Huawei FreeBuds Neo im Test: Kleine ANC-In-Ears bieten LDAC und viele Extras

Frank Hüber
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Huawei FreeBuds Neo im Test: Kleine ANC-In-Ears bieten LDAC und viele Extras

Die Huawei FreeBuds Neo bieten als vergleichsweise günstige In-Ear-Kopfhörer viele Funktionen und technisch mit ANC, LDAC, Bluetooth 6.0 und kleinen Abmessungen bei guter Akkulaufzeit mehr als viele Konkurrenten. Doch der Teufel sitzt mitunter im Detail.

Mit den FreeBuds Neo erweitert Huawei die Serie der In-Ear-Kopfhörer um ein weiteres Modell mit adaptivem Noise-Cancelling und Hi-Res-Audio mit LDAC-Unterstützung. Die neuen FreeBuds Neo sind unterhalb der FreeBuds Pro, aber oberhalb der FreeBuds, FreeBuds i-Serie und FreeBuds SE angesiedelt. Mit ihr möchte Huawei vor allem auch jüngere Nutzer ansprechen, die auf die Multimedia-Leistung der FreeBuds Neo Wert legen. Mit Mini-Stiel und Bluetooth 6.0 sollen sie angenehm sitzen und bis zu 10 Stunden nonstop Musik abspielen.

Die Huawei FreeBuds Neo sind in den Farben Schwarz, Weiß, Silber und Rosa für 129 Euro erhältlich. Bei der Farbwahl Rosa verfügen die Ohrhörer über gelbe Akzente und das Ladecase weist einen Farbverlauf von Rosa nach Gelb auf. Bis zum 19. Oktober gewährt Huawei einen Rabatt in Höhe von 20 Euro. Den In-Ear-Kopfhörern liegen Silikonaufsätze in vier Größen bei.

Farbvarianten der Huawei FreeBuds Neo
Farbvarianten der Huawei FreeBuds Neo (Bild: Huawei)

ANC und Hi-Res-Audio über LDAC

Die FreeBuds Neo bieten adaptives Noise-Cancelling (ANC), Spatial Audio, bei dem in Verbindung mit einem Huawei-Gerät auch Head-Tracking unterstützt wird, und sind Hi-Res-Audio-zertifiziert. In Verbindung mit einem Huawei-Smartphone kann Musik mit bis zu 2,3 Mbit/s mit 48 kHz und 24 Bit über L2HC 4.0 übertragen werden. Ohne Huawei-Smartphone sind mit LDAC 990 kbit/s möglich. Darüber hinaus werden AAC und SBC für Android-Smartphones und iPhones unterstützt, die keinen der hochauflösenderen Codecs beherrschen. Der dynamische Audio-Treiber mit vier Magneten besitzt einen Durchmesser von 11 mm und deckt einen Frequenzgang von 20 Hz bis 40 kHz ab.

Blicks ins Innere der FreeBuds Neo
Blicks ins Innere der FreeBuds Neo (Bild: Huawei)

Wie erwähnt wird für die Funkverbindung zwischen Smartphone oder Tablet und Kopfhörern Bluetooth 6.0 unterstützt. Die FreeBuds Neo unterstützen dabei auch Bluetooth-Multipoint, können also mit zwei Endgeräten gleichzeitig verbunden werden, um zwischen diesen jederzeit nahtlos bei der Wiedergabe wechseln zu können. So lassen sich beispielsweise Anrufe am Smartphone auch dann auf den Kopfhörern annehmen, wenn dieses gerade mit dem Notebook verbunden ist. Es sei denn, man aktiviert in der App den Schalter „Gaming“, dann wird genau das Umschalten und der Wechsel des Geräts verhindert.

Huawei FreeBuds Neo
Huawei FreeBuds Neo

Kurzer Stiel auch zur Bedienung

Jeder Ohrhörer der Neo wiegt knapp 4,9 Gramm. Vor allem der Stiel der Ohrhörer fällt mit 23 mm kurz und deutlich kürzer als bei vielen Konkurrenten aus. Auf den Stiel nicht gänzlich zu verzichten, wie man es bei reinen Earbuds macht, hat den Vorteil, dass die Antenne und die Mikrofone besser platziert werden können.

