Flughafen BER: So modern sind Mobilfunk und WLAN neun Jahre später

Nicolas La Rocco 149 Kommentare
Flughafen BER: So modern sind Mobilfunk und WLAN neun Jahre später
Bild: Flughafen Berlin Brandenburg GmbH/Günter Wicker

tl;dr: Ende Oktober 2020 soll der Flughafen BER eröffnen. Ursprünglich war November 2011 geplant. Stammt die Technik für Mobilfunk und WLAN noch aus dieser Zeit und ist veraltet? Um die Infrastruktur ist es besser bestellt, als gedacht, wie Gespräche mit Flughafengesellschaft, Deutscher Telekom, Telefónica und Vodafone zeigen.

Es bedarf eines weiten Blickes in die Vergangenheit, um den ursprünglichen Eröffnungstermin des Flughafens Berlin Brandenburg auf dem Kalender zu entdecken. Im November 2011 hätte der BER, wie er in Kurzform genannt wird, bis zu 28 Millionen Passagieren pro Jahr die Tore öffnen sollen, nachdem im September 2006 der Spatenstich erfolgt war. Daraus geworden ist bekanntermaßen nichts, erst am 31. Oktober 2020 und damit gut neun Jahre später soll der Flughafen nach letztem Stand eröffnet werden, sofern im kommenden Jahr alles planmäßig läuft.

2011 ist das Jahr, in dem Apple das iPhone 4S und Samsung das Galaxy S II auf den Markt gebracht haben. Es ist auch das Jahr, in dem in Deutschland der LTE-Mobilfunkstandard ganz am Anfang stand und in ersten Ballungsgebieten und Großstädten angeboten wurde, nachdem im Jahr zuvor 4,4 Milliarden Euro für die Lizenzen ausgegeben worden waren.

Während der Mobilfunk, so wie man ihn heute kennt, 2011 noch in den Kinderschuhen steckte, war im WLAN-Bereich 802.11n neben a, b und g der aktuelle Standard. Das schnellere 802.11ac wurde hingegen erst 2013 verabschiedet. Und Zuhause waren DSL-Anschlüsse mit 16 Mbit/s die Regel, während 50 Mbit/s das Maximum über Kupfer darstellten.

Wie veraltet ist die Technik des BER?

Das lässt die Frage aufkommen, wie digital und gut vernetzt der Flughafen BER Ende 2020 sein kann, wenn er doch vor dann bereits neun Jahren hätte eröffnet werden sollen. Denn in den zahlreichen Diskussionen rund um den BER standen vor allem die Baukosten, Entrauchungsanlage, Kabeltrassen und Dübel im Fokus, nicht aber die Ausstattung für Mobilfunk und WLAN. Das Terminal ist abseits der Nachbesserungen seit Jahren fertiggestellt. Einen Probebetrieb mit 10.000 Komparsen hat es bereits 2012 gegeben. Dass die Technik im Flughafen abseits des Regelbetriebs altert, hatten 2018 Hunderte Bildschirme für Fluggastinformationen gezeigt, die sechs Jahre lang mit der allgemeinen Stromversorgung im Terminal liefen und weit vor der Eröffnung das Ende ihrer Lebensdauer erreicht hatten. Kostenpunkt: 500.000 Euro für 750 Displays.

Bereits erneuerte Anzeigetafeln am BER
Bereits erneuerte Anzeigetafeln am BER (Bild: Flughafen Berlin Brandenburg GmbH/Günter Wicker)

Werden Ende 2020 mit der geplanten Eröffnung also modernste Smartphones, Tablets und Notebooks auf veraltete Mobilfunk- und WLAN-Technik aus dem Jahr 2011 treffen, als teils noch ganz andere Standards und Geschwindigkeiten etabliert waren? Wird es zur Eröffnung schnelles WLAN und LTE am BER geben? Und wie sieht es mit 5G aus? Darüber hat ComputerBase mit der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH sowie mit den drei Netzbetreibern Deutsche Telekom, Telefónica und Vodafone gesprochen.

