Anno History Collection im Test: GPU-Benchmarks und ein Vergleich zum Original

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Wolfgang Andermahr et al. 159 Kommentare

Die nachfolgenden Grafikkarten-Benchmarks sind mit einem AMD Ryzen 9 3900X auf einem B450-Mainboard und daher ohne PCIe 4.0 durchgeführt worden. Der Prozessor wird mit den Standard-Einstellungen betrieben und kann auf insgesamt 32 Gigabyte Arbeitsspeicher mit einer Geschwindigkeit von DDR4-3200 (14-14-14-32) zurückgreifen. Windows 10 2004 inklusive aller derzeit verfügbaren Patches ist installiert. Als Treiber wurden der Adrenalin 20.5.1 und der GeForce 451.48 genutzt.

Testsequenz und Einstellungen

Die 25 Sekunden lange Testsequenz von Anno 1404 (History Edition) findet im Endgame mit einer etwa 50.000 Personen großen Stadt und maximalem Bildausschnitt statt. Das Original hat in diesem Szenario Probleme damit die Grafikkarte auszulasten, schafft es aber genauso wenig, die Rechenaufgabe auf mehrere CPU-Kerne aufzuteilen. Die Framerate ist verhältnismäßig niedrig.

Für 1.920 × 1.080, 2.560 × 1.440 und 3.840 × 2.160 wird das Sehr-hoch-Preset mit 4-fachem MSAA und 8-fachem AF genutzt.

Auflösung Grafikdetails
1.920 × 1.080 Sehr-hoch-Preset, 4-faches MSAA, 8-faches AF
2.560 × 1.440 Sehr-hoch-Preset, 4-faches MSAA, 8-faches AF
3.840 × 2.160 Sehr-hoch-Preset, 4-faches MSAA, 8-faches AF

Benchmarks in Full HD, WQHD und Ultra HD

Selbst aktuelle Einsteiger-Grafikkarten wie die GeForce GTX 1650 Super bieten eine Leistung, von der High-End-Modelle des Jahres 2009 nur träumen konnten. Trotzdem ist die Performance in der Neuauflage von Anno 1404 erstaunlich schlecht – und das gleich in mehrfacher Hinsicht.

So zeigt sich in 1.920 × 1.080 offenbar ein API-Limit, das bereits bei knapp über 60 FPS eintritt. Die Frametimes liegen gar deutlich unter diesem Wert. Auffällig ist zudem das schlechte Abschneiden der Radeon RX 5500 XT auf Basis der RDNA-Architektur, die 36 Prozent langsamer als die Radeon RX 580 ist.

Die Radeon RX 5500 XT „kann“ nur WQHD

In 2.560 × 1.440 löst sich das API-Limit dann und die Framerate liegt bei nur noch etwas über 40 FPS. Das ist für eine Neuauflage im Jahr 2020 schlicht nicht akzeptabel bei einem so alten Spiel mit so geringen Änderungen. Die GeForce GTX 1060 führt das Testfeld an, die GeForce GTX 1650 Super liegt direkt dahinter. Die Radeon RX 580 ist nur wenige Prozentpunkte davon entfernt. Die Radeon RX 5500 XT arbeitet reproduzierbar in WQHD absolut gleich schnell wie in Full HD, sodass der Rückstand zur Radeon RX 580 nur noch 5 Prozent beträgt.

In 3.840 × 2.160 ruckelt Anno 1404 in der History Edition dann spürbar, was bei Frameraten von unter 40 FPS auch nicht verwundert. Die GeForce GTX 1060 kann sich um 4 Prozent von der GeForce GTX 1650 Super absetzen, die wiederum 4 Prozent flotter als die Radeon RX 580 ist. Die Radeon RX 5500 XT verliert in Ultra HD dann plötzlich wieder massiv an Leistung und arbeitet 21 Prozent langsamer als das alte Modell. Zumindest hält sich der Rückstand bei den Frametimes in Grenzen.

Anno 1404: Original vs. Neuauflage

Bei der schlechten Performance der Neuauflage kommt zwangsweise die Frage auf, ob das Original von Anno 1404 genauso schlecht läuft. Die Erinnerung sagt nein, die Benchmarks ebenso – und wie. Unabhängig von der Grafikkarte läuft die Urversion viel besser, teils gar doppelt so schnell.

Auch im Original gibt es ein API-Limit, in das die Testkandidaten hineinlaufen. Doch liegt das in 1.920 × 1.080 nicht bei 67 FPS, sondern bei deutlich höheren 85 FPS. Damit läuft das Original etwa 25 Prozent besser als die angeblich optimierte Neuauflage. Und auch die Frametimes fallen deutlich aus. Doch nicht nur das: Im Original funktioniert auch die Radeon RX 5500 XT ordentlich und schneidet wie gewohnt gleichwertig mit den restlichen Kandidaten ab.

Während alle Grafikkarten in der Neuauflage von Anno 1404 in 2.560 × 1.440 Leistung verlieren, arbeiten alle vier Beschleuniger im Original immer noch im API-Limit. Entsprechend steigt der Abstand deutlich an und Anno 1404 läuft in WQHD 75 bis 92 Prozent besser als in der History Edition – bei keinesfalls schlechterer Grafik wohlgemerkt.

In 3.840 × 2.160 gerät dann auch die Urversion des Spiels in ein GPU-Limit, läuft aber immer noch deutlich besser als die neue Variante. Die Radeon RX 5500 XT, die in der History Edition überhaupt nicht klar kommt, übernimmt dann gar um knapp 2 Prozent die Führung vor der GeForce GTX 1060. Die Neuauflage läuft nicht einmal halb so schnell (58 zu 28 FPS). Die Radeon RX 580 ist 4 Prozent langsamer als das neue AMD-Modell, die GeForce GTX 1650 Super 10 Prozent.

DirectX 9 ist ein Problem der History Edition

Doch warum läuft die History Edition so viel schlechter als das Original? Ein Problem ist sicherlich das unerklärliche Fehlen von DirectX 10. Die API war mit dem Spiel schon beim Original überfordert, DirectX 9 ist es umso mehr. In der Steam-Version des original Anno 1404 lässt sich leider nicht mehr auf DirectX 9 umschalten, sodass ein direkter Vergleich nicht möglich ist.

DirectX 9 ist aber nicht das einzige Problem, denn die History Edition lastet alle genutzten Grafikkarten auch in Ultra HD nicht komplett aus, obwohl die Framerate deutlich fällt. Es tritt gar das merkwürdige Phänomen auf, dass die GPU-Auslastung in Full HD und in Ultra HD völlig gleich ist. Das Problem liegt dabei ersichtlich auf Seiten der Grafikkarte und nicht des Prozessors. Warum die Radeon RX 5500 XT beziehungsweise alle Modelle mit AMDs aktueller RDNA-Architektur so schlecht in dem Remake abschneiden, ist eine andere Baustelle, die aber ebenso ungeklärt bleiben muss. In beiden Fällen kann nur Ubisoft per Patch Abhilfe schaffen.

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