Die Europäische Union, ihre Vor- und Nachteile

Ich finde, die EU ist eine tolle Sache, auch wenn sie einige sehr gravierende Fehlkonstruktionen beinhaltet, wie wir grad täglich in den Nachrichten sehen:

Pro:
  • Keine Wechselkurse beim Kauf von Waren innerhalb der Währungsunion
  • Reise- und Niederlassungsfreiheit

Fällt mir grad nicht mehr ein, vllt. komm ich später drauf zurück ;)

Contra:
  • Die Reichen müssen für die Armen bezahlen (siehe Griechenland)
  • Zu großer Eingriff in die nationale Gesetzgebung durch die EU
  • Die Länder verlieren die Souveränität über ihre Außengrenzen. Wenn die Mafia einen Zöllner irgendwo an der Außengrenze der EU schmiert, um kriminelle Aktivitäten durchzuführen, dann hat das ggf. Auswirkungen auf die anderen Länder der Staatengemeinschaft (Schleuser, Drogenschmuggel, etc.)
  • Heterogene Steuersätze (mMn sollten die Steuern EU-weit harmonisiert werden)
  • Mangelhafte Einbindung des Wählers bei der Bestimmung der Zusammensetzung des EU Parlaments
  • Fördergeldrivalität: Nokia wurde mit deutschem EU-Steuergeld aus Bochum abgeworben und nach Rumänien gelockt :)
 
Die Länder verlieren die Souveränität über ihre Außengrenzen. Wenn die Mafia einen Zöllner irgendwo an der Außengrenze der EU schmiert, um kriminelle Aktivitäten durchzuführen, dann hat das ggf. Auswirkungen auf die anderen Länder der Staatengemeinschaft (Schleuser, Drogenschmuggel, etc.)

Hier stimme ich dir zu, auch wenn das mE nicht an dem Verlust an Souveränität liegt, sondern daran, dass man ein wenig blauäugig sagt, dass alle Behörden in den Mitgliedsstaaten einen gleichhohen Standard einhalten. Deswegen sollen z.B. auch Exekutionstitel, die im EU-Land X erlassen wurden, im EU-Land Y ohne Überprüfung vollstreckbar sein. Wenn das erste Land Italien ist und das zweite z.B Deutschland und der italienische Richter in mafiöse Strukturen involviert ist, dann wäre eine solche Regelung sehr gefährlich.

Daher bin ich der Ansicht, dass sich die EU, solange man nicht bereit ist, effektive Qualitätssicherungsmaßnahmen, die eben solchen Dingen vorbeugen, einzuführen, von derlei Materien fern halten sollte. Ich sehe da die Gefahren den etwaigen Vorteilen weit überwiegen.


1. Dies bringt uns zum Punkt des sog. Demokratiedefizits, wenn wir darunter verstehen wollen, dass nicht jeder EU-Bürger in gleicher Weise repräsentiert wird, so ist dies solange zuvor gesagtes zutrifft sogar ganz gut so.

2. Warum, weil direkte Demokratie nur dann klappen kann, wenn es sich um ein homogenes Volk handelt, sprich das Volk doch ziemlich einheitliche Interessen aufweist. Bei direkter Demokratie also eine Stimme pro EU-Bürger, würden die Bürger der Bevölkernugsreichen Staaten diejenigen der mit geringerer Bevölkerung Dominieren, was ein totaler Souveränitätsverlust eben dieser wäre. Dies wäre nicht gut, da in diesem Fall auch nicht von Demokratie gesprochen werden könnte, sondern es wäre eine Diktatur der Mehrheit. Erst wenn sich die Europäer wirklich als ein Volk begreifen, kann man mehr Demokratie wagen (auf EU-Ebene).

3. Bliebe noch der Punkt Sanktionen für Staaten die nicht nach den Regeln spielen -> Wie soll das gehen? Die einzigen Sanktionsmöglichkeiten, welche bestehen, sind Geldstrafen und sollten diese nicht gezahlt werden der Rausschmiss aus der EU, womit die Sanktion darin bstünde eben solche Staaten vom Freihandel auszuschließen. Aber das war es dann auch schon. Gut es gäbe noch die Möglichkeit einer EU-Armee, welche die EU nach außen Verteidigt, dann wäre die EU aber schon ein Eingenständigerstaat und diese Armee würde im inneren in Gliedstaaten eingesetzt, welche nicht spuren wollen.


