Endgame Gear XM1 im Test: In zweiter Auflage mit per­fekter Hardware zu empfehlen

Fabian Vecellio del Monego 112 Kommentare
Endgame Gear XM1 im Test: In zweiter Auflage mit per­fekter Hardware zu empfehlen

tl;dr: Die XM1 in zweiter Auflage tritt mit nunmehr erstklassigen Gleiteigenschaften in die Fußstapfen der ersten Version: Die Shooter-Maus ist makellos funktional und erstklassig präzise. Zwar fehlt nach wie vor die Software-Möglichkeit, Maustasten mit Makros zu belegen, doch die perfekte Hardware verdient sich eine Empfehlung.

Update 23.01.2020 10:15 Uhr

Endgame Gear legt die XM1 mit einem stillen Update neu auf: Die neue Version ersetzt die alte zum gleichen Preis, sodass Händler bereits seit einigen Tagen nur noch die verbesserte Variante im Angebot führen. Zu erkennen ist diese entweder am nunmehr mit Stoff umwickelten Kabel oder aber an der Farbe: Zur schwarzen Version gesellt sich ab sofort eine schneeweiße XM1. ComputerBase hat sich die Wachablösung zum Anlass genommen, den Test des puristischen Eingabegerätes zu aktualisieren.

Derzeit folgt das Genre der auf Ego-Shooter ausgelegten Gaming-Mäuse zwei großen Trends. Beim ersten handelt es sich um den Wettbewerb nach einem möglichst niedrigen Gewicht und damit ermöglichten guten Gleiteigenschaften, beim zweiten um das Erreichen einer minimalen Entprellverzögerung der Primärtaster. Die XM1 nimmt beide Ziele in Angriff, wenngleich die schlicht anmutende Maus das erste Eingabegerät des Herstellers Endgame Gear darstellt. Dass das aber nichts heißen muss, zeigte erst vor wenigen Monaten Glorious PC Gaming Race mit der Model O (Test), die sich zum günstigen Preis als erstklassig herausstellte – und damit nach wie vor die größte Konkurrenz der XM1 darstellt.

In die gleiche Kerbe schlagen zudem Razers Viper (Test) und Logitechs G Pro Wireless (Test), die beide gespiegelte Zusatztasten bieten, aber auch mehr kosten. Im kleineren – und noch leichteren – Formfaktor werben indes GPCGRs Model O- (Test) und Cooler Masters MM710 (Test) um Kunden. Verfügbar sind alle genannten Mäuse bereits.

Endgame Gear XM1
Glorious PC Gaming Race Model O
Ergonomie: Symmetrisch (Rechtshändig)
Sensor: PixArt PMW-3389
Optisch
Lift-Off-Distance: 2,0 – 3,0 mm
PixArt PMW-3360
Optisch
Lift-Off-Distance: 1,5 – 3,0 mm
Auflösung: 50 – 16.000 cpi
4 Stufen
400 – 12.000 cpi
6 Stufen
Geschwindigkeit: 11,4 m/s 6,3 m/s
Beschleunigung: 490 m/s²
USB-Abfragerate: 1.000 Hz
Primärtaster: Omron D2FC-F-K, 50 mio. Klicks Omron D2FC, 20 mio. Klicks
Anzahl Tasten: 6
Oberseite: 3 Unterseite: 1
Linksseitig: 2
6
Oberseite: 4
Linksseitig: 2
Sondertasten: Mausrad
cpi-Umschalter
Software: 1 Profile
Interner Speicher: 1 Profil
10 Profile
vollständig programmierbar
Makroaufnahme
Interner Speicher: 1 Profil
Beleuchtung: cpi-Indikator Farbe: RGB, 1 Zone
Modi: Atmend, Wellen, Farbschleife
cpi-Indikator
Gehäuse: 122 × 66 × 38 mm
Hartplastik
128 × 66 × 38 mm
Hartplastik
Variante
128 × 66 × 38 mm
Hartplastik
Glanzelemente
Gewicht: 70 Gramm (o. Kabel)
67 Gramm (o. Kabel)
Variante
68 Gramm (o. Kabel)
Anschluss:
USB-A-Kabel, 1,80 m
Variante
USB-A-Kabel, 1,80 m, umwickelt
USB-A-Kabel, 2,00 m, umwickelt
Preis: 60 € / ab 59 € / ab 59 € ab 57 € / ab 51 € / ab 54 € / ab 57 €

Derzeit immer noch nicht verfügbar, aber ursprünglich seitens Endgame Gear bereits angekündigt ist eine um RGB-Leuchtdioden bereicherte Version der XM1. Die auf Grund der Beleuchtung ungefähr 15 Gramm schwerere Maus sollte eigentlich gegen Ende Oktober oder Anfang November 2019 für voraussichtlich rund 70 Euro erhältlich werden, doch bislang fehlt jegliche Spur der Maus, sodass die V2 der unbeleuchteten XM1 den Vortritt erhält.

