News Handelsstreit USA-China: China zieht Zügel für Nvidia & Co an, Trump plant +100 % Zoll

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Irgendwann werden beide Bevölkerungen merken, dass die Importzölle von ihnen bezahlt werden. Die eine kann wählen (da muss ich echt sage, diejenigen die ihn gewählt haben, selbst schuld), die andere muss mit dem entsprechenden Obermufti leben (die haben leider Pech gehabt) :D

Eigentlich war der move von von die L. zwar ziemlich feige, aber zumindest eine effektive Schadensbegrenzung. Ich hätte zwar irgendwie auch gerne im selben Atemzug ne effektive Steuer für Tech-Konzerne gesehen, dann würden wir aber auch zu der Bevölkerung zählen, die letztlich in nem eskalierenden Steuerstreit irgendwann auch höhere Importzölle bezahlen muss (als Reaktion auf Trumpis irgendwie geistesgestörte Zölle).

Es könnte natürlich auch sein, dass die Gewaltenteilung in den USA noch soweit intakt ist, und die meisten der illegalen Aktivitäten des Präsidenten (z.B. Notstandszölle ohne Notstand) einkassiert. Da bin ich mir aber wirklich nicht ganz so sicher, da ist ja die Rechtsprechung in China zumindest vorhersehbarer (wenn auch nicht im rechtstaatlichen Sinne).
 
davidzo schrieb:
Die Weltwirtschaftskrise von 1929 und der sie verschlimmernde Smoot–Hawley Tariff Act hat damals zur japanischen Invasion in China sowie indirekt zum erstarken der Rechten in Deutschland geführt. Die Zölle stehen also in Zusammenhang mit dem zweiten Weltkrieg. Und die waren nichts gegenüber den Trump Zöllen von heute.
Der zweite Weltkrieg ist ein Produkt der völkischen NS-Ideologie und kein Ablenkungsmanöver von wirtschaftlichen und innenpolitischen Nöten wie andere Konflikte. Abgesehen davon waren 1933 bereits der New Deal und andere Reformen angestoßen. Die Parallele zum Streit zwischen China und den USA ist eigentlich nur die Tatsache, dass Zölle immer den gegenteiligen Effekt haben, den man sich von ihnen verspricht. Jedenfalls ist das die Lehre bisher jeder protektionistischer Politik, sei es Frankreich unter Napoleon oder die USA 1930.

Wenn man China weiterhin als Handelspartner haben möchte, muss man Zugeständnisse machen und chinesische Produkte auf dem hiesigen Markt zulassen. Deshalb ist die Politik der EU durchaus vernünftig, auch wenn man parallel eigene Strukturen aufbaut. Halbleiter sind und bleiben ein Sonderfall, weil das ein Oligopol weniger Unternehmen ist, deren Preise stark von der Nachfrage abhängen. Zur Wahrheit gehört dabei auch, dass Steuerungschips für Haushaltsgeräte oder auch Drohnen keine N2-Fertigung von TSMC benötigen und deshalb letztlich überall hergestellt werden können, während Nvidias, Intels und auch AMDs Markt sich hauptsächlich auf Luxusbedürfnisse stützt.
 
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Die USA ist sowas von abhängig von China, dass die sich gemütlich zurücklehnen können. 100% Zölle machen nur das Leben in den USA teurer, denn die Waren können die eh nicht substituieren und müssen sie dann halt zum höheren Preis kaufen.
 
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@TheCrab Das ist richtig. Letztlich verliert die chinesische Wirtschaft durch die Importzölle der USA "nur" Geld, wenn weniger Waren abgenommen werden. Geld aber ist relativ leicht substituierbar, denn Nachfrage gibt es ggf. auch andernorts noch. Und selbst wenn nicht, sind Staat und Wirtschaft in China eng verknüpft und der Zugang zu staatlicher Unterstützung für Unternehmen mit nicht ausgelasteten Kapazitäten sehr einfach - zumal diese Kapazitäten politisch gewollt sind und ihr Abbau nicht zugelassen werden wird. Dass China in Sachen industrieller Produktionskapazität zum Rest der Welt so steht wie die USA ihrerzeit zum Ende des Zweiten Weltkrieges, kommt nicht von ungefähr.
US-Wirtschaft und -Gesellschaft dagegen verlieren den Zugang zu teils essenziellen Gütern oder büßen andernfalls massiv an Kaufkraft ein, wenn die Anbieter Zollaufschläge nehmen.

China sieht sich deshalb aus gutem Grund in starker Position gegenüber Trumps Zollwahn. Und das selbst davon abgesehen, dass Trump Zölle und ihre Wirkung in drastischer Weise falsch versteht.
 
