Wolfenstein: Youngblood im Test: GPU-Benchmarks, Nvidia Adaptive Shading und Fazit

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Wolfgang Andermahr et al. 224 Kommentare

Die nachfolgenden Grafikkarten-Benchmarks sind auf einem Intel Core i9-9900K durchgeführt worden, der mit den Standard-Einstellungen betrieben wird und auf insgesamt 32 Gigabyte Arbeitsspeicher mit einer Geschwindigkeit von DDR4-3200 (16-16-16-38, Dual-Rank) zugreifen kann. „Windows 10 April 2019 Update“ (1903) inklusive aller derzeit verfügbaren Patches ist installiert. Als Treiber wurden der Adrenalin 19.7.2 sowie der Adrenalin 19.7.3 und der GeForce 431.60 genutzt. Der Nvidia-Treiber und der Adrenalin 19.7.3 sind offiziell für Wolfenstein: Youngblood optimiert. Nach Freigabe wurde am Dienstagvormittag zu Testzwecken auch der Adrenalin 19.7.4 kurz eingesetzt, Benchmarks wurden mit diesem Treiber aber nicht mehr erstellt.

Testsequenz und Einstellungen

Die Testszene zeigt einen 20 Sekunden langen Fußmarsch auf der Karte „Flussufer“. Zu sehen sind dabei viele Partikeleffekte, eine teils zerstörte Umgebung und generell viele Objekte. Es handelt sich zwar nicht um ein Worst-Case-, aber um ein ziemlich anspruchsvolles Szenario. Die Benchmarks auf der ersten Seite des Artikels stammen von einer anderen Testsequenz als die Grafikkarten-Benchmarks!

Für die Auflösungen 1.920 × 1.080, 2.560 × 1.440 sowie 3.840 × 2.160 wird das Mein-Leben-Preset genutzt. Die höchste Textur-Streaming-Stufe bleibt somit abgeschaltet. Async Compute wird durchweg genutzt, das Deferred Rendering ist abgeschaltet. Die Option GPU Culling ist entgegen der Standardeinstelllung bei allen Grafikkarten abgeschaltet. Auch Adaptive Shading wird auf Turing in den Standard-Benchmarks nicht genutzt.

Auflösung Grafikdetails
1.920 × 1.080 Mein-Leben-Preset, TSSAA (8TX), Deferred Rendering & GPU Culling aus
2.560 × 1.440 Mein-Leben-Preset, TSSAA (8TX), Deferred Rendering & GPU Culling aus
3.840 × 2.160 Mein-Leben-Preset, TSSAA (8TX), Deferred Rendering & GPU Culling aus

Große Probleme mit Navi und dem Adrenalin 19.7.3/19.7.4

Während Adrenalin 19.7.3 und 19.7.4 mit den meisten AMD-Grafikkarten ordnungsgemäß in Wolfenstein: Youngblood funktionieren, haben im Test ausgerechnet beide neuen Navi-Grafikkarten große Probleme bereitet. Sowohl die Radeon RX 5700 als auch die Radeon RX 5700 XT stürzten in dem Spiel zuverlässig ab und auch die längere Kommunikation mit AMD brachten diesbezüglich keine Lösung. Selbst verschiedene Windows-Installationen haben keine Abhilfe geschaffen, dasselbe gilt für anders gesetzte Grafik-Optionen. Der Adrenalin 19.7.2 lief dagegen absolut stabil. Das ist insofern ärgerlich, da der Adrenalin 19.7.3 und der 19.7.4 deutlich schneller in dem First-Person-Shooter arbeitet, wie eigene Benchmarks zeigen.

RX 5700/5700 XT Benchmarks mit dem alten und dem neuen Treiber

Da im Internet bis jetzt aber nur wenige Berichte über Probleme mit der Kombination aus Wolfenstein: Youngblood und Navi mit den zwei neuesten Treibern aufgetaucht sind, scheint das Problem nicht allerorten aufzutreten. Deshalb hat die Redaktion die Benchmark-Ergebnisse beider Treiberversionen in die Diagramme aufgenommen. ComputerBase arbeitet derweil weiterhin an einer Lösung.

Benchmarks in Full HD, WQHD und Ultra HD

Abgesehen von der Radeon RX 570, deren 4 GB Speicher zu klein ist, erreichen alle Grafikkarten in Wolfenstein: Youngblood in 1.920 × 1.080 die 60-FPS-Marke. Das ist in dem Spiel allerdings auch anzuraten, denn bei geringeren Frameraten leidet das Spielgefühl deutlich. Auf einen Blick erkennbar ist das ziemlich schwache Abschneiden der Pascal-Generation: Während die GeForce GTX 1080 gewöhnlich gleich auf mit der Radeon RX Vega 64 liegt, ist in Wolfenstein: Youngblood selbst die Radeon RX Vega 56 fünf Prozent schneller. Und die GeForce GTX 1060 duelliert sich nicht mit der Radeon RX 580, sondern liegt 18 Prozent dahinter.

In allen drei Auflösungen zeigt sich, dass die neuere Turing-Architektur die Probleme nicht hat und die Produkte deutlich besser abschneiden. In 2.560 × 1.440 ist die GeForce RTX 2070 neun Prozent schneller als die Radeon RX Vega 64, im Rating über den GPU-Testparcours sind es sonst gar nur sechs Prozent. Die Radeon RX 5700 XT ist derweil acht Prozent schneller als die GeForce RTX 2070 und liegt damit genau auf dem Durchschnitt. Damit lässt sich sagen, dass Pascal große Schwierigkeiten in dem Spiel hat, während Turing und Navi beziehungsweise RDNA gleich auf liegen. Polaris und Vega liegen minimal dahinter.

Ein Blick auf 3.840 × 2.160 verrät, dass auch in der hohen Ultra-HD-Auflösungen noch so einige Grafikkarten die 60-FPS-Marke knacken. Bei Nvidia sind das die GeForce RTX 2080 Ti, die GeForce 2080 (Super), die GeForce RTX 2070 Super und die GeForce GTX 1080 Ti. Bei AMD schaffen es die Radeon RX 5700 XT und die Radeon VII. Bei den Frametimes bleiben die AMD-Ableger dagegen außen vor. Die GeForce RTX 2080 Ti, GeForce RTX 2080 (Super) und die GeForce RTX 2070 Super erreichen hingegen auch hier die 60 Bilder pro Sekunde.

Der Adrenalin 19.7.5 stürzt auf Navi nicht mehr ab (Update)

AMD hat die im Test erlebten Probleme mit den beiden Navi-Grafikkarten nachvollziehen und mit dem Adrenalin 19.7.5 beheben können. So lief die Radeon RX 5700 XT nach der Installation des neusten Treibers absolut fehlerfrei mehrmals durch das Testszenario in Wolfenstein: Youngblood.

Wer einen genauen Blick auf die Performance wirft, wird feststellen, dass die Radeon RX 5700 XT mit dem Adrenalin 19.7.5 nicht mehr ganz so schnell wie noch mit dem Adrenalin 19.7.3 arbeitet – allerdings ist der Unterschied gering und verschwindet im absoluten GPU-Limit völlig. So liegt der Adrenalin 19.7.5 in 1.920 × 1.080 zwei Prozent hinter dem Adrenalin 19.7.3. In 2.560 × 1.440 ist es noch ein Prozent und in 3.840 × 2.160 herrscht Gleichstand. Im Vergleich zum Adrenalin 19.5.2 steigt die Framerate mit einem Plus von neun, acht und zwölf Prozent immer noch deutlich an.

Wolfenstein: Youngblood – AMD-Treiber
  • 1.920 × 1.080:
    • RX 5700 XT @ 19.7.3
      160,6
      Absturz
    • RX 5700 XT @ 19.7.5
      157,4
    • RX 5700 XT @ 19.7.2
      144,4
  • 2.560 × 1.440:
    • RX 5700 XT @ 19.7.3
      109,3
      Absturz
    • RX 5700 XT @ 19.7.5
      108,2
    • RX 5700 XT @ 19.7.2
      100,5
  • 3.840 × 2.160:
    • RX 5700 XT @ 19.7.3
      62,9
      Absturz
    • RX 5700 XT @ 19.7.5
      62,7
    • RX 5700 XT @ 19.7.2
      55,8

Die Frametimes sind bis auf eine Ausnahme perfekt

So perfekte Frametimes wie in Wolfenstein: Youngblood gibt es allerhöchstens in anderen Spielen mit der (noch) aktuellen id-Tech-Engine. Die Abstände der einzelnen Frames sind derart gleichmäßig, dass das Diagramm eine Augenweide ist. Nur die Radeon RX Vega 64 hat in der Testsequenz drei kleine Ausreißer, das war es dann aber schon. Radeon RX 5700 XT, GeForce GTX 1080 und GeForce RTX 2070 zeigen fast schon eine gerade Linie. Dementsprechend ist auch das Spielgefühl in Wolfenstein: Youngblood sehr gut. Jede Mausbewegung wird sofort umgesetzt und auch im Gefecht ist die Steuerung sehr direkt und die Bildabfolge sehr gleichmäßig.

Adaptive Shading bringt etwas mehr FPS und kostet leicht Qualität

Wie Wolfenstein 2 bietet auch Wolfenstein: Youngblood das aktuell noch auf Turing exklusive Adaptive Shading beziehungsweise konkret Content Adaptive Shading (CAS) mit. CAS macht sich zu Nutze, dass nicht zwangsweise jeder Bildbereich mit der vollen Pixel-Rate bearbeitet werden muss, um die maximale Bildqualität zu erzielen. Bei manchen Oberflächen, wie zum Beispiel einem eintönigen Himmel, kann es ausreichend sein, dass nicht jeder Pixel berechnet wird, sondern manche schlicht genauso dargestellt werden wie der „Nachbarpixel“.

Wolfenstein: Youngblood bietet drei verschiedene Voreinstellungen für Adaptive Shading: Qualität, Balanced und Spiel-Performance. Letzteres bringt am meisten Mehrperformance, hat aber auch potenziell die schlechteste Qualität. Dann gibt es auch noch die Möglichkeit, die Parameter für CAS manuell zu adjustieren. CAS ist standardmäßig auf einer Turing-Grafikkarte aktiviert.

Zaubern kann Adaptive Shading nicht. Screenshots mehrerer Szenen zeigen, dass sich bei der Nutzung von CAS die Bildqualität fast durchweg verschlechtert. Je nach Szene gibt es nur minimale Unterschiede, sodass man wirklich mit der Lupe danach schauen muss. In anderen fallen diese dagegen recht schnell auf. So lässt sich auf den Bildern schnell erkennen, wie CAS arbeitet: Überall dort, wo eine Oberfläche eine sehr gleichmäßige Struktur hat, wird die reduzierte Shading Rate genutzt. Das hat dann oft zur Folge, dass genau dort die wenigen Oberflächendetails, die es überhaupt noch gab, zu einem großen Teil oder gar gänzlich verloren gehen.

Dabei spielt es auch keine Rolle, ob Qualität, Balanced oder Spiel-Performance genutzt wird. Sieht man einen Unterschied in einer Szene, ist dieser bei jeder Qualitätsstufe vorhanden. Nur ist das Verschwinden von Details je nach Einstellung unterschiedlich ausgeprägt. Vor allem Spiel-Performance leidet deutlich an einem Detailverlust.

Adaptive Shading bringt bis zu 7 Prozent Performance

Adaptive Shading bringt ein etwas kleineres Plus als in Wolfenstein 2. Dort hat die Redaktion noch maximal elf Prozent mit der GeForce RTX 2070 gemessen, in Wolfenstein: Youngblood kann die GeForce RTX 2060 Super mit der Einstellung Spiel-Performance dagegen nur noch um sieben Prozent zulegen – was aber auch an der unterschiedlichen Testszene liegen kann. Qualität bringt dann ein Plus von drei Prozent, Balanced legt um fünf Prozent zu. Damit bringt jede Einstellung einen Schritt von zwei bis drei Prozentpunkten.

Adaptive Shading – 3.840 × 2.160
  • FPS, Durchschnitt:
    • RTX 2060 Super @ AS Spiel-Performance
      61,5
    • RTX 2060 Super @ AS Balanced
      60,5
    • RTX 2060 Super @ AS Qualität
      59,2
    • RTX 2060 Super @ AS Aus
      57,5

Da Adaptive Shading Bildqualität kostet, ist es nicht empfehlenswert, die Funktion generell zu aktivieren. Da Wolfenstein: Youngblood nur wenig wirksame Grafik-Presets hat, sollte CAS auf einer Turing-Grafikkarte daher nur aktiviert werden, wenn eine höhere Bildrate benötigt wird. In dem Fall ist Adaptive Shading den Presets vorzuziehen, da die optischen Unterschiede geringer, das Plus an Performance aber vergleichbar ist. Welche Stufe genutzt wird, spielt bezüglich der Bildqualität nur eine kleine Rolle. Die Balanced-Einstellung ist schlussendlich ein guter Kompromiss aus FPS-Gewinn und Qualitätsverlust.

Fazit

Wolfenstein: Youngblood läuft auf dem PC wie ein klassisches Wolfenstein: Die Performance liegt in Anbetracht der zwar nicht beeindruckenden, aber immer noch hübschen Grafik erstaunlich hoch. Auch in Ultra HD muss es nicht zwangsweise die schnellste Grafikkarte sein, um bei maximaler Grafikqualität die 60-FPS-Marke zu knacken. Die Frametimes sind wieder einmal ein Traum.

Das ist auch gut so, denn reicht die Performance nicht, gerät man schnell in Schwierigkeiten: Das Tuning-Potenzial anhand der Grafik-Presets ist überraschend gering, ein echter Unterschied kommt eigentlich nur durch eine geringere Auflösung zustande. Auch mit Nvidias Adaptive Shading gibt es nur kleine Unterschiede, sowohl bei der Leistung als auch bei der Bildqualität.

Wolfenstein: Youngblood im Technik-Test

Apropos Leistung: Turing- und AMD-Grafikkarten schlagen sich in Wolfenstein: Youngblood gut. Die ältere Pascal-Generation arbeitet dagegen wieder einmal deutlich langsamer, auch wenn die Frameraten immer noch ordentlich sind. Neben Nvidias Turing stechen vor allem AMDs zwei Navi-Grafikkarten heraus. Auch die neue RDNA-Architektur kann ein gutes Plus gegenüber Vega aufweisen.

Die Idee, Wolfenstein: Youngblood einem Community-Test zu unterziehen, scheitert an der Account-Bindung der Savegames. Der entsprechende Abschnitt wurde aus diesem Grund leider entfernt.

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