1. Falls das auf meine Aussage oben bezogen ist, so möchte ich nur anmerken, dass das eigentlich auf die teilweise mangelhafte direkte Legitimation bestimmter Organe (und der daraus resultierenden mengelhaften Aktzeptanz dieser in den europäischen Bevölkerungen) bezogen war.

2. Wenn man eine schlichte, direkte Demokratie, wo die Bürger allesamt durch einfache Mehrheit entscheiden können, annimmt, wäre deine Aussage durchaus denkbar. Allerdings würde es da wahrscheinlich ohnedies zu Blockbildungen kommen und ähnlichem. Jedoch ist das nicht notwendig, weil man in so einem Falle schlicht du gut ausbalancierten Regelungen bzgl. Abstimmungen im Rat der EU und im EU-Parlament nehmen kann. Dort wird nicht nur nach Stimmenanzahl gewichtet, sondern auch nach Staatenzugehörigkeit, sodass es eben nicht dazu kommen kann, dass sich bestimmte Staaten übermäßig viel Macht sichern können.

3. Du hast eine wesentlich effektivere Maßnahme vergessen: den schlichten Souveränitätsverlust. Man lässt die Staaten im Zuge eine Vertragsänderung zustimmen, dass sie im Fall des Falles zustimmen, dass die EU zwecks Konsolidierung die Finanzen wieder auf Vordermann bringen kann und im Zuge dessen dem Staat temporär die Souveränität entziehen kann. Dass jemand so wahnsinnig ist, deswegen einen Krig anzuzetteln, hoffe ich nicht, zumal sich ein Staat wohl kaum gegen derlei sträuben würde, da soetwas (wirtschaftliche Neuordnung) ja eigentlich ihm langfristig zum Vorteil gereicht und nicht zum Nachteil. Vielleicht sehen das die Politiker, die die Misere verschuldet haben, anders, aber das würde ich jetzt einmal als eigennützige Partikularinteressen abtun, die man vernachlässigen kann.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich finde auf langer Sicht ist eine Europäische Union nur auf der Seite der Vorteile und ein wichtiger schritt in Richtung Vereinigung und co ;)

Es gibt ja auch seit Jahrzehnten schon Visionäre die eien EU Reform in 50 Jahren oder so mal als möglich halten.

Klar gibt es dezeit viele Probleme noch besonders nach so vielen Jahrzehnten immer noch das Selbe Problem und die falschen Lösungsvorschläge.

Aber ich hoffe eine bessere Zusammenschließung.

Den Europa ist von Landmassen und von Kulturellen eines der schönsten Länder auf der Erde. Viele Sprachen, Kulturen, Sitten, schöne Landschaften ect.

außerdem ist aktuelle eine EU auch mehr als wichtig in der weiten Weltwirtschaft der Globalisierung und der freien Marktwirtschaft.

Wo ja die freie Marktwirtschaft in mein Augen das größste Problem der EU noch ist in Zusammenschließung, man sieht es ja aktuelle mit diesen Schulden.
 
Fetter Fettsack schrieb:
Diese Punkte sind mE aber nur durch eine weitere Abgabe an Kompetenzen an die EU wirklich sinnvoll realisierbar. Sprich, dass der hohe Vertreter auch wirklich die Stimme der Union ist und nicht daneben noch 27 andere ihre Meinungen kund tun und so ein konfuses Bild von der EU abgeben. Außerdem müsste die EU ein Bundesstaat (oder sonst eine Art von Staat) werden, wenn sie etwa in der UN sein möchte.

Mehr Effizienz wird derzeit bereits erreicht, beispielsweise durch eine zentrale Behörde für Verbraucherschutz und Umwelt, den EuGH, etc. Ich denke da auch an die Fischereiquoten, die ESA, usw.

