Falsche Vorstellungen vom Leben?

Shadowcrystal

Cadet 3rd Year
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Hallo zusammen,

das ist vielleicht ein bisschen sehr Offtopic für ein Computer-Forum, allerdings weiß ich nicht wohin sonst mit diesem Thema, da ich auf anderen Boards nicht aktiv bin. Ich freue mich also umso mehr darüber, wenn sich jemand fünf Minuten Zeit nimmt, mir seine Meinung zu dieser Sache zu sagen.

Ich bin jetzt Mitte 30, lebe zurzeit in einer kleinen Wohnung abseits einer größeren Stadt, für nur knapp 400€ warm, Baujahr 1959. Damit einher geht nun seit etwa über einem Jahr eine sehr belastende Situation mit den Nachbarn (das soll an dieser Stelle aber egal sein. Hab schon alles versucht, Thema ist durch). Ich bin aufgrund der Preiskategorie des Gebäudes einer der wenigen Berufstätigen, der leider jeden Morgen sehr früh raus muss. Lange Rede, kurzer Sinn: Die Anzahl an Wohnungen, die ich mir seitdem angeschaut habe, nähert sich dem dreistelligen Bereich. Und sie werden einfach immer teurer. Zugesagt habe ich dennoch zu jeder, bekommen habe ich keine. Mein Schufa-Score ist nahezu perfekt, mein Einkommen liegt bei etwa 32.000 Brutto.

Bislang war ich finanziell recht zufrieden, bis ich vor kurzem mitgeteilt bekam, dass ich damit bei meiner jetzigen Firma am Ende der Gehaltstabelle angekommen bin. Ich müsste mir also einen neuen Job suchen (was ich parallel dazu ebenfalls, auch bundesweit, versuche, allerdings sieht das Ganze bislang genau so erfolglos aus wie die Wohnungssuche vor Ort). Das bedeutet natürlich auch, dass ich mir nicht auf Gut Glück eine Wohnung suchen kann, die über meinen Verhältnissen liegt.

Ich habe vor kurzem einen Artikel gelesen, dass inzwischen ein nicht unwesentlicher Anteil an Menschen bis über 50% des Nettoeinkommens aufwenden muss, um nahe der Großstadt eine Bleibe zu finden. Ist das... normal? Habe ich, wie eingangs gefragt, einfach nur falsche Vorstellungen vom Leben? Zumal es dabei ja nicht bleibt. Hinzu kommen noch Fahrtkosten (derzeit 220 Euro, Pendelzeit eine Stunde) sowie alle monatlichen Fixkosten oben drauf. Nach Abzug aller monatlichen Fixkosten habe ich dann keine 400 Euro mehr in der Hand, wenn ich mir tatsächlich eine Wohnung für 800 Euro nähme.

Vielleicht habe ich ja bislang einfach nur hart an der Realität vorbeigelebt. Sehe ich das zu eng? Haben andere dasselbe Problem? Wie geht ihr damit um?
 

cartridge_case

Fleet Admiral
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dass ich damit bei meiner jetzigen Firma am Ende der Gehaltstabelle angekommen bin
Hättest du es mal in die andere Richtung versucht. ;) Nein, im ernst: Was arbeitest du und in welchem Bundesland, am besten noch welche Stadt?
Ja, die Mieten steigen aktuell immer weiter. Aber nicht nur die Mieten, auch die Löhne und die Diäten der Politiker. ;) Gleichzeitig natürlich auch die Produkte des täglichen Lebens. Es geht immer nur nach oben.

Mittlerweile wird das normal. Es ist die Schere zwischen arm und reich, welche sicher immer weiter öffnet.

Eine Stunde pendeln wäre für mich schon viel zu viel.
 
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2nd_Chapter

Gast
am Leben vorbeigelebt hast du nicht. Das ist halt im Moment so. Entweder verdienst du ne Stange an Geld, oder ziehst den kürzeren.

Die hälfte meiner Freunde leben in WG´s , weil ne Mietwohnung alleine zu teuer ist. Das sind alles gelernte Kräfte. Man muss natürlich auch schauen , woher man kommt. Bei mir in dem Fall wäre es jetzt Niedersachsen worüber ich spreche.

Das Problem das du hast, denke ich ist eben aktueller Stand bei uns im Lande.
 

