Ich möchte aus einer Ecke berichten, was europäisch, asiatisch und orientalisch zugleich ist.
Hierbei werde ich politische Sachen weglassen. Gemeint ist die Türkei.
Den "Westen" unterteile ich in Deutschland, Westeuropa und USA.
Fangen wir einmal mit Deutschland an.
Die Türken in der Türkei schätzen Deutsche sehr. Weil Deutschland Qualität bedeutet und die Türkei ließ sehr vieles aus Deutschland importieren das letzte Jahrhundert. Auf "Deutsche" kann man sich verlassen, so heißt es.
Die wenigsten Türken in der Türkei haben jemals mit Deutschen Kontakt gehabt (abgesehen von den Touristengebieten am Mittelmeer), d.h. über das Deutsche Volk hat man praktisch keine Meinung.
Aber anhand einer Banalität kann ich was sagen. Sehr viele Fußballfanatiker, die ich kenne, fiebern immer mit den Deutschen meistens mit. Niemals mit Frankreich, Italien oder Holland. Das darf man nicht unterschätzen und nur als "Fußball" abstempeln, da dort Fußball eine sehr große Freizeitaktivität für Männer ist (überall haben Kunstrasenplätze bis nach Mitternacht offen, weil immer Nachfrage da ist).
Ein weiterer Punkt ist, dass in Deutschland oder allgemein in Westeuropa Ordnung herrscht. Ordnung auf allen Ebenen. Hinter allem steckt ein System und Struktur und alle halten sich an die Regeln. Das schätzen die Türken am meisten über Europäer. Der Verstand ist im Vordergrund, was in der Türkei des Öfteren nicht der Fall ist. In der Türkei versucht sich jeder irgendwie "durchzumogeln", halt Dinge mit Connections und auf die alte gute Tour "passiert schon nix" hinzukriegen.
Ansonsten was ganz wichtiges. Fast jeder Türke, der hiermal zu Besuch war, hat folgendes festgestellt und das ist wirklich auch der Fall. Kann ich auch bestätigen. Deutschland -> tote Hose.
Was heißt das? Die Leute wundern sich immer wieder, wie öde und tot das Leben hier doch ist. Wer einmal in der Türkei war, wird das verstehen können. Dort findet das Leben an sich nur draußen statt. Ob im Dorf oder in der Stadt. Wer in asiatischen Ländern unterwegs war, wird das wahrscheinlich auch festgestellt haben. Die Kultur an sich ist anders, wenn es um das Sozialleben geht. Wer ein einziges Mal in Istanbul war, der wird das begreifen können. Das hat nicht damit zu tun, dass Istanbul an sich zig Millionen Einwohner hat. Paris hat das auch. Nur, trotzdem nach 18-20 Uhr ist in Europa alles dicht und die Straßen leer. Dort fängt das Leben erst um die Uhrzeit an.
In Europa scheint ja jeder von morgens bis nachmittags auf der Arbeit/Schule zu sein. D.h. die meisten befinden sich zwischen 4 Wänden. Und abends/nachts genau so. D.h. 18-24 Stunden pro Tag sind die meisten zwischen 4 Wänden.
Was denken die Türken über die Westeuropäer? Politisch gesehen vieles, ansonsten gar nichts. Z.B. Belgien oder Spanien interessiert die wenigsten Türken. Geschichtlich gesehen haben wir mit den Deutschen vieles gemeinsam, also einen Draht, das ist bemerkbar, aber nicht besonders stark. Denn das hat einen einfachen Grund: Deutschland hat keine kulturulle Macht.
Mit dieser Bemerkung komme ich nun zu USA. Die Sache mit Deutschland ist, dass Deutschland auf allen Ebenen (Wissenschaft, Sport, Kunst, etc.) mit jedem mithalten kann. Bis auf die kulturelle Dominanz, da ist Deutschland Schulusslicht. Denn zum Beispiel hat Frankreich die Türkei kulturell sehr beeinflusst. Ich müsste einen Vortrag halten, wie weit das geht, aber das ist nicht der Punkt. Die heutige türkische Kultur ist von dem Orient beeinflusst, von unseren Zentralasiatischen Wurzeln, von Frankreich aber viel mehr von den Amerikanern. Youtube, Facebook, Twitter, Smartphones, Musik, Filme und co. alles aus Amerika. Kleidung, Lifestyle, Frisuren alles aus Amerika. Wie auch in Deutschland, die Jugendlichen bis jungen Erwachsenen sind dominiert von der Kultur. So wie ihr Deutsche nicht einen einzigen Schubert Lied kennt, so kennt der Türke keinen einzigen Dede Efendi Lied. Die eigene Hochkultur, und da kann die türkische Hochkultur auf vielen Ebenen international gesehen mithalten, ist praktisch tot. So wie Deutschland keinen Mozart, Bach oder Furtwängler mehr hervorbringen kann, weil diese Kultur tot ist, das gleiche ist auch in der Türkei passiert. Leider. Und obwohl politisch gesehen jeder Türke die Amerikaner nicht mag (also nicht das Volk an sich, sondern als Land), trotzdem haben die Amerikaner so viel Einfluss, dass die Leute freiwillig nach deren Kultur leben. Klar, jeder hat die freie Wahl, nur eine Imitation bleibt eben eine Imitation. Die kulturelle Hegemonie der Amerikaner lähmt alle anderen Kulturen und die Leute lassen das zu. In Deutschland ist das noch mehr ausgeprägt als in der Türkei. Zumindest, wenn im Fernsehen wieder einmal DSDS läuft (die türk. Version), da singt man nur auf Türkisch (obwohl die billigen Balladen, die sie singen, alle ursprünglich aus USA sind, also die Musikbasis). In Deutschland dagegen singt man nur noch auf Englisch. Das muss man erst einmal begreifen, das merkt ihr gar nicht einmal, da ihr selbst dadrin steckt. Ihr habt keinen Plan von eurer eigenen Kultur, so wie viele Nationen. Und das ist der Grund, warum Deutschland kein "Big Player" ist. USA dominiert kulturell die ganze Welt. Russland dominiert kulturell Osteuropa bis komplett Zentralasien. China dominiert kulturell seine eigene Region. Deutschland? Ich kenne viele Ausländern, die über Frankreich, Spanien oder Italien etwas sagen können. Auch wenn das Klischees sind, in Bezug auf die Kultur kann jeder was dazu sagen. Nicht wenn es um Deutschland geht. Ich drifte vom Thema ab. Naja, was ich sagen wollte, sollte klar sein.
Noch was persönliches von mir. Ich habe mit vielen Studenten aus aller Welt Kontakt (Sprachaustausch), von Brasilien, Chile bis hinzu Korea oder Indien. Und alle, fast ausschließlich alle, die Deutsch lernen (wollen), tun es, weil sie einmal in Deutschland leben wollen. Weil sie Deutschland mit der eierlegenden Wollmilchsau gleichstellen. Alle denken tatsächlich, dass Deutschland DIE Zukunft unter allen anderen Ländern hat, also wirtschaftlich gesehen.
PS: Ich habe zu vielen Kulturen Kontakt gehabt und über unseren deutschen Einwohnern kann ich nur eine Sache definitiv sagen, dass Deutsche vor allem sehr kalt sind. Also zwischenmenschliche Beziehungen sind hiermit gemeint.
Deutsche sind eher berechnend, distanziert und kalt. Das fängt bei Liebesbeziehungen an und hört bei dem Hausmeister auf. Nach meiner Erfahrung nach natürlich.