Endgame Gear XM1 im Test: Pro-Gaming-Maus kann nicht viel, das aber sehr gut

Fabian Vecellio del Monego 70 Kommentare
Endgame Gear XM1 im Test: Pro-Gaming-Maus kann nicht viel, das aber sehr gut

tl;dr: Die XM1 ist das erste Produkt des noch jungen deutschen Herstellers Endgame Gear. Im Test präsentiert sich die optisch unscheinbare Maus als makellos funktional und erstklassig präzise: Nahezu alles, was das Eingabegerät zu erzielen versucht, erreicht es. Es gibt jedoch Gaming-Mäuse, die nach noch etwas mehr streben.

Derzeit folgt das Genre der auf Ego-Shooter ausgelegten Gaming-Mäuse zwei großen Trends. Beim ersten handelt es sich um den Wettbewerb nach einem möglichst niedrigen Gewicht und damit ermöglichten guten Gleiteigenschaften, beim zweiten um das Erreichen einer minimalen Entprellverzögerung der Primärtaster. Die XM1 nimmt beide Ziele in Angriff, wenngleich die schlicht anmutende Maus das erste Eingabegerät des Herstellers Endgame Gear darstellt. Dass das aber nichts heißen muss, zeigte erst vor wenigen Monaten Glorious PC Gaming Race mit der Model O (Test), die sich zum günstigen Preis als erstklassig herausstellte – und damit die größte Konkurrenz der XM1 darstellt.

In die gleiche Kerbe schlagen zudem Razers Viper (Test) und Logitechs G Pro Wireless (Test), die beide gespiegelte Zusatztasten bieten, aber auch mehr kosten. Im kleineren – und noch leichteren – Formfaktor werben indes GPCGRs Model O- (Test) und Cooler Masters MM710 (Test) um Kunden. Verfügbar sind alle genannten Mäuse bereits, auch die XM1 ist zur unverbindlichen Preisempfehlung von rund 60 Euro exklusiv bei Caseking* erhältlich.

Endgame Gear XM1
Glorious PC Gaming Race Model O
Ergonomie: Rechtshändig
Sensor: PixArt PMW-3389
Optisch
Lift-Off-Distance: 2,0 – 3,0 mm
PixArt PMW-3360
Optisch
Lift-Off-Distance: 1,5 – 3,0 mm
Auflösung: 50 – 16.000 dpi
4 Stufen
400 – 12.000 dpi
6 Stufen
Geschwindigkeit: 11,4 m/s 6,3 m/s
Beschleunigung: 490 m/s²
USB-Abfragerate: 1.000 Hz
Primärtaster: Omron D2FC-F-K, 50 mio. Klicks Omron, 20 mio. Klicks
Anzahl Tasten: 6
Oberseite: 3 Unterseite: 1
Linkseitig: 2
6
Oberseite: 4
Linkseitig: 2
Sondertasten: Mausrad, dpi-Umschalter
Software: 1 Profile
Interner Speicher: 1 Profil
10 Profile
vollständig programmierbar
Makroaufnahme
Interner Speicher: 1 Profil
Beleuchtung: dpi-Indikator Farbe: RGB, 1 Zone
Modi: Atmend, Wellen, Farbschleife
dpi-Indikator
Gehäuse: 122 × 66 × 38 mm
Hartplastik
128 × 66 × 38 mm
Hartplastik
Variante
128 × 66 × 38 mm
Hartplastik
Glanzelemente
Gewicht: 70 Gramm (o. Kabel)
67 Gramm (o. Kabel)
Variante
68 Gramm (o. Kabel)
Anschluss: USB-A-Kabel, 1,80 m USB-A-Kabel, 2,00 m, umwickelt
Preis: ab 60 € ab 50 € / ab 50 € / ab 55 € / ab 54 €

Derzeit noch nicht verfügbar, aber seitens Endgame Gear bereits angekündigt ist eine um RGB-Leuchtdioden bereicherte Version der XM1. Die auf Grund der Beleuchtung ungefähr 15 g schwerere Maus soll gegen Ende Oktober oder Anfang November für voraussichtlich rund 70 Euro erhältlich sein.

