Vor 20 Jahren hat man Hartz-4 und die Sanktionen doch eingeführt, gerade weil es damals Missbrauch gab,Cyberdunk schrieb:Das glaub ich nicht, dass war vieleicht vor 20 Jahren so, aber Heute nutzen dass mehr Menschen aus als das System noch lange vertragen kann.
sowohl von Arbeitslosen, als auch von den damaligen Arbeitsagenturen, die Zahlen geschönt haben, Stichwort Vermittlungsskandal. Deshalb gab es doch erst die Reform.
Davor gab es keine Sanktionen, die unter das Existenzminimum hätten gehen können. Es gab mehr Langzeitarbeitslose, nicht jede Arbeit galt als zumutbar und die Pflicht in Umschulungen und Fortbildungen zu gehen war auch noch nicht so stark ausgeprägt. Die Mitwirkungspflicht beinhaltet heute mehr als noch zu Zeiten der Arbeitslosenhilfe. Der Missbrauch ist heute definitiv nicht größer als damals, weder prozentual, noch in Summe.
Ein Schmarotzer ist nicht der, der in Hartz-4 rutscht, sondern der, der dies bewusst tut, weil er nicht arbeiten will und es ihm egal ist, ob andere ihn finanzieren - ob dies auf eine Mehrheit der Arbeitslosen zutrifft, hätte ich gerne belegt.Tomislav2007 schrieb:Ich habe noch kein Bürgergeld bezogen, vor ca. 15 Jahren hatte ich aber das Vergnügen für ca. 1/2 Jahr lang Hartz 4 zu schmarotzen.
Leider? Passt aber nicht zu deinen vorherigen Aussagen. Die Sanktionspraxis sollte eigentlich entschärft werden, das ist dann doch nicht geschehen. Daher passt das "leider" hier irgendwie nicht. Außerdem hat das Bundesverfassungsgericht bereits festgestellt, dass es verfassungswidrig ist, über 30% zu kürzen.Tomislav2007 schrieb:Leider.
Wir haben etwa 800.000 offene Stellen und 2,5 Millionen Arbeitslose. Leistungsbezieher sind es tatsächlich mehr, da musst du aber Aufstocker, Kranke und Behinderte, Menschen kurz vor der Rente und in Umschulungen abziehen.Tomislav2007 schrieb:Wir kriegen bei ca. 3,5 Millionen Arbeitslosen nur ca. 2 Millionen Arbeitsstellen nicht besetzt, aber alle Arbeitslosen bemühen sich angeblich ganz doll.
Es reißt sich dazu nicht jede Firma um Arbeitslose, ich habe mal in einer gearbeitet, die hat grundsätzlich gar keine Arbeitslosen eingestellt, da wurde kurz geschaut - länger als 3 Monate arbeitslos? Aussortiert. Um ein Beschäftigungsverhältnis aufzubauen braucht es zwei, oder willst du Betriebe nun zwingen Arbeitslose einzustellen?
Nicht jeder Arbeitslose ist auf jede Arbeitsstelle perfekt zugeschnitten und die Gründe für Arbeitslosigkeit sind genau so individuell, wie die Menschen selbst. Dazu kommt die geografische Lage und das soziale Umfeld; Es bringt einem Arbeitslosen aus Kiel nichts, wenn in München eine Stelle frei wird. Der zieht dann nach München, wahrscheinlich noch mit Kind - Oh leider klappt das mit der Stelle doch nicht, aber in Kiel ist gerade etwas frei geworden, ziehen sie einfach zurück, das Amt zahlt. So läuft das nicht.
Wer meint, er könne 2,5 Millionen Arbeitslose auf 800.000 Stellen klatschen und sagen, hey jede einzelne Stelle in Deutschland ist besetzt, der hat keine Ahnung vom Arbeitsmarkt, sorry.
