Halo 3 im Test: Spaßige PC-Premiere mit winzigem Technik-Upgrade

Wolfgang Andermahr et al. 65 Kommentare
Halo 3 im Test: Spaßige PC-Premiere mit winzigem Technik-Upgrade

tl;dr: Auch Halo 3 gibt es in der The Master Chief Collection jetzt für PC. ComputerBase hat sich das Spiel und dessen Technik in Benchmarks genauer angesehen. Der Test zeigt, dass die Grafik gegenüber der neuen Konsolenfassung noch einmal minimal hübscher ist. Die Systemanforderungen bleiben aber moderat.

PC-Premiere für Halo 3

Die The Master Chief Collection von 2014 hat auf dem PC den nächsten Teil erhalten. Auf Halo: Reach (Test), Halo: Combat Evolved Anniversary und Halo 2: Anniversary folgt Halo 3. Anders als bei Halo und Halo 2, von denen es schon einmal eine Windows-Version gegeben hat, kann man Halo 3 damit erstmals auf dem PC spielen.

Das Original war im Jahr 2007 für die Xbox 360 erschienen. Im Jahr 2014 hatte das Spiel dann im Zuge der Veröffentlichung der The Master Chief Collection für die Xbox One ein kleines grafisches Update erhalten und auf dieser Version basiert die neue PC-Fassung. Für den PC hat der Entwickler 343 Industries in Zusammenarbeit mit Saber Interactive und Ruffian die Engine auf DirectX 11 portiert, die Auflösung auf bis zu 3.840 × 2.160 erhöht, das Frameraten-Limit aufgehoben und weitere kleine Verbesserungen umgesetzt.

Halo 2: Anniversary ist hübscher als Halo 3

Halo 3 basiert in der The Master Chief Collection im Kern dennoch weiterhin zu einem Großteil auf dem Xbox-360-Original aus dem Jahre 2007, während Halo 2: Anniversary für die gleichnamige Neufassung als Xbox-One-Version im Jahr 2014 deutlich umfangreicher modernisiert worden war. Und so sieht Halo 2 in der The Master Chief Collection auch auf dem PC besser aus als Halo 3.

Je nach Szene fällt das mal mehr und mal weniger auf. Während die Darstellung unter freiem Himmel und die Feuergefechte bezüglich der grafischen Qualität ziemlich nah an Halo 2: Anniversary dran sind, bleibt die Qualität innerhalb von Gebäuden sowie die Darstellung von Charakteren weit zurück.

So ehrlich muss man sein: Halo 3 ist in heutigen Maßstäben stellenweise hässlich – daran ändert auch „4K“ nichts. Wer Halo 3 im Sommer 2020 auf dem PC spielen möchte, sollte der Grafik also keine allzu große Beachtung schenken. Wer das nicht tut, der kann dafür zum ersten Mal auf dem PC ein Stück Spielegeschichte erleben – und der PC muss nicht sehr schnell sein.

Grafikeinstellungen mit nur kleinen Unterschieden

Weil auch Halo 3 die The Master Chief Collection als Grundgerüst nutzt, gibt es erneut keine wirklichen Grafikoptionen, sondern nur die Möglichkeit, die Qualität des Originals, eine verbesserte oder eine schnellere Variante zu nutzen.

Während die PC-Version von Halo 2: Anniversary dabei durchaus einige optische Upgrades erhalten hat, ist dies bei Halo 3 sichtbar nur in einem Punkt der Fall: Die Verbessert-Einstellung erhöht die Entfernung, in der gefallene Gegnern noch zu sehen sind. Und in der Performance-Einstellung geht es schlicht in die andere Richtung: Die Distanz, in der Gefallene zu sehen sind, wird schlicht weiter reduziert, das LOD für Vegetation deutlich aggressiver und manche Objekte werfen keine Schatten mehr. Das fällt aber nicht in allen Szenen auf.

Die optischen Unterschiede zwischen den einzelnen „Grafik-Presets“ sind also gering und entsprechend gering sind auch die FPS-Zuwächse. Wer von „Verbessert“ auf „Original“ umschaltet, erhält auf der GeForce RTX 2070 Super gerade einmal einen Leistungsgewinn von 6 Prozent, auf der Radeon RX 5700 XT sind es gar nur 5 Prozent. Auch die Einstellung „Leistung“ bringt keinen großen Schub: Sie beschleunigt die Nvidia-Grafikkarte um weitere 14 Prozent, das AMD-Pendant um 9 Prozent.

Grafik-Einstellungen – 3.840 × 2.160
  • AMD Radeon RX 5700 XT:
    • Leistung-Einstellung
      154,7
    • Original-Einstellung
      142,3
    • Verbessert-Einstellung
      135,7
  • Nvidia GeForce RTX 2070 Super:
    • Leistung-Einstellung
      176,4
    • Original-Einstellung
      155,1
    • Verbessert-Einstellung
      146,1

Kaum weitere Einstellmöglichkeiten

Abgesehen von der Qualitätsoption gibt es nur wenige weitere Einstellmöglichkeiten im Grafikmenü. Es lässt sich die gewünschte Auflösung konfigurieren, dasselbe gilt für V-Sync sowie einen Framelimiter (aus oder 60 FPS). Auch das Sichtfeld lässt sich beeinflussen. Das war es.