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Boimler schrieb:
Der zweite Weltkrieg ist ein Produkt der völkischen NS-Ideologie und kein Ablenkungsmanöver von wirtschaftlichen und innenpolitischen Nöten wie andere Konflikte.
Natürlich will ich damit nicht die Verantwortung der Nazis relativieren und propagiere hier keine Täter-Opfer Umkehr. Nationalismus und Krieg sind keine Antworten auf wirtschaftliche und innenpolitische Krisen.

Aber man muss trotzdem auch das große Ganze sehen, denn mit einseitigem tennis begreift man nicht rechtzeitig was für Dynamiken sich da entwickeln. Wenn man zum Beispiel das chinesische Theater zum zweiten Weltkrieg dazu zählt, so wie das in vielen asiatischen Ländern gemacht wird, dann begann der zweite Weltkrieg schon 1931 mit Japans Invasion der Mandschurei. Und die steht nun wirklich in direktem Zusammenhang mit dem Hawley smooth Tariff act.

Ansonsten stimme ich dir zu dass wir glücklicherweise eine relativ vernünftige EU Führung haben und bisher recht erfolgreich sind uns da nicht zu tief mit rein reißen zu lassen. Auch stimme ich zu das gewisse Zölle notwendig sind um kompetitive Nachteile wie Lohnniveau, Jobsicherheit etc. auszubalancieren und zu verhindern dass eigene Industrien absterben. Aber sowas ist höchst diffizil zu balancieren weil die anderen Länder auch berechtigte Interessen für ihre Industrie haben. Sinnvolle Zölle sind also nie mit one-sided-Tennis zu erreichen (Ein Begriff von Sarah c.m. Payne).
 
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davidzo schrieb:
Wenn man zum Beispiel das chinesische Theater zum zweiten Weltkrieg dazu zählt, so wie das in vielen asiatischen Ländern gemacht wird, dann begann der zweite Weltkrieg schon 1931 mit Japans Invasion der Mandschurei. Und die steht nun wirklich in direktem Zusammenhang mit dem Hawley smooth Tariff act.
Ich bin sicher, dass es sich heute etwas anders verhalten wird, denn damals ging es u.a. um Rohstoff-Exporte, auf die Japan angewiesen war. Das ist bei China und den USA etwas anders und China war bereits imperialistisch veranlagt, bevor der Zollstreit losging. Trumps Zollpolitik ist vor allem ein politisches und kein wirtschaftliches Instrument. Immerhin haben sich die Märkte inzwischen soweit dran gewöhnt, dass nicht andauernd wieder ein Kurs einbricht, wenn er vor die Mikros tritt.

davidzo schrieb:
Natürlich will ich damit nicht die Verantwortung der Nazis relativieren und propagiere hier keine Täter-Opfer Umkehr. Nationalismus und Krieg sind keine Antworten auf wirtschaftliche und innenpolitische Krisen.
Wollte ich dir auch nicht unterstellen, auf keinen Fall. Ich hab nur gerade erst privat und beruflich relativ viel zur Krise der Dreißigerjahre gelesen und da muss man sagen, sind Zölle kein derart großes Phänomen wie sie es heute bspw. bei Autos, seltenen Erden etc. sind oder sein könnten. Damals fußten die Ökonomien noch viel mehr als heute auf realen Gütern und es gab gerade bei den Grundbedürfnissen eine hohe Eigenkapazität (bspw. Agrarprodukte, Kohle, Eisen etc.). Japan ist in vielen Dingen ein Sonderfall, das ist klar.
 
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Boimler schrieb:
Wollte ich dir auch nicht unterstellen, auf keinen Fall. Ich hab nur gerade erst privat und beruflich relativ viel zur Krise der Dreißigerjahre gelesen und da muss man sagen, sind Zölle kein derart großes Phänomen wie sie es heute bspw. bei Autos, seltenen Erden etc. sind oder sein könnten. Damals fußten die Ökonomien noch viel mehr als heute auf realen Gütern und es gab gerade bei den Grundbedürfnissen eine hohe Eigenkapazität (bspw. Agrarprodukte, Kohle, Eisen etc.). Japan ist in vielen Dingen ein Sonderfall, das ist klar.
Umso heftiger ist ein Handelskrieg ja heute, wenn es doch kaum noch ein Land gibt dass seinen Grundbedarf selber abdeckt und quasi alle gegenseitig vom Weltmarkt abhängig sind. Und noch dazu wenn man bedenkt wieviel höher die Zölle im heutigen Handelskrieg prozentual im Vergleich zu denen von damals sind. Ich bin sicher dass diese Zölle mittelfristig gewaltige geopolitische Folgen haben, die im schlimmsten Fall sogar größer werden können als der der Effekt des WK2.
 
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