Kostenfreies WLAN-ac für alle Besucher

Zum Thema WLAN heißt es vom Flughafenbetreiber, dass die Technik von Alcatel und Nokia stamme und dem noch aktuellen Standard 802.11ac entspreche, der bei 2,4 GHz und 5 GHz rund um die Uhr kostenfrei angeboten werde. Auch auf der Terminalvorfahrt und der Besucherterrasse soll WLAN angeboten werden. Dass 802.11ac zur Verfügung steht, zeigt, dass nach dem ursprünglichen Eröffnungstermin ein Upgrade der Technik durchgeführt wurde, denn erst 2013 wurde der ac-Standard verabschiedet. Wi-Fi 6 ist für den BER hingegen noch kein Thema. Das ist insofern wichtig, als dass Wi-Fi 6 schnellere Datenübertragungsraten bei der Nutzung von MU-MIMO-Antennen verspricht. Mit MU-OFDMA (Multi User Orthogonal Frequency Division Multiple Access) wird das WLAN-Signal bei gleicher Bandbreite pro Kanal (20 MHz) in mehr Subcarrier aufgeteilt, wodurch sich die Latenzen beim gleichzeitigen Zugriff vieler Teilnehmer reduzieren.

Check-in-Halle
Check-in-Halle (Bild: Flughafen Berlin Brandenburg GmbH/Alexander Obst, Marion Schmieding)

Dennoch: Die WLAN-Technik des BER ist nicht mehr auf dem Stand von 2011 und wird Ende 2020 auf dem Niveau anderer deutscher Großflughäfen liegen. Wer sich nicht für das WLAN anmelden möchte, soll am Flughafen auch mit Mobilfunk versorgt werden.

Telefónica ist Projektführer für die Mobilfunk-Versorgung

Dass auch beim Mobilfunk nicht mehr Technik anno 2011 zum Einsatz kommt, geht aus einer Anfrage an Vodafone hervor. Der Netzbetreiber gab vergleichsweise umfangreich Auskunft zum technischen Stand am BER, nachdem die Redaktion zuvor bei Telefónica auf Granit biss. Das ist insofern von Relevanz, als dass Telefónica Deutschland Projektführer und Vertragspartner der Flughafengesellschaft bei der Mobilfunk-Versorgung des BER ist. Es sei bei Projekten dieser Größenordnung üblich und bewährt, unter allen Netzbetreibern einen zu finden, der Projektführer und erster Ansprechpartner und Vertragspartner für den Bauträger ist, so ein Sprecher von Vodafone.

Keine Auskunft aus Sicherheitsgründen

Telefónica selbst wollte zum Mobilfunk am BER jedoch keinerlei Aussagen machen. Einem Sprecher zufolge äußere sich das Unternehmen grundsätzlich nicht öffentlich zu Art und Weise der Realisierung von technischen Mobilfunkeinrichtungen an und in Verkehrsflughäfen. Dazu habe man sich vertraglich verpflichtet. Begründet wird dies mit dem Status der Flughäfen als sensible, sicherheitsrelevante Einrichtungen.

Vodafone bietet GSM, UMTS und LTE am Flughafen

Vodafone hingegen erklärte, dass für die Mobilfunk-Versorgung auf eine aufwendige Innenhausversorgung für alle Netzbetreiber gesetzt werde. Diese bestehe aus einer Master Unit von CommScope sowie aus der Systemtechnik der jeweiligen Netzbetreiber. Das sei bei solchen Projekten eine übliche Bauweise. Bei den Systemtechniklieferanten kommen aufseiten von Vodafone Mobilfunkantennen von Huawei für die Versorgung mit GSM, UMTS und LTE zum Einsatz. Das ist die gleiche Technik, die Vodafone in den Regionen Berlin und Brandenburg für sein Mobilfunknetz verwendet. Der von Vodafone genutzte Frequenzbereich ist 2.600 MHz, wo der Netzbetreiber zweimal 20 MHz und einmal 25 MHz besitzt. Die Frequenzbänder im Bereich 2.600 MHz sind vor allem für Ballungsgebieten mit großen Menschenmassen und damit auch Flughäfen gut geeignet.

