So einfach lässt sich das nicht beantworten!Tomislav2007 schrieb:Wird die AfD wirklich nur aus Protest gewählt oder steckt bei den Wählern doch viel mehr Überzeugung dahinter als Ihr wahrhaben wollt ?
Betrachtet man sich die Entwicklung der AfD, gibt es einen "Wendepunkt". Nach den Erfolgen zu Beginn und den folgenden innerparteilichen Querelen war man auf dem absteigenden Ast den bis dahin alle Parteien mit rechten Profil gegangen sind.
Dann kamen die Flüchtlinge in rauhen Mengen, später Corona, dann Krieg in der Ukraine und wieder Flüchtlinge. Mit dem oportunistischen und populistischem Profil war es dann relativ leicht sich als Gegenentwurf anzubieten und zu etablieren.
Die Annahme, dass die Partei ohne die Ereignisse von außen, also für die keine Regierungspartei erst mal was kann, sich dem aber stellen muss, relativ bedeutungslos wäre, ist daher nicht von der Hand zu weisen.
Andererseits gibt es in jeder Gesellschaft ein 2stelliges Potenzial an sehr konservativen und nationalistischem Einstellungen. Die Frage, ob diese aber weiter das nicht an der Urne zum Ausdruck bringen und z.B. Union wählen, oder nun doch eher dazu neigen eine rechtere Variante zu wählen, auch ohne Ereignisse von außen, lässt sich eben nicht einfach beantworten.
Die AfD hat natürlich ein hohes Protestwählerpotenzial, sie ist aber eben auch personell äußerst problematisch aufgestellt und Aussagen, dass man sich freut, wenn es Deutschland schlecht geht, weil es gut für die Partei ist, ist weder in schlechtem noch im besten Sinne konservativ und wird nicht dauerhaft goutiert, sondern eher abgelehnt. Populismus können auch andere und sich als Gegenpol zu den linkeren Parteien anbieten. Der Vorteil der AfD ist lediglich, daß sie bisher keinerlei Verantwortung zu tragen hatte und man sich deshalb auch keine Fehler unter die Nase reiben lassen muss.
Woraus sich für den Wähler dauerhaft die Frage ergibt, will man dieses unkalkulierbare Risiko trotzdem
eingehen oder nicht, wenn es mal nicht drum geht den anderen eins auszuwischen.
Von daher sehe ich eben zwar auch eine Grundüberzeugung, deren logische Konsequenz aber nicht zwangsläufig die AfD ist.
Eine populistische Alternative im linken Spektrum, wie ggf. eine Wagenknecht Partei hat durchaus eben auch Potential, denn warum soll das dort nicht genau so funktionieren wie im rechteren Spektrum. Beides hat aber eben auch Potential für sich etwas auf der klassischen Mitte abzuzweigen, und auf die kommt es an!