Natürlich müsste der Integrationsprozess weiter geführt werden. Aber bei den G-20 hat die EU bereits neben den normalen europäischen Staaten einen eigenen Sitz.

Ich glaube wird sind an einem kritischen Punkt. Die Staatsschuldenkrise droht nicht nur die Währungsunion zu sprengen, sie wirkt sich auch negativ auf die EU aus. Die radikalen Briten suchen die Schuld für ihre wirtschaftlich schlechte Lage seit Monaten bei der EU, um vom eigenen Versagen abzulenken.

Wieder einmal stiftet das Kapital Unfrieden. Es ähnelt Erbschaftsstreitigkeiten bei privaten Familien. Da haben sich selbst Verwandte schon auseinander dividiert und restlos zerstritten.

Die Unfähigkeit der Politik und insbesondere die sture Haltung der Bundesregierung verlängert diese Krise unnötig und verschlimmert die Lage. Seit Monaten fliehen die Investoren wegen der Unsicherheit aus europäischen Anleihen, selbst aus Bundesanleihen. Merkel weiß genau das wir eine schwere Vertrauenskrise haben, doch sie versteht es nicht dieses Vertrauen wiederzugewinnen. Zuerst leugnet sie die Probleme, dann versucht sie diese halbherzig zu lösen, während der Markt bereits die nächste Eskalationsstufe erreicht hat. Mit Populismus wird man aus diesem Dilemna nicht mehr heraus kommen.
 
Stefan_Sch schrieb:
Seit Monaten fliehen die Investoren wegen der Unsicherheit aus europäischen Anleihen, selbst aus Bundesanleihen. Merkel weiß genau das wir eine schwere Vertrauenskrise haben, doch sie versteht es nicht dieses Vertrauen wiederzugewinnen. Zuerst leugnet sie die Probleme, dann versucht sie diese halbherzig zu lösen, während der Markt bereits die nächste Eskalationsstufe erreicht hat. Mit Populismus wird man aus diesem Dilemna nicht mehr heraus kommen.

Wobei das mit den Bundesanleihen nicht unbedingt nur an der Krise hängt, Deutschland muss auf 10-Jahres Anleihen nur 1,7% bezahlen, das liegt halt krass unter der Inflation. Ergo bekommt man am Ende weniger raus als man bezahlt hat - logisch das das kein klar denkender Investor haben will.
Beim letzen Verkauf sind wir auf rund ~1/3 hocken geblieben.
 
logisch das das kein klar denkender Investor haben will.

Nun ja, Sicherheit ist mE auch kein zu vernachlässigender Aspekt. Und offensichtlich war eine größere Anzahl an Investoren bereit, die Anleihen zu erwerben, was wohl dafür spricht, dass Rendite alleine auch nicht immer das maßgebliche bei solchen Entscheidungen zu sein scheint.
 
Labtec schrieb:
Wobei das mit den Bundesanleihen nicht unbedingt nur an der Krise hängt, Deutschland muss auf 10-Jahres Anleihen nur 1,7% bezahlen, das liegt halt krass unter der Inflation. Ergo bekommt man am Ende weniger raus als man bezahlt hat - logisch das das kein klar denkender Investor haben will.
Beim letzen Verkauf sind wir auf rund ~1/3 hocken geblieben.

Dieses Argument wäre toll, wenn die Realität nicht so wäre, wie sie ist. Fakt ist nämlich das die USA oder auch Großbritannien weit höhere Inflationsraten haben, als die Eurozone.

Trotzdem ist der Zinssatz auf britische Staatsanleihen von 2,52 % auf 2,16 % und damit erstmals seit 1945 noch unter den deutschen Zins gefallen. Die Inflation in Großbritannien lag zuletzt bei 5 %, die der Eurozone bei 2,9 %.

Also allein anhand der Inflationsrate kann man das nicht mehr erklären.

Innerhalb weniger Wochen seit Mitte September sind die Zinsen für französische 10-Jahresanleihen um die Hälfte von 2,48 % auf 3,72 % gestiegen und für deutsche um fast ein Drittel von 1,67 % auf 2,19 %.

