DerOlf schrieb:
Ich denke, ich weiß, wie der Markus auf den Holzweg geraten ist.
Irgendwer hat gesagt (wahrscheinlich in Bierlaune), dass man die AKWs natürlich wieder reaktivieren könne, dass dafür aber Bedingungen A, B, C, D bis Z erfüllt sein müssen.
Die Bedingungen hat der Markus dann lieber verschwiegen ... ist halt ein Populist reinster Güte, der vor allem daran interessiert ist, den Leuten das zu sagen, was sie gerne hören möchten.
Ich glaube es wurde da auf beiden Seiten viel Vertrauen verspielt, weil einfach zu sehr ideologisch und nicht vor Allem basierend auf Zahlen argumentiert wurde.
Habe jetzt noch mal gegoogelt, weil ich eigentlich nicht glauben konnte, dass es entsprechende forecast Modelle etc. nicht gibt und bin auf den
Prüfvermerk bzgl. Laufzeitverlängerung von 2022 gestoßen.
Da ist kein einziges Modell drin, es wird auch nicht erwähnt, wie sich die Nicht-Verlängerung aufs Klima (eingesparte Mengen CO2 sind ja laut dem Video nicht ganz unerheblich) auswirkt usw.
Da steht bspw:
Wenn man sowas als Analyst dem Top Management Team (TMT) präsentieren würde, würde natürlich jeder erstmal fragen, was heißt denn "begrenzter Beitrag". Dazu steht aber einfach nichts - außer der Anhang ist geheim und kann nicht eingesehen werden.
Auch sowas hier:
Was heißt "kaum zum Einsatz kommen"? In dem einen Artikel, der hier gepostet wurde, hat der Wissenschaftler die Tage abgezählt. Dann kann man Durchschnittswerte vergangenheitsbasiert bilden und mithilfe von Wettermodellen, Marktentwicklung etc. Werte für die Zukunft. Davon lese ich aber überhaupt nichts.
Auch generell nur 5 Seiten sehr grobe Analyse mit kaum quantitativem Anteil für solch eine wichtige Entscheidung, erscheint mir doch etwas unangebracht - aber wie gesagt, vll ist ja noch irgendwo ein riesiger Anhang. Einige Formulierungen klingen aber nicht danach.
Ich denke, wenn wir hier wirklich "ergebnisoffen" alle Zahlen vorliegen würden, wäre auch nicht so viel Groll in dieser Diskussion. Aber in der Form kann das natürlich bei der Gegenseite für Unverständnis sorgen -> ich denke daher kommt viel von dieser Problematik (insbesondere, wenn wir dabei im Hinterkopf behalten, dass gerade Bayern sehr auf Kernenergie angewiesen war).
DerOlf schrieb:
Und es existiert noch immer der Irrglaube, dass Atomstrom "günstig" zu haben sei ... deswegen glauben auch viele einem Markus Söder, wenn der mal wieder dampfplaudert.
Das, was Atomstrom "günstig" hat erscheinen lassen, waren massive Subventionen. Das, was wir für den Atomstrom NICHT bezahlt haben, haben wir über Steuern an anderer Stelle bezahlt.
Warum wohl argumentiert niemand in der pro-AKW Szene mit den tatsächlichen Kosten eines AKW? Weil das eben alles andere als "billig" ist und "billig" leider das einzige ist, was den deutschen Michel noch interessiert.
Da verschweigt man lieber die tatsächlichen Kosten oder betitelt sie maximalschwammig als "nicht allzu groß".
Das wird in dem Video ja recht gut erklärt. Dass es diesbezüglich eben zwei Wahrheiten gibt und sich deshalb auch viele so unvereinbar gegenüber stehen. Von neuen AKWs sind die LCOE recht teuer und ca. auf Braunkohleniveau bzw. in pessimistischen Modellen noch darüber hinausgehend (Achtung: das sind aber so wie ich das verstanden habe wiederum nicht die Grenzkosten aus der Merit-Order. Daher kommt vermutlich noch zusätzliche Verwirrung). Wenn man jedoch von komplett oder teilweise abgeschriebenen AKWs ausgeht, sind die LCOE ggf. sogar günstiger als EE.
Vermutlich führt dann u.a. das dazu, dass vereinzelte EE Betreiber laut dem
Bundesverband für Erneuerbare Energien im Worst Case sogar hätten pleite gehen können beim Weiterbetrieb der AKWs:
Einspeisungseffekte der damals verbliebenen AKWs auf den EE Marktwert -> ganz erheblich:
_killy_ schrieb:
Die Spekulationen rund um die AKW Reaktivierung hat doch eher immer damit was zu tun, dass die Preise für Strom in Deutschland einfach sehr hoch ist. (im Vergleich zu USA, China oder anderen Staaten in Europa)
Die Hoffnung ist halt, dass wir mit AKWs dann wieder massiv günstigen Strom produzieren können. Weil diese Kraftwerke nun mal in der Nähe der Großstädte/Groß-Verbraucher sind.
Ja, da sehe ich leider auch nicht, ob im Prüfvermerk der aktuelle Stand des Trassenausbaus berücksichtigt wurde - es bringt ja nichts, wenn wir jährlich ne riesige Erzeugungsmenge bspw. im Norden haben aber die nicht Richtung Süden bekommen.
