Betriebsklima ist bei größeren Konzernen ein Rauschen. Da kann ein Team/Projekt/Zweig sich völlig von einem anderen unterscheiden.
Ich war schon in einem Team mit einem größeren Projekt, in dem das Team wirklich eine gute Chemie hatte. Es gab immer mal wieder Ausreißer, aber das Regelt sich. Man hatte ein ähnliches Mindset, wie ein Problem angegangen werden sollte, konnte sich gut aufteilen und gelegentlich ist man Abends mal Essen gegangen. Jeder hat so seine eigenen Kanten zum Gesamtbild beigetragen.
Im Projektumfeld gab es andere Teams mit anderen Mindsets. Einige waren kompatibel, kooperativ oder haben in Symbiose funktioniert, andere waren eher auf Kontaktvermeidung aus, während man sich persönlich gelegentlich mal austauschte. Insgesamt war auch die Administration ganz okay, auch wenn immer der Eindruck bestand, dass manche Leute eine Agenda verfolgten, die auf kurzfristige Erfolge getrimmt war, so dass die Probleme durch z.B. technische Schulden erst später auftreten würden, wenn man selbst schon längst das nächste Projekt "zum Erfolg führt".
Ich habe auch schon recht distanzierte Teams erlebt. Das war eine etwas kuriose Erfahrung, könnte aber auch am höheren Altersschnitt und Familienstand gelegen haben. Die Leute hat man wenig erreicht. Man hat irgendwie gemeinsam an einer Sache gearbeitet, aber man spürte einfach kein "Herzblut" in der Sache. Mehr so ein "Ich mache das, weil ich es machen muss" und darüber hinaus bestand wenig Interesse sich mehr damit zu beschäftigen. Der persönliche Kontakt war auch eher schwierig, weil man die Menschen einfach schwer einschätzen kann. Das schlug sich auch komplett durch alle Meetings durch in denen viel geschwiegen wurde und einfach niemand die Rolle eines Anführers übernommen hatte.
Das komplette Gegenteil habe ich mal in einem Team erlebt, das so eng miteinander war, dass man meinte, eine Gruppe von gleichgesinnten Freunden reißen etwas. So ein bisschen, was man sich unter einem Startup vorstellt. Modern, irgendwie ein organisiertes Chaos beherrschend klingt es nach Spaß bei der Arbeit. Die Bezahlung auch durchaus ansehnlich, wird aber auch Leistung und Bereitschaft gefordert. Das Feierabendbier mit den Kollegen oder Grillpartys im Büro waren ganz nett. Manchmal musste aber auch jemand noch einen laufenden Prozess wenigstens überwachen und ggfs. eingreifen. Die Bereitschaft auch nach Feierabend noch erreichbar zu sein oder sich noch um dringende Probleme zu kümmern, war wichtig. So lustig das auch alles klingt, wenn es ernst wurde, war es auch ernst. Dann wurden die Zügel angezogen...
Skysnake schrieb:
Es ist halt immer die Frage. Je schlimmer desto kürzer hält man das aus. Und je niedriger das Gehalt desto geringer die Tolleranzschwelle also zumindest für mich.
Sehe ich am Ende auch so. Die beiden Extrema fand ich beide nicht sehr angenehm. Ich bin dort nur geblieben, weil meine persönliche Lernkurve noch hoch genug war. Die Mischung aus beiden habe ich am Ende auch einerseits verlassen, weil ich dort nicht versacken wollte und etwas anderes machen wollte und weil die Dynamik sich in eine Richtung entwickelte, die mir persönlich zugegen war. Das lag daran, dass Probleme ausgesessen wurden und irgendwann jemand mit einer Frickellösung um die Ecke kam, die am Ende dafür gesorgt hatte, das die Arbeit an anderen Stellen verkompliziert wurde. Dazu kamen noch zahllose Bikeshedding Diskussionen mit anderen Teams, was am Ende zunehmend zu einer Lähmung meines Aktionsraums geführt hat. Nachdem ich lange das gute Team gegen Projekt abgewogen habe, waren die Schmerzen und Frustration am Ende doch zu groß, dass ich die Reißleine gezogen habe.
Geld war ein Trost, aber ich hätte unrealistisch viel fordern müssen, um die psychischen Schäden kompensieren zu können. Von daher: Manchmal hilft etwas Bewegung um den Kopf wieder rein zu bekommen.