Ausbilder hält Azubis hin

winstonw0w

Cadet 4th Year
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Jan. 2013
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Hallo zusammen,

ich mache zurzeit eine Ausbildung als Fachinformatiker (Systemintegration) in einem mittelständischem IT-Consulting Unternehmen. Unsere IT Abteilung hat etwa 20 Mitarbeiter und ist in verschiedene Abteilungen aufgeteilt (First Level, Second Level, Netzwerk etc.). Zusätzlich hat meine Firma ein Tochterunternehmen, welches Webhosting, vServer etc. für Privatkunden anbietet.

Vorab zu den involvierten Personen:
Ich (Azubi im ersten Ausbildungsjahr)
Mitazubi (zweites Ausbildungsjahr)
Ausbilder (Ende 20, letztes Jahr mit seiner Ausbildung fertig geworden – folglich genannt: A)
Abteilungsleiter (folglich genannt: AL)
Chef
Geschäftsführer

Aktueller Stand:

Die Tochterfirma wurde vor etwa drei Jahren von A „gegründet“ und aufgebaut, ist sozusagen sein Baby und er wurde angeblich nach seiner Ausbildung mit der Auflage übernommen, dass das Projekt Gewinn einfahren soll. Offiziell ist er immer noch Projektleiter, mein Mitazubi und ich sind jedoch für das Projekt verantwortlich, wie A uns sagt. Aktuell sieht es so aus, dass das Projekt sehr schlechte Zahlen hat und prinzipiell „versagt“ hat. A hat, wie mein Mitazubi mir berichtet hat, vor über einem Jahr (als ich noch nicht in der Firma war) begonnen sich komplett aus dem Projekt rauszuziehen und sich in anderen Abteilungen der Firma zu etablieren. Immer wieder betont A, dass es „unser“ Projekt ist (also das von meinem Mitazubi und mir) und wir für den Erfolg verantwortlich sind. Wir müssen also nicht nur den technischen Teil machen, sondern auch Marketing, Kundensupport, Buchhaltung und im Prinzip alles, wofür wir in der Regel gar nicht zuständig sind.

Mein Mitazubi ist seit Beginn seiner Ausbildung nur mit dem Projekt beauftragt gewesen, wie ich auch. Anfang des Jahres wurde er für zwei Monate für je vier Stunden am Tag in die First Level Abteilung gesetzt, sollte aber weiterhin die anderen vier Stunden am Tag für das Projekt was machen. Nach zwei Monaten wurde er aber aus dem First Level (obwohl er da keine schlechte Arbeit gemacht hat) abgezogen und ist wieder Vollzeit für das Projekt zuständig.

Das Problem ist nun, dass sich A überhaupt nicht um uns kümmert, uns keine Aufgaben gibt, dass was wir machen nicht kontrolliert und nur alle sechs bis acht Wochen auf uns zukommt, meckert, was alles falsch läuft und von uns eine Liste haben möchte, was wir in den nächsten Wochen machen möchten. Diese Liste schicken wir ihm dann, wird aber nie wieder angesprochen oder kontrolliert, ob wir was machen und was wir machen und wie wir das machen.

Seit einigen Wochen gehen im Flurfunk nun die Gerüchte rum, dass das Projekt Ende April geschlossen wird. Vergangenen Montag haben wir A dann mal darauf angesprochen und er hat es mit einem Satz dementiert. Auffällig ist aber, dass ich am vergangenen Freitag eine Auflistung über die aktuellen Zahlen des Projektes machen musste (Finanzen, Kundenzahl etc.) und diese meinem AL schicken musste, da A und AL am Freitag ein Gespräch mit dem Geschäftsführer hatten. Ebenfalls fielen in der vergangenen Woche Sprüche wie „Ist das Geld überhaupt noch auf dem Projektkonto?“ und seit Anfang des Jahres verwenden A und sein Teamkollege fast 50% Hardware von dem Projekt für andere Zwecke.