Das ist ein klarer Beleg dafür das die Käufer zunehmend der Politik der Eurozone misstrauen. Und Deutschland trägt maßgeblich mitschuld an diesem Vertrauensverlust. Merkel ist bisher nicht fähig gewesen diese Krise einzudämmen, im Gegenteil, die Krise eskaliert zunehmend. Mittlerweile hat sie den Eurokern erfasst und Staaten, wie Frankreich, Österreich und Belgien zahlen weit höhere Zinsen, als noch vor wenigen Monaten.

Schuld tragen vorallem die deutschen Hartgeld-Fanatiker, die Inflationsgespenster sehen, wo keine sind. Japan kämpft sogar seit den Neunzigern mit einer Deflation. Diese "Experten" sind bereit für ihren wahnwitzigen Hartgeld-Kurs eine schwere Rezession und ein auseinanderbrechen der Währungsunion in Kauf zu nehmen.

Das erinnert mich an die desaströse Wirtschafts- und Finanzpolitik von Heinrich Brüning.
 
Zuletzt bearbeitet:
Klar, ist das nicht der hauptgrund warum wir auf 1/3 der angebotenen Anleihen sitzengeblieben sind, aber einen kleinen Teil hat das bestimmt ausgemacht.

Also ich bin normalerweise keine CDU-Wähler, aber was Merkel im Moment macht finde ich okay.
1. Halte ich nichts von Euro-Bonds, wo wir automatisch für irgendwelche anderen Länder mithaften (klar kann man das mit Auflagen etc belegen, aber hey, wenn wir ehrlich sind, interessieren diese Auflagen am Ende kein "Arsch" (sry) und die anderen Länder müssen in die Tasche greifen).
2. Wer weiß was passiert wenn die EZB unbegrenzt Staatsanleihen von PIIGS und Co kauft? Was ist wenn unsere Inflation doch krass steigt?

Wenn wir uns das mal anschauen, dann macht Merkel das was im "EU-Vertrag" steht...
1. http://dejure.org/gesetze/AEUV/125.html
... keine Haftung für andere Länder - (auf den Artikel hat DE damals übergens besonders "gepocht" und hätte ohne nicht "unterschrieben")
2.http://dejure.org/gesetze/AEUV/123.html
"... ebenso verboten wie der unmittelbare Erwerb von Schuldtiteln von diesen durch die Europäische Zentralbank oder die nationalen Zentralbanken."
 
Labtec schrieb:
Wenn wir uns das mal anschauen, dann macht Merkel das was im "EU-Vertrag" steht...

Im "EU-Vertrag" stand auch damals etwas von 3 % Defizitquote und 60 % Maximalverschuldung gemessen am BIP. Daran hat sich inklusive der Bundesrepublik auch niemand gehalten.

Insofern ist das kein Argument. Eurobonds halte ich auch für keine brauchbare Lösung, allerdings insbesondere deshalb, weil ihre Einführung zu lange dauert und der Erfolg nicht garantiert ist. Zudem lösen sie nicht die Ursache der Krise.

Was Europa jetzt braucht wäre eine glaubwürdige Haushaltspolitik und eine EZB, die an der Zukunft des Euro interessiert ist. Dazu zählt es auch, abseits der Stabilitätspolitik, die Währung vor jeglichen Gefahren zu verteidigen.

Und diese Meinung teilen alle Experten weltweit. Renommierte Ökonomen, wie Nouriel Roubini oder Joseph Stiglitz bis hin zu Nobelpreitsträgern, wie Paul Krugman.

Die EZB sitzt seit Monaten nur dumm herum, während alle wichtigen Notenbanken der Welt intervenieren. Selbst die Schweizer Notenbank hat bedingungslos den Franken an den Euro gekoppelt und kauft Devisen unbegrenzt auf. Da wurde auch kein Theater wegen einer angeblichen Inflation gemacht, wie das hierzulande praktiziert wird. Trichet hat vor einigen Monaten sogar den Zins erhöht, als erste Anzeichen für eine Rezession am Horizont erkennbar waren. Später ruderte er zurück und senkte den Leitzins.

