AMD Ryzen 2000 im Test: Ryzen 5 2600 in Spielen schneller als Ryzen 7 1800X 6/8

Wolfgang Andermahr et al. 1.669 Kommentare

Tests zu Kühlung und Chipsätzen

Anders als die erste Iteration funktioniert XFR 2 über alle CPU-Kerne. Passen Leistungsaufnahme und CPU-Temperatur, kann der Extra-Turbo also auch bei Last auf mehr als zwei Kernen noch höhere Taktraten freischalten. Die Kühlung der CPU kann damit auch im Alltag einen größeren Einfluss auf die Leistung haben.

ComputerBase hat das getestet und sich darüber hinaus auf die Suche nach einem Leistungsunterschied zwischen Mainboards mit X370- und X470-Chipsatz gemacht.

Mehr Leistung durch besserer Kühlung?

Laut AMD soll der Ryzen 7 2700X bereits durch den Wraith-Prism-Kühler (125 Watt TDP) im Vergleich zu einem 95-Watt-Kühler (z.B. Wraith Spire (Test)) um vier Prozent durch XFR 2 zulegen können, mit einem Noctua NH-D15S sollen es insgesamt bis zu sieben Prozent sein. ComputerBase hat mit dem Ryzen 7 2700X die Probe aufs Exempel gewagt und dessen Leistung mit seinem Boxed-Kühler Wraith Prism zur Leistung mit dem Noctua NH-U14S verglichen.

In den Anwendungen konnte dabei im Schnitt kein Vorteil festgestellt werden. Getestet wurde im offenen Aufbau auf einem Benchtable. Die Anwendungen lasten die verfügbaren Kerne aber in der Regel auch alle voll aus.

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Leistungsrating Anwendungen
Angaben in Prozent
    • Ryzen 7 2700X (Boxed-Lüfter)
      100 %
    • Ryzen 7 2700X (Noctua NH-U14S)
      100 %

In Spielen zeigen sich durch XFR 2 mit der besseren Kühlung immerhin leichte Vorteile. Die in Tools zu beobachtenden leichten Taktaufschläge unter Verwendung des Kühlers von Noctua führen im Schnitt zu Leistungsvorteilen von jeweils einem Prozent für Ryzen 5 2600X und Ryzen 7 2700X.

Die von AMD genannten Vorteile können in dieser Größenordnung damit zwar nicht bestätigt werden, wohl aber der Einfluss eines besseren Kühlers auf die Leistung der CPU auch in Alltagsanwendungen wie Spielen. In Anbetracht der erzielten Leistungszugewinne sollte aber auch bei Ryzen 2000 ein stärkerer Kühler in der Regel eher die Lautstärke senken als die Kühlleistung erhöhen – die meisten Anwender haben am Ende mehr davon.

Taktverlauf in Prime95 mit 4 Threads und Volllast

Auch wenn der Performanceunterschied zwischen dem Boxed-Kühler und dem Noctua NH-U14S sehr gering ist, bestätigt das Taktverlaufsdiagramm in Prime95, dass es durchaus einen Unterschied macht, welcher Kühler eingesetzt wird – und dass XFR 2 funktioniert. So taktet der Ryzen 7 2700X mit dem Wraith Prism und einer Last auf vier Threads mit maximal 4.124 MHz. Mit dem Noctua NH-U14S sind es dagegen maximal 4.251 MHz. Dasselbe Ergebnis sieht man auch beim Ryzen 7 2700 und dem Ryzen 5 2600X. Nur beim Ryzen 5 2600 gibt es keine Unterschiede, da die CPU bereits mit dem Boxed-Kühler so hoch taktet, wie es nur geht.

Auch bei Volllast macht es einen Unterschied, welcher Kühler verbaut wird. In dem Fall auch beim Ryzen 5 2600. Der Ryzen 7 2700 taktet hier deutlich niedriger als der Ryzen 5 2600. Das verwundert auch nicht, da beide Prozessoren dieselbe TDP haben, das große Modell jedoch zwei zusätzliche Kerne versorgen muss. Denselben Effekt – wenn auch mit einer anderen Wirkung – sieht man beim Ryzen 5 2600X (95 Watt) und dem Ryzen 7 2700X (105 Watt). Denn die Taktraten rücken bei Volllast deutlich näher zusammen als bei vier Threads. Auch die zusätzlichen zehn Watt reichen nicht dafür aus, zwei zusätzliche Kerne zu versorgen, sodass der Takt reduziert werden muss.

Temperaturen mit Boxed- und Retail-Kühlern

Dass der Noctua NH-U14S ein völlig anderes Kaliber als der Wraith Prism ist, sieht man auch an der Temperaturentwicklung. Bei vier Threads wird der Ryzen 7 2700X mit dem Boxed-Kühler 84 Grad warm. Mit dem Noctua-Kühler sind es nur 72 Grad. Noch deutlicher wird es beim Ryzen 5 2600X, bei dem ein kleinerer Boxed-Kühler zum Einsatz kommt. Hier lautet das Ergebnis 91 Grad Celsius zu 74 Grad.

Bei Volllast gibt es eine interessante Entwicklung. Während die Ryzen-2000-CPUs mit sechs Kernen bei Volllast gleich warm werden wie bei vier Threads, bleiben die Acht-Kern-Modellen bei maximaler Auslastung kühler. Was auf den ersten Blick unlogisch erscheint, ergibt Sinn, wenn die Taktraten beachtet werden. Die Sechs-Kern-CPUs takten unabhängig von der Last relativ identisch. Die Acht-Kern-CPUs verlieren dagegen deutlicher an Frequenz, auch der Ryzen 7 2700X. Die acht Kern-CPUs kommen bei hoher Auslastung deutlich eher an die TDP-Grenzen als die Sechs-Kern-Modelle. Für den geringeren Takt bei Volllast benötigen die Ryzen-CPUs weniger Spannung. Die Kombination aus beidem bedeutet schlussendlich weniger Hitzeentwicklung.

