@mustis
Rutkowska ist natürlich ein Profi. Wie alle Sicherheitskritiker legt sie aber ihre Methoden offen und im Falle des Kernelzugriffs betont sie in ihrem Blog, dass sie keine Sicherheitslücke ausgenutzt habe, sondern sie "by design" Zugriff auf den Kernel erlangte. Das auch noch im doch laut Microsoft unknackbaren 64-Bit Vista. Weiter geht sogar der Hacker Alex Ionescu, der behauptet, Patchguard ausgehebelt zu haben. Beweise blieb er bisher schuldig, doch sein Ansatz hat nach Meinung vieler Experten große Erfolgswahrscheinlichkeit.
In Rutkowskas
Blog kann man das alles nachlesen und staunt, wie tief Sicherheitsexperten bereits die Sicherheitsfunktionen Vistas durchleuchtet haben und sie in weiten Teilen auch geknackt haben. Der Artikel über UAC etwa beleuchtet anschaulich, dass selbst "jedes Tetris-Programm durch UAC Kerneltreiber installieren darf". Hinzu kommen beinahe groteske Aussagen von renommierten MS-Experten wie Russinovich, der UAC ausdrücklich nicht als Sicherheitsfeature ansieht. In solchen Fällen muss man Zweifel bekommen, wenn selbst die eigenen Mitarbeiter abstreiten, was Microsoft überall behauptet.
Man sollte sich nicht dem Glauben hingeben, dass der Durchschnittshacker Vista knacken kann, aber dort draußen sind eben nicht nur Durchschnittshacker. Wer sein Geld damit verdient, Sicherheitslücken auszunutzen, hat auch das Potential dazu.
Vista ist nicht unangreifbar, sondern man muss den Eindruck bekommen, dass der Unterbau nach wie vor genau so verletzlich ist wie unter XP auch. Die Sicherheitslücke der Cursor-Dateien hat das gezeigt. Denn wie kann es sein, dass ein nach Microsoft vollkommen neu entwickeltes Betriebssystem dieselbe Lücke aufweist wie Windows XP?
Die Lücke war mindestens vier Monate bekannt. Das ist keine Mär, sondern durch den Entdecker der Lücke bewiesen. Hier kommt dann das Problem hinzu, dass Microsoft das immer wieder kritisierte "security by obscurity" beherzigt. Die Meinung, man könne Sicherheitslücken totschweigen und Schnittstellen geheim halten, führt dazu, dass in dubiosen Kreisen Sicherheitslücken gegen Geld gehandelt werden und die Anwender nicht einmal wissen, dass es diese Lücken gibt.
Wer weiß, wie groß die Zahl derer ist, die durch die Cursor-Lücke Schaden erlitten, weil Microsoft monatelang mit einem Patch wartete?
Es geht nicht darum, dass Vista schlecht sei oder XP so viel besser. Es geht darum, dass Microsoft den Anwendern ein völlig neues Sicherheitskonzept versprochen hat und nun deutlich wird, dass ein XP mit eingeschränktem Benutzerkonto und ein Vista mit UAC im Grunde nicht viel trennen. Wenn der Unterbau in weiten Teilen gleich ist, ist nachvollziehbar, warum so viele Sicherheitslücken sowohl unter XP als auch unter Vista funktionieren.
Solche Dinge kann man kontrovers diskutieren, aber wenn einem Lügen unterstellt werden, wenn man diese Dinge ausspricht, ist das pure Ignoranz.