Es ist vorallem Deutschland das sich sperrt gegen jegliche ökonomische Vernunft. Man kann nicht einfach Sparprogramme und Reformen von verschuldeten Staaten verlangen. Das lässt sich zum einen nicht innerhalb kurzer Zeit umsetzen und zum anderen würgen diese Sparprogramme die Wirtschaft radikal ab und verschlimmern die Situation.

Griechenland ist regelrecht abgestürzt, die Industrieproduktion ging in die Knie, die Schulden explodierten trotz Einsparungen weiter. Die Folge war, Griechenland bekam einen Haircut und damit war das Startsignal für die Investoren raus aus den Staatsanleihen eingeleitet.

Stattdessen haben Merkel und die FDP verzweifelt versucht den Rettungsschirm zu hebeln, was gründlich in die Hose ging. Diese Bundesregierung hat einfach keine Ahnung von Wirtschafts- und Finanzpolitik. Kein Wunder, verabschieden sie selbst seit Jahren ständig Rekorddefizite im Haushalt. :rolleyes:
 
Zuletzt bearbeitet:
Mir ist durchaus bewusst, das sich keiner an die 60% Verschuldung gehalt hat. Daran lässt sich auch nix rütteln.

Du sprichst einen wichtigen Punkt an, glaubwürdige Haushaltspolitik und Interesse an der Zukunft des Euros.
Da frage ich mich zB wie interessiert Griecheland zu dem Zeitpunkt war, als dort gefälschte Bilanzen etc ausgegeben wurden um dem Euro beitreten zu können, ich mein was erwarteten die? Das nur mit dem Euro auf einmal ihre Wirtschaft um 200% wächst? Wie kann man als Land es verantworteten wissenhaft Unterlagen zu fälschen, um einer Währung beizutreten? Ist sowas glaubwürdig oder stärkt die Zukunft einer Währung?
Die andere Frage ist ja, wer ist überhaupt noch an einer Zukunft des Euro's interessiert?

Keiner weiß oder kann beweisen wie es heute ohne Euro aussehen würde, oder was passieren würde wenn man jetzt aus dem Euro austritt.
Für mich war die Euro-Einführung, so wie sie jetzt gemacht wurde, ein totaler Flop. Man kann nicht 3-4 starke Länder mit 13-14 schwachen in einen Topf werfen und auf gut Glück mixen und hoffen das dabei was gescheites rauskommt.

Fakt ist, sobald einer anfängt aus dem Euro auszutreten (ich schätze mal so Mitte 2012, wenn wir die Sache hier solange noch rauszögern) kommen die ersten "offizielen Überlegungen" dazu (also nicht unbedingt in DE), und wenn das dann scheitert - dann wird nie wieder so etwas angegangen.

Klart sitzt die EZB doof rum, warum? Weil sie nix machen darf ohne Zustimmung.
 
Labtec schrieb:
Keiner weiß oder kann beweisen wie es heute ohne Euro aussehen würde, oder was passieren würde wenn man jetzt aus dem Euro austritt.
Für mich war die Euro-Einführung, so wie sie jetzt gemacht wurde, ein totaler Flop. Man kann nicht 3-4 starke Länder mit 13-14 schwachen in einen Topf werfen und auf gut Glück mixen und hoffen das dabei was gescheites rauskommt.

Das war nie die Intention bei der Euroeinführung und ist kein legitimes Argument.

Was heißt schwache Länder? Willst du als nächstes Bremen aus der Bundesrepublik werfen, weil die seit Jahrzehnten am Länderfinanzausgleich hängen? Oder Mecklenburg-Vorpommern, weil dort ein Einwohner nur ein Drittel des BIP eines Hamburgers erwirtschaftet?

Unterschiedliche wirtschaftliche Stärke ist kein Argument für oder gegen eine gemeinsame Währung. Die USA bestehen aus 50 Bundesstaaten mit teils gewaltigen ökonomischen Unterschieden. So erwirtschaftet Kalifornien allein 15 % des gesamten US-BIP!