Das Existenzminimum ist kein Vollkasko, sondern eben genau das, ein Minimum das gesetzlich festgelegt ist und das man nicht kürzen kann, ohne das es beim Betroffenen zu Mangelerscheinungen kommt.Tomislav2007 schrieb:Arbeiten gehen oder kein Geld bekommen, das Bürgergeld sollte auf max. 3-5 Jahre gedeckelt werden, das sollte für eventuelle Notlagen reichen.
Jeder kann mal in eine Notlage geraten in der er Hilfe benötigt, Bürgergeld sollte aber kein lebenslanges Vollkasko all inclusive Leben ermöglichen.
Zwangsarbeit und Menschen verhungern lassen ist in unserem Sozialstaat verboten, das kannst du gerne wieder mit 'leider' kommentieren, ich sage Gott sei Dank ist dies so. Amerikanische Verhältnisse will ich hier nicht.
Und noch eine Sache, die zu bei deinem Gegenüberstellen der Arbeitslosenzahl und offenen Stellen nicht verstehst - Die Arbeitslosen sind bis auf die Langzeitarbeitslosen keine statische Masse. Wer heute arbeitslos ist, kann in 3 Monaten einen Job haben, wer heute einen Job hat, kann in 3 Monaten arbeitslos sein. Bei der aktuellen Zahl der Arbeitslosen sind auch jene mit dabei, die vor kurzem noch einen Job hatten und ihn wahrscheinlich auch bald wieder haben werden. Dafür werden dann wieder andere Menschen in Arbeitslosigkeit gerutscht sein. Wer das nicht versteht, für den wird sich das Bild des Arbeitslosen natürlich nicht ändern, weil es für ihn immer nur die eine große Summe an Arbeitslosen gibt, die einfach nicht kleiner werden 'will'.
Ich war Anfang letzten Jahres für 1 Woche arbeitslos, war ich in dieser Woche plötzlich faul und bewusst schmarotzend? Sicher nicht. Die Mehrheit ist das nicht.
Langzeitarbeitslose machen ca. 30% aller Arbeitslosen aus, also kann man den 70% schon mal nicht vorwerfen, faul zu sein, weil deren Arbeitslosigkeit nicht gewollt und nur von kurzer Dauer ist.
Man kann nicht
Und auch sind nicht alle Langzeitarbeitslosen ein Arno Dübel mit Zigarette in der Hand und Bierflasche auf dem Tisch, wie bei RTL zur besten Sendezeit. Da sind tatsächlich welche dabei und das schmeckt mir auch nicht, aber die wird man niemals auf Null bekommen, ohne andere in Sippenhaft zu nehmen. Langzeitarbeitslose sind schwer in den Arbeitsmarkt integrierbar, auch wenn man ihnen die Leistung streicht oder einen Motivationskurs anbietet, tun sich Unternehmen immer noch schwer damit, diese einzustellen.
Nach 20 Jahren Hartz-4 und der Sanktionspraxis hätte ich z.B. eine ganz andere Vorstellung davon, wie man Menschen in Arbeit bringt, nur rein theoretisch. Nämlich mit Motivation, statt Sanktion.
Ich lasse mir das derzeitige Existenzminimum ausrechnen, durchaus knapp bemessen und lege diesen Betrag zu Grunde, der nicht verhandelbar ist. Darauf schlage ich einen Betrag, sei es 75€, da ich davon ausgehe, dass ein kürzlich arbeitslos gewordener Mensch motiviert ist, schnell wieder in Arbeit zu kommen und dabei mitwirkt. Sollte er sich weigern, sich nicht bewerben, Umschulungen ablehnen, Dokumente nicht abgeben usw. dann streiche ich ihm die 75€. Sollte sich der Arbeitslose zu einem Langzeitarbeitslosen entwickeln, senke ich ihm langsam den Betrag, jedoch nie unter das Existenzminimum.
Das sich das beißt mit den Mindestlöhnern und Aufstockern und das auch Geld kostet ist mit dabei klar, das war nur theoretisch. Wird aber sowieso nicht passieren, ebenso wie das Aussetzen der Sanktionen für 6 Monate, nicht das dabei noch heraus kommt, dass sich das positiv und nicht negativ auf die Arbeitslosenzahlen auswirkt.
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