Motorola Moto G6 im Test: Für 249 Euro eines der besten Smartphones

Nicolas La Rocco 216 Kommentare
Motorola Moto G6 im Test: Für 249 Euro eines der besten Smartphones

tl;dr: Mit dem Moto G6 will die Lenovo-Marke Motorola die Smartphone-Mittelklasse aufmischen. Ausstattungsmerkmale wie das 2:1-Display, die Dual-Kamera oder der Fingerabdrucksensor mit One-Touch-Navigation sollen dafür sorgen, dass das klappt. Im Test erweist sich das Moto G6 als grundsolides Android-Smartphone der Mittelklasse.

Gehäuse aus viel Glas

Update 09.05.2018 16:54 Uhr

Lenovo hat der Redaktion ein offizielles Statement zur Update-Politik des Moto G6 respektive der gesamten Moto-G6-Familie zukommen lassen. Darin wird ein Update auf die nächste Android-Hauptversion zugesichert. Im Wortlaut heißt es: „Das offizielle Statement von Lenovo zur Update-Politik der Moto G6 Familie ist, dass die Produkte ein „Major OS Upgrade“ und Security Patches ca. alle 60-90 Tage erhalten werden.

Die Redaktion hat aufgrund der Stellungnahme den Abschnitt zum Betriebssystem leicht umgeschrieben und den letzten Abschnitt im Fazit angepasst. Auch im Wertungskasten gibt es jetzt nicht mehr den Kritikpunkt der ungewissen Android-Updates.

249 Euro sind Motorolas Ansage für die Mittelklasse. Das Moto G6 ist eines von drei neuen Android-Smartphones der Lenovo-Marke, die Ende April vorgestellt wurden. 199 Euro kostet das Moto G6 Play mit besonders großem Akku, 299 Euro das Moto G6 Plus mit etwas stärkerer Hardware und mehr Speicher. ComputerBase hat sich mit einem Test des normalen Moto G6 sozusagen für die goldene Mitte entschieden.

In puncto Verarbeitung müssen trotz des vergleichsweise niedrigen Preises schon mal keine Abstriche gemacht werden. Das Moto G6 besticht vor allem durch den umfangreichen Einsatz von Glas auf der Vorder- und Rückseite. Hinten wird das Glas wie bei den teureren Smartphones von Samsung zu den Rändern hin sogar gebogen. Das lässt die Silhouette des Geräts von der Seite betrachtet schmaler erscheinen.

Deep Indigo nennt sich die Farbe des Testgeräts und entspricht sehr dunklem Blau, das je nach Winkel etwas anders schimmert. Andere Farben sind zum deutschen Marktstart im Mai erst einmal nicht geplant. Grundsätzlich gibt es das Smartphone aber auch in Deep Black, Silver und Blush. Die Einfärbung beschränkt Motorola auf die Rückseite und den Rahmen des Smartphones. Die Vorderseite des Moto G6 ist hingegen vollständig schwarz. Metall gibt es in dieser Preisklasse allerdings noch nicht. Der für den Rahmen gewählte Kunststoff hinterlässt aber einen kaum weniger stabilen Eindruck.

Eine mehr zweckmäßige als schöne Schutzhülle aus klarem Kunststoff liegt jedem Moto G6 bei. Gut gefällt auch der erstaunlich laut und dennoch klar aufspielende Lautsprecher, der zwar nur Mono über den Ohrhörer bietet, aber dies maximal ausschöpft.

Motorola platziert die wenigen Tasten auf der rechten Seite. Dazu zählen die Lautstärkewippe und der zu klein geratene An-aus-Schalter. Dank Riffelung lässt sich dieser zwar leicht im Dunkeln erfühlen, vom Druckpunkt her ist er beim Testgerät aber zu schwammig. Dass es besser geht, zeigen Testgeräte anderer Redaktionen, die ComputerBase ausprobieren konnte. Dort klickte die Taste deutlich satter im Gehäuse.

Vielseitiger Fingerabdrucksensor

Deutlich praktischer ist das Ein- bzw. Ausschalten des Smartphones über den Fingerabdrucksensor. Den hat Motorola in schmaler Pillenform unterhalb des Displays positioniert und darüber noch das eigene Logo gequetscht. Die Vorderseite sieht in diesem Bereich etwas unaufgeräumt aus, das sogenannte Batwing-Logo auf der Rückseite hätte völlig gereicht. Der Fingerabdrucksensor reagiert schnell und zuverlässig und ist ein adäquater Ersatz für den schlechten Ein-aus-Schalter.