Der Euro ist nicht wegen unterschiedlicher ökonomischer Stärke der Länder gefährdet, sondern weil die Haushaltsdisziplin europaweit die letzten 30 Jahre vernachlässigt wurde. Gleichzeitig gab es nach der Euroeinführung ein Marktversagen, so dass das Finanzsystem Milliarden an die Europeripherie verliehen hat.

Was bei einem Auroaustritt passieren würde, kann man im aktuellen Artikel bei spiegel.de nachlesen.

Der Preis des Ausstiegs
 
Den Artikel hab ich grad am Handy kurz überflogen, muss ich mir aber nochmal durchlesen.


Was war denn die Intention der Euro-Einführung?

Der Euro dient vorallem einem Zweck, und zwar Macht nach außen (Richtung USA, und Asien). Eine Währung wo mehrere Staaten und eine massive Wirtschaft dahinterhängt tritt immer stärker auf als eine D-Mark oder italienische Lira. Der Euro ist nach dem US-Doller die 2te Leitwährung der Welt. (Wobei die D-Mark vor dem Euro die europäische Leitwährung war.)
Das ich nun durch halb Europa fahren kann ohne Geld zu wechseln ist zwar schön, aber nicht der ausschlaggebende Punkt für die Einführung einer staatenübergreifenden Währung.

Ich will doch niemand rauswerfen, ich hab nur gesagt das meiner Meinung nach die Einführung des Euros so wie sie damals durchgeführt worden ist, Käse war.
Klar ist auch, das das in den USA ebenso ist, aber die USA wurden ~1787 gegründet. Das war eine andere Zeit.
 
Labtec schrieb:
Was war denn die Intention der Euro-Einführung?

Die Intention lag darin den europäischen Einigungsprozess voran zu führen. Der Euro beseitigt Wechselkursrisiken und steigert die Effezienz im europäischen Binnenmarkt erheblich.

Unternehmen müssen sich nicht mehr gegen Währungsschwankungen absichern, der Handel wird erleichtert.

Gleichzeitig konnte der Euro seit seiner Einführung immer mehr Anteile an den Devisenreserven erlangen und bot gegenüber dem Dollar, der immer noch die Weltreservewährung ist, eine Alternative für internationale Investoren.
 
Europäische Union sehe ich, im Unterschied zu den Vormeinungen, als einen logischen Prozeß.
Ich lebe im Kapitalismus. Jede neue Entwicklungsstufe dieser Gesellschaftsformation brachte Konzentrationsprozesse zum Ausdruck, die sich anfangs auf konkurrierende Firmen in einer Stadt, einer Region, später in einem Land usw. zeigten.
Heute sprechen wir von Globalisierung, d.h. die Wirtschaft steht sich im weltweiten Maßstab gegenüber - das kapitalistische Prinzig gilt weiter !

Wenn ich nun davon ausgehe, daß Wirtschft ein Teil der Gesellschaft ist, erscheint mir logisch, daß gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entwicklungsstand in einem gewissen Verhältnis stehen müssen, um Probleme in der Gesellschaft lösen zu können.

Der Zustand, den wir heute beschreiben müssen, spricht eine deutliche Sprache !
Es besteht eine nicht zu überbrückende Differenz zwischen eben wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklung; die sicher gegebene Notwendigkeit einer Vereinigung auf europäischer Ebene wird letztendlich den Interessen der Wirtschaft geopfert.

... über Vor- und Nachteile zu diskutieren erübrigt sich in gewisser Weise. Die Notwendigkeit wäre zwar gegeben, aber selbst vermeintliche Interessenvertretung der Souveräne, also Politik in den europäischen Staaten, hat ihre Wurzeln und ihren Bestand im Nationalen - eine Intension, die der breiten Masse leider entgegenkommt !
Betrachten wir Diskussionen der letzten Zeit: "unsere Banken!", Eurorettungsschirm usw., der Mopp scheint sich nicht bewußt zu sein, was Kapitalismus bedeutet !!!

