große Probleme mit Arbeitgeber - was tun?

Lenny88

Lt. Commander
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Hallo,

ich habe im Februar mein Studium WiWi abgeschlossen und konnte direkt zum 01.04. bei einem mittelständischen Unternehmen mit ca. 600 Mitarbeitern als Trainee im Bereich Rechnungswesen/Controlling anfangen.
Mir war bewusst, dass es dem Unternehmen wirtschaftlich nicht sonderlich gut ging, doch mir wurde versichert, dass es nicht so schlimm ist wie es aussieht und zudem dachte ich mir "warum sollten die einen Trainee einstellen, der noch keine Berufserfahrung hat und von daher am Anfang nicht wirklich viel beitragen kann, wenn es dem Unternehmen so schlecht geht?".

Doch nun, nach 5 Wochen weiß ich wie es wirklich aussieht. Das Unternehmen ist mit den Lohn/Gehaltszahlungen extrem im Rückstand und auch ich habe nur ca. 70% des vereinbarten Gehaltes bekommen (wobei ich damit noch sehr gut im Vergleich zu vielen Anderen dastehe). Angefangen habe ich in der Personalabteilung, wobei man eher sagen muss: ich bin die Personalabteilung, da der andere Personalsachbearbeiter gekündigt hat und die andere Kollegin seit Ewigkeiten krank ist.

Bisher konnte mir mein Chef, der Leiter Finanzen/Controlling inswoeit helfen, dass wir uns zusammen fast alles erarbeiten konnten (Akkordabrechnung, Gehaltsabrechnung etc.). Doch dann heute der Schock...mein Chef hat fristlos gekündigt aus gesundheitlichen Gründen.

Nun sitze ich dort also ganz alleine und niemand anders im Büro hat von Personalwesen eine Ahnung. Mein Chef hat mir dann heute im Abschlussgespräch noch mal gesagt, ich solle mich auch woanders bewerben, er wäre mit mir vollstens zufrieden und er meinte zudem, dass das was von mir verlangt würde einfach nicht machbar sei.

Kurz und knapp: ich fühle mich von der gesamten Geschäftsführung ziemlich verarscht und ich sehe meine berufliche Zukunft auf keinen Fall in diesem Unternehmen!

Doch es macht ja nunmal einen extrem schlechten Eindruck bei potentiellen Unternehmen, wenn die lesen, dass ich nach knapp einem Monat eine Trainee Ausbildung abbreche. Würdet ihr es also ganz direkt in das Bewerbungsschreiben reinschreiben, warum ihr das abgebrochen habt (evtl. die Gefahr als jemand zu erscheinen, der nur schlecht über seinen Arbeitgeber redet)?

Gruß
Fabian
 
Ich würds einfach gar nicht erwähnen im Anschreiben. Sowas kann man denke nur persönlich im Gespräch erzählen, wenn du es wirklich für wichtig hälst.
 
es gibt doch auch noch eine Gesamtbetriebsführung? Was sagen denn die? Kann man mit den Leuten nicht reden? Oder gibts einen Betriebsrat?

(so wie ich das sehe könntest du aktuell jede Gehaltsforderung stellen, wenn du alleine die Persa bist und da kein anderer arbeiten will ...)
 
@ Green Mamba

die Frage ist ja: macht es einen besseren Eindruck zu zeigen "ich habe recht schnell was gefunden" --> nicht der allzuschlechteste Bewerber (mein ehemaliger Chef meinte ich könne ihn gerne als Referenz in neuen Bewerbungen angeben) oder ist es besser so zu tun als hätte man noch nichts gefundne nach dem Studium.

@ Schnitz
wäre evtl. ne Möglichkeit, nur ich denke die wollen dass ich da bleibe da sonst ja niemand mehr im Personalwesen ist.

@ liebernetterflo

bringt aber nichts wenn man das Geld nicht auch aufs Konto kriegt ;) Wie gesagt sind die Gehaltszahlungen extrem im Rückstand (deutlich mehr als ien Monatsgehalt)
 
Selbst wenn die Frima den Bach runter geht und ein Insolvenzverwalter kommt, hast du doch nen sicheren Job, da du ja der einzige in der Abteilung bist.

Wenn du mich fragst: Zieh das noch 3-5 Monate durch und geh dann woanders hin.
 
Huhu,

würde es nicht mit aufnehmen, aber das ist Ansichtssache, da du den Abbruch sehr plausibel erklären kannst.
Kommt natürlich auch sehr stark darauf an, wie Personaler oder Recruiter die Bewerbungsunterlagen bearbeiten. Dazu kann ich leider nichts sagen.

Die Erfahrung deiner noch kurzen Beschäftigung nimmst du auf jeden Fall mit, egal ob sie in deinem CV steht oder nicht. ;)
 
Sicherer Job schön und gut, aber wenn ein Unternehmen in so einer Situatrion ist kann man sich vorstellen, was man sich den ganzen Tag im PErsonalwesen anhören darf und das man der A**** für alle ist!
Zudem ist es einfach nur frustrierend, wenn einem NIEMAND etwas erklären kann und man einfach nicht weiß wie man das Zeug erledigen soll und die Aktenberge vor einem immer größer werden.
 
Fabian schrieb:
@ Green Mamba

die Frage ist ja: macht es einen besseren Eindruck zu zeigen "ich habe recht schnell was gefunden" --> nicht der allzuschlechteste Bewerber (mein ehemaliger Chef meinte ich könne ihn gerne als Referenz in neuen Bewerbungen angeben) oder ist es besser so zu tun als hätte man noch nichts gefundne nach dem Studium.

Ich persönlich seh das Problem nicht. Wenn dir selbst der Chef nahelegt was neues zu suchen.
Die Suche nach was Neuem ja mehr als berechtigt/begründet. Jedes Unternehmen dass diese krasse Situation nicht versteht, sollte man getrost und mit gutem Gewissen eh vergessen.
 
tom130 schrieb:
Selbst wenn die Frima den Bach runter geht und ein Insolvenzverwalter kommt, hast du doch nen sicheren Job, da du ja der einzige in der Abteilung bist.

Wenn du mich fragst: Zieh das noch 3-5 Monate durch und geh dann woanders hin.

Genau.. du weißt ja auch, wie es da drin aussieht.. so wie ich das aus dem Text lese, verlassen gerade die "Ratten" (ist nur Redewendung !) das sinkende Schiff
 
also in das bewerbungsschreiben wuerde ich das keineswegs schreiben - das kommt wirklich nicht gut, allerdings denke ich, dass das keineswegs ein grund sein koennte wieso du nicht wo anders genommen werden solltest - vor allem dann nicht wenn du das so erklaerst wie es ja offensichtlich ist. wenn jemand denkt, er koennte damit ein problem haben, dich aber ansonsten sehr interessant findet, ruft er dich vielleicht an und fragt (vor der einladung zum gespraech) mal nach - also ein kleines "telefonbewerbungsgespraech". du solltest das ganze halt nicht zuuuu schlecht reden - sondern durchaus auch die guten seiten erzaehlen ("ich habe dabei wahnsinnig viel gelernt") und eben deinen chef als referenz nennen.
ich habe keine ahnung wie personaler so etwas handhaben, aber mir wuerde eine so schnelle kuendigung auch auf eine art zeigen, dass du halt gleich erkennst wenn etwas nichts ist und fuer beide seiten kaum schaden entsteht.
 
ganz wichtig ist, dass du jetzt dem arbeitsamt mitteilst, dass bei dir noch ein teil des geahltes offen ist, wenn du das nicht machst und die firma insolvenz anmeldest, hast du schlechte karten, so zahlt dir das amt in solch einem fall die differenz!
 
Du stehst mit einem Fuß im Gefängnis. Du bist Trainee, dir wurde aber ungewollt sehr viel Verantwortung übergeben. (Leiter Finanzen&Controlling)

Wenn du beim Controlling einen Scheiß baust, kann das zivilrechtliche Konsequenzen haben. Offensichtlich bist du auch so ehrlich zu dir selbst und gibst zu, dass du zu wenig Erfahrung hast. Des weiteren durchblickst du mit einem Monat in diesem Betrieb wahrscheinlich nicht die internen "Kommando"-Wege der Führungskräfte zu denen du nun auch zählst.

Erwähnen würde ich deine derzeitige Anstellung auf jeden Fall im Lebenslauf. Die näheren Umstände kannst du bei einem Vorstellungsgespräch erläutern. (bzw. spricht sich das bei Personalern sowieso um, wenn eine 600 Mitarbeiter Firma im 50km Umkreis den Bach runter geht)
 
Zuletzt bearbeitet:
falke_ schrieb:
also in das bewerbungsschreiben wuerde ich das keineswegs schreiben - das kommt wirklich nicht gut, allerdings denke ich, dass das keineswegs ein grund sein koennte wieso du nicht wo anders genommen werden solltest - vor allem dann nicht wenn du das so erklaerst wie es ja offensichtlich ist.

joar nur wenn so ganz kommentarlos im Lebenslauf "nebenbei" erwähnt wird, dass ich ne Trainee Stelle nach einem oder zwei Monaten abgebrochen habe, habe ich die Befürchtung, dass das nicht gut kommt.

@sherman123

nein ich bin keinesfalls der LEiter Finanzen/Controlling ;) auch unterzeichne ich nur wirklich "banale" Dinge alleine (bspw. Absagen für Bewerber) während alles andere von der Geschäftsführung unterzeichnetwird!
 
Also das ist deine persönliche Entscheidung. Ich würde es auf jeden Fall bei zukünftigen Arbeitgebern erwähnen. Vielleicht schreibt dir dein jetziger Chef ein tolles Arbeitszeugnis, in dem extra die Umstände der Kündigung aufgeführt sind und somit für zukünftige Arbeitgeber nachvollziehbar ist.
Und ab sofort anderen Job suchen, das kannst du auch noch neben dem Arbeiten machen. Je nachdem wie es mit dem Geld ausschaut ist nur 70% deines Gehalts evtl. besser als ALG2 - kenne deine persönlichen Lebensverhältnisse auch nicht. Und je nach Betrieb kann es auch eine Chance sein wenn du durchhältst und der Betrieb überlebt. Welcher Trainee kann schon behaupten, dass er allein die Personalabteilung eines Betriebes schultert ;) Ist natürlich eine Mammutaufgabe und kann nach hinten losgehen.

Generell stellen Betriebe Trainees gerne ein um für später passende Leute zu haben, d.h. als Trainee eher wenig verdienen und die verschiedenen Abteilungen durchwandern aber nirgendwo zu lange verweilen - und paar Jahre danach Abteilung(en) leiten und mehr Cash. Bei nem schier insolventen Unternehmen natürlich blöd, denn was bringt dir lediglich breites Wissen über ein schlecht geführten Betrieb in einem anderen Betrieb? Die züchten sich eh ihre eigenen Trainees an...
 
also ehrlich gesagt finde ich es auf jeden fall besser, es zu erwaehnen als eine luecke im lebenslauf zu haben - klar, die luecke ist sehr klein, aber es zeigt zumindest, dass du schon was gemacht hast.
 
Ganz einfach, du bewirbst dich wo auch immer du willst, schreibst in dein Anschreiben nichts weiter dazu und in deinen Lebenslauf folgenden Punkt "04.2011 - : Trainee Controlling bei Firma Max Mustermann"
Damit werden in jedem Fall wenn deine Bewerbung interessant ist Rückfragen kommen was denn los ist. Dann kannst du einem evtl. neuen Arbeitgeber auch sagen, dass dein bisheriger Arbeitgeber aktuell wirtschaftlich nicht so toll da steht und mit Gehalt (bei dir) im Rückstand ist und du dich deshalb lieber nach einem wirtschaftlich soliden Arbeitgeber umschauen möchtest um nicht letzten Endes unverschuldet kurz nach dem Studium in die Arbeitslosigkeit zu rutschen. Du solltest nicht unbedingt schlecht über das jetzige Unternehmen reden, auf keinen Fall Interna auspacken, aber doch der Wahrheit entsprechend deine Lage schildern; ggf. auch den Rat deines Ex-Chefs zitieren.

Mach das ganze auf jeden Fall schnell so lang du noch in der Probezeit bist und keine nennenswerten Kündigungsfristen hast, so kannst du bei einem neuen Arbeitgeber auch direkt starten.
 
xDream schrieb:
Mach das ganze auf jeden Fall schnell so lang du noch in der Probezeit bist und keine nennenswerten Kündigungsfristen hast, so kannst du bei einem neuen Arbeitgeber auch direkt starten.

Das ist in der Tat ein Plus für dich. Wenn ich mir anschaue, wie viele gut bezahlte und inteessante Angebote ich schon ablehnen musste, weil ich nicht binnen 4 Wochen anfangen konnte (naja, könnte schon, aber dann wird das mit dem Bachelor doch nichts), könnte das deine Verhandlungsposition je nach Unternehmen sogar verbessern.

Insgesamt finde ich die Vorgänge in dem Betrieb sehr eigenartig. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass das Unternehmen bereits insolvent ist - bzw. wäre, wenn wir nicht pünktlich zur Krise die Insolvenzordnung geändert hätten, um einige kranke Unternehmen gesünder aussehen zu lassen ;) Das solltest du dir mal genauer anschauen - wird das Insolvenzverfahren eröffnet und du wechselst danach, kann sich das im Lebenslauf deutlich besser machen. Das soll jetz bei weitem keine Aufforderung sein, einen Insolvenzantrag zu stellen (obwohl dich bei den ausstehenden Lohnzahlungen auch niemand daran hindert), aber das solltest du mal genauer prüfen.