Über den Fingerabdrucksensor realisiert Motorola auch die sogenannte One-Touch-Navigation, nach deren Aktivierung über die Moto-App die On-Screen-Buttons von Android ausgeblendet und die Befehle für Home, Zurück und die zuletzt verwendeten Apps mittels Wischgeste durchgeführt werden. Wischen von rechts nach links führt den Zurück-Befehl aus, in die andere Richtung wird das Menü der zuletzt verwendeten Apps aufgerufen. Kurzes Drücken führt zum Homescreen, während langes Drücken das Gerät sperrt. Die One-Touch-Navigation führt dazu, dass durch das Ausblenden der On-Screen-Tasten etwas mehr Platz für Inhalte entsteht. Im Test wurde die Funktion dennoch nach kurzer Zeit wieder deaktiviert, weil sie zu überladen wirkt.

Großes 2:1-Display

Einen deutlichen Schritt nach vorne macht das Display, das dem allgemeinen Trend folgend zunächst einmal im Vergleich zum Moto G5 von 5,0 auf 5,7 Zoll wächst und im zweiten Schritt das beliebt gewordene 2:1-Format (18:9) mit einer höheren Auflösung in der Höhe übernimmt. Statt Full HD gibt es jetzt Full HD+, was beim Moto G6 für 1.080 × 2.160 Pixel steht.

Für das Display kommt ein laminiertes IPS-Panel zum Einsatz, das zwar ähnlich manchem High-End-Smartphone wie gedruckt aussieht, aber einen grundsoliden Eindruck hinterlässt. Die Blickwinkelstabilität ist mehr als zufriedenstellend und lässt erst relativ spät beim Kippen nach. Auch die Farbwiedergabe ist nach einem Gang in die Display-Einstellungen natürlich, wenngleich nicht so poppig wie bei OLED-Displays.

Viel Blau

Motorola liefert das Moto G6 ab Werk mit einem viel zu kühl eingestellten Display aus. Dadurch erhält Weiß einen Blauschimmer und die Farben werden verfälscht. Das Smartphone wird mit der Weißpunkt-Einstellung „Neutral“ und der Farbeinstellung „Intensiv“ ausgeliefert. „Neutral“ steht dabei allerdings für einen Weißpunkt von 8.800 Kelvin, der bereits bläulich wirkt. Motorolas Einstellung „Kühl“ macht daraus 11.700 Kelvin, was wie ein Blau eingefärbtes Display aussieht. Nach den Messungen, die mit den Werkseinstellungen durchgeführt wurden, wurde das Gerät im Alltag mit der Weißpunkt-Einstellung „Warm“ genutzt, die relativ neutrale 7.100 Kelvin liefert.

Das Moto G6 unterscheidet bei der maximalen Display-Helligkeit zwischen manueller oder automatischer Regulierung über den Helligkeitssensor. Bei manueller Einstellung sind bis zu 471 cd/m² im Schnitt aus drei Messbereichen möglich. Dabei fällt auf, dass die Helligkeit des Displays im unteren Bereich deutlich abnimmt, während sie oben und in der Mitte noch das gleiche Niveau erreicht. Das Messgerät zeigt hier jeweils 495 cd/m² an, während es im unteren Drittel nur noch 424 cd/m² sind – rund 14 Prozent weniger. Das ist bei vollständig weißem Display mit bloßem Auge erkennbar, tritt im Alltag bei gemischter Darstellung von Inhalten aber weniger klar in Erscheinung. Wird der Bildschirm automatisch geregelt und trifft helles Licht auf den Helligkeitssensor, sind im Schnitt aus drei Messbereichen bis zu 589 cd/m² möglich – ein Boost um 39 Prozent. Die Verteilung ist mit 621 cd/m² oben, 618 cd/m² in der Mitte und 529 cd/m² unten erneut ungleichmäßig.

Der Schwarzwert und der daraus resultierende Kontrast sind bei manueller und automatischer Regelung der Helligkeit ebenso unterschiedlich. Das Display lässt sich manuell gesteuert etwas dunkler regeln, nämlich auf einen Schwarzpunkt von bis zu 0,402 cd/m². Im Automatikmodus sind es 0,545 cd/m². Deshalb liegt der Kontrast je nach Messmethode bei 1.081:1 (Automatik) oder 1.173:1 (manuell). In jedes Diagramm sind jeweils die Werte der automatischen Regulierung aufgenommen worden.

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