Shadowcrystal schrieb:
Ich bin jetzt Mitte 30, lebe zurzeit in einer kleinen Wohnung abseits einer größeren Stadt, für nur knapp 400€ warm <...>
Die Anzahl an Wohnungen, die ich mir seitdem angeschaut habe, nähert sich dem dreistelligen Bereich. Und sie werden einfach immer teurer. Zugesagt habe ich dennoch zu jeder, bekommen habe ich keine. Mein Schufa-Score ist nahezu perfekt, mein Einkommen liegt bei etwa 32.000 Brutto.
<...> Ich müsste mir also einen neuen Job suchen (was ich parallel dazu ebenfalls, auch bundesweit, versuche, allerdings sieht das Ganze bislang genau so erfolglos aus wie die Wohnungssuche vor Ort). Das bedeutet natürlich auch, dass ich mir nicht auf Gut Glück eine Wohnung suchen kann, die über meinen Verhältnissen liegt.
Ich bin sehr froh, dass ich mir aktuell keine neue Wohnung suchen muss, denn was da gerade abgeht, ist wirklich nicht mehr feierlich. Zumindest in den "guten" Regionen. Hier (beliebte Universitätsstadt im Südwesten) grenzt es schier an ein Wunder, eine brauch- und vor allem bezahlbare Wohnung in geeigneter Lage zu finden. Die Vermieter haben die Auswahl, insofern ist es zwar sehr blöd, dass du trotz zahlreicher Besichtigungen keine Zusage bekommen hast, aber auch nicht wirklich verwunderlich. Freunde von mir suchen auch, und die kamen bisher gerade erst auf eine Besichtigung, weil alles andere, was auf dem Markt ist, schon wegen den Rahmenbedingungen (Lage, Größe, Preis) nicht in Frage kam.
Was ich mir an deiner Stelle überlegen würde:
Wenn du ohnehin
bundesweit einen neuen Job suchst, würde ich vermutlich erstmal das mit dem Job klären und mir dann eine neue Wohnung dort suchen, wo ich arbeite. Was nützt es dir, wenn du jetzt durch Zufall und mit Glück eine neue Wohnung findest, und dann nach einem halben Jahr wegen neuem Job wieder umziehen musst?
Oder ist die Suche nach einem neuen Job nur Konsequenz aus der bisher vergeblichen Wohnungssuche?
Das würde ich mir erst recht gut überlegen. Ich weiß für mich, dass ich nicht bundesweit suchen würde. Ich mag es hier, wo ich bin, und es müsste schon extrem viel passieren, dass ich hier wegziehen würde.
Shadowcrystal schrieb:
Ich habe vor kurzem einen Artikel gelesen, dass inzwischen ein nicht unwesentlicher Anteil an Menschen bis über 50% des Nettoeinkommens aufwenden muss, um nahe der Großstadt eine Bleibe zu finden. Ist das... normal? Habe ich, wie eingangs gefragt, einfach nur falsche Vorstellungen vom Leben? Zumal es dabei ja nicht bleibt. Hinzu kommen noch Fahrtkosten (derzeit 220 Euro, Pendelzeit eine Stunde) sowie alle monatlichen Fixkosten oben drauf. Nach Abzug aller monatlichen Fixkosten habe ich dann keine 400 Euro mehr in der Hand, wenn ich mir tatsächlich eine Wohnung für 800 Euro nähme.
400 EUR "übrig" ist schon wenig ... um nicht zu sagen zu wenig. Ich kenne dein Freizeitverhalten nicht, aber 100 EUR Freizeit, 100 EUR Klamotten, dann bleiben noch 200 EUR für was zu essen. Und nix für Urlaub.
Kürzlich habe ich gelesen, dass man nicht mehr als 30 % seines Nettoeinkommens für Wohnkosten ausgeben sollte. Sagt sich natürlich leicht, wenn es kaum bezahlbaren Wohnraum gibt, aber als Anhaltspunkt vielleicht doch nicht schlecht. Bevor du so ins Risiko gehst (also nur noch 400 EUR "übrig"), würde ich dir empfehlen, über eine gewisse Zeit Haushaltsbuch zu führen, damit du weißt, wo deine Kohle hingeht bzw. wieviel du für was brauchst. Nur dann kannst du beurteilen, ob dir 400 EUR reichen oder nicht.
Viel Glück bei der Wohnungssuche - wo auch immer ...