Snapuman schrieb:
Verstehe ich nicht.. was wäre denn der "richtige" Weg? Wie macht das Apple dann?
Eine Anwendung wird durch (mindestens) ein Fenster repräsentiert. Schließe ich das (letzte) Fenster, schließe ich die Anwendung. Ich finde das eigentlich ziemlich logisch...
Nein, ein Programm kann Fenster haben, muss aber nicht. Was ein Fenster haben muss, ist ein geöffnetes Dokument wie beispielsweise ein PDF oder ein Video oder eine Website, aber nicht das Programm selbst. Dass du dir das bisher nicht vorstellen konntest, zeigt nur, wie stark sich das im Vergleich zu den anderen Desktops eingeschränkte Windows-Paradigma im kulturellen Gedächtnis gegen alles andere durchgeboxt hat. Im klassischen Macintosh Desktop, der eigentlich sogar älter als der erste Macintosh ist (es gab vorher schon eine Apple Lisa), hast du deswegen eine "Menüleiste" am oberen Ende des Bildschirms. In dieser Menüleiste werden immer die Menüs des gerade fokussierten Programms eingeblendet - die ist also beim Mac auch ursprünglich nicht Teil des Fensters. Zwischen dem Apfel links und dem was der Windows-Systray ähnelt rechts sind die Menüpunkte des gerade fokussierten Programms und wenn ich ein anderes Programm fokussiere, ändert sich entsprechend die Menüleiste.
Als ich anno dazumal mal ein bisschen über HTML bzw. CSS (zu Hochzeiten von xhtml, lange her) lernte, war das auch üblich, dass jede Website eine optimale Seitenbreite deklarierte, damit dann eben Safari, Mozilla Camino, Shiira und andere Web-Browser mit nativer Mac-Oberfläche wussten, dass ein Klick auf den Maximieren-Schalter das jeweilige Browserfenster auf z.B. 1024 px einstellte.
Deswegen spricht man beim Mac-Desktop-Paradigma von einem "dokumentenzentrierten Desktop". Gnome hat immer wieder mal versucht, das auch zu sein, beißt sich aber seit jeher damit rum, dass im unixoiden Desktopumfeld KDE die Gewohnheitsgesetze macht - gerade was solche paradigmatischen Angelegenheiten betrifft. Und jetzt weißt du, warum sich das wie Gnome im gtk+-Umfeld entstandene Gimp sehr lange gegen den Single-Window-Mode sträubte. Auf einem dokumentenzentrierten Desktop ist dieser Quatsch und Fensterwechsel mit Exposé, was Windows mit Windows 8 oder so irgendwann kopiert hat (bei Windows 11 der Schalter rechts neben der Suche in der Taskbar), hatte der Mac schon ab 10.3 Panther, das im Oktober 2003 veröffentlicht wurde. Allerdings auf dem Mac mit größerem Umfang, weil man nicht nur "alle Fenster" anzeigen kann, sondern auch "ausschließlich alle Fenster des gerade fokussierten Programms" und das ganze über unterschiedliche aktive Ecken. Auf dem Desktop für unixoide Cinnamon geht das auch, aber der Mac hats seit über 20 Jahren - wobei die aktiven Ecken glaube ich erst mit 10.4 Tiger im April 2005 kamen.