Ich wünsche dir jedenfalls alles Gute für den weiteren Weg.
 
Zuletzt bearbeitet:
Würdet ihr es also ganz direkt in das Bewerbungsschreiben reinschreiben, warum ihr das abgebrochen habt (evtl. die Gefahr als jemand zu erscheinen, der nur schlecht über seinen Arbeitgeber redet)?

Dazu am besten einen Bewerbungsberater kontaktieren. Die haben mit solchen Fällen durchaus Erfahrung und können dir einen guten Weg aufzeigen. Neubewerben solltest du auf jeden Fall in Betracht ziehen. Weiterhin bist du in der glücklichen Lage, dass wir (scheinbar) eine gute Arbeitsmarktsituation haben. Wenn dir das Personal liegt, dann könntest du dich dort niederlassen. Ein wenig Erfahrung solltest du ja jetzt haben ;-)

Erwähnen würde ich deine derzeitige Anstellung auf jeden Fall im Lebenslauf. Die näheren Umstände kannst du bei einem Vorstellungsgespräch erläutern.

Schon eine interessante Lage, wo du dich befindest. Schließlich hast du Personalverantwortung und auch noch Führungsqualität. Wer kann das schon während seiner Trainee-Phase von sich behaupten? Im Gespräch solltest du das möglicherweise erwähnen, doch bedenke eins: Rede nicht schlecht über deinen alten AG. Steht überall und irgendwo muss da schon was wahres dran sein.

da steht und mit Gehalt (bei dir) im Rückstand ist und du dich deshalb lieber nach einem wirtschaftlich

Begeht er damit nicht Bruch von Firmengeheimnissen, Firmeninterne, Verschwiegenheitserklärung, Loyalität zum alten AG? Das signalisiert einem neuen AG sicherlich nicht, dass du in einer neuen Anstellung nicht wieder selbiges tust. Soweit ich es noch weiß, darf ja lediglich ein Lieferant, die Firmenleitung selbst oder ein anderes Unternehmen ein Insolvenzverfahren beantragen. Es wird schon seine Gründe haben, wieso die Firma noch nicht in Insolvenz ist. Jetzt einem anderen AG, womöglich aus der selben Branche, das zu signalisieren, könnte genau ein Verfahren bewirken. Ob das so rechtlich in Ordnung ist?

Das ist in der Tat ein Plus für dich. Wenn ich mir anschaue, wie viele gut bezahlte und inteessante Angebote ich schon ablehnen musste, weil ich nicht binnen 4 Wochen anfangen konnte

Hast du dich auf diese Angebote beworben oder wodurch kamen die zustande (Werkstudent?)?
 
tom130 schrieb:
Selbst wenn die Frima den Bach runter geht und ein Insolvenzverwalter kommt, hast du doch nen sicheren Job, da du ja der einzige in der Abteilung bist.

Wenn du mich fragst: Zieh das noch 3-5 Monate durch und geh dann woanders hin.

Aufpassen! Das Arbeitnehmerprivileg bei Insolvenzen ist gestrichen, man wird genauso wie die restlichen Gläubiger behandelt und bekommt damit also nur einen Anteil an der Konkursmasse und nicht den vollen Lohn.

Siehe:
http://blog.br-online.de/quer/gefahr-insolvenz-arbeiter-muessen-lohn-zurueckzahlen-27042011.html
Dort heißt es: "In Franken müssen Arbeiter einer insolventen Firma jetzt Teile ihrer Löhne zurückbezahlen, um die anderen Gläubiger zu bedienen. Das bestimmt ein jüngst ergangenes Urteil des Nürnberger Arbeitsgerichts. Doch selbst der Richter hatte bei seinem Urteilsspruch “Magengrummeln”. Denn Mitarbeiter haben seit einer Gesetzesänderung, der Streichung des sogenannten Mitarbeiterprivilegs, keinen Vorrang mehr vor beliebigen anderen Gläubigern. Und deshalb fordern Insolvenzverwalter immer häufiger Geld von Arbeitnehmern zurück – mit katastrophalen Folgen für die individuellen Schicksale der betroffenen Familien."
Videobeitrag ist auch auf der verlinkten Seite.
 
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