Abflugbereich auf oberer Ebene
Abflugbereich auf oberer Ebene (Bild: Flughafen Berlin Brandenburg GmbH/Günter Wicker)

Vollständige Modernisierung 2015

Die Inbetriebnahme der Mobilfunk-Versorgung am BER erfolgte bei Vodafone 2012. Ende 2014 bis Anfang 2015 erfolgte eine vollständige Modernisierung, die im Zuge eines Techniktausches in der gesamten Region Berlin und Brandenburg durchgeführt wurde. Dem Netzbetreiber zufolge seien Modernisierungen ein permanenter Prozess, außerdem werde das Mobilfunknetz am BER ständig gewartet und auf den neuesten technischen Stand gebracht. Sofern sich 5G als erforderlich für die Mobilfunk-Versorgung am Flughafen herausstelle, werde eine Modernisierung des Netzes in diese Richtung geprüft, so Vodafone. Dies setze bei einem Gemeinschaftsprojekt aber das Einverständnis aller Netzbetreiber voraus, die den Flughafen versorgen. Auch bei der Flughafengesellschaft selbst sei die Frage, ob künftige Besucher mit dem neuen Standard 5G rechnen können, noch offen, so eine Sprecherin des BER.

Deutsche Telekom ohne eigene Technik

Die Deutsche Telekom bietet zumindest direkt im Terminal keine eigene Mobilfunk-Infrastruktur an, da sie bei der Ausschreibung für den Mobilfunk-Aufbau am BER kein Los gewonnen hat, wie eine Sprecherin gegenüber ComputerBase erklärte. Die Deutsche Telekom wird sich stattdessen in die Infrastruktur eines anderen Anbieters einmieten. Eigene Infrastruktur der Deutschen Telekom gibt es aber an anderer Stelle im BER: Das Unternehmen habe am Flughafen eine vierstellige Kilometerzahl an Glasfaser verlegt sowie Hunderte Monitore installiert, jedoch explizit keine Mobilfunk-Infrastruktur aufgebaut. Außerdem war das Unternehmen am Aufbau branchenspezifischer Verkehrssteuerungssystemen etwa für Bodenbewegungen sämtlicher Fahrzeuge beteiligt. Auch außerhalb des Terminals werden Besucher beinahe flächendeckend mit aktuellem Mobilfunk versorgt.

BER ist beinahe funklochfreie Zone

Wie es um die Netzabdeckung am und rund um den BER bei Deutscher Telekom, Telefónica und Vodafone bestellt ist, lässt sich über die jeweiligen Karten zum Netzausbau einsehen, wobei Telefónica erst nach Eingabe einer Adresse die Unterteilung gemäß der Mobilfunkstandards 2G, 3G, 4G und 5G erlaubt (Vodafone auch NarrowBand IoT). Abgesehen von dem Vorplatz des Terminals bei der Deutschen Telekom bieten alle drei Netzbetreiber ein funklochfreies Netz auf dem Gelände.

LTE-Versorgung rund um den BER von Deutscher Telekom, Telefónica und Vodafone (v. l. n. r.)
LTE-Versorgung rund um den BER von Deutscher Telekom, Telefónica und Vodafone (v. l. n. r.)
LTE-Versorgung rund um den BER von Deutscher Telekom, Telefónica und Vodafone (v. l. n. r.)
LTE-Versorgung rund um den BER von Deutscher Telekom, Telefónica und Vodafone (v. l. n. r.) (Bild: Deutsche Telekom/Telefónica/Vodafone)

Um die Mobilfunk- und WLAN-Versorgung im Flughafen BER ist es also besser bestellt, als zunächst angenommen wurde. Der technische Stand entspricht nicht mehr zwischenzeitlich veralteten Technologien aus dem Jahre 2011, sondern wurde aktualisiert und liegt auf dem Niveau, das auch an anderen deutschen Großflughäfen geboten wird. Diese Aktualisierung war überhaupt erst aufgrund der zahlreichen Verschiebungen des Eröffnungstermins notwendig. Raum für Verbesserungen gibt es dennoch: Mit Wi-Fi 6 und 5G kann der BER die WLAN- und Mobilfunk-Infrastruktur um weitere Kapazitäten aufstocken und sich gegenüber steigenden Besucherzahlen wappnen. Am 31. Oktober 2020 soll die Eröffnung des Flughafens stattfinden.

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