Gehäuse und Materialien

Das Chassis der XM1 ist grundsätzlich symmetrisch geformt, Seitentasten finden sich jedoch nur links. In Vergleich zu anderen Mäusen ist vor allem die tiefe und lang abfallende Front auffällig, während der höchste Punkt des Eingabegeräts rund 1 bis 2 cm hinter dessen Mittelpunkt liegt. Die breiteste Stelle markiert derweil der Übergang vom mittleren zum hinteren Drittel der Maus, die XM1 ist folglich leicht keilförmig. Der Schwerpunkt hingegen ist leicht nach vorne versetzt – und damit ziemlich exakt auf der Position des Sensors. Generell erinnert die Formgebung recht stark an die Steelseries Sensei und Kana.

Die mittlere Größe der Maus eignet sich für sämtliche Griffvarianten, wenngleich der Fingertip-Grip nur größeren Händen komfortabel möglich ist. Nutzer mit sehr großen Gliedmaßen haben indes im Palm-Grip das Problem, mit ihren Fingern über die Primärtasten und mit ihrem Daumen über die Seitentasten hinauszuragen. Besonders geeignet ist die XM1 auf Grund der recht weit hinten liegenden Erhöhung des Rückens und des steil abfallenden Hecks für den Claw-Grip. Damit ähnelt sie der Cooler Master MM710, obschon diese sowohl kürzer als auch im Bereich des vertikal ausladenden Hecks schmaler ist.

Da beide Flanken der XM1 konkav geformt sind und nach unten hin schmaler werden, ist ein sicherer Griff jedoch immer möglich. Dazu trägt auch bei, dass die matte und leicht raue Kunststoff-Oberfläche verhältnismäßig rutschfest ausfällt. Es sei gleichwohl angemerkt, dass das Empfinden der Haptik selbstverständlich subjektiver Natur ist.

Niedriges Gewicht, hervorragendes Kabel und erstklassige Gleitfüße

Beim Vergleich mit gängigen Mäusen fallen die exzellenten Gleiteigenschaften der XM1 als Erstes auf. Die besagten 70 Gramm sind ein niedriger Wert, wenngleich der Schwerpunkt des Eingabegerätes leicht nach vorne verlagert liegt. An dieser Stelle folgte beim Test der ursprünglichen XM1 Kritik auf hohem Niveau: Das mit Kunststoff ummantelte Kabel war zwar flexibler, als das der meisten herkömmlichen Mäuse, doch den geschmeidigen Kabeln einer Razer Viper oder gar Glorious Model O musste sich die XM1 klar geschlagen geben.

Das mit Nylon umwickelte Kabel der Neuauflage hingegen lässt absolut keine Kritik zu – auch nicht auf höchstem Niveau. Tatsächlich ist es nicht nur flexibler als die von aktuellen Razer-Mäusen gewohnten Kabel, sondern schlägt gar das einer Model O respektive O- in der aktualisierten Variante. Folglich besitzt die XM1 in zweiter Version das mutmaßlich beste Kabel, das an einer derzeit erhältlichen Maus zu finden ist – die extrem minimalistische M1K (Test) eingeschlossen. Am ehesten vergleichbar sind die Gleiteigenschaften daher mit der ungefähr gleich schweren und kabellosen Razer Viper Ultimate (Test), die mehr als das Doppelte kostet.

Dazu tragen selbstredend auch die Gleitfüße bei. Schon bei der ursprünglichen XM1 waren diese gut, da Endgame Gear auf unlackiertes PTFE setzte. Bei der Neuauflage kommt das gleiche Material zum Einsatz, allerdings hat der Hersteller die Dicke von 0,6 auf 0,8 Millimeter erhöht. Einerseits soll das die Gleitfähigkeiten auf besonders weichen Mauspads weiter steigern, doch von Größerem Vorteil ist in der Praxis die höhere Langlebigkeit: Mausfüße unterliegen zwangsläufig einem kontinuierlichen Abrieb und je dicker das verwendete Material ist, desto länger lässt sich die Maus gut verwenden.

Primär- und Sekundärtasten

Sehr sparsam geht Endgame Gear mit der Quantität der verfügbaren Tasten um: Neben den beiden Primärtasten und dem Mausrad finden sich linksseitig zwei Zusatztasten. Hinzu kommt die für die Einstellung der Sensorauflösung reservierte Taste auf der Unterseite. Vor allem hinsichtlich linker und rechter Maustaste preist der Hersteller jedoch die Qualität an: „Vorselektierte Omron-Taster“ mit einer spezifizierten Lebenszeit von maximal 50 Millionen Klicks sollen für ein „einheitliches Klickgefühl“ sorgen. Auf Nachfrage seitens ComputerBase verriet Endgame Gear, dass es sich konkret um Schalter des Typs D2FC-F-K handele, die allerdings auch zahlreiche weitere Gaming-Mäuse des gehobenen Preissegments nutzen.

