So wie ich das Problem bei Transmenschen verstehe, wären die sogar dankbar, wenn sie einfach in die Geschlechterdichotomie eingeordnet würden. Schließlich sind das Menschen mit "unpassender" Geschlechtsidentität und da ist es sicherlich nicht schön, wenn man merkt, dass trotz hormoneller oder chirurgischer Behandlungen die Menschen im Umfeld diskutieren, ob "das" nun eher ein Mann oder doch noch eine Frau ist.
Auch einen dritten Pol aufzumachen, wird da nicht helfen, denn das Problem entsteht ja durch eine wahrgenommene Diskrepanz zwischen biologisch feststellbarem Geschlecht (anhand sekundärer und primärer Geschlechtsmerkmale) und der Gefühlswelt des entsprechenden Individuums.
Das Problem besteht also nicht in der Schwierigkeit, sich einem der beiden biologischen Geschlechter zuzordnen (wie z.B. bei Genderfluiden, die sich lediglich nicht festlegen (lassen) wollen).
Transmenschen akzeptieren die Dichotomie mit Männlein und Weiblein, fühlen sich aber nicht in der ihnen postnatal von der Medizin zugewiesenen (und eventuell chirurgisch vereindeutlichten) Geschlechtsidentität heimisch. Man fühlt sich dann eben eher männlich, aber wenn man an sich herabblickt, dann sieht man eine Frau.
Transmenschen wäre wohl am meisten damit gedient, wenn man sie einfach als genau das akzeptiert, was sie nach einer Behandlung sind ... eben eine Frau oder ein Mann ... und kein "ex-irgendwas".
Es ist aber auch tatsächlich ziemlich egal, denn eigentlich ist das Geschlecht solange irrelevant, wie es nicht um Paarung und Vermehrung geht.
Beim Sport haben wir eine seit Ewigkeiten zweigeteilte Welt.
Männer treiben eher agressivere, körperlich anstrengendere Sportarten ... und das seit Jahrhunderten ... Frauen war öffentlicher Sport lange zeit sogar untersagt, bzw. ein durch Arbeit und Sport "gestählter" Frauenkörper galt eben einfach nicht als "weiblich".
Man kann das nun auf biologische Unterschiede zurückführen, die natürlich (genetisch veranlagt) völig unabhängig von den Aufgaben und Belastungen der Unterschiedlichen Gesclechtskörper sich nicht anders haben entwickeln können.
Man kann aber auch fragen, was mehrere Jahrtausende geschlechtsspezifische "Allesmögliche-Teilung" mit diesen Geschlechtskörpern gemacht haben. Welchen "Evolutionsfaktoren" waren männliche und weibliche Körper ausgesetzt und wie könnten die dazu beigetragen haben, dass sich die biologischen Unterschiede heute so darstellen, wie wir sie beobachten.
Die Gene sind im Grunde nur so eine Art "Strasse", aber sie entscheiden eben nicht darüber, ob ein Individuum auf dieser Strasse eher links, rechts oder mittig geht.
Die Gene stecken lediglich Potenziale ab, die sich durch Umwelteinflüsse (jeder Art) mehr oder weniger stark entwickeln ... je nach dem, welchen Herausforderungen das Individuum begegnet.
Männer sahen sich über Jahrhunderte hinweg der Erwartung gegenüber, stark zu sein um etwas verteidigen zu können, wenn es darauf ankommt.
Frauen sahen sich die gleichen Jahrhunderte ganz anderen Herausforderungen gegenüber ... Herausforderungen, bei denen es eben nicht so sehr auf körperliche Belastbarkeit ankam.
Niemand kann mir erzählen, dass das nicht auf zu einem natürlichen Selektionsdruck beigetragen hat ... etwas genauer .... der Schwächling und Angsthase, der eventuell sehr sozial eingestellt ist, bekam keine ab.
Und genau so läuft nunmal Evolution ... der Schwache wird wahrscheinlich nicht lange überleben ... und er bekommt auch weit seltener die Möglichkeit, sich zu vermehren und gibt seine Gene daher seltener efolgreich weiter.
Das Ergebnis: Die, die den gesellschaftlichen, familiären oder den Erwartungen potenzieller Partner entsprechen, vermehren sich besser, als die, die diesen Erwartungen nicht entsprechen ... und dadurch entwickeln sich die Körper der Individuen nach und nach (über Generationen) langsam in Richtung der Erwartungen ... Männer werden stärker und Frauen schwächer.
Wenn Männer über Generationen hinweg viel Muskelkraft brauchen, um ihren Alltag zu meistern, dann werden sich auch die Organe und das Skelett auf diese Aufgabe anpassen ... die Lunge wird z.B. leistungsfähiger, um den Organismus mit genügend Sauerstoff versorgen zu können. Das Ergebnis sind dann Männer, die halt nicht so schnell aus der Puste sind.
Oder in "evolutionstheoretisch" ... Männer mit größerem Lungenvolumen sind bei den Weibchen beliebter, da diese durch die im Vergleich zu anderen gesteigerte Leistungsfähigkeit besser das Überleben des Nachwuchses sichern können (einen größeren Anteil an der Aufzucht sicher übernehmen können).
Eventuell auch der Grund, aus dem Frauen auch heute noch auf Männer mit breiten Schultern und durchtrainierten Body stehen ... denn ein solcher Männerkörper signalisiert Leistungsfähigkeit ... und die bedeutete über Jahrtzausende hinweg Sicherheit für den Nachwuchs.