Das Grafikmenü
Das Grafikmenü
Das Grafikmenü
Das Grafikmenü

Testsystem und Einstellungen

Die nachfolgenden Benchmarks wurden auf einem AMD Ryzen 9 3900XT (Test) durchgeführt, der mit den Standardeinstellungen betrieben wird. Als Mainboard wurde das Asus ROG Strix B550-E Gaming (BIOS 0802) mit dem B550-Chipsatz verbaut, Grafikkarten können entsprechend mit PCIe 4.0 angesteuert werden. Die CPU wurde von einem Noctua NH-D15S mit zentral installiertem 140-mm-Lüfter gekühlt. 32 GB Speicher (4 × 8 GB, Single-Rank, DDR4-3200, 14-14-14-32-1T) standen dem Prozessor zur Verfügung. Ein frisch aufgespieltes Windows 10 2004 mit sämtlichen Updates war auf einer NVMe-M.2-SSD mit PCIe 3.0 installiert, dasselbe galt für AMDs aktuellen Chipsatztreiber.

Als Treiber wurden der Adrenalin 20.7.1 beziehungsweise der GeForce 451.67 genutzt. In wie weit die Treiber für die The Master Chief Collection optimiert sind, ist nicht bekannt.

Testsequenz und Einstellungen

Die Testsequenz stammt aus dem sechsten Level „Flood-Damm“. Es spielt bei Nacht und vereint eine hohe Sichtweite, viele Gebäude und volumetrischen Nebel. Die Sequenz stellt damit verhältnismäßig hohe Anforderungen an den Rechner. Gewöhnlich läuft Halo 3 schneller, jedoch gibt es in Gefechten ab und zu Situationen, in denen die Framerate noch etwas niedriger ausfällt.

Für die Auflösungen 1.920 × 1.080, 2.560 × 1.440 sowie 3.840 × 2.160 wird die Einstellung „Grafikqualität Verbessert“ und damit die höchstmögliche Detailstufe genutzt.

Auflösung Grafikdetails
1.920 × 1.080 Grafikqualität Verbessert
2.560 × 1.440 Grafikqualität Verbessert
3.840 × 2.160 Grafikqualität Verbessert

Benchmarks in Full HD, WQHD und Ultra HD

Die Anforderungen von Halo 3 an die Grafikkarte sind gering. Selbst die Radeon RX 580 und damit das in Halo 3 klar langsamste getestete Modell überschreitet in 3.840 × 2.160 die 60-FPS-Marke und scheitert bei den Frametimes nur knapp daran. Bei einem aktuellen Modell der Oberklasse gibt es spielend mehr als 100 FPS.

Bei den Benchmarks fällt auf, dass zwei Modelle Halo 3 nicht sonderlich mögen und dass AMD-Grafikkarten schneller in niedrigen als in hohen Auflösungen arbeiten.

Überhaupt nicht schmeckt Halo 3 AMDs alte GCN-Generation. Während die aktuelle Riege mit RDNA-Technik flott unterwegs ist, arbeiten Radeon RX 580 und Radeon RX Vega 64 erstaunlich langsam. So ist die GeForce GTX 1060 mal eben 24 Prozent schneller als die Radeon RX 580, während die Radeon gewöhnlich gar etwas schneller ist.

Richtig Probleme hat die Radeon RX Vega 64. Diese kann sich nur um 42 Prozent von der Radeon RX 580 absetzen und ist so nur 15 Prozent schneller als die GeForce GTX 1060. Die GeForce GTX 1080 ist 30 Prozent flotter unterwegs, in modernen Spielen gibt es normalerweise einen Gleichstand. Und die Radeon RX 5700 XT liefert 36 Prozent mehr FPS, in modernen AAA-Spielen sind es sonst 22 Prozent. Das ist noch ein Best-Case-Szenario, denn in Full HD und WQHD schaut es für die Radeon RX 580 und die Radeon RX Vega 64 noch schlechter aus.

Zwischen den Turing- und den Navi-Grafikkarten gibt es hingegen den typischen Abstand. Flott unterwegs ist zudem Nvidias alte Pascal-Generation. Die GeForce GTX 1080 ist in Ultra HD nur 12 Prozent langsamer als die GeForce RTX 2070 Super, sodass die zwei 3D-Beschleuniger deutlich enger beieinander liegen als gewohnt.

Frametimes zeigen ein klein wenig Unruhe

Die Frametimes zeigen auf der Radeon RX Vega 64 ein klein wenig Unruhe, sie sind allerdings nicht besorgniserregend schlecht und bei ausreichender Framerate auch kein Problem. Die drei anderen Modelle machen es nichtsdestoweniger besser. Sowohl die Radeon RX 5700 XT als auch die GeForce RTX 2070 Super und die GeForce GTX 1080 haben vergleichbar gute Frametimes mit minimalen Vorteilen auf Seiten Nvidia.

Wie gut ist Halo 3?

Was ist von einem Spiel auf dem PC zu erwarten, das eigentlich exklusiv für eine mittlerweile ziemlich alte Konsole entwickelt wurde? Eine ganze Menge, denn anders als die portierten Remaster von Halo 1 und 2 ist das Basisspiel eine ganze Ecke neuer.

Spüren lässt sich das sofort. Halo 3 steuert sich direkter und schneller als seine Vorgänger in der Master Chief Collection, was auch am leicht höheren Bewegungstempo liegt. Zu Doom wird der Shooter damit nicht gleich, vereinfacht aber den Einstieg durch das geringer ausgeprägte Gefühl, eigentlich unter Wasser zu laufen. Was vielleicht als etwas angestaubt beurteilt werden mag, ist viel eher anders und gewöhnungsbedürftig, aber nicht zwingend auch schlecht.

Dass etwas langsamer gespielt wird, hat bei Halo einen Grund: Nicht die Zielgruppe, vermeintlich ungeschickte Konsolen-Spieler mit Gamepad, die unbedingt Shooter spielen müssen, sondern das taktischere Gameplay. Auf höheren Schwierigkeitsgraden fordern die Coventant kräftig, selbst das kleine „Kanonenfutter“ wird bei Unachtsamkeit gefährlich. Erfolgreich zu sein heißt deshalb auch hier, die aktuelle, sich ständig verändernde Situation korrekt zu lesen und die neuen Gadgets passend einzusetzen, was dann mit motivierenden Schreckensschreien der kleinen Grunts belohnt wird. Schnelle Reaktionen helfen nur bedingt, viele Stellen erinnern schwach an kleine Puzzle, die sich zwar mit Waffen, aber nie nur mit allzu dumpfem Dauerfeuer lösen lassen.

Halo 3: The Master Chief Collection im Test

Einen Platz im aktuellen Spieleangebot sichert sich Halo aufgrund dieser speziellen Ausprägung, mit der es quasi sein eigenes Subgenre definiert und besetzt. Im positiven Sinne moderner wird das Leveldesign, das aufgrund der höheren Rechenleistung der Xbox 360 weit weniger klotzig sein darf. Es gibt nun organischer wirkende lineare Abschnitte, die Vertikalität besser verstecken, und sich mit bewusst platzierten offenen Passagen, einem weiteren Kennzeichen von Halo, ablösen. Auch das erscheint wohltuend anders in einer Zeit, in der alles möglichst offen und möglichst riesig werden muss.

Auch wenn die Grafik trotz UHD-Makeup keine Augenbrauen mehr hebt, ist sie doch gut genug, um nicht im Weg der anderen Halo-Qualitäten zu stehen. Ähnlich „okay“ schlägt sich die Erzählung, die rudimentären Kontext verschafft und damit eigentlich in einem Shooter richtig wäre, aber an hölzernen Animationen krankt.

Halo 3 kann schwerlich als rundes Produkt bezeichnet werden, passt aber keineswegs auf ein Abstellgleis. Der Oldtimer punktet dort, wo es darauf ankommt: Bei einem Gameplay, das fordernd und fesselnd ist. Eine vielleicht sperrige Erkenntnis: Was Spaß macht, hat sich 13 Jahre später nicht grundlegend geändert.

Fazit

Mit der The Master Chief Collection kann man nun Halo 3 zum ersten Mal auf dem PC spielen und der Titel hat es inhaltlich verdient, auch im Sommer 2020 gespielt zu werden. Die Umsetzung der PC-Version ist dagegen wenig spektakulär, denn es wurde nur das nötigste getan. Halo 2: Anniversary hat technisch deutlich größere Upgrades erhalten und sieht so schlussendlich besser als Halo 3 aus, macht spielerisch aber nicht so viel Spaß.

Dafür liefert Halo 3 zumindest durchweg sehr hohe Frameraten. 60 FPS in Ultra HD sind selbst auf betagten Grafikkarten wie einer GeForce GTX 1060 kein Problem. Apropos Probleme: Während Nvidias Pascal- sowie Turing- und AMDs aktuelle Navi-Generation gut in dem Spiel laufen, haben AMDs alte GCN-Ableger, allen voran die Radeon RX Vega, so ihre Probleme in dem Spiel. Die GCN-Modelle laufen in Halo 3 deutlich langsamer als gewohnt. Bei der Radeon RX Vega 64 stört das eher wenig, bei der Radeon RX 580 reicht es so aber nicht für stabile 60 FPS in Ultra HD.

Dieser Artikel war interessant, hilfreich oder beides? Die Redaktion freut sich über jede Unterstützung in Form deaktivierter Werbeblocker oder eines Abonnements von ComputerBase Pro. Mehr zum Thema Anzeigen auf ComputerBase.