dem Vorsitz von Gerhard Schröder (oder auch Wolfgang Clement) sieht nun einmal anders aus als eine SPD mit Oscar Lafontaine an der Spitze. Das hat die Vergangenheit bereits bewiesen.

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In einem zweiten Anlauf habe ich mir überlegt, dass ich mir jeweils einen Stellvertreter der „Linken“ und „Rechten“ herausgreife und dann schaue, ob sich bestimmte Kriterien finden lassen, die eine Unterscheidung erleichtern. Aber das ist gar nicht so einfach. Mein erster Kandidat ist Friedrich Zimmermann (CSU), der in meinen Augen ein ausgesprochen konservativer Mensch ist. Umso erstaunlicher ist das unten angeführte Interview, in dem er sich fast schon als „linker Umweltschützer“ darzustellen weiß. Denn zu seiner Zeit war die Energiepolitik noch dem Innenministerium zugeordnet.

Friedrich Zimmermann (CSU), Innenminister von 1982-1989 in der Regierung Kohl:

Zitate: http://www.gegenstandpunkt.com/msz/html/84/84_3/zimmer.htm

Interview: http://www.br-online.de/alpha/forum/vor0507/20050718_i.shtml


Als Identifikationsfigur für das eher linke Spektrum habe ich Andrea Nahles (SPD) ausgewählt, Mitglied des Parteivorstands und des Präsidiums.

Zur Person: Nahles steht noch in der Tradition der 68er und dem Anspruch vom „Marsch durch die Institutionen“ (Rudi Dutschke), der seinen Höhepunkt und Abschluss erreichte, als Joschka Fischer und Otto Schily 1998 Bundesminister wurden. Im sog. Frankfurter Kreis schlossen sich die Linken innerhalb der SPD zusammen. Nachfolgeorganisationen waren der Leverkusener Kreis sowie die Parlamentarische Linke, bis schließlich im Jahr 2000 das Forum Demokratische Linke 21 unter dem Vorsitz von Andrea Nahles gegründet wurde. Ihre Kritiker titulieren sie gelegentlich als „Vorzeige-Linke“ innerhalb der SPD-Führung,

Aber auch sie macht es einem nicht leicht. Im ersten Interview verteidigt sie Hartz IV und wettert gegen die Idee des Grundeinkommens. Im zweiten Interview verteidigt sie das Bild des jungen Fidel Castro in ihrem Büro und grenzt sie die SPD von der Linkspartei ab.

http://www.taz.de/pt/2007/03/10/a0154.1/text

http://www.wz-newsline.de/index.php?redid=161208

Somit bleibt die Ausgangsfrage offen: Wann ist man links und wann rechts?
 
Zuletzt bearbeitet:
Fu Manchu schrieb:
Und die SPD, Grünen, Linke usw. wollen nicht gewählt werden und umwerben die Leute aus anderen Gründen!
Man kann Programme wie Autobahnbau, Rüstung und andere Staatliche Maßnahmen auch unter dem Begriff Keynesianismus zusammenfassen. Das ist eine Maßnahme die beide Seiten aufgegriffen haben, sowlh rechts als auch links.

Ich formulier es mal etwas um. Sie haben den ganzen Arbeitgebern, Familienbetrieben, Großgrundbesitzern usw. (Krupp, heutiges Karstadt, ..) viele Versprechungen gemacht bezüglich billigen (Zwangs-) Arbeitern, keine Gewerkschaften u.ä. Schon die Ideologie kommt mehr aus diesen Ecken und wurde von dort mit Parteispenden unterstützt. Von daher ist es schon irgendwie heuchlerisch wenn den Arbeitern noch irgendwelche Versprechungen gemacht werden und ihnen aber zugleich auch noch alle Rechte gestrichen werden. Deshalb würde ich dem nicht zustimmen, dass die NSDAP die kleinen Leute (als erstes) bevorteilen wollte.
 
MacII schrieb:
(2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.
(3) …

Die „Mütter und Väter“ des Grundgesetzes haben hier eigentlich auch schon deutlich gemacht, daß sie auch nicht wußten, wie sie mit dem in dem Privateigentum steckenden Konfliktpotential umgehen sollten.

Wenn ich so über die Herkunft unseres Grundgesetzes nachdenke dann würde ich das eher als einen eindeutigen Hinweis auf den guten alten angelsächsischen Kapitalismus interpretieren.

@Topic
Ich habe schon häufiger überlegt, ob sich das Spannungsfeld zwischen „linker“ und „rechter“ Einstellung auf einen Kernbegriff reduzieren ließe. Und zwar so, daß man davon die unterschiedlichen Anschauungsrichtungen als „natürliche Konsequenz“ ableiten könnte.


Meiner Meinung nach kann man das wie gesagt auf zwei Kernbegriffe reduzieren.


Rechts: Individualismus
- Staat individuell, daher möglichst Unabhängigkeit und Fähigkeit zur Verteidigung
- Wirtschaft individuell, daher nicht mehr Regulation als unbedingt nötig
- Justiz geht eher von der alleinigen Schuld des Individuums aus
- Menschen individuell, daher möglichst viel Freiheit und Eigenverantwortung. Und das Recht auf Selbstverteidigung.