CrEaToXx

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So ist Demokratie und Marktwirtschaft. Es gibt immer nur Wachstum Wachstum Wachstum, oder Kollaps.
 

Zensai

Boba Fett
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Ich gehöre ebenfalls zu den Leuten die mehr oder minder gezwungen mehr als 50% des netto für die Miete zahlen.
Im Rhein Main Gebiet ist das quasi nicht anders zu handeln, wenn man nicht komplett ab vom Schuss in den Bergen (Taunus) hängen will.
Von 400€ kann man schon viel anstellen.
Zudem die 220€ Pendelkosten schon happig sind.
Wenn ich kurz überschlage bist du ja nichtmal bei 33% Mietkosten.
Stellt sich halt die Frage was du denn nun wirklich davon erwartest.
32.000 brutto sind halt auch nicht die Welt, je nachdem wo du wohnst.
 
2

2nd_Chapter

Gast
32.000 brutto sind halt auch nicht die Welt, je nachdem wo du wohnst.

Naja wenig ist es nicht. Das entspricht ungefähr ein Netto Gehalt von ca. 1700-1800€ damit finde ich sollte schon ein Mensch in Deutschland die Möglichkeit haben vernünftig leben zu können.

Mit vernünftig meine ich nicht in Reichtum, aber eben nicht das man jeden Cent umdrehen muss und sich sorgen muss, ob man den Monat mit Grundbedürfnissen übersteht.

Es ist schon echt hart geworden. Am besten verdient man noch 6000 Brutto wenn man eine Familie hat :D
 

fragemann

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Dann solltest du in die Politik gehen und viel ändern.
Wenn er das versucht, werden ihn die Medien als "Populist" verschreien. Und die Bürger glauben ja den Murks, den unsere Medien so texten. Man muss ja nur in dem Forum hier mal in den "Politikbereich" schauen, dort wurde ich in dem Thread sogar für meine Medienkritik geblockt. Ich würde sinngemäß gesagt die "Weiter so"-Atmosphere stören. Tja... ;)
 

Shadowcrystal

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Hättest du es mal in die andere Richtung versucht. ;) Nein, im ernst: Was arbeitest du und in welchem Bundesland, am besten noch welche Stadt?
Ja, die Mieten steigen aktuell immer weiter. Aber nicht nur die Mieten, auch die Löhne und die Diäten der Politiker. ;) Gleichzeitig natürlich auch die Produkte des täglichen Lebens. Es geht immer nur nach oben.

Mittlerweile wird das normal. Es ist die Schere zwischen arm und reich, welche sicher immer weiter öffnet.

Eine Stunde pendeln wäre für mich schon viel zu viel.
Ich arbeite im Bereich der Kundenbetreuung in NRW. Das Gependel ist auch nicht freiwillig, ich schaue momentan in jedem Umkreis, in dem ich door-to-door maximal etwa eine Stunde brauche. Wenn's ansonsten stimmt, würde ich auch noch 1,5 in Kauf nehmen. Wobei es bei uns im Betrieb auch da extreme Negativfälle gibt. Es ist mehr als eine Handvoll, die über zwei Stunden pro Weg pendelt.
 

Zensai

Boba Fett
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@fragemann das hier ist nicht das PuG. Bitte Bein Thema bleiben bevor das hier ab driftet.
@TE die Frage was du dir denn erwartest bleibt für mich noch offen. Worauf kommt es dir denn im Leben an?
Besonders viel übrig bleibt bei mir auch nicht, dennoch gibt es Mittel und Wege sich das alles etwas einfacher zu machen. Das fängt bei Tauschgeschäften (z. B. für Technik O. Ä.) an und hört bei Angeboten etc auf. Man muss halt ein bisschen drauf achten und es kommt drauf an was dir persönlich wichtig ist. Ich kann immernoch mit den Kumpels mal einen trinken gehen und auch die Hotelbar zahlen wenn ich mal wieder ein paar Tage unterwegs bin.
Trotz Unterhalt, Miete und nicht unerheblichen Nebenkosten. Dafür ist bei mir das Auto kostenfrei und ich bin nur so weit versichert wie es nötig ist und nicht für jeden scheiß.
In einem singlehaushalt ist es immer schwierig, und ja man sollte sich von den 1700 netto geschätzt auch die Wohnung leisten können. Es fragt sich halt wofür du sonst so Geld ausgibst und was du als angenehmen Lebensstandard siehst.
1h door to door gehört bei mir definitiv nicht dazu.
 