Das Problem an der Sache ist, dass wir Azubis nicht in den normalen Ablauf des Unternehmens integriert werden und uns im Prinzip selbst beschäftigen. Die anderen Mitarbeiter haben nichts mit dem Projekt zutun und belächeln es auch nur um es sanft auszudrücken. Mein Mitazubi hat in etwa 1,5 Jahren Ausbildung nach eigenen Angaben höchstens 10% des Ausbildungsrahmenplans abgearbeitet und hat wie bereits gesagt nur für zwei Monate eine andere Abteilung gesehen. Nach Angaben von A werde ich frühestens Anfang nächsten Jahres in eine andere Abteilung kommen. Anfang des Jahres hieß es zwar, dass ich A in seiner Abteilung (Netzwerk) unterstützen soll, ich sitze auch mit ihm in einem Büro, aber wenn es dann mal Dinge gibt, werde ich nicht involviert. Ich werde überhaupt nicht beachtet und selbst kleine Aufgaben werden mir nicht aufgetragen – das hinterher rennen und ständiges nachfragen, ob es was für mich zutun gibt, habe ich mittlerweile stark reduziert.

Mein Mitazubi und ich haben die Vermutung, dass A uns als Konkurrenz ansieht, da er sich selbst noch im Unternehmen etablieren muss und wenn man dem Gerücht mit der Auflage im Arbeitsvertrag Glauben schenkt „auf dünnem Eis steht“. Er will uns deswegen nicht aus dem Projekt rausziehen oder uns zumindest halbtags in andere Abteilungen lassen (wofür die Zeit definitiv ausreichen würde, der effektive Aufwand für das Projekt beträgt bei mir an Tagen mit viel „Tagesgeschäft“ (Support, Buchhaltung etc.) zwei, maximal drei Stunden)). Ich für meinen Teil fühle mich einfach nur unproduktiv und nutzlos. Mein Mitazubi muss sich im September entscheiden auf welchen Bereich er sich spezialisieren will und muss sich auch so langsam Gedanken über sein Abschlussprojekt machen. Wie soll er das aber machen, wenn er keine andere Abteilung gesehen hat?

Was haben wir nun also für Optionen? Mit A haben wir gesprochen, der macht uns aber „mundtot“ indem er sagt, es läuft alles weiter wie es momentan ist, da in anderen Abteilungen auch „kein Platz“ für uns ist. Dabei sollen Azubis ja nicht vollwertig mitarbeiten sondern lernen und unterstützen. AL lässt sich von A ziemlich bequatschen und deswegen bringt es auch nichts mit AL zu sprechen so wie wir das sehen. Unser Chef ist zwar auf dem Papier unser Chef, hat aber de facto kaum was mit uns zutun und weiß nicht, was bei uns abgeht.

Was sollen wir tun, denn so kann es nicht weiter gehen?
 
Wer ist der Ausbildungsleiter (=Abteilungsleiter / Chef?), wer ist disziplinarischer Vorgesetzter (=Chef / Geschäftsführer)?
Fakten und Daten über eure bisherige Tätigkeit und Ausbildungstand neutral und sachlich zusammenfassen.
Es sollte ferner ein Ausbidungsplan vorliegen.
Wenn dieser im wesentlichen nicht erfüllt wurden, dieses dem Aubildungsleiter / disziplinarischen Vorgesetzten mitteilen und um ein Gespräch bitten.
Tretet gemeinsam auf teilt eure Bedenken bzgl. der Ausbildungsqualität mit. Auch die Personalleitung darf informiert werden.
Wenn das Ergebnis unbefriedigend ist, nächste Instanz.
Wenn Änderungen zugesagt werden, laßt euch diese schriftlich geben.
 
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Abteilungsleiter, Ausbilder und Chef sind drei verschiedene Personen, deswegen die Auflistung am Anfang.

Ich habe gerade den Ausbildungsrahmenplan durchgearbeitet und man könnte prinzipiell alle Tätigkeiten so interpretieren, dass dieser erfüllt ist. Jedoch bringt es nichts, wenn wir nichts lernen und nicht gefördert und gefordert werden.

Die Bedenken an der Qualität werden wir am Montag in einem Gespräch zwischen unserem Ausbilder, meinem Mitazubi und mir ansprechen.
 
Der 20-jähriger, seit einem Jahr fertig kann aber nicht der "verantwortliche Ausbilder" sein.

Im Handwerk/Industrie ist z. B. der Meister "verantwortlicher Ausbilder".
Der / die Gesellen bringen zwar dem Lehrling auch etwas bei, aber die direkte Instanz bleibt der Meister.

Keine Ahnung welche Berufserfahrung oder Titel man in der Informatik benötigt, oder wird einem der Ausbildungschein mit der Prüfung nachgeworfen?
 
oben steht das der Ausbilder ENDE 20 ist.
Da A die Tocherfirme vor 3 Jahren gegründet hat, dürfte die Ausbildung eher auf den Ausbilder nachweis beziehen.
 
