Hochinteressant: Erklärung der Definitionen des RKI für Risikogruppen/Hochrisikogruppen:
https://www.rki.de/DE/Content/Gesun...kogruppen_COVID_19.pdf?__blob=publicationFile
Dies wurde dann in der Folge von der Stiko und dem Bundesgesundheitsministerium 1:1 für die Impfgruppen 2 und 3 übernommen.
Interessant finde ich vor allem die eklatanten völlig unmedizinischen Einstufungen:
"Risikogruppe" ist jeder mit Bluthochdruck (wo die Definition schon Gegenstand medizinischer Debatten ist) oder BMI über 30.
Und bei der "Hochrisikogruppe" wirds dann endgültig absurd: Laut RKI sind unter den 60-bis 64-Jährigen 17,7% in der "Hochrisikogruppe". Ab 65 dann - definitionsgemäß - 100%.
Klar, die müssen das immer irgendwie definieren, grade für die Impfreihenfolge musste man schnell was zusammenstökeln. Aber solche Aussagen wie in dem Dokument groß am Rand mit "21,6 Mio. Hochrisikogruppe" sind grob unseriös, weil man da kurzerhand
alle über 65 mitrechnet (was die Zahl dann explodieren lässt), obwohl bspw. in der relativ großen Gruppe der 65- bis 69-jährigen der Anteil auf Basis der definierten Erkrankungen eher bei 30% oder so liegen dürfte. Durch die Definition ist aber am 65. Geburtstag 100% Hochrisikogruppe - ein Jahr zuvor 17,7%.
Weiter unten verteidigt das RKI dann übrigens die Einstufung allein aufgrund von "Zustandsbeschreibungen" wie Alter und BMI gegen andere Studien. Man wendet hier vermutlich alleine statistische Werte an (weiter oben wird auch angegeben, "Hochrisikogruppe" bedeute doppeltes Risiko im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung), wodurch dann natürlich das Alter und der BMI "Faktoren" für ein erhöhtes Risiko zu sein scheinen, weil besonders oft Alte oder Adipöse Menschen ins Krankenhaus müssen oder Versterben.
Das Problem ist nur, dass Alter alleine oder Adipositas alleine natürlich keine Risikofaktoren sind (das ließe sich medizinisch auch nicht erklären, wieso bspw. ein 65-jähriger, der aber gesund ist, Hochrisikogruppe sein soll), sondern eben "nur" statistisch Signifikant mit Vorerkrankungen einhergehen (man wird bspw. in der Gruppe über 80 nur selten Menschen finden, die gar keine Vorerkrankungen haben - aber einige wenige wirds schon geben).
Will heißen: Alter oder BMI sind keine Risikofaktoren, aber bieten sich als einfache Methode der Definition an, weil man dafür halt keine medizinischen Diagnosen braucht.
Das führt umgekehrt aber halt auch zu einer viel zu hohen Zahl bezüglich der Risikogruppenangehörigen, da alleine schon "alle über 65 und alle über BMI 30" mehr als 40% aller Deutschen ausmachen dürfte.
[Das sieht man gut bei der Gruppe 20-29: Hier sind laut RKI wohl ca. 23% "Risikogruppe" und 4% "Hochrisikogruppe", etwa die Hälfte der Werte der Gruppe 50-59. Wenn man aber die Todesfälle ansieht, gibt es bei 50-59 37-mal mehr Todesfälle (2.765) als bei 20-29 (73). Aber wenn die RKI-Einstufungen akkurat wären, müsste es in der Altersgruppe 20-29 etwa 18-mal so viele Todesfälle geben, wie es tatsächlich der Fall ist (=halb so viele wie 50-59).]
Das RKI macht hier also einen weitverbreiteten Fehler: Man verwechselt Korrelation mit Kausalität.
*PS: Ich persönlich würde ja sowieso noch viel stärker differenzieren. Vor allem sollte man keine Relativkriterien anwenden: Definition scheint laut RKI zu sein: Hochrisikogruppe = doppeltes Risiko als Durchschnitt der Nicht-Hochrisikogruppe. Da aber das Risiko der "Nicht-Hochrisikogruppe" ziemlich gering sein dürfte (unter 0,1%, da man alle "Hochrisikogruppen"-Angehörigen rausrechnen muss), ist auch das Doppelte davon nicht viel. Sinnvoller wären Kriterien wie "10% der Erkrankten dieser Gruppe müssen auf die Intensivstation bzw. Versterben". Solche Daten hätte man - und dann sogar mit medizinischen Befunden, da sicherlich von allen Corona-Patienten, die stationär im Krankenhaus behandelt werden, umfassende Erhebungen durch die behandelnden Ärzte stattfinden. Müsste man halt zusammentragen.