Gehäuse und Materialien

Das Chassis der XM1 ist grundsätzlich symmetrisch geformt, Seitentasten finden sich jedoch nur links. In Vergleich zu anderen Mäusen ist vor allem die tiefe und lang abfallende Front auffällig, während der höchste Punkt des Eingabegeräts rund 1 bis 2 cm hinter dessen Mittelpunkt liegt. Die breiteste Stelle markiert derweil der Übergang vom mittleren zum hinteren Drittel der Maus, die XM1 ist folglich leicht keilförmig. Der Schwerpunkt hingegen ist leicht nach vorne versetzt – und damit ziemlich exakt auf der Position des Sensors. Generell erinnert die Formgebung recht stark an die Steelseries Sensei und Kana.

Die mittlere Größe der Maus eignet sich für sämtliche Griffvarianten, wenngleich der Fingertip-Grip nur größeren Händen komfortabel möglich ist. Nutzer mit sehr großen Gliedmaßen haben indes im Palm-Grip das Problem, mit ihren Fingern über die Primärtasten und mit ihrem Daumen über die Seitentasten hinauszuragen. Besonders geeignet ist die XM1 auf Grund der recht weit hinten liegenden Erhöhung des Rückens und des steil abfallenden Hecks für den Claw-Grip. Damit ähnelt sie der Cooler Master MM710, obschon diese sowohl kürzer als auch im Bereich des vertikal ausladenden Hecks schmaler ist.

Da beide Flanken der XM1 konkav geformt sind und nach unten hin schmaler werden, ist ein sicherer Griff jedoch immer möglich. Dazu trägt auch bei, dass die matte und leicht raue Kunststoff-Oberfläche verhältnismäßig rutschfest ausfällt. Es sei gleichwohl angemerkt, dass das Empfinden der Haptik selbstverständlich subjektiver Natur ist.

Niedriges Gewicht, akzeptables Kabel und gute Gleitfüße

Beim Vergleich mit gängigen Mäusen fallen die guten Gleiteigenschaften der XM1 als Erstes auf. Die besagten 70 g sind ein sehr niedriger Wert, wenngleich der Schwerpunkt des Eingabegerätes leicht nach vorne verlagert liegt. Auch das nicht umwickelte Kabel fällt hinsichtlich der Flexibilität besser als bei den meisten Mäusen aus und beeinflusst Bewegungen wegen des geringeren Durchmessers nur gering, obwohl es in der Verpackung der XM1 eng gefaltet wurde. Die Kabel von der Modelle GPCGR Model O, Cooler Master MM710 und Razer Viper sind indes allesamt flexibler.

Insgesamt lassen sich die Gleiteigenschaften der XM1 somit im oberen Bereich kabelgebundener Mäuse einordnen. Dem tragen auch die vier an den Ecken des Eingabegerätes platzierten weißen PTFE-Gleitfüße zu, die zwar eine nicht allzu große Fläche abdecken, etwaigem Verschleiß aber immerhin mit angemessener Dicke vorbeugen und somit an die der Model O erinnern, wenngleich Endgame Gears Maus noch ein wenig besser gleitet – solange das Kabel nicht stört.

Primär- und Sekundärtasten

Sehr sparsam geht Endgame Gear mit der Quantität der verfügbaren Tasten um: Neben den beiden Primärtasten und dem Mausrad finden sich linksseitig zwei Zusatztasten. Hinzu kommt die für die Einstellung der Sensorauflösung reservierte Taste auf der Unterseite. Vor allem hinsichtlich linker und rechter Maustaste preist der Hersteller jedoch die Qualität an: „Vorselektierte Omron-Taster“ mit einer spezifizierten Lebenszeit von maximal 50 Millionen Klicks sollen für ein „einheitliches Klickgefühl“ sorgen. Auf Nachfrage seitens ComputerBase verriet Endgame Gear, dass es sich konkret um Schalter des Typs D2FC-F-K handele, die allerdings auch zahlreiche weitere Gaming-Mäuse des gehobenen Preissegments nutzen.

