whtjimbo schrieb:
nein, so ganz einfache Marktwirtschaft ist das eben nicht
Von einfach hat niemand gesprochen. Aber es ist ein marktwirtschaftlicher Mechanismus.
Du kannst es dir als eine Art umgekehrte Auktion vorstellen. Die Kosten des Kraftwerks (Anbieter) sind private Informationen. Die Anbieter nennen ihre Kosten, und der Mechanismus wählt eine Allokation, d.h. eine Menge von Anbietern, und legt für diese die Preise fest. Die Allokation ist immer die Menge an Anbietern, die nötig für die Versorgung ist, sodass die Gesamtkosten insgesamt am geringsten sind. Das könnte man theoretisch anders machen, aber wer hätte etwas davon, wenn günstige Kraftwerke nicht genutzt werden, obwohl sie verfügbar sind?
Wenn jeder nun genau den Preis bezahlt, den er als Kosten nennt, dann ist der Mechanismus nicht anreizkompatibel. Die günstigen Anbieter haben Grund, zu lügen: Nennt ein solcher Anbieter höhere Kosten, die minimal unter denen des teuersten, gerade noch allokierten Anbieters liegen, dann bekommt er den höheren Preis bezahlt und wird weiter allokiert. Konkret heißt das: Die Windkraftanbieter würden einfach knapp den Preis der teuren Kohle- oder Gaskraftwerke unterbieten. Warum legt man als Preis also nicht einfach etwas willkürlich niedrigeres fest? Naja, wenn das Risiko besteht, dass der Preis unter den tatsächlichen Kosten liegt, dann macht der Anbieter Verlust, wenn er allokiert wird. Dann ergibt es keinen Sinn, überhaupt am Markt teilzunehmen, wenn man draufzahlt. Das will man natürlich vermeiden, denn tendenziell steigen dann die Preise oder die Versorgungssicherheit nimmt ab.
Das Prinzip dahinter ist in der Ökonomie gut erforscht, Stichwort VCG-Mechanismus.
Man kann natürlich sagen: Hey, die Kosten der Anbieter sind gar nicht wirklich private Informationen, die können wir von Außen zumindest ungefähr abschätzen. Und wir können die Preise entsprechend festlegen, ohne, dass die Anbieter Verlust machen. Du kannst ja mal den Finanzminister fragen, was er davon hält, wenn Preise nicht mehr vom Verkäufer festgelegt werden, sondern vom Staat. Sinnvoll kann es trotzdem sein, das bestreite ich nicht. Ob der Strommarkt wirklich ein Markt sein muss? Kann man drüber diskutieren, aber es wird sicher eine durch Ideologie geprägte Diskussion.