DevPandi schrieb:
Nvidia führt - auch wenn sie aktuell Marktbeherrschend sind - bereits Rückzugsgefechte und versucht an allen Ecken und Enden die CUDA-Dominanz zu festigen und teilweise auch zu stabilisieren.
Im Prinzip stimme ich zu, aber
Rückzugsgefechte ist IMO der falsche Begriff.
Jensen Huang weiß, dass er die aktuell absolut dominierende Stellung von NVIDIA auf Dauer
eigentlich nicht halten kann. Aber er denkt nicht daran, auch nur ein Promille Marktanteil kampflos abzugeben.
DevPandi schrieb:
Man kann über AMD und die Fehler, die sie immer wieder machen, auf der einen Seite sich echt gut amüsieren, nur hat das AMD von Heute nichts mehr mit dem AMD von 2017 oder 2020 zutun und schon garnicht von dem AMD von 2006 - 2012.
AMD 2006 dachte, dass alleine gute Hardware reicht, um gegen Intel und Nvidia anzustinken, mit den dann getroffenen Fehlentscheidungen hat sich AMD in eine für sie schlechte Situation geführt.
Sehe ich ähnlich.
Lass mich aber 3 Aspekte hinzufügen:
- AMD war im X86 Markt ein Anbieter von kompatiblen CPUs. Es war lange Zeit ausreichend gute Hardware zu liefern. Auch als AMD gezwungen war eine eigene Plattform zu entwickeln hat sich AMD weiterhin in vielen Aspekten an Intel orientiert.
- Bei der Hardware ging es nach K8 nicht gut weiter. AMD hat bei den CPUs in Folge 3 Architekturen versemmelt:
- K9 wurde eingestellt und kam nie raus.
- K10 hatte den berühmt berüchtigten TLB- oder Lay-Off Bug
- K11 Bulldozer war eine verrückte Wette die desaströs scheitert
- Nach der Übernahme von ATI verließ das Führungspersonal von ATI in Scharen die neue Firma.
- Das von AMD eingesetzte Management hat, höfflich formuliert, nicht glücklich im GPU-Markt agiert.
- Allerdings ging es AMD bei der Übernahme gar nicht um den GPU Markt, sondern nur um das Fusion Konzept. Was das inkonsequente Agieren im GPU-Markt teilweise erklärt.
- Das Fusion-Projekt ist gescheitert weil AMD nicht wirklich verstanden hat, dass Fusion ohne eine starke Softwareplattform scheitern muss. Damit sind wir wieder bei Deinem Thema, Hardware alleine, ...
DevPandi schrieb:
Nvidia konnte CUDA 2008 quasi ohne Gegenwehr etablieren, weil AMD sich auf Apple und OpenCL verlassen hat. Selbst bis 2017 und dem Vega Debakel hat AMD immer darauf gebaut, das gute Hardware alleine reicht und haben 2017 final auch bei der GPU quasi Nvidia die Initative übergeben und Nvidia hat das wunderbar in eine marktbeherschende Stellung verwandelt.
Dem will ich ebenfalls nicht widersprechen.
Aber ich finde man muss sich einfach Mal ins Jahr 2000 zurückversetzen. Wie hätten Branchenkenner reagiert, wenn man ihnen erzählt dass Nvidia im Jahr 2026 das größte Halbleiterunternehmen der Welt ist, weil es den Markt für AI-Hardware dominiert?
Während man ohne weiteres sagen kann, AMD hat Intel freie Hand im X86 Markt gelassen, gehört zum Erfolg des Zwerges Nvidia weit mehr als Glück und Fehler des Konkurrenten im damals noch kleinen GPU-Markt. NVIDIA hatte eine Vision und hat über mehr als 2 Jahrzehnte unerbittlich Schritt für Schritt an der Umsetzung dieser Vision gearbeitet.
DevPandi schrieb:
Nur anders als Intel, die sich für unangreifbar gehalten haben, weiß Nvidia, dass sie nicht unangreifbar sind und entsprechend agieren sie auch. Eigene ARM-Kerne für Server-CPU, NVLink, dazu nun die Koperationen mit Marvell. Selbst ARM selbst wird langsam zu einem "Gegener" für Nvidia.
Jensen Huang agiert gemäß dem Motto "Only the Paranoid Survive".
