Jan_Niklas_2222 schrieb:
Wäre es besser, wenn ich erst die Ausbildung mache, damit ich dann beim Abitur ein anderen Blickwinkel auf die Dinge hab? (Mein Vaters reden)
Das ist pauschal nicht zu beantworten und kommt auf deine Interessen an. Neben kleineren Feinheiten bei den einzelnen Punkten, gliedert sich ein Studium hauptsächlich in 3 Bereiche: (1) duales Studium, (2) Fachhochschule (FH), (3) (technische) Universität.
(1) ist im Schnitt stark im Theorieumfang beschnitten, beinhaltet sehr viel Praxis, ist zugeschnitten auf ein bestimmtes Einsatzgebiet/Branche/Unternehmen
(2) ist i.d.R. ein Mix aus Praxis und Theorie; Kooperation mit Unternehmen (z.B. für Praktika, Abschlussarbeiten, ...) sind sehr üblich, es gibt aber auch noch diverse Hochschulthemen und mehr verschiedene Module
(3) ist normalerweise fast ausschließlich Theorie; keinerlei Vorbereitung auf irgendeinen spezifischen Job oder Branche, sondern vielmehr (besonders im Master) eine Spezialisierung auf bestimmte Domänen innerhalb der Informatik
Die konkreten Möglichkeiten später, etwa wo man überhaupt eingestellt werden würde oder eben nicht, ist selbstverständlich nicht einfach zu verallