Das folgende ist ein Minimalpost zu diesem Thema, um die Antwort hier möglichst kurz zu halten. Mit einer vollständigeren Antwort würde der Rahmen hier whs. bei weitem gesprengt werden.
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Zuerst mal mein Background, warum ich das hier schreibe und so viel Zeit dafür aufwende. Auch wenn ich heute in einer ganz anderen Branche arbeite, interessiert mich das hier zu Grunde liegende Thema schon sehr lange. Ich habe deshalb in der Schule auch Biologie als Leistungskurs gewählt und später folgende Studiengänge besucht: Biologie, Medieninformatik und Chemieingenieurwesen. Die absoluten Basics zum Verständnis bringe ich also mit. Die finale Beurteilung des Projektes kann ich damit natürlich nicht beisteuern, doch das kann selbst
@Ned Flanders nicht, der augenscheinlich als Naturwissenschaftler arbeitet in einem (weitgehend) ähnlichen Bereich bzw. mit den entsprechenden Standards firm ist.
Hier mal ein paar Grundlagen zur Entstehung von Distributed Computing. Allen, die hier über "Stromverschwendung" schwadronieren, fehlt anscheinend das Hintergrundwissen aus welcher Zeit wir hier eigentlich kommen. Projekte wie FAH oder SETI@Home sind um die Jahrtausendwende entstanden, als Internetanschlüsse in Form von Flatrates immer günstiger und allgemein verfügbar wurden (um den Up-/Download von WUs sicherzustellen).
Zu dieser Zeit gab es zwar schon längst Stromsparmechanismen (seit speziellen Versionen des 486ers), doch war das im Alltag eher vernachlässigbar. Die damals vorwiegend verwendeten Betriebssysteme von Microsoft (Win9x) unterstützten nichtmal den
HLT-Befehl (Na, wer erinnert sich hier noch an das Tool "Rain"?) und somit lief der Rechner verbrauchstechnisch immer unter Vollast - heißt hier, dass im "Rumidlen" nicht wesentlich weniger Strom verbraucht wurde als unter echter rechentechnischer Vollast.
An dieser Stelle setzten die Distributed-Computing-Projekte an - frei nach dem Motto "Wenn ein Rechner eh läuft und die meiste Zeit nichts zu tun hat, kann er doch auch was sinnvolles berechnen!".
Seit ein paar Jahren sieht die Sache da natürlich deutlich anders aus, weil die Stromsparmechanismen verbessert und ausgebaut wurden. Doch auch heute gibt es noch genügend Konfigurationen in denen der Betrieb von DC nicht wesentlich mehr Strom verbraucht (jedenfalls keine Größenordnung [eine Zehner-Potenz]), wenn man es einfach im "daily use" mitlaufen lässt.
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Was macht FAH? FAH macht meinem Verständnis nach absolute Grundlagenforschung (in Form von Simulationen), die die Basis für weitere Forschung (Simulation und Praxis) ist. Dabei werden Faltungsprozesse von Proteinen simuliert. Proteine können extrem komplex sein und durch die vorhandenen Strukturkaskaden (
Primär-, Sekundär, Tertiär-, Quartär- und sogar Suprastruktur) sind sie natürlich auch fehleranfällig. Falsch gefaltete Proteine können u.a. Krebs auslösen. Die falsche Faltung kann ihren Urspung in Genmutationen im eigenen Genom oder in externen Quellen haben.
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Weiterhin habe ich in diesem Zusammenhang kein Verständnis für USA-Bashing über. Donald Trump ist eine Schande für dieses Land, vielleicht noch mehr als George W. Bush Junior es war - doch das ist nicht der Punkt! FAH wird von der "Pande Group" unter Leitung von Professor Vijay Pande von der Stanford University betrieben. Das Projekt ist gemeinnützig und die Ergebnisse werden nicht verkauft. Es mag zwar nicht komplett Open Source sein, aber grenzt sich damit deutlich von zahlreichen BOINC-Projekten ab, die kommerzieller Natur sind.
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Ich habe eigentlich keine Lust auch nach Jahren noch mit diversen unbegründeten Fake-Aussagen aufzuräumen, aber scheinbar muss man das immer wieder tun, weil die "besorgten Bürger" (Leseunwillige, VTler usw.) kein Interesse daran haben, mal eine Zeile zu lesen und/oder etwas zu recherchieren oder interessiert nachzufragen...
ergo sum
q3fuba schrieb:
Ne liegt es nicht!
Hatte seit über nem Jahr keinen Bluescreen und jetzt nach der Installation von F@H plötzlich 6
Bluescreens in 2 Stunden...
