Das ist die Kritik die ich an der Stelle sowohl an Politik wie auch Medien richte. Es wird hier in der Art der Kommunikation impliziert, als sei die deutlich höhere Ansteckungsgefahr ein unumstößliches Naturgesetz. Dem ist aber nicht so, da es in dem Punkt widerstreitende Meinungen gibt.Scrypton schrieb:Doof nur: Ob sie das tatsächlich auch ist, oder nicht, weiß niemand und wird aktuell untersucht.
Derzeit gibt es widersprüchliche Ergebnisse; wer Recht hat, zeigt die Zukunft.
https://www.netdoktor.at/news/corona-mutation-b117-forschung-10562608
Eine Möglichkeit könne sein, so Balloux, dass es sich bei der ungewöhnlich starken Ausbreitung jüngst in Südengland um eine „zufällige Fluktuation“ der Ausbreitung unterschiedlicher Virus-Varianten handele, wie das typisch sei für Epidemien. Möglich aber auch, dass an den Sorgen anderer Wissenschaftler doch etwas dran ist, weil man nämlich in den Genom-Analysen immer offenbar die Effekte einzelner Mutationen (und jede für sich) untersucht hat – nie aber die spezielle Kombination vieler Mutationen, wie sie in der britischen Variante vorliegt.
https://www.faz.net/aktuell/wissen/...ahr-der-mutation-aus-england-17123083-p2.html
Ich denke ein gemäßigter Umgang wäre sinnvoller. Detlef Krüger, der ehemalige Leiter der Virologie der Charite mahnt auch einen besonneren Umgang mit den Mutationen an.
Ich denke, Politik möchte selbst keine Risikoabwägung in solchen Dimensionen vornehmen, sie schäut in dem Punkt die Verantwortung. Man will auf Nummer sicher gehen. Das ist auch legitim. Aber man muss eben offen abwägen zwischen wieviel Todesopfer nehme ich in kauf und wieviel wirtschaftliche Schäden. Es stellen sich die Fragen, wieviele Todesopfer hält eine Gesellschaft aus und wieviel Arbeitslose halten Wirtschaft, Staat und Gesellschaft aus. Klar dürfte sein, dass die Anzahl der Insolvenzen bzw. Betriebe die es nicht überleben werden mit Dauer des Lockdowns steigen wird. Arbeitslosigkeit und Überschuldung heißt nicht nur auf Geld zu verzichten, nicht nur den Gürtel enger zu schnallen. Wer beruflich mit Armut bzw. Familien in Armut zu tun hat, der wird wissen, was das bedeutet. Ich arbeite mit Problemfamilien und bin auch als Psychotherapeut tätig. Ich kenne die Konsequenzen und habe mich ausgiebig mit dem Thema Armut und deren Folgen auseinandergesetzt. Wer glaubt es komme der große Aufschwung der wieder allen ein Leben in dem wohlstand ermöglicht, den er vor der Pandemie gewohnt war, irrt. Letztendlich kann man davon ausgehen, dass ca 20% darin verharren werden. Die unterschiedlichen Szenarien gehören eigentlich konsequent gegenüber gestellt und auch kommuniziert. Und es muss auch deutlich gemacht werden, was eine Entscheidung für jeden einzelnen bedeutet. Eine Insolvenzwelle und hohe Arbeitslosigkeit wird auch den Beamten treffen. Nicht nur, dass insolvenzbedingt die Gewerbesteuereinnahmen für Kommunen einbrechen. Kommunen sind auch für ein Teil der Unterkunftskosten für ALG II Empfänger verantwortlich. Für Städte und Kommunen wird es bitter. Insbesondere strukturschwache Regionen, werden finanzielle Probleme bekommen. Die Konsequenz wird sein, dass man sich erst einmal überwiegend nur auf die Ausgaben beschränkt, zu denen man rechtlich verpflichtet ist. Die Finanzierung der Krankenkassen müsste durch höhere Beitragssätze und oder Leistungskürzungen weiter gesichert werden. Auch wenn das grausam erscheint. Letzendlich wird man sich die Frage stellen müssen bzw. sie mit Dauer der Pandemie immer wieder neu bewerten müssen. Mutig und Konsequent wäre beide Seiten auf einem Dashboard gegenüber zu stellen. Das mag zu einem Aufschrei führen auch zu Konflikten und Diskussionen, aber es ist notwendig sich mit der Frage auseinander zusetzen, wieviel ist uns unsere Gesundheit wert. Wieviel Todesopfer muss und kann man in Kauf nehmen und wieviel wirtschaftliche Schäden und deren Folgen können wir uns leisten. Denn Wirtschaft und Gesundheit sind keine gegensätzlichen Pole. Ohne Wirtschaft kein(e) Gesundheit(ssystem) und ohne Gesundheit(ssystem) keine Wirtschaftsfähigkeit. Und zwischen diesen nur scheinbar gegensätzlichen Positionen muss man eine Mitte finden. Man sollte nicht vergessen, trotz Impfstoff kann keiner sagen wie lang uns die Pandemie begleiten wird und was für Überraschungen sie für uns bereit hält. Was ist wenn weitere Mutationen, die laut wieler auch durch vermehrtes Impfen entstehen, es erforderlich machen die Risikogruppen erneut zu impfen? Das kann niemand voraussehen. Daher sollte man sich schon vorher Gedanken machen, wie lang man einen Lockdown aufrecht erhalten kann und welche Möglichkeiten es gibt, die Bevölkerung trotz allem so gut wie möglich zu schützen. Sich erst Gedanken zu machen, wenn es soweit ist, wäre fahrlässig.
Das ist jetzt eine kontroverser Standpunkt, den ich vertrete (ich gehe aber sowohl beruflich wie auch privat Konlikten nicht aus dem Weg. Letztendlich bringt das nicht. Irgendwann fällt einem das schmerzhaft auf die Füße) Ich möchte das auch nicht so verstanden wissen, dass ich gegen einen Lockdown bin. Ich bin aber dafür, die Folgen auch klar zu benennen. Ich fände es ehrlich, wenn man ganz klar sagen würden. "Wir wissen, dass unsere Maßnahmen viele Menschen verzweifeln lassen werden. Wir wissen, dass es wahrscheinlich ist, dass Menschen durch die Maßnahmen ihre Existenz verlieren werden...." Das wäre ehrlich und fair.
Steinmeier plädiert für einen Gedanktag für die opfer der Pandemie. Es wäre eine aufrichtige Geste, wenn man auch derer gedenkt, die durch die Maßnahmen Leid erfahren haben.
Edit: Übrigens, die Frage nach dem Wert der Gesundheit war längst überfällig und muss auch politisch und gesellschaftlich beantwortet werden. Denn sie wird in Zukunft erhebliche Bedeutung gewinnen. Nimmt man z.b. eine Reform der Pflege (bessere Bezahlung, besserer Betreuungsschlüssel usw).
-Wäre uns das z.B. 2% höhere Krankenkassenbeiträge wert? Jemand mit hohem Einkommen würde die Frage wahrscheinlich eher behjahen, wie jemand mit niedrigem Einkommen.
- Verbot von Massentierhaltung (übrigens auch nicht unerheblich für Pandemien) würde den Preis pro kg Fleisch erheblich erhöhen. Jemand mit hohem Einkommen wird das kaum etwas ausmachen. Ein ALG II empfänger wird es sich dann nicht so ohne weiteres leisten können
- Oder nehmen wir den Klimawandel. Man könnte den Preis für Flugreisen deutlich erhöhen oder aber jeder erhält ein festes Kontingent pro Jahr unabhängig vom Einkommen.
An den Fragen sieht man. Gesundheit hat seinen Preis und nicht nur finanziell sondern auch gesellschaftlich, auch zu Zeiten von Sars-Cov-2.
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