Im Laufe des Tages habe ich mir einige Male Gedanken zur Ausgangsfrage gemacht. Zunächst habe ich überlegt, ob man versuchen sollte, die Einordnung einzelner Personen auf Parteien zu erweitern. Schließlich sind Parteien diejenigen Institutionen, in denen sich politisch Interessierte sammeln, um dann gemeinsame Politik zu machen. In dem Wikipedia-Link von BessenOlli findet man ein viel versprechendes Schema: den Hoefelschen Parteienraum. Anders als die weiter oben im Wiki-Artikel beschriebenen Polarisierungen, z. B. egalitär – elitär oder progressiv – konservativ, kommen hier zwei Dimensionen ins Spiel: einmal die Entscheidungslast, die entweder mehr beim Staat oder mehr beim Individuum liegen kann und dann das Maß der ökonomischen Umverteilung, das stark oder schwach ausgeprägt sein kann.
Ich habe überlegt, ob man eine dritte Dimension einführen sollte, um eine räumliche Darstellung zu erhalten. Ob die beiden bisherigen Dimensionen dann beibehalten oder durch andere ersetzt werden sollten, bedürfte einer gesonderten Überlegung. In diesem dreidimensionalen Raum könnte man die Reichweite der Parteiprogramme quasi als Wolken einfügen. Möglicherweise könnte man die Betonung bestimmter Programmschwerpunkte durch Helligkeitsabstufungen wiedergeben.
Im Ergebnis müsste man erkennen können, dass sich manche Bereiche mehr oder weniger weit und vermutlich sogar mehrfach überschneiden Weil aber die Politik mehrdimensional ist, benötigt man wohl mehr als einen Raum, um Unterschiede oder Gemeinsamkeiten abzubilden.
Bei den einzelnen Parteien ist stets von Bedeutung, welches „Lager“ im Augenblick die Oberhand hat. Eine SPD unter dem Vorsitz von Gerhard Schröder (oder auch Wolfgang Clement) sieht nun einmal anders aus als eine SPD mit Oscar Lafontaine an der Spitze. Das hat die Vergangenheit bereits bewiesen.
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In einem zweiten Anlauf habe ich mir überlegt, dass ich mir jeweils einen Stellvertreter der „Linken“ und „Rechten“ herausgreife und dann schaue, ob sich bestimmte Kriterien finden lassen, die eine Unterscheidung erleichtern. Aber das ist gar nicht so einfach. Mein erster Kandidat ist Friedrich Zimmermann (CSU), der in meinen Augen ein ausgesprochen konservativer Mensch ist. Umso erstaunlicher ist das unten angeführte Interview, in dem er sich fast schon als „linker Umweltschützer“ darzustellen weiß. Denn zu seiner Zeit war die Energiepolitik noch dem Innenministerium zugeordnet.
Friedrich Zimmermann (CSU), Innenminister von 1982-1989 in der Regierung Kohl:
Zitate:
http://www.gegenstandpunkt.com/msz/html/84/84_3/zimmer.htm
Interview:
http://www.br-online.de/alpha/forum/vor0507/20050718_i.shtml
Als Identifikationsfigur für das eher linke Spektrum habe ich Andrea Nahles (SPD) ausgewählt, Mitglied des Parteivorstands und des Präsidiums.
Zur Person: Nahles steht noch in der Tradition der 68er und dem Anspruch vom „Marsch durch die Institutionen“ (Rudi Dutschke), der seinen Höhepunkt und Abschluss erreichte, als Joschka Fischer und Otto Schily 1998 Bundesminister wurden. Im sog. Frankfurter Kreis schlossen sich die Linken innerhalb der SPD zusammen. Nachfolgeorganisationen waren der Leverkusener Kreis sowie die Parlamentarische Linke, bis schließlich im Jahr 2000 das Forum Demokratische Linke 21 unter dem Vorsitz von Andrea Nahles gegründet wurde. Ihre Kritiker titulieren sie gelegentlich als „Vorzeige-Linke“ innerhalb der SPD-Führung,
Aber auch sie macht es einem nicht leicht. Im ersten Interview verteidigt sie Hartz IV und wettert gegen die Idee des Grundeinkommens. Im zweiten Interview verteidigt sie das Bild des jungen Fidel Castro in ihrem Büro und grenzt sie die SPD von der Linkspartei ab.
http://www.taz.de/pt/2007/03/10/a0154.1/text
http://www.wz-newsline.de/index.php?redid=161208
Somit bleibt die Ausgangsfrage offen: Wann ist man links und wann rechts?