Links: Kollektivismus

- Staat als einer von Vielen, daher eher kompromissbereit auch was Unabhängigkeit angeht
- Wirtschaft eher auf Gemeinnutz ausgerichtet
- Juristisch geht man oft davon aus, die Gesellschaft sei zum. mit schuld
- Menschen einander verpflichtet


Was soll denn dagegen sprechen das so in der Art zu definieren?



@ Daedalus

Ja okay, ich denke natürlich eher weniger an Deutschland bei meiner Definition. Sonst hat man immer die Nazis mit drin und die bringen einen durcheinander. Wer hat überhaupt die Nazis als rechts eingeordnet? Waren die das selbst oder woher kommt das überhaupt? Meiner Meinung nach ist selbst die CDU mehr "rechts" als die Nazis es waren. Ich betrachte die Nazis eher als Linksautoritäre mit extrem nationalistischen, rassistischen, antisemitischen Werten. Dass sie alles andere als Pazifisten waren könnte man so erklären dass sich der Pazifismus der linken Bewegung erst mit den 68ern entwickelt hat... oder so. Kein Plan. Irgendwie sind die Nazis eine seltsame Abart, für die man eine eigene Kategorie schaffen sollte, weil sie irgendwie jedem sinnvollen Konzept widersprechen. :D
 
Zuletzt bearbeitet:
Die Einordnung kommt ja aus ihrem Willen am Erhalt von Traditionen, dem Rollenbild von Mann und Frau, Hierarchie, dem Kaiser(reich) usw. also schon sehr konservative Ansichten.

Ich glaube aber nicht das man Staat und Justiz in diese 2 Ansichten unterteilen kann. Weil bei beiden gilt der Staat als regulierender Faktor und Überwacher, zudem macht er im (bisherigen?) Kommunismus die Wirtschaftspläne. Und die Schuldfrage in der Justiz ist mehr etwas philosphisches oder soziologisches. Eher könnte man untersuchen ob die Gleichheit aller Menschen sich in die Systeme unterteilen ließe? Wenn in früheren Jahrhunderten die Konservativen regierten kam es damit ja nicht sehr weit, dafür haben die Urlinken ihren Klassenkampf. Schwierige Frage.
 
BessenOlli schrieb:
Ja okay, ich denke natürlich eher weniger an Deutschland bei meiner Definition. Sonst hat man immer die Nazis mit drin und die bringen einen durcheinander. Wer hat überhaupt die Nazis als rechts eingeordnet? Waren die das selbst oder woher kommt das überhaupt? Meiner Meinung nach ist selbst die CDU mehr "rechts" als die Nazis es waren. Ich betrachte die Nazis eher als Linksautoritäre mit extrem nationalistischen, rassistischen, antisemitischen Werten. Dass sie alles andere als Pazifisten waren könnte man so erklären dass sich der Pazifismus der linken Bewegung erst mit den 68ern entwickelt hat... oder so. Kein Plan. Irgendwie sind die Nazis eine seltsame Abart, für die man eine eigene Kategorie schaffen sollte, weil sie irgendwie jedem sinnvollen Konzept widersprechen. :D


Im Grunde ist das links - rechts Schema viel zu eindimensional um Sinnvoll zu sein - es ist egal welche Definition man sich ausdenkt, man wird immer Fälle/politische parteien oder Strömungen finden, wo die Definition nicht funktioniert.

Ein Ansatz das ein wenig zu erweitern ist ja der "politische Kompass" der quasi 2 Dimensional funktioniert ( links-rechts rein nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten, eine 2. Dimension für eine gesellschaftpolitische Einordnung

Da findet sich dann auf einmal die FDP rechtsaußen wieder :D

http://www.politicalcompass.org/germany2005

Im Grunde ist aber auch der noch recht inakkurat ( 2 Leute mit unterschiedlichen Ansichten können auch hier durchaus auf den selben Punkt oder zumindest in die Nähe voneinander kommen ) - aber immerhin eine Verbesserung ;)
 
Zuletzt bearbeitet:
@ Ricman

Mit diesem "rechts = konservativ" kann ich mich auch nicht so wirklich anfreunden. Auch wenn es natürlich schon um Welten sinnvoller ist als "rechts = Nazi".
Für mich ist ein Konservativer in dem Sinne aber schon etwas Spezielles, nämlich ein Rechts-Autoritärer. Da ich selbst Rechts-Liberal bin finde ich das natürlich nicht so toll. Ausserdem gibt das "konservativ" der gesamten politischen Richtung einen irgendwie altbackenen Touch.

Ich bin gegen die Kirchensteuer und für eine Legalisierung (und Versteuerung) von Cannabis. Das ist für mich auch gar kein Widerspruch dazu, dass ich Abtreibungen für barbarisch halte und eine Leitkultur im Sinne der westlichen, demokratischen, freiheitlichen, kapitalistischen Zivilisation für unbedingt notwendig halte.
Nach der vorherrschenden Definition in Deutschland ist das allerdings eine völlig absurde Kombination, weil ja Rechte konservativ sind, vielleicht sogar christliche Fanatiker oder gar Neonazis. Und wer Cannabis legalisieren will, der ist automatisch ein Grüner und kann unmöglich den Islam für eine ernsthafte Bedrohung halten.

Das ist mein Eindruck davon, was hier bei uns abläuft. Und ich finde das wirklich bedenklich.
 
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