Die Steuerung erfolgt auch über den Stiel, wobei doppeltes und dreifaches Tippen und Halten für die Wiedergabesteuerung und das vertikale Streichen über den Stiel zur Anpassung der Lautstärke genutzt werden. 60 Prozent des Stiels werden von dieser Touchfläche bedeckt. Im Alltag funktioniert die Steuerung gut, allerdings lässt sie sich über die Huawei-Audio-Connect-App nicht gänzlich frei anpassen. Je Funktion kann der Nutzer hier nur aus einer vorgegebenen Auswahl von Funktionen wählen, was die individuelle Anpassbarkeit einschränkt.

Huawei FreeBuds Neo

Keine freie Anpassung der Steuerung

Doppeltippen ist standardmäßig mit Abspielen/Pause und Anruf annehmen/beenden belegt, optional können hier die Funktionen „Vorheriger Titel“, „Nächster Titel“ und „Keine Aktion“ belegt werden. Dreifaches Antippen dient ab Werk zum Springen zum nächsten Titel, belegt werden kann auf Wunsch „Vorheriger Titel“ und „Keine Aktion“. So lässt sich immerhin auf einem Ohrhörer vor und auf dem anderen zurück belegen. Wischen erhöht beziehungsweise reduziert die Lautstärke, diese Geste kann nicht mit einer anderen Funktion belegt werden. Das Drücken und Halten dient zur Steuerung der Geräuschunterdrückung und zum Ablehnen von Anrufen. Welche Modi über die Kopfhörer durchgeschaltet werden können, lässt sich auch einstellen. Das Gedrückthalten kann auf Wunsch auch mit dem Aktivieren des Sprachassistenten oder gar keiner Aktion belegt werden. Wie beschrieben, stehen aber nicht bei jeder Geste alle Funktionen zur Auswahl, sondern die Auswahl ist jeweils sehr beschränkt. Die wichtigsten Funktionen deckt aber auch die Standardbelegung ab, so dass es bis auf „Zurück“ eigentlich keine Funktion gibt, die man manuell belegen müsste.

Kopfsteuerung, Trage- und Gesprächserkennung

Aktiviert man die Kopfsteuerung in der App, kann man zudem über das Nicken und Schütteln des Kopfes Anrufe annehmen oder abweisen.

Optionen in der Audio-Connect-App mit den Huawei Freebuds Neo

Eine Trageerkennung sorgt dafür, dass die Musikwiedergabe pausiert, wenn man die Ohrhörer aus dem Ohr nimmt, und fortgesetzt wird, wenn man sie wieder einsetzt. Hinter „Adaptives Audio“ verbirgt sich bei Huawei eine Gesprächserkennung, bei der automatisch auf den Transparenzmodus gewechselt und die Wiedergabelautstärke reduziert wird, wenn man zu sprechen beginnt – so die Theorie. In der Praxis springen die Kopfhörer nur bei aktivierter Geräuschunterdrückung in den Transparenzmodus. Ist ANC aus, wird nicht in den Transparenzmodus gewechselt. Doch auch der Wechsel vom ANC in den Transparenzmodus dauert mitunter ein paar Sekunden. Das kann die Konkurrenz, vor allem Sony, weitaus schneller. Außerdem wird die Lautstärke bei weitem nicht genug reduziert, um sich tatsächlich unterhalten zu können. Hier sollte man auch wählen können, dass die Musik pausiert wird.

Huawei FreeBuds Neo
Huawei FreeBuds Neo

Sehr gute Einzelnutzung

Beide Ohrhörer lassen sich problemlos auch einzeln nutzen. Der Wechsel von Mono auf Stereo und andersherum erfolgt völlig unterbrechungsfrei, wenn die Trageerkennung und somit das automatische Pausieren deaktiviert ist, und wird von einem leisen Bestätigungston begleitet. Ist Auto-Pause aktiviert, pausiert auch die Wiedergabe, wenn von zwei auf einen Ohrhörer gewechselt wird.