DevPandi schrieb:
Wir reden hier aktuell davon, dass Nvidia - Achtung, Übertreibung Incoming - 99,99 % des Marktes beherrscht und AMD, Intel, Broadcom und der Rest sich hier mit 0,01 % des Marktes zufrieden geben müssen. Nur gefällt das weder AMD, Intel, Broadcom, Marvel und erst recht nicht Open AI, Microsoft, Amazon und Google. Entsprechend arbeiten die alle aktuell daran, diese Dominanz von Nvidia zu brechen und während man biser diese 0,01 % nicht "ernstnehmen" konnte, sind die Verschiebungen, die Nvidia bereits jetzt merkt, für sie ein Warnsignal. Klar, für uns ändert sich da alles gerade von 0,01 % auf 0,011 %, bei Nvidia gehen hier nur entsprechend die Alarmglocken los, weil diese 0,001 % eine Verschiebung ist, die sie nun "konstant" beobachten. Immer ein wenig, immer so, das die normalen Consumer sagen, dass Nvidia immer noch der heilige Gral von allem ist. Nvidia wiederum sieht die Ressourcen und Bemühungen, die alle Firmen rein stecken um sich von ihnen "zu lösen" und entsprechend geht man jetzt mit bestimmten Konkurrenten auch strategische Partnerschaften ein.
Ich habe in den letzten 2 Jahren einiges an originalen Darstellungen von Intelleuten gelesen ("Only the Paranoid Survive" steht noch ungelesen im Regal)
Jensen Huang weiß dass im Erfolg der Keim des Niedergangs entsteht. Nvidia hat seit mehr als 2 Jahrzehnten kontinuierlich Erfolg. Nun stellt sich die Frage, wie gut verkraftet NVIDIA den absoluten Erfolg.
Wie Du sagst sind die 99,99 % Marktanteil von den richtigen Zahlen stark übertrieben. Aber die 99,99 % spiegeln die öffentliche Wahrnehmung sehr gut wieder.
Robert P. Colwell hat in seinem grandiosen Buch "The Pentium Chronicles" (2006 erschienen) einen Abschnitt mit der Überschrift "We Are So Rich, We Must be Good" überschrieben. In diesem Abschnitt charakterisiert er eine Besprechung Ende der 1990er Jahre zur IA-32 Roadmap als "Woodstock without Mud". Oder auf Deutsch "Friede, Freude, Eierkuchen". Als er kritische Töne angeschlagen hat, aufgezeigt hat wo Intel Glück hatte, wo Verbesserungen stattfinden können und müssen, ist ihm Gelächter, allgemeines Unverständnis und allgemeine Ablehnung entgegen geschlagen. Ein paar Jahre später musste Intel Kunden bestechen, damit sie keine Prozessoren bei AMD kaufen. Aber da hatte Robert P. Colwell Intel schon verlassen.
Ich sehe inzwischen in Craig R. Barrett als eine Schlüsselfigur.
- Einerseits hat er die Halbleiterfertigung von Intel geprägt, die bis in die 2010er Jahre die Prozessführerschaft inne hatte. IMO ist es kein Zufall, dass viele der von Craig R. Barrett berufenen Führungskräfte in den Ruhestand gegangen waren, als Intel die Einführung des 10 nm Nodes versemmelt hat.
- Andererseits hat er als CEO offensichtlich versagt. Er hat Unsummen ausgegeben ohne irgendein nachhaltiges Geschäft damit aufzubauen.
DevPandi schrieb:
Intel ist im Server-Markt immer noch eine Nummer. NVLink kann hier Intel helfen um sich gegenüber AMD abzsetzen. AMD wiederum ist aktuell der einzige Anbieter, der wie Nvidia quasi alles direkt auß einer Hand anbieten kann und für Nvidia und AMD die direkte Konkurrenz.
Lisa Su und Jensen Huang haben sich sehr gut angesehen wie Intel durch die unheilvolle Mischung aus Gier, Rücksichtslosigkeit gegenüber den Kunden und Partners, Selbstüberschätzung und Verachtung der Konkurrenz die dominate Stellung im Computermarkt verspielt hat.
Lisa Su und Jensen Huang haben IMO ein gutes Gespür was das eigene Unternehmen und seine Konkurrenten Leisten können. Lisa Su und Jensen Huang haben aber unterschiedliche Schlüsse gezogen, was die Punkte Gier und Rücktsichtslosogkeit gegenüber Kunden und Partnern anbekangt .
Jensen Huang will seinen Kunden gar keine Alternative lassen, als bei Nvidia zu kaufen. Deshalb treibt er Nvidia immer weiter an und macht Deals zu seinen Konditionen. Er weiß solange Nvidia unangefochtenen bei AI-Performance, Netzwerk und Softwareplattform ist, kann er seinen Marktanteil halten. Obwohl die Kunden, ob der obszönen Margen von Nvidia ungehalten sind.
Lisa Su will es sich mit den Kunden und Partner nicht verscherzen und versucht nicht anzuecken. Die Idee Partnerschaften und Konsortien zu bilden hat aber den Schwachpunkt, dass Nvidia so viel Geld hat, dass Nvidia AMDs Partner Angebote machen kann, die die Partner nicht ablehnen können.