Seit knapp vier Jahren liegt der Impfstoff in Tiefkühltruhen im Houstoner Labor. Seine Wirksamkeit und Sicherheit ist in Tierstudien nachgewiesen (
Human Vaccines & Immunotherapeutics: Chen et al., 2014). Für eine Phase-I-Studie, die sicherstellen soll, dass der Impfstoff auch für Menschen ungefährlich ist, aber fehlte das Geld. Erst als zum Jahreswechsel Menschen in China begannen, an Lungenentzündungen durch Sars-CoV-2 zu sterben, holte Hotez mit seinen Kolleginnen und Kollegen den Impfstoff aus der Kühlung, verabreichte ihn Mäusen und testete, ob der Impfstoff sie auch vor dem neuen Virus schützen konnte.
Inzwischen liegen erste, vorläufige Ergebnisse vor (
Preprints: Hotez & Bottazzi, 2020). Impft man Mäuse mit dem Sars-Impfstoff und nimmt ihnen Blut ab, lässt sich im Reagenzglas beobachten, wie die Immunzellen im Blut gegen das neue Coronavirus reagieren, erklärt Ulrich Strych, der mit Hotez zusammenarbeitet.
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Aber der alte Sars-1-Impfstoff habe in der jetzigen Situation eben einige Vorteile: Erstens ist er schnell zur Hand. Sobald die Arzneimittelbehörde FDA grünes Licht gebe, und man das Geld zusammenhabe, könnten Phase-I-Studien an Menschen starten.
Aber wichtiger noch: Sein Labor hat über Jahre Daten aus Tierstudien gesammelt, die belegen, dass der Impfstoff sicher sei, erklärt Hotez (
Expert Review of Vaccines: Jiang et al., 2012). Das ist ein Riesenvorteil. Denn alle Impfstoffkandidaten für Sars-CoV-2 müssen trotz aller Eile unbedingt darauf geprüft werden, dass sie keine schwerwiegenden Nebenwirkungen haben. Vor allem vor einer unerwünschten Reaktion des menschlichen Körpers warnt er: Dass die Impfung das Immunsystem so verändert, dass es eine Infektion mit Sars-CoV-2 nicht verhindert, sondern verschlimmert.