Analoge Signalverarbeitung soll Entprellzeit obsolet machen

Eine Stufe darüber wäre der Griff zum japanischen Pendant D2F-F gewesen, wie er in Zaunkoenigs puristischer M1K verbaut werden soll. Jene Taster bestechen mit vergoldeten Kontakten, wodurch die notwendige Entprellzeit beim Auslösen verkürzt werden kann. Endgame Gear begegnet dieser Verzögerung derweil mit einer analogen Auswertung des Tastersignals, mit der eine „sehr viel stärkere“ Senkung der Reaktionszeit möglich sei, als sie durch digitales Entprellen erreicht werden könne – konkret liege der Wert im Falle der XM1 unter einer halben Millisekunde.

Analog Key Sensing Technology does not debounce at at all. Debounce is something from the digital world. The switch itself however is still the same switch, causing the same bouncing as before, but the Analog Key Sensing takes sample snapshots at a incredible high speed (very much like a scope) and the bouncing of the switch is summed into this analog sampling signal and therefore the bouncing is transformed into a mathematical function rather than a digital bounce (0/1) thus eliminating the need to debounce altogether.

This works similar how different brightness levels are archived for LEDs traditionally. LEDs are pulsed to archive that, being always driven at their max brightness at for small periods of time. The more times that happens the the brighter the LED is perceived. Analog Key Sensing is the reverse of this and using true analog to actually see the "brightness", i.e. the key level.

Endgame Gear

Ein praktischer Test dessen gestaltet sich im Rahmen menschlicher Wahrnehmung als kompliziert oder gar unmöglich. Da Nutzer die Tasten­abdeckungen an verschiedenen Stellen aus unterschiedlichen Winkeln herabdrücken, ist das Geschehen vor dem Auslösen oftmals relevanter als die anschließende Signalverzögerung. Darüber hinaus variiert der Widerstand je nach Kontaktstelle der Finger zu den Abdeckungen, da bei weit nach vorne verlagertem Kontakt beispielsweise eine Hebelwirkung eintreten kann.

Die allein durch diese Unwägbarkeiten entstehenden Unterschiede ziehen eine Reaktionszeit­steigerung von einigen Millisekunden nach sich, wobei Schwankungen im einstelligen Millisekunden­bereich ohnehin die Regel sind. Objektiv ließe sich daher nur die Betätigung der bloßen Taster ohne Abdeckung messen – und auch das nur in Relation zu anderen Mäusen, da durch die Signalverarbeitung des Rechners und den anschließenden Input-Lag des Monitors weitere Latenzen hinzukommen. Im Allgemeinen gilt, dass geringe Reaktionszeit­­differenzen bei Tastern aus den aufgeführten Gründen kaum oder gar nicht wahrgenommen werden können – im Gegensatz zur Sensorik des Mauszeigers, da eine direktere Eingabe und stetige Bewegung hier auch Latenzen im niedrigen einstelligen Millisekunden­bereich spürbar machen.

Taster fühlen sich subjektiv direkt und gut an

Im direkten Vergleich mehrerer Mäuse bewies sich die XM1 derweil tatsächlich meist als schneller, wobei die daraus resultierenden Unterschiede in einem für das Gros an Nutzern mutmaßlich nicht spürbaren Rahmen liegen. Hinzu kommt, dass bei einer internen Reaktionszeit von unterhalb einer Milllisekunde die USB-Abfragerate potentiell limitiert. Es zeigt sich somit das gleiche Bild wie schon bei der Razer Viper: Die Tasten fühlen sich in praktischer Verwendung sehr schnell und direkt an, was aber überwiegend auf eine qualitative Konstruktion der Mechanik sowie einen gelungenen Druckpunkt und nicht unbedingt auf eine durch Optomechanik oder analoge Auswertung entfallende Entprellzeit zurückzuführen ist.

Ebenfalls gut fühlt sich das klar taktil gerasterte und gummierte Mausrad an: Die haptisch deutlich wahrnehmbare Rasterung bietet einen präzisen Widerstand beim Drehen und nicht allzu laut. Die beiden Seitentasten wiederum sind einzeln betrachtet gelungen, unterscheiden sich aber geringfügig voneinander: Die vordere Taste löst leichter aus, während der hinter dem Signalpunkt verbleibende Hubweg der hinteren Daumentaste deutlich größer ausfällt.

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