Analoge Signalverarbeitung soll Entprellzeit obsolet machen

Eine Stufe darüber wäre der Griff zum japanischen Pendant D2F-F gewesen, wie er in Zaunkoenigs puristischer M1K verbaut werden soll. Jene Taster bestechen mit vergoldeten Kontakten, wodurch die notwendige Entprellzeit beim Auslösen verkürzt werden kann. Endgame Gear begegnet dieser Verzögerung derweil mit einer analogen Auswertung des Tastersignals, mit der eine „sehr viel stärkere“ Senkung der Reaktionszeit möglich sei, als sie durch digitales Entprellen erreicht werden könne – konkret liege der Wert im Falle der XM1 unter einer halben Millisekunde.

Analog Key Sensing Technology does not debounce at at all. Debounce is something from the digital world. The switch itself however is still the same switch, causing the same bouncing as before, but the Analog Key Sensing takes sample snapshots at a incredible high speed (very much like a scope) and the bouncing of the switch is summed into this analog sampling signal and therefore the bouncing is transformed into a mathematical function rather than a digital bounce (0/1) thus eliminating the need to debounce altogether.

This works similar how different brightness levels are archived for LEDs traditionally. LEDs are pulsed to archive that, being always driven at their max brightness at for small periods of time. The more times that happens the the brighter the LED is perceived. Analog Key Sensing is the reverse of this and using true analog to actually see the "brightness", i.e. the key level.

Endgame Gear

Ein praktischer Test dessen gestaltet sich im Rahmen menschlicher Wahrnehmung als kompliziert oder gar unmöglich. Da Nutzer die Tasten­abdeckungen an verschiedenen Stellen aus unterschiedlichen Winkeln herabdrücken, ist das Geschehen vor dem Auslösen oftmals relevanter als die anschließende Signalverzögerung. Darüber hinaus variiert der Widerstand je nach Kontaktstelle der Finger zu den Abdeckungen, da bei weit nach vorne verlagertem Kontakt beispielsweise eine Hebelwirkung eintreten kann.

Die allein durch diese Unwägbarkeiten entstehenden Unterschiede ziehen eine Reaktionszeit­steigerung von einigen Millisekunden nach sich, wobei Schwankungen im einstelligen Millisekunden­bereich ohnehin die Regel sind. Objektiv ließe sich daher nur die Betätigung der bloßen Taster ohne Abdeckung messen – und auch das nur in Relation zu anderen Mäusen, da durch die Signalverarbeitung des Rechners und den anschließenden Input-Lag des Monitors weitere Latenzen hinzukommen. Im Allgemeinen gilt, dass geringe Reaktionszeit­­differenzen bei Tastern aus den aufgeführten Gründen kaum oder gar nicht wahrgenommen werden können – im Gegensatz zur Sensorik des Mauszeigers, da eine direktere Eingabe und stetige Bewegung hier auch Latenzen im niedrigen einstelligen Millisekunden­bereich spürbar machen.

Taster fühlen sich subjektiv direkt und gut an

Im direkten Vergleich mehrerer Mäuse bewies sich die XM1 derweil tatsächlich meist als schneller, wobei die daraus resultierenden Unterschiede in einem für das Gros an Nutzern mutmaßlich nicht spürbaren Rahmen liegen. Hinzu kommt, dass bei einer internen Reaktionszeit von unterhalb einer Milllisekunde die USB-Abfragerate potentiell limitiert. Es zeigt sich somit das gleiche Bild wie schon bei der Razer Viper: Die Tasten fühlen sich in praktischer Verwendung sehr schnell und direkt an, was aber überwiegend auf eine qualitative Konstruktion der Mechanik sowie einen gelungenen Druckpunkt und nicht unbedingt auf eine durch Optomechanik oder analoge Auswertung entfallende Entprellzeit zurückzuführen ist.

Endgame Gear XM1 V2

Ebenfalls gut fühlt sich das klar taktil gerasterte und gummierte Mausrad an: Die haptisch deutlich wahrnehmbare Rasterung bietet einen präzisen Widerstand beim Drehen und nicht allzu laut. Die beiden Seitentasten wiederum sind einzeln betrachtet gelungen, unterscheiden sich aber geringfügig voneinander: Die vordere Taste löst leichter aus, während der hinter dem Signalpunkt verbleibende Hubweg der hinteren Daumentaste deutlich größer ausfällt

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