CPU-Kühler & Intel Skylake : Cryorig ohne Probleme, Scythe rudert zurück

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CPU-Kühler & Intel Skylake: Cryorig ohne Probleme, Scythe rudert zurück

Als bisher einziger Kühlerhersteller sah sich Scythe dazu veranlasst, einige Kühler nachzurüsten, um dem Risiko einer Beschädigung von Systemen mit Skylake-CPU entgegenzuwirken. Wie andere Hersteller distanziert sich Cryorig und erläutert die Hintergründe im Detail. Scythe sieht inzwischen nur noch zwei Modelle als betroffen an.

Deutlich später als andere Hersteller, aber dafür mit einem ausführlichen Statement, das auf die Hintergründe der vermeintlichen Problematik eingeht, meldet sich der Kühlerhersteller Cryorig zu Wort. Versichert wird zunächst, dass kein derartiges Problem mit Cryorig-Kühlern bekannt sei und auch in internen Tests nicht festgestellt werden konnte.

Das Unternehmen CRYORIG gibt hiermit ein offizielles Statement zu dem in den letzten Wochen viel diskutierten Skylake-PCB-Thema ab, bei dem viele aus der Industrie den Anpressdruck von CPU-Kühlern beim Versand als Ursache für das Problem ansehen. Der Hersteller versichert Nutzern von CRYORIG-Produkten, dass bisher keiner seiner CPU-Kühler das besagte Problem aufwies. Es gab bisher keine Anzeichen auf Probleme in Verbindung mit CRYORIG-Produkten, weder aus den Vertriebskanälen, noch aus Medienberichten oder internen Tests. CRYORIG CPU-Kühler können damit bedenkenlos mit Sockel LGA1151 Prozessoren verwendet werden und halten sich an die gegebenen Spezifikationen und Vorgaben der Prozessorhersteller. Als Sicherheitsmaßnahme wird Nutzern jedoch empfohlen, den Computer beim Transport so hinzulegen, dass der CPU-Kühler vertikal ausgerichtet ist.

Cryorig

Als Ursachen für die berichteten Beschädigungen sieht Cryorig zum einen einen zu hohen Anpressdruck mangels Flexibilität im Montagesystem sowie die erhöhten Kräfte, die bei der Bewegung des PCs auftreten. Beide Punkte kämen bei der Auslieferung von Komplettsystemen mit vorinstalliertem Kühler zum Tragen, weshalb der Hersteller generell eine horizontale Lagerung des PC-Gehäuses mit senkrechter Position des Kühlers empfiehlt. Das Skylake-PCB bezeichnet Cryorig als schwächsten Punkt, der als erster beschädigt wird, wenn die auftretenden Kräfte zu groß sind. Wie in der Vorberichterstattung ausgeführt wurde, ist die Trägerplatine von Skylake deutlich dünner als bei den Vorgängern.

Basierend auf Informationen und Testergebnissen, die CRYORIG vorliegen, konnten die nachfolgenden Erkenntnisse aus den Skylake-PCB-Beschädigungsfällen gewonnen werden. Der Grund für verbogene bzw. beschädigte PCBs liegt nach CRYORIG’s Erkenntnissen in einer Kombination aus den nachfolgenden Faktoren:

A) Hoher Anpressdruck des CPU-Kühler-Befestigungssystems und mangelnde Flexibilität.

B) Erhöhte Richtkraft, entstanden durch Gewicht des Kühlkörpers und Bewegung des PC-Gehäuses.

In den bisher veröffentlichten Artikeln wird ausschließlich von Fällen berichtet, bei denen Fertig-PCs verwendet wurden. Bei solchen Systemen wird der Kühlkörper vor dem Versand montiert, wodurch die Faktoren A und B in Kombination auftreten. Demzufolge kann durch zu hohen Anpressdruck ohne flexible Befestigung in Verbindung mit hohem Gewicht und starken Erschütterungen die schwächste Stelle nachgeben und biegen. In diesem Fall ist die schwächste Komponente das Skylake-PCB.

Cryorig

Cryorig erklärt zudem, warum die eigenen Produkte von dem Problem nicht betroffen seien. Die großen und schweren Modelle wie der R1 oder der H5 sind mit Montagesystemen (MultiSeg) versehen, die eine starre Metall-Backplate sowie ein Schraubsystem mit Federn besitzen. Die Backplate verhindere ein Biegen des Mainboards, während die Federn eine gewisse Flexibilität bieten. Der schwächste Punkt beim Transport sei dann nicht mehr das Skylake-PCB sondern die Federn, die den Kräften wie ein Stoßdämpfer nachgeben.

