Der Verbreitungsgrad der Deutschen Sprache hat nichts mit den hier monierten Übersetzungsmängeln zu tun. Der wirkliche Grund ist ein ganz Anderer. Die Menge der Leute im deutschsprachigen Raum mit mindestens Grundkenntnissen der Englischen Sprache ist mittlerweile nahezu flächendeckend. Größere Lücken finden man nur noch in der Generation 80+.
Englisch ist heutzutage Zweitsprache geworden. Das hat weitreichende Folgen. Man schaue sich nur um, wie wir geradezu umzingelt sind von englischen Floskeln! Vor allem die Werbebranche macht sich das zunutze. Substanzloses Gewäsch hört sich doch gleich viel besser an, wenn auf Englisch.
Eine Stellenanzeige sucht vielleicht einen "Assistant" im "Front to Face Management". Ins uncoole Deutsch übersetzt heißt das, er soll Frikadellenbrötchen direkt vom Tresen aus an die Kundschaft verkaufen. Klingt weniger prickelnd, oder? Zumal der "Job" auch einer der wenigen noch ist, der nicht vom "Home Office" aus erledigt werden kann.
Das war in meiner Kindheit noch ganz anders. Da waren sich internationale Topstars nicht zu schade, auch eine deutsche Version ihrer Gesangsstücke zu produzieren. Selbst die Beatles haben da ein, zwei Nummern abgeliefert, die heute unter der Rubrik Unfreiwilliger Humor einzusortieren wären (
🎵Komm, gib mir deine Ha-Ha-Hand 🎵). Sowas wollen wir heute nicht mehr, und brauchen wir auch nicht mehr. Weil wir können ja jetzt selber Englisch (einigermaßen).
Ich sehe daher eher Probleme in umgekehrter Richtung. Also krampfhaft, kuriose Übersetzungen, wo gar keine hingehören. Ich verstehe zum Beispiel den Sinn nicht, warum auch Produktnamen in die jeweilige, erste Landessprache übersetzt werden sollten. Also man versteht teilweise wortwörtlich den Sinn nicht mehr. Was ist das für ein Programm mit Namen "
MS Büro"? Etwa so was Ähnliches wie "
MS Office"?
Da lob ich mir doch KDE. Die haben sich eine sinnige Namenskonvention ausgedacht. Alle hauseigenen Programme fangen mit einem großen 'K' an und dahinter kommt direkt der eigentliche Programmname (ebenfalls beginnend mit einem Großbuchstaben). Da weiß man sofort, woran man ist, weil auch in jeder menschlichen Benutzersprache gleich.
Man erwartet ja schließlich auch nicht, dass ein "
Johannes Zimmermann" dann in der englischen Übersetzung als "
John Carpenter" rüberkommt. Und es gibt auch keine Firma namens "
Kleinweich". (Auch wenn das hier verstanden würde.)