Bereits heute zeigt das gesellschaftliche Angesicht Deutschlands, daß es nicht in der Lage ist, offiziell zugestandene ca. 3 Mio. Arbeitslose und ca. 6,5 Mio. nicht zugestandene Hartz-IV- Empfänger in Arbeit zu bringen. Verschenktes gesellschaftliches Potential, welches diese Gesellschaft nicht in ihrem und im Interesse der Massen nutzen kann !!!
Systemische Gründe also, die kaum ausgeglichen werden, dadurch, daß ich an einer Grenze nicht mehr tauschen muß !

MfG.
 
Es wäre mir neu, dass die Globalisierung einzig ein Kind des Kapitalismus sein sollte, wenn doch sozialistische Staaten sich diesem Prinzip weder verschließen wollten noch gekonnt hätten.
 
Typisches Ost-West-Denken, die Ideologie, selbst wenn man sich ihrer nicht bewußt ist, scheint ihre Früchte zu tragen !

Ich empfehle die Betrachtung der vergangenen 22 Jahre zum Erkenntnisgewinn.

Folge ich Deiner Vorgabe (@Noxiel) so müßte sich eine recht menschenfreundliche Gesellschaft aufgebaut haben, ... denn der "Feind" fiel weg !!!).

Bitte an die Moderatoren; bei Einverständnis von "Noxiel" kann man die letzten beiden Beiträge getrost löschen.

MfG.
 
Ich mag mich irren, aber der Einzige der das Ost-West Gefüge zur Sprache bringt, bist du. Ich habe kein Wort darauf verschwendet, sondern mich einzig auf deinen Hinweis bezogen, dass Globalisierung ein Sproß des Kapitalismus sei, und dieses verneint.
 
Stefan_Sch schrieb:
Die Intention lag darin den europäischen Einigungsprozess voran zu führen. Der Euro beseitigt Wechselkursrisiken und steigert die Effezienz im europäischen Binnenmarkt erheblich.

Unternehmen müssen sich nicht mehr gegen Währungsschwankungen absichern, der Handel wird erleichtert.

Gleichzeitig konnte der Euro seit seiner Einführung immer mehr Anteile an den Devisenreserven erlangen und bot gegenüber dem Dollar, der immer noch die Weltreservewährung ist, eine Alternative für internationale Investoren.

Ob der Euro den europäischen Einigungsprozess vorangetrieben hat oder ehr das Gegenteil bewirkt, kann keiner so genau sagen.
Wechselkursriskien ware seit Einführung des EWS ('79) kein großes Risiko mehr, im EWS waren alle relevanten Staaten Europas vertreten.
Was genau wie den Handel und Binnenmarkt erleichtert hat oder auch nicht, kann man eben nicht pauschalisieren.
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/europas-schuldenkrise/waehrungsunion-ist-deutschland-hauptprofiteur-des-euro-11114208.html
Seit 1999 ist das Wechselkursrisiko für deutsche Exporte in die Eurozone entfallen. In den folgenden Jahren gab es zahlreiche Studien über die Handelseffekte der Euro-Einführung.
Die Ergebnisse der Schätzungen liegen weit auseinander. Sie reichen von keinem oder nur einem geringen Handelszuwachs (...) über einen mittleren Handelszuwachs von etwa 18 Prozent (...) bis hin zu einer stattlichen Steigerung des Handels um 49 Prozent ...).
Was da von stimmt oder auch nicht kann KEINER beweißen.
Tatsächlich hat der deutsche Außenhandel mit den anderen Euro-Staaten seit der Wechselkursfixierung jährlich um 5 Prozent zugenommen. Betrachtet man jedoch das Wachstum der Exporte in die restliche Welt, zeigt sich, dass diese mit 6,5 Prozent deutlich stärker zugelegt haben. Der Anteil der deutschen Exporte in den Euroraum hat also in den vergangenen Jahren abgenommen (von etwa 46 Prozent auf knapp 40 Prozent).Das Gewicht der Drittländer ist um gut 5 Prozentpunkte auf über 60 Prozent gestiegen.