Shadowcrystal

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@TE die Frage was du dir denn erwartest bleibt für mich noch offen.
Es fällt mir schwer, dass in einen Kontext zu setzen, weil ich Dir auch nichts absprechen möchte. Für mich sehr wichtig sind Kleidung und Essen. Bis vor kurzem stellten sich mir keine finanziellen Fragen bei meiner Lebensgestaltung, ich konnte mir immer das kaufen, was ich wollte. Ich arbeite aber auch schon, seit ich 16 bin und da waren ganz viele Jahre dazwischen, an denen es auch öfter mal Reis mit Ketchup gab. Was mir schwierig fällt ist einzuordnen, dass ich mich jetzt scheinbar entscheiden muss, wie ich die Prioritäten setze. Entweder leben oder wohnen. Gut, beides gehört irgendwie zusammen, aber es fühlt sich einfach so an, als würde mich mein altes Leben von hinten einholen. Hinzu kommen noch zwei relativ teure Hobbies, die ich damit aber bislang finanzieren konnte - das Hauptproblem was ich darin sehe ist eben, dass es nicht stagniert, sondern das sich diese Lage weiter zuspitzt. Und selbst dann muss man ja betrachten, was man dafür bekommt. Vor 15 Jahren habe ich 60m² für 600 warm in Bestlage gehabt, letzte Woche habe ich das erste Mal 50m² für 1400 gesehen.
 

fragemann

Banned
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Ich hoffe man steinigt mich nicht für diesen Post, aber ich möchte dem TE an der Stelle einfach mal herzlich danken.

Vorhin saß ich hier herum und war ein wenig Depri und schimpfte auf Gott und die Welt. Aber wenn ich sowas lese und mal ne Stunde sacken lasse.....dann denke ich mir: Man man, was hast du es eigentlich gut. Schaumal, wie es anderen geht.

Danke!!! Und alles gute.
 
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rg88

Fleet Admiral
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Naja wenig ist es nicht. Das entspricht ungefähr ein Netto Gehalt von ca. 1700-1800€ damit finde ich sollte schon ein Mensch in Deutschland die Möglichkeit haben vernünftig leben zu können.
Doch es ist wenig. Mit einer kleinen Wohnung, einem Auto, normalen Versicherungen und Fixkosten fürs Leben ist da schon der größte Batzen weg. Der Rest geht drauf für Essen und evtl. mal eine aussertourliche Sache wie Kleidung oder Reparaturen. Auf die Seite legen (längerfristig) kann man damit quasi nichts und fürs Alter vorsorgen (was ja zwangsweise nötig ist) schon gleich gar nicht.
 
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2nd_Chapter

Gast
Ja man braucht aber echt viel Glück um heute noch ordentliches Geld zu verdienen. Es sei denn dein Arbeitgeber heißt VW und du wirst ein Bandsklave. Ein bekannter von mir hat Maschinenbau studiert und seinen Master darin gemacht. Er ist als Ingenieur bei der DB und hat im Monat ausgezahlt 2K Netto.
 

Müs Lee

Commodore
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Dito, selbst als absoluter Frischling von der Uni mit Master Maschbau kriegt man mehr als das, wenn man nicht gerade im tiefsten Osten sitzt. In NRW und insbesondere BW und Bayern kann man wesentlich mehr verlangen. An ihn und auch an den TE: Zieht um. Ich arbeite nur temporär hier in der Bunzrepublik und wenn ich sehe, welche Probleme es hier für die AN in allen Regionen gibt, hält es mich nicht lange hier. Unglaublich niedriges Netto, beschissene Krankenkassenleistungen, noch beschissenere Rente und vieles mehr... Schaut euch mal bei euren Nachbarn wie NL, CH, LU, AT um. Da ist selbstverständlich auch nicht alles Gold was glänzt, aber mein Gefühl sagt mir, dass die Lage für das arbeitende Volk in D seit ein paar Jahren auf dem absteigenden Ast ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man sich hier noch eine erwähnenswerte Existenz aufbauen kann.
 
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