...
"PAGE_FAULT_IN_NONPAGED_AREA".
Hab es jetzt mal wieder deinstalliert und seit knapp 3 Stunden keine Bluescreens mehr, liegt also definitiv an
F@H!
Hast du gelesen was ich geschrieben habe?
Folding@home ist seit je her ein einwandfreier Test für die Stabilität eines Rechners. "Prime stable" kannst du in die Tonne kloppen, weil es nicht heißt, dass FAH oder ähnlich kritische Anwendungen stabil laufen. FAH ist so stark optimiert, dass es die Ressourcen (CPU, GPU, RAM) extrem belastet und jede kleine Instabilität zum Absturz führt. Das war vor über 15 Jahren so und das ist auch heute noch so. "PAGE_FAULT_IN_NONPAGED_AREA" ist ein Klassiker und deutet darauf hin, dass du den RAM außerhalb der Spezifikationen betreibst oder einfach nicht ordentlich spezifizierten RAM (Billig-/OC-Kiddie-RAM) nutzt.
Ich habe FAH schon mit dem 4er Client auf einem Athlon XP 2500+ @3200+ betrieben - alles, wirklich alles (daily use, Spiele, Prime, SuperPi, ...), lief einwadfrei, nur FAH wollte nicht. Auf Standardtakt (2500+) lief FAH dann ohne Probleme.
FAH ist, was Stabilität angeht, einfach hardcore - das konnte ich über die Jahre bzw. Jahrzehnte immer wieder bei diversen Plattformen feststellen (von AMD K6-2 bis Intel Core 2 Quad) und das wurde auch uni sono von hunderten anderen Nutzern so bestätigt.
Ozmog schrieb:
Wenn hier schon öfters Rosetta angesprochen wurde: Wer steckt dahinter?
Lese es doch selbst nach unter
https://boinc.bakerlab.org/ und
https://de.wikipedia.org/wiki/Rosetta@home! Ist es denn zu viel verlangt, mal etwas Eigeninitiative (Suchmaschine der eigenen Wahl bedienen) zu zeigen? Rosetta habe ich vor vielen, vielen Jahren auch deshalb aufgenommen, weil sie nicht kommerziell arbeiten, genau wie Folding@home.
Chris007 schrieb:
Steht doch in der App bei ppd Points per day.. und wenn du einen wattzähler hast kannst du auch sehen wie die
verbräuche im Verhältnis stehen wenn nur CPU oder nur GPU laufen
In meinem Fall ein 2700x gegen eine 1070 non to
70000 points per day gegen 700.000 points per day
CPU ppd kann man nicht mit GPU ppd vergleichen! CPU-WUs können nicht von GPUs berechnet werden, da die benötigten Rechenoperationen nicht unterstützt werden. Es gibt wissenschaftliche Probleme, da braucht man die CPU. Aktuell bin ich da raus aus dem Thema, aber vor vielen Jahren war SingleFloat <-> DoubleFloat z.B. ein Problem.
daivdon schrieb:
Ich bin mal der Frage "überall" im Netz nachgegangen und konnte so gar nichts Handfestes finden.
...
Daß die Unternehmen, die aktuell an einem Impfstoff arbeiten, konkret von F@H profitieren, lässt sich nirgends feststellen.
daivdon schrieb:
Die Antwort lautet kurz : nein
Die Antwort lautet kurz : nein
Vielleicht solltest du mal
hier (unten gibt's übrigens noch "Older posts") alles durchlesen und verstehen. Wenn du es nicht verstehst, ist das kein Problem, dann solltest du aber auch nicht solche Aussagen treffen. Übrigens geht es bei Folding@home nicht darum, dass "die Unternehmen" "konkret von F@H profitieren". Du hast Wissenschaft und deren Sinn einfach mal komplett missverstanden. Und nochmal: FAH betreibt mMn absolute Grundlagenforschung, ergo ist das Ergebnis kein fertiges Medikament sondern Wissen, welches andere nutzen und worauf sie aufbauen können.
Da gibt es übrigens noch sehr viel mehr Antworten, aber ich habe jetzt echt keinen Bock, dir die Arbeit abzunehmen und hier Unmengen an Links zu posten!
Nochmal:
Das hier ist ein Minimalpost, da ich u.a. nicht einsehe, anderen die Lesearbeit abzunehmen, die ich u.a. selbst in den letzten 15 Jahren investiert habe, um mit diesem Projekt (FAH) und anderen Projekten "d'accord" zu gehen...und ich prüfe schon ziemlich gut, wem ich Rechenleistung spende.
Viele Grüße
soggi