Ein kleines Extra bietet Huawei in Verbindung mit den neuesten eigenen Smartwatches. Denn die Kopfhörer können direkt über diese gesteuert, das ANC ein- und ausgeschaltet, ihr Ladestand eingesehen und auch Anpassungen am Equalizer vorgenommen werden.

Huawei FreeBuds Neo
Huawei FreeBuds Neo

IP55 und neues Shuttle Case

Die Kopfhörer sind nach IP55 gegen Staub und Wasser geschützt, so dass das Tragen im Regen und beim Sport kein Problem darstellt, sie jedoch nicht vollständig untergetaucht werden dürfen. Die IP-Zertifizierung bezieht sich rein auf die Kopfhörer, das Ladecase besitzt keinen speziellen Schutz gegen Wasser oder Staub. Das Ladecase, von Huawei aufgrund seiner langgezogenen Form „Shuttle Case“ genannt, misst 41,22 × 68,35 × 25,57 mm (H×B×T) und liegt tatsächlich gut in der Hand und passt bequem auch in Hosentaschen. Es wiegt ohne Ohrhörer nur rund 32 Gramm, mit Ohrhörern sind es rund 42 Gramm.

Huawei FreeBuds Neo
Huawei FreeBuds Neo
Bluetooth-Standard: 6.0
Audio-Codecs: SBC, AAC, L2HC, LDAC
Bedienung: Touch
Akkulaufzeit der Ohrhörer: 10,0/6,5 (ANC) h
Akkulaufzeit mit Ladecase: 40,0 h
Wireless Charging:
ANC: Ja
Einzelnutzung: Ja
IP-Zertifizierung: IP55
Gewicht je Ohrhörer / nur Ladecase: 4,9/31,4 g
USB-Ladeanschluss: USB-C
Abmessungen Ladecase: 41,22 × 68,35 × 25,57 mm
Preis: ab 108 €

Akkulaufzeit und Aufladen

Aufladen lässt sich das Ladecase ausschließlich über den integrierten USB-C-Anschluss, Wireless Charging wird nicht unterstützt. Das Aufladen des 460-mAh-Akkus des Ladecases mit eingesetzten Ohrhörern, die je einen Akku mit 60 mAh beherbergen, dauert rund 1:15 Stunden. Die leeren Ohrhörer allein werden im aufgeladenen Ladecase schneller geladen und stehen im Test nach rund 50 Minuten wieder mit vollem Akku bereit. 10-minütiges Laden soll Energie für 4 Stunden Musikwiedergabe bereitstellen.

Die Akkulaufzeit gibt Huawei mit bis zu 10 Stunden ohne ANC und bis zu 6,5 Stunden mit aktiviertem ANC an. In Verbindung mit dem Ladecase ergibt sich eine Gesamtakkulaufzeit von bis zu 40 Stunden ohne ANC und bis zu 24 Stunden mit ANC, so der Hersteller.

ComputerBase hat die Akkulaufzeit wie üblich bei mittlerer Lautstärke, aktiviertem ANC und mit einem bunten Musikmix getestet und kommt auf 5 Stunden und 53 Minuten mit einer Akkuladung – also etwas weniger als Huawei vorgibt, wobei Musikstücke und genutzter Codec den Unterschied erklären können.

Huawei FreeBuds Neo
Huawei FreeBuds Neo

Viele Funktionen in der Audio-App

Zur Konfiguration und Anpassung der In-Ear-Kopfhörer kann auf dem Smartphone die App Huawei Audio Connect genutzt werden, die sowohl für Android als auch iOS angeboten wird. Neben den bereits genannten Funktionen bietet sie noch einige weitere Optionen. Sie zeigt den Verbindungsstatus der Kopfhörer und den Ladestand der Ohrhörer und des Ladecases an. Zudem kann auch in der App zwischen Transparenzmodus (Awareness), Rauschunterdrückung (ANC) und Aus gewechselt werden. Beim Transparenzmodus kann zusätzlich eine Spracherkennung aktiviert werden, beim ANC hingegen zwischen Dynamisch und drei unterschiedlichen Stufen des ANC manuell gewechselt werden.

Darüber hinaus lässt sich Raumaudio aktivieren, wobei neben einer festen Position des Klangs auch eine dynamische Anpassung anhand von Head-Tracking erfolgen kann.

Hinter „Soundeffekte“ verbirgt sich ein Equalizer mit Presets, aus denen gewählt werden kann. Alternativ kann man den Klang auch anhand eines 10-Band-Equalizers selbst anpassen und als Preset speichern.

Optionen in der Audio-Connect-App mit den Huawei Freebuds Neo

Neben den bereits genannten Funktionen zur Anpassung der Bedienung, der Kopfsteuerung und der Trageerkennung kann in der App auch ein Passtest durchgeführt werden, der prüft, wie viele Geräusche über die Kopfhörer nach außen dringen, um die Abschottung durch die Silikonaufsätze zu prüfen. Zudem lässt sich Bluetooth-Multipoint ein- und ausschalten, ANC auch bei Einzelnutzung aktivieren und eine Fallerkennung aktivieren, die dafür sorgt, dass ein Ton wiedergegeben wird, wenn ein Ohrhörer aus dem Ohr fällt.

Auch Firmware-Updates sind über die App sowohl unter Android als auch iOS problemlos möglich. Nach der Übertragung an die Ohrhörer müssen diese zur Installation der neuen Software kurz ins Ladecase gelegt werden.

Optionen in der Audio-Connect-App mit den Huawei Freebuds Neo
Optionen in der Audio-Connect-App mit den Huawei Freebuds Neo
Firmware-Update für die Huawei Freebuds Neo
Firmware-Update für die Huawei Freebuds Neo

Tragekomfort und Verarbeitung

Die Huawei FreeBuds Neo tragen sich im Alltag bei der richtigen Wahl der Silikonaufsätze angenehm, aber nicht völlig ohne Druck, da sie keinem offenen Ansatz folgen, sondern den Gehörgang verschließen. Gänzlich fest sitzen sie zumindest beim Tester jedoch nicht. Sportliche Aktivität führt dazu, dass sie immer wieder nachjustiert werden müssen, um nicht herauszufallen. Einzig in Ruhe und beim normalen Gehen halten sie im Test zuverlässig, aber auch dann ist der Sitz nicht perfekt. Im Test haben die Ohrhörer auch beim ruhigen Sitzen zwischenzeitlich immer wieder ohne erkennbaren Grund den Geräuschmodus umgeschaltet, also ANC deaktiviert, obwohl beide Ohrhörer noch im Ohr sitzen. Hier scheint die Erkennung, ob man die Ohrhörer trägt, zu empfindlich zu reagieren.

Huawei FreeBuds Neo
Huawei FreeBuds Neo

Die Verarbeitung der FreeBuds Neo gibt keinerlei Anlass für Kritik, sie ist wie gewohnt sehr gut.

Guter Klang

Der Klang der FreeBuds Neo ist durchaus gut. Zwar nicht ganz neutral und nicht in jedem Detail absolut klar, überzeugt er mit Fülle, Kraft und Dynamik. Überraschend für Kopfhörer dieser Preisklasse und Zielgruppe ist der Bass dabei nicht einmal übermäßig betont, sondern durchaus gut abgestimmt. Die Mitten sind sehr präsent, es sind eher die Höhen, die sich hier nicht durchsetzen und klar hervortreten können. Insgesamt ist es eher die Klarheit und Brillanz, die in einigen Bereichen etwas zu kurz kommt, als die Abstimmung der Klangs.

Bei leiser Wiedergabe dünnt der Klang etwas aus und der Tiefbass beispielsweise in St Jude von Florence + The Machine ist bei leiser Wiedergabe nicht mehr zu hören. Bei maximaler Lautstärke nimmt die Härte des Klangs sowohl bei den Tiefen als auch Höhen zu, dann hat man den Bereich des angenehmen Musikhörens aber bereits lange verlassen.

Huawei FreeBuds Neo
Huawei FreeBuds Neo

Die FreeBuds Neo sind für die tägliche Musikwiedergabe unterwegs somit gut geeignet und bieten hierfür eine gute Klangqualität.

Huawei FreeBuds Neo

Analyse des Frequenzverlaufs

Auch bei den kabellosen In-Ear-Kopfhörern führt ComputerBase Messungen zum Frequenzverlauf durch. Hierfür wird auf das miniDSP Headphone & Earphone Audio Response System (H.E.A.R.S.) in Verbindung mit der Software REW zurückgegriffen. Hierbei handelt es sich nicht um eine IEEE-standardisierte Messstation. Sie liefert jedoch gute Vergleichswerte, die insbesondere eine Vergleichbarkeit der betrachteten Kopfhörer untereinander ermöglichen. Die Mikrofone im rechten und linken Ohr des miniDSP H.E.A.R.S. sind kalibriert. Da das miniDSP H.E.A.R.S. kein Innenohr modelliert, sondern über einen geraden Gehörgang verfügt, sind die Messungen allein kein ausreichendes Kriterium, den Klang abschließend zu beurteilen, sondern können nur als Ergänzungen zu den Schilderungen gesehen werden. Auch Klarheit und Dynamik lassen sich nicht bewerten.

Der Schalldruck ist bei allen Kopfhörern bei 300 Hz auf circa 84 dB kalibriert – nicht alle In-Ears lassen sich hier auf genau 84 dB einstellen, so dass eine Abweichung von 1 dB nach oben und unten in Kauf genommen werden muss. Alle Messungen werden nach Herstellervorgaben von 20 Hz bis 20 kHz mehrfach und mit unterschiedlichen Ohrhörerpositionen durchgeführt, um diese Einflüsse zu berücksichtigen und einen schlechten Sitz zu erkennen. Bei In-Ears zeigt sich dieser schnell in starken Ausreißern, einem unsauberen Frequenzverlauf oder völlig fehlendem Bass bei schlechter Abdichtung. Die Ergebnisse sind aus fünf Messungen je Seite bei bestem festgestellten Sitz gemittelt und geglättet. Eine gerade Linie bei 84 dB entspräche messtechnisch einer neutralen Präsentation der Frequenzen, die in der Realität aber nie erreicht wird.

Der Frequenzverlauf der Huawei FreeBuds Neo zeigt einen flachen Verlauf im Bassbereich, der zu den unteren Mitten hin stark ansteigt und vor den Höhen wieder abfällt. Die unteren Höhen sind so etwas unterrepräsentiert, während die Höhen dann vor allem im Präsenzbereich noch einmal etwas angehoben sind. Die Absenkung bei circa 8 bis 9 kHz sorgt hingegen dafür, dass es bei der Wiedergabe nicht sofort zu störenden Zischlauten kommt.

Das ANC filtert nicht stark genug

Das ANC der FreeBuds Neo reduziert zwar monotone, tiefe Frequenzen und der Unterschied zu deaktiviertem ANC ist auch klar hörbar, aber mit führenden Geräuschunterdrückungstechniken etwa von Sony oder Bose kann Huawei bei den günstigeren FreeBuds Neo bei weitem nicht mithalten.

Viele Geräusche wie Gespräche, aber auch das Bohren beim Nachbarn und Fahrgeräusche im Zug und das Brummen im Flugzeug dringen zu stark hindurch und werden zu wenig gefiltert. Absolute Ruhe findet man unter den FreeBuds Neo somit nicht. Wer In-Ear-Kopfhörer sucht, weil er der lauten Umgebung entfliehen möchte, ist mit den FreeBuds Neo falsch beraten.

Neben der dynamischen Auswahl der Stärke der Filterung kann man diese in der App auch manuell wählen. Gemütlich, Ausgeglichen und Ultra stehen als Modi zur Wahl. Dabei wird deutlich, dass die dynamische Auswahl häufig selbst in ruhiger Umgebung den Modus Ultra wählt. Dieser ist jedoch gleichsam mit dem stärksten Grundrauschen verbunden. Die Auswahl ist also nicht immer optimal.

Huawei FreeBuds Neo
Huawei FreeBuds Neo

Darüber hinaus erzeugen die FreeBuds Neo einen vergleichsweise starken Tauchglockeneffekt. Der Tauchglockeneffekt, auch Okklusionseffekt genannt, bei In-Ear-Kopfhörern bezeichnet das unangenehme Gefühl, wie unter Wasser zu sein oder Watte im Ohr zu haben, sobald die Kopfhörer den Gehörgang komplett abdichten. Durch dieses Abdichten und den Verschluss (Okklusion) wird der Gehörgang zu einer geschlossenen Kammer, weshalb viele Hersteller inzwischen spezielle Lufteinlässe in die Ohrhörer fräsen.

Windgeräusche werden bei aktiviertem ANC teilweise auf die Ohren des Trägers übertragen. Es hängt dabei vor allem davon ab, in welchem Winkel der Wind auf die Ohrhörer und die Mikrofone trifft. Frontaler Wind wird noch vergleichsweise gut unterdrückt, seitlicher Wind wird hingegen weit schlechter gefiltert.

Transparenzmodus

Der Transparenzmodus der FreeBuds Neo weist ebenfalls ein hörbares Grundrauschen auf. Er verstärkt die Umgebung etwas, gibt sie also lauter wieder als ohne Kopfhörer. Insgesamt ist die Qualität der Wiedergabe der Umgebung jedoch gut, wenn auch nicht ganz neutral. Sie klingt nicht zu hart und nicht zu schrill.

Aktiviert man die Spracherkennung beim Transparenzmodus, die automatisch Stimmen erkennen und gezielt hervorheben soll, wird das Hintergrundrauschen etwas reduziert, allerdings fühlt man sich durch die Funktion auch direkt etwas von der Außenwelt abgeschottet – der Tauchglockeneffekt setzt ein.

Huawei FreeBuds Neo
Huawei FreeBuds Neo

Windgeräusche übertragen sich im Transparenzmodus je nach Winkel, in dem der Wind auf die Ohrhörer trifft, hörbar und störend auf die Kopfhörer. Eine Erkennung und Anpassung der Mikrofonverstärkung gibt es in diesem Punkt nicht.

Den FreeBuds Neo gelingt es also nicht, dass man sich im Transparenzmodus tatsächlich frei und verbunden fühlt. Der Eindruck, unter den Kopfhörern abgeschottet zu sein, bleibt. Das können viele High-End-Kopfhörer inzwischen deutlich besser.

Telefonie mit Hall und Echo

Für Anrufe nutzen die FreeBuds Neo neben drei Mikrofonen auch einen Knochenschallsensor, um die Stimme des Trägers besser von Umgebungsgeräuschen isolieren zu können. In der Praxis wird auch laute Umgebung stark gefiltert, so dass sie so gut wie gar nicht an den Gesprächspartner übertragen wird. Diese starke Filterung geht allerdings auch nicht spurlos an der Stimme des Trägers vorbei. Diese klingt etwas unnatürlich und weist ein hörbares Echo auf, was die Verständlichkeit teils beeinträchtigt.

Auch wenn der Träger so auch in lauter Umgebung telefonieren kann und der Angerufene ihn versteht, ist die Qualität dabei also nicht die beste.

Huawei FreeBuds Neo – Mikrofonqualität
Sony WF-1000XM6 – Mikrofonqualität
Sony WF-1000XM5 (FW 2.0.1) – Mikrofonqualität
Huawei FreeClip 2 – Mikrofonqualität
Huawei FreeClip – Mikrofonqualität
Apple AirPods Pro 3 – Mikrofonqualität
Apple AirPods Pro 2 – Mikrofonqualität
Nothing Ear (3) Super-Mic – Mikrofonqualität
Nothing Ear (3) Ohrhörer – Mikrofonqualität
Huawei FreeArc – Mikrofonqualität
Huawei FreeBuds Pro 4 – Mikrofonqualität mit Audio-Rekorder
Google Pixel Buds Pro 2 – Mikrofonqualität
Samsung Galaxy Buds 3 Pro – Mikrofonqualität
Sennheiser Momentum True Wireless 4 – Mikrofonqualität
Bose QuietComfort Ultra Earbuds – Mikrofonqualität
Jabra Elite 10 – Mikrofonqualität