Bei den leichteren Produkten – angeführt werden H7, M9 und C7 – verwendet Cryorig stattdessen die Montagesysteme X-Bar und MultiSeg Light. Diese nutzen eine Backplate aus Kunststoff statt Metall und sind entsprechend flexibler. Während die Flexibilität der Federschrauben bei den schweren Kühlern vor Beschädigungen schützen soll, wird diese Aufgabe der flexiblen Backplate der leichten Kühler zugesprochen. Durch das geringere Gewicht der Kühler werde keine starre Backplate wie bei den großen Kühlern nötig, da die auftretenden Kräfte beim Transport geringer ausfallen.

Abschließend erklärt Cryorig wie auch der Großteil der anderen Hersteller, dass man beim Transport immer Vorsicht walten lassen sollte. Versichert wird, dass für stationär eingesetzte PCs keinerlei Risiko besteht.

Scythe bleibt einziger Hersteller mit „Skylake-Problematik“

Bisher ist Scythe der einzige Hersteller, der sich aufgrund eines erhöhten Risikos einer Beschädigung von CPU oder Mainboard beim Transport zu einer Reaktion in Form einer Anpassung des Montagesystems genötigt sah. Ein ComputerBase-Leser berichtete, dass ihn das bei Scythe angeforderte Schraubenset inzwischen erreicht hat. Das angepasste Schraubenset soll den Anpressdruck verringern und ist kostenlos beim Hersteller bestellbar.

Scythe hat inzwischen die Liste der betroffenen Kühlermodelle deutlich verkleinert. Auf den Support-Seiten heißt es nun, dass nur die Modelle Mugen 4 und Mugen 4 PCGH-Edition von der „Skylake-Problematik“ betroffen sind. Zuvor waren sechs weitere Modelle aufgeführt worden.

Dass sich die Skylake-CPUs aufgrund der dünneren Platine leichter verbiegen lassen als Vorgänger wie Haswell ist nicht von der Hand zu weisen. Dennoch hat Intel in einer Stellungnahme versichert, dass sich die Designspezifikationen gegenüber den früheren Generationen „nicht verändert“ haben. Bei der Frage, ob die Kühler von Drittherstellern mit diesen Spezifikationen konform seien, verweist Intel ausdrücklich auf die Hersteller.

Update 09.12.2015 11:16 Uhr  Forum »

Auch Enermax bezieht Stellung und erklärt, dass die eigenen CPU-Kühler Skylake-Prozessoren auch beim Transport nicht beschädigen, sofern der „übliche Verhaltenskodex bei Installation und Transport“ eingehalten werde. Das Problem habe man untersucht und keine Hinweise auf ein solches Risiko feststellen können.

Recent media reports warn that certain CPU coolers might damage the Intel Skylake processors. In response to these reports, the ENERMAX Technology Corporation would like to inform customers and media that all ENERMAX CPU coolers fully support the Intel Skylake processors. The ENERMAX quality management has examined this issue carefully, but found no evidence that ENERMAX coolers can damage a Skylake CPU if users read and follow the installation instructions. The tests show that the brackets of ENERMAX CPU coolers will not harm the CPU during PC system transportation as long as system integrators follow the common installation and transportation codes of practice.

ENERMAX has taken a compulsory standard quality check procedure for every cooler product, including mechanical load, vibration, aging and compatibility with various CPU platforms. Once more, ENERMAX would like to reassure customers that all CPU coolers are fully Skylake compatible.

Enermax

Nachtrag: Der Vollständigkeit halber die Stellungnahme von be quiet!:

Alle aktuellen CPU-Kühler von be quiet! sind kompatibel mit den Skylake Sockel LGA1151 Prozessoren und verursachen keine der angesprochenen Probleme. Selbstverständlich muss sich der Anwender bei der Montage an die Anleitung halten. Auch vonseiten unserer Kunden sowie unserer Partner in der Systemintegration und im Fachhandel liegen uns keinerlei Berichte vor in denen das in dem Artikel der PC Games Hardware beschriebene Problem auftrat. Da während des Transports Erschütterungen entstehen können, empfehlen wir grundsätzlich allen Kunden CPU-Kühler für jeglichen Transport zu demontieren.

be quiet!