Bei deinem letzen Punkt gebe ich dir Recht, weil das der Punkt ich den ich bereits gesagt hatte, MACHT.
Alternative zum Doller, mit vielen Länder und starker Wirtschaft, je mehr Investition im Euro desto wichtiger und mächtiger wird ehr. Genau das, und nur das ist der Ziel des Euros und Europas.
 
Labtec schrieb:
Bei deinem letzen Punkt gebe ich dir Recht, weil das der Punkt ich den ich bereits gesagt hatte, MACHT.
Alternative zum Doller, mit vielen Länder und starker Wirtschaft, je mehr Investition im Euro desto wichtiger und mächtiger wird ehr. Genau das, und nur das ist der Ziel des Euros und Europas.

Dann frag mal deutsche Unternehmen oder polnische Unternehmen, warum sie den Euro behalten wollen bzw. adaptieren wollen.

Den Unternehmen geht es nicht um Macht, sondern um einen vereinfachten Handel.

Darüberhinaus ist der Satz in dem von dir verlinkten FAZ-Artikel irreführend. Es geht nicht einfach um bloßen Handelszuwachs. Im Gegenteil, der Handel hat sich in den letzten 10 Jahren massiv verschoben. Heute handelt Deutschland mit China mehr Waren, als mit den meisten anderen EU-Ländern.

Es geht um Wechselkursrisiken! Gerade China zeigt nämlich das Problem von Wechselkursen. Die Chinesen manipulieren den Renminbi seit Jahren massiv, um die eigenen Exporte zu stützen.

Der Euro beseitigt genau diese Probleme auf EU-Ebene. Der Euro ist ein wichtiger Schritt in Richtung fairer Wettbewerb!

Der Autor der FAZ verdreht im Übrigen in mehreren Sätzen die Fakten. Ein weiteres Beispiel für seine Halbwahrheiten ist der folgende:

Zudem kann der Aufbau von Auslandsersparnissen dazu führen, dass Kapital im Inland fehlt. Anstatt die Ersparnis hiesigen Unternehmen für Investitionen zur Verfügung zu stellen, fließt es an ausländische Regierungen, Konsumenten oder Betriebe. Die deutschen Exportüberschüsse führten also dazu, dass weniger Kapital für Investitionen in Deutschland zur Verfügung steht. Die empirischen Daten bestätigen diese Überlegung: Deutschland weist seit Einführung des Euro die geringste Investitionsquote aller Euro-Staaten auf.

Die Aussage von Herrn Matthias Kullas das Deutschland die geringste Investitionsquote aller Euro-Staaten aufweist ist zwar richtig, verschweigt aber das die Investitionsquote schon lange vor der Euroeinführung zurück ging.

job12.jpg


Insofern ist das nichts, was in unmittelbarer Korrelation zum Euro steht oder gar seine Überlegungen "belegen" würde.

Und für die Investitionen an der Europeripherie ist das Finanzsystem verantwortlich und nicht der Euro. Wenn ich irgendwo investiere, dann investiere ich dort nicht wegen der Währung, sondern weil ich mir Renditen verspreche.

Im Übrigen führen Exportüberschüsse nicht zu weniger Investitionen im Inland, sonst wäre nämlich China am Arsch, denn die Exportieren auf Teufel komm raus und dennoch weist das Land extrem hohe Investionen auf.

Exportüberschüsse werden durch Fremdkapital finanziert, und das kommt von überall her.

Insofern ein weiterer Unsinn von unserem FAZ-Schreiber Matthias Kullas.
 
Zuletzt bearbeitet:
Vorteil: Grundgedanke

Nachteil: Umsetzung

Meiner Meinung nach hätte man das System der USA besser nur kopiert, als es so zu verschlimmbessern wie man es getan hat.

Soll heissen: Eine Währung, eine gemeinsame Aussenpolitik, eine gemeinsame Verfassung die nur für jeden verständliche und wirklich wichtige Grundsätze enthält.

Stattdessen haben wir nun Umverteilung, Bürokratie und Intransparenz. Kein Wunder dass nicht mehr Leute die EU wirklich mögen.
 
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