Latenz der FreeBuds Neo

Mit SBC, AAC, LDAC und L2HC bieten die FreeBuds Neo zwar einige Codecs zur Auswahl an, ein spezieller, universeller Low-Latency-Codec ist aber nicht darunter. In den Einstellungen der Kopfhörer in der Huawei-Audio-Connect-App findet sich jedoch die Option „Niedrige Audiolatenz“. Diese soll die Audioverzögerung automatisch reduzieren, sobald der Nutzer ein Spiel startet. Wie diese Erkennung funktioniert, ist nicht ganz klar, sorgt jedoch dafür, dass kein Test mit niedriger Audiolatenz durchgeführt werden kann, da sie sich nicht dauerhaft außerhalb von Spielen aktivieren lässt. Wie stark ihr Effekt ist, lässt sich deshalb an dieser Stelle nicht beziffern.

Beim Einsatz von SBC, AAC und LDAC weisen die FreeBuds Neo im Test keine erhöhte Latenz auf. Ein leichter Versatz zwischen Bild und Ton ist somit zu erkennen, wenn keine Synchronisation zwischen Bild und Ton erfolgt. Bei der reinen Audiowiedergabe ist die Latenz bedeutungslos.

Latenz zwischen Bild und Ton im Vergleich
In-Ear-Kopfhörer Latenz
Huawei FreeBuds Neo 160–180 ms (Android, SBC/iOS, AAC) / 160–180 ms (Android, LDAC)
Sony WF-1000XM6 160–180 ms (Android, SBC/iOS, AAC) / 160–180 ms (Android, LDAC) / 80–100 ms (Android, LC3)
Huawei FreeClip 2 160–180 ms (Android, SBC/iOS, AAC) / 80–120 ms (Modus für niedrige Latenz)
Huawei FreeClip 160–180 ms (Android, SBC/iOS, AAC) / 120–140 ms (Modus für niedrige Latenz)
Apple AirPods Pro 3 160–180 ms (iOS, AAC/Android, SBC)
Nothing Ear (3) 160–180 ms (Android, SBC/iOS, AAC) / 60–100 ms (Low-Latency-Modus)
Huawei FreeArc 80–100 ms (Android/iOS, Dynamische Latenz) / 160–180 ms (Android, SBC/iOS, AAC)
Huawei FreeBuds Pro 4 80 ms (Android/iOS, Dynamische Latenz) / 160–180 ms (Android, L2HC/iOS, AAC)
Huawei FreeBuds Pro 3 80–100 ms (Android/iOS, Gaming-Mode) / 160–180 ms (Android, LDAC/iOS, AAC)
Google Pixel Buds Pro 2 160–180 ms (Android, SBC/iOS, AAC)
Google Pixel Buds Pro 160–180 ms (Android, SBC/iOS, AAC)
Samsung Galaxy Buds 3 Pro 160–180 ms (Android, SBC/iOS, AAC) / 70–90 ms (Galaxy-Smartphone, SSC + Spielemodus)
Samsung Galaxy Buds 2 Pro 160–180 ms (Android, SBC/iOS, AAC) / 60–90 ms (Galaxy-Smartphone, SSC + Spielemodus)
Nothing Ear 160 ms (Android, LDAC/iOS, AAC) / 50 ms (Low-Latency-Modus)
Nothing Ear (a) 160 ms (Android, LDAC/iOS, AAC) / 50 ms (Low-Latency-Modus)
Anker Soundcore Sleep A20 180 ms (Android, SBC/iOS, AAC)
Sennheiser Momentum True Wireless 4 160–180 ms (Android, SBC & aptX/iOS, AAC) / 30 ms (Low-Latency-Modus, Snapdragon Sound)
Huawei FreeClip 160–180 ms (Android, SBC/iOS, AAC) / 120–140 ms (Modus für niedrige Latenz)
Sony Inzone Buds 160–180 ms (Android, LE Audio) / 40–50 ms (USB-C-Dongle)
Bose QuietComfort Ultra Earbuds 160–180 ms (Android, SBC/iOS, AAC/Android, aptx Adaptive)
Jabra Elite 10 160–180 ms (Android, SBC/iOS, AAC)
Jabra Elite 8 Active 160–180 ms (Android, SBC/iOS, AAC)
Sony WF-1000XM5 160–180 ms (Android, SBC/iOS, AAC) / 160–180 ms (Android, LDAC)
Sony WF-1000XM4 160–180 ms (Android, SBC/iOS, AAC) / 160–180 ms (Android, LDAC)
HP Poly Voyager Free 60+ 160–180 ms (Android, aptX/iOS, AAC) / 160 ms (LC3, BT700-Dongle)
Nothing Ear (2) 160 ms (Android, SBC/iOS, AAC) / 60 ms (Low-Latency-Modus)
Anker Soundcore Liberty 4 180 ms (Android, LDAC) / 160–180 ms (iOS, AAC)
Huawei FreeBuds 5i 120 ms (Android/iOS, Gaming-Mode) / 180–200 ms (Android, SBC/iOS, AAC)
Bose QuietComfort Earbuds II 160–180 ms (Android, SBC/iOS, AAC)
Samsung Galaxy Buds 2 Pro 160–180 ms (Android, SBC/iOS, AAC) / 60–90 ms (Galaxy-Smartphone, SSC + Spielemodus)
Jabra Elite 5 160–180 ms (Android, aptX/iOS, AAC)
Google Pixel Buds Pro 160–180 ms (Android, SBC/iOS, AAC)