Ausbilder (Ende 20, letztes Jahr mit seiner Ausbildung fertig geworden – folglich genannt: A)
Für mich liest sich das so, daß A mit der Ausbildung zum Fachinformatiker, oder was auch immer, fertig geworden ist.
Ich würde dennoch die nächst höhere Instanz involvieren. Ein Betrieb/Geschäftsführer sollte Interesse daran haben, daß die Ausbildung erfolgreich ist. Das geht allerdings nur, wenn die Umstände bekannt sind - in diesem Fall anscheinend nicht.
 
Zuletzt bearbeitet:
Um das ganze aufzuklären: unser Ausbilder ist 28, hat mitte 2012 seine Ausbildung zum Fachinformatiker abgeschlossen. Offiziell auf dem Papier ist er natürlich nicht unser Ausbilder, sondern dies ist unser Chef, der auch einen Ausbilderschein hat; ausführender Ausbilder, bzw. Intern heißt die Stelle "Ausbildungsverantwortlicher", ist A!
Nach dem Gespräch am Montag werden wir wahrscheinlich zur nächsten Instanz gehen
 
Bleibt doch einfach locker.

Sei froh das Du soviel Zeit für "Dich" hast. Nutze es zum lernen der Ausbildung. Besorg Dir einen Rahmenplan und bereite dich vor. Ihr seid während der Ausbildung nicht kündbar und könnt dafür auch nicht Verantwortlich gemacht werden. Ihr lernt schließlich.

Würde ich mir gar keine Gedanken machen sondern erst mal so gut es geht die Ausbildung bestehen. Was danach kommt sollte, vorerst, hinten anstehen.
 
Das Problem an der Sache ist, ich habe momentan in der Berufsschule einen Schnitt von 1,4 - doch was bringt mir der, wenn ich praktisch am Ende der Ausbildung nicht das nötige Fachwissen habe?
 
Ich würde an deiner Stelle momentan keine "große Welle" lostreten und mir über die Berufsschule Informationen zum Arbeitsstoff der Kollegen besorgen.
Dann noch passende Bücher besorgen und Eigeninitiative zeigen, selbstständig lernen.

Wenn du dir jetzt den Mund verbrennst ist eine Übernahme so gut wie ausgeschlossen, daher lieber mal 1-2 Jahre mehr Arbeiten, aber dafür später die Lorbeeren kassieren.

p.s. Habt ihr eine JAV bzw. was sagt der Personalrat dazu ?
 
Sehe ich das richtig, dass dort ein komplettes Projekt von einem Azubi im 1. LJ und 2. LJ geschmissen wird? Das kann die Geschäftsführung mit Sicherheit nicht für gut heißen.... Natürlich je nach Gewicht des Projektes, aber "Marketing" und "Buchhaltung" klingt schon nach etwas größerem
 
Kommt mir bekannt vor. Ich bin damals zur Handelskammer gegangen, weil meine Berufsberaterin mir das empfohlen hatte. Das war ein Reinfall. Die Handelskammer hatte mich sofort verpetzt.

In der Berufsschule würde ich das auch nicht erzählen. Bei mir hatte das die Folge das man sich Ab und Zu über mich und meinen Betrieb lustig gemacht hat.

Den Ausbildungsrahmenplan kann man vergessen. Ich habe zwar einen ausgehändigt bekommen, aber die Sachen die dort aufgelistet waren wurden mir nie vermittelt. Alles musste ich mir selber beibringen. Sogar um das Ausbildungsheft musste ich mich selber kümmern. Hätten mir damals meine Klassenkameraden nicht erzählt das man Wochenweise ein Heft führen muss, dann hätte ich das wahrscheinlich erst nach Monaten erfahren.

Aushalten ist hier angesagt. Sobald die Probezeit um ist können die euch nicht kündigen.
 
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Klingt jetzt blöde, aber es ist nicht eure Aufgabe über den weiteren Ablauf des Projekts zu entscheiden. Zieht so viel Erfahrung wie möglich daraus und arbeitet bis zum Schluss gewissenhaft.

Was wäre denn die Alternative? Motiviert an einem Projekt arbeiten und Einsatz zeigen oder nur rumnörgeln nach dem Motto "das wird doch eh nichts" und darum gar nichts tun? => Leute mit dieser Einstellung kommen nicht weit.
 
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