Lüfterumdrehungen in Prime95 mit 4 Threads und Volllast

Da die Lüfter durch die Lüftersteuerung vom eingesetzten MSI Gaming M7 AC geregelt wird und zudem drei verschiedene Boxed-Kühler zum Einsatz kommen, fallen die Drehzahlen sehr unterschiedlich aus. Vor allem der Wraith Prism auf dem Ryzen 7 2700X erreicht mit 3.000 Umdrehungen hohe Drehzahlen. Grund dafür ist der von AMD bei der CPU genutzte Temperatur-Offset, der die Lüftersteuerung denken lässt, die CPU wäre zehn Grad wärmer, als sie es ist. In diesem Modus stört der Lüfter, ab 2.700 Umdrehungen wird es unangenehm. Die drei anderen Prozessoren bleiben bei Volllast mit rund 2.000 Umdrehungen auf ihren Kühlern deutlich leiser. Einzig der Ryzen 7 2700 kommt bei Teillast noch auf 2.500 Touren pro Minute, was jedoch nicht großartig stört.

Auf dem Noctua NH-U14S fallen die Drehzahlen des NF-A15-Lüfters deutlich geringer aus. Mehr als 1.330 Umdrehungen in der Minute gibt es in keiner Konstellation, bis zu 1.500 Umdrehungen in der Minute kann der Lüfter maximal erreichen. Die höchste Drehzahl gibt es auf dem Ryzen 7 2700X. Der Temperatur-Offset macht auch bei dem großen Kühler einen großen Unterschied in der Drehzahl. Denn mit allen anderen CPUs liegt die Drehzahl durchweg bei deutlich unter 1.000 Umdrehungen.

Die Durchschnittswerte in einer Tabelle

Die Verlaufsdiagramme zeigen zwar die genauen Details der Messreihen, jedoch ist es aufgrund der diversen Werte schwer, sich einen genauen Überblick zu verschaffen. Abhilfe schafft folgende Tabelle, die die Durchschnittswerte aller vier neuen Ryzen-Prozessoren mit dem jeweiligen Boxed-Kühler und dem Noctua NH-U14S zusammenfasst.

Durchschnitts-Takt
(4T/Volllast) in MHz
Durchschnitts-Temperatur
(4T/Volllast)
Durchschnitts-Umdrehungen
(4T/Volllast) in U/min
Ryzen 7 2700X (Noctua NH-U14S) 4.130/4.050 71°C/63°C 1.325/1.100
Ryzen 7 2700X (Wraith Prism) 4.100/4.025 84°C/82°C 2.950/2.970
Ryzen 7 2700 (Noctua NH-U14S) 3.925/3.400 64°C/53°C 845/590
Ryzen 7 2700 (Wraith Spire) 3.850/3.350 77°C/68°C 2.430/1.860
Ryzen 5 2600X (Noctua NH-U14S) 4.025/3.975 74°C/75°C 615/640
Ryzen 5 2600X (Wraith Spire) 3.975/3.900 90°C/91°C 1.910/2.040
Ryzen 5 2600 (Noctua NH-U14S) 3.800/3.700 56°C/58°C 660/700
Ryzen 5 2600 (Wraith Stealth) 3.800/3.600 76°C/80°C 1.870/1.880

Mehr Leistung durch X470 statt X370?

Sämtliche derzeit bei Ryzen 2000 aktiven Turbo-Mechanismen inklusive dem neuen XFR 2 funktionieren sowohl auf neuen als auch auf alten Chipsätzen. Laut AMD sollen die neuen X470-Mainboards in Sachen Leistung daher keinen Vorteil gegenüber den X370-Platinen bieten. Einzig das in Zukunft noch freizuschaltende Precision Boost Overdrive könnte einen Unterschied ausmachen, wenn es denn wirklich nur für X470 von den Partnern implementiert wird. Theoretisch geht das aber auch auf X370.

Auch in der Praxis zeigt sich derzeit kein Unterschied bei einem Ryzen 2000 auf X370 oder X470.

Sowohl der Ryzen 7 2700X als auch der Ryzen 5 2600 arbeiten auf dem Asus ROG Crosshair VI (X370) sowie dem neuen Asus ROG Crosshair VII (X470) in Spielen absolut gleich schnell. Unterschiede liegen im Bereich der Messungenauigkeit. Dasselbe gilt für Anwendungen und auch den Einsatz einer CPU der 1. Generation in einem neuen Mainboard.

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Leistungsrating Anwendungen
Angaben in Prozent
    • AMD Ryzen 7 2700X (X470)
      100 %
    • AMD Ryzen 7 2700X (X370)
      100 %
    • AMD Ryzen 7 1800X (X370)
      92 %
    • AMD Ryzen 7 1800X (X470)
      92 %
    • AMD Ryzen 5 2600X (X470)
      84 %
    • AMD Ryzen 5 2600X (X370)
      84 %
    • AMD Ryzen 5 2600 (X370)
      80 %
    • AMD Ryzen 5 2600 (X470)
      80 %

Wie von AMD in Aussicht gestellt, können Inhaber einer X370-Platine also auch Ryzen 2000 ohne Einbußen auf ihrem Board einsetzen.

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