Fazit

Die Huawei FreeBuds Neo sollen eine junge, multimediale Zielgruppe ansprechen und bewusst Style und Design in den Vordergrund rücken. Das gelingt zwar durchaus und der kurze Stiel der Ohrhörer überzeugt im Test ebenso wie der durchaus gute Klang.

Im Detail rumpelt es unter dem schicken Äußeren dann aber doch gewaltig. Das fängt bei Problemen mit dem Sitz der Ohrhörer und der Trageerkennung an, die dafür sorgt, dass sich das ANC plötzlich deaktiviert oder die Ohrhörer beim Sport nicht fest genug sitzen, und geht über das hörbare Grundrauschen beim ANC und im Transparenzmodus weiter. Zumal beim ANC nicht immer automatisch der beste Grad der Geräuschunterdrückung gewählt wird. Zudem fühlt man sich mit den FreeBuds Neo stark von der Außenwelt abgeschirmt, der Tauchglockeneffekt ist verhältnismäßig stark ausgeprägt.

Huawei FreeBuds Neo
Huawei FreeBuds Neo

Auch Funktionen wie die Gesprächserkennung funktionieren zwar zuverlässig, sind aber nicht so konsequent und fokussiert umgesetzt wie beispielsweise bei Sony, die in diesem Bereich beispielsweise mit den WF-1000XM6 (Test) die Bestmarke vorgeben und deutlich schneller und besser reagieren.

Huawei FreeBuds Neo

Schlussendlich ist auch die Konkurrenz bei einem Preis von 129 Euro groß. Die Apple AirPods 4 ohne ANC gibt es bereits ab ab 124 Euro und die neuen Apple AirPods 5 mit ANC starten schon ab 140 Euro. Auch wenn dies einen kleinen Aufpreis bedeutet, sind sie im Vergleich zu den FreeBuds Neo die bessere Wahl.

Huawei FreeBuds Neo
16.09.2026
  • Guter Klang
  • LDAC und L2HC
  • Aktive Geräuschunterdrückung und Transparenzmodus
  • Viele Funktionen
  • Sehr gute Einzelnutzung
  • Gute Akkulaufzeit
  • Angenehmes Tragegefühl
  • Sehr gute Verarbeitung
  • Auto-Play und Auto-Pause
  • Multipoint
  • IP55
  • Rauschen beim ANC und Transparenzmodus
  • Kein fester Halt
  • ANC deaktiviert sich mitunter automatisch
  • Zu starke Filterung bei der Telefonie
  • Bedienung nicht frei anpassbar

ComputerBase hat die FreeBuds Neo leihweise unter NDA von Huawei zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Test fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Die einzige Vorgabe war der frühestmögliche Veröffentlichungszeitpunkt.

(*) Bei den mit Sternchen markierten Links handelt es sich um Affiliate-Links. Im Fall einer Bestellung über einen solchen Link wird ComputerBase am Verkaufserlös beteiligt, ohne dass der Preis für den Kunden steigt.

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