Wobei bzgl.
Prognosen wohl selbst die produzierte Gesamtmenge ein Problem ist:
_killy_ schrieb:
Technologie-offen meint nicht nur die Produktion (1), sondern auch Speicherung (2) und Transport (3).
Wenn Wind- und PV Energie die beste Lösung für die Erzeugung sind - super, fertig für Problem Nummer 1. ABER:
2) Wir brauchen auch Lösungen für die Speicherung und für den Transport des Stroms. Bisherige Batteriespeicher sind brutal schlecht. Du hast sehr viel Ressourcen-Verbrauch um nur ein sehr knappen Zeitraum von wenigen Tagen zu überbrücken ... auch nur für ein begrenzten Verbrauch.
3) Beim Transport fehlt ebenfalls der Netzausbau. Wir schaffen es nicht, den Strom von Wind- und PV Parks innerhalb von Deutschlands gut zu verteilen.
Bei Problemen 2 und 3 sollten wir m.E. weiterhin Technologie-offen mit umgehen. Zu günstigen Zeiten wird nämlich immer noch deutlich mehr EE Strom produziert (1) als wir speichern (2) oder transportieren (3) können. Deshalb stellen wir die Produktion des EE Stroms ab - gerade dann, wann die Anlagen eigentlich perfekt laufen würden!
Ja, das scheinen echt die Hauptthemen zu sein - der Bundesverband für Erneuerbare Energien macht da auch paar gute Vorschläge. Müsste halt gerade bzgl. Transport noch umgesetzt werden...
wuselsurfer schrieb:
Ja, man kann die genaue Aktivitätsverteilung im laufenden Betrieb messen.
Dazu bedarf es aber Umbauten während der Revision und die Messung geht nur nachträglich mit zeitlicher Verzögerung,
...
Juristisch ist nicht der springende Punkt sondern die techische Realisierung.
Das war kompliziert und dafür gab es hohes Lob für das Verfahren.
Der TÜV steht Dir so wie so jeden Tag auf den Zehen und mal schnell etwas "übersehen", wie zwei gebrochene Federn beim Auto, ist da nicht drin.
Da sind sie knallhart und wenn Du nicht nachweisen kannst, welche Zugfestigkeit der Stahl der Schraube hat, wird sie nicht eingebaut.
...
Jep, kann ich mir gut vorstellen. Wobei bei solchen Dingen ja immer jemand auf höherer Ebene "verantwortlich" ist und eine Unterschrift setzen muss -> der passt dann idR sehr genau auf, dass er im Zweifelsfall juristisch fein raus ist, gerade bei AKWs.
Das Haftungsproblem ist in Deutschland leider ein riesen Thema, einerseits gut, andererseits müssen Leute ggf. teilweise Haftung übernehmen, obwohl sie gar nichts dafür können.
Anscheinend sollte hier vor Allem dann auch der Staat in die Haftung gehen.
ThomasK_7 schrieb:
Eine Wiederinbetriebnahme von AKW wird daran nichts ändern, außer das die AKW die Kohlekraftwerke als Grundlast- und Reservekraftwerke ersetzen würden/können. Preislich wird sich es nichts nehmen, ob statt Kohlestrompreis dann AKW-Strompreis bezahlt werden muss, weil der in etwa gleich hoch ist.
Das Klima würde profitieren, weil deutlich weniger CO2 ausgestoßen wird.
...
Mein Gott. hast Du überhaupt eine Ahnung vom deutschen Energiemarkt?
Anscheinend überhaupt nicht.
Wie soll man da auf einer fachlichen Ebene mit Dir diskutieren?
Quelle vom letzten Jahr mit Merit-Order für 2023 -> Da ist das günstigste Kernenergiegrenzkraftwerk zig mal günstiger als das günstigste Braunkohlegrenzkraftwerk.
Bitte mal deine Quelle, dass die genau gleich teuer sind - sonst ist das schwer mit dir fachlich zu diskutieren. Vielleicht trifft das tatsächlich in diesem Jahr mit den Grenzpreisen zu, ich bezweifle es aber stark.
Hier noch eine andere Merit-Order für 2024:
Hier ist ebenfalls Kernkraft zig mal günstiger.
Die haben übrigens auch für verschiedene Szenarien die Handlungsoptionen und die damit verbundenen Preiseffekte der 3 AKWs berechnet (also ein Teil der Berechnungen, die mich interessiert hatten - sind eben hier die Durchschnittspreise und nicht nochmal explizit Berücksichtigung der Peak Problematik):
Tatsächlich ganz erheblich je nach Annahme - teilweise über 10%. Gibt auch andere Modelle, die mit maximal 8% gerechnet haben. Wobei das hier für den Weiterbetrieb galt, jetzt wurden eben Fakten geschaffen, die glaube ich noch schwerer modelltheoretisch einzupreisen sind.
Und hier geht es, wie gesagt, natürlich um Durchschnittspreise, der Effekt auf die peaks wäre natürlich sehr interessant gewesen.
Wobei bei dem Szenario ggf. aber natürlich auch wieder eingepreist werden müsste, wie sich das auf die EE Betreiber auswirken würde (siehe die Besorgnis beim Bundesverband Erneuerbare Energien bzgl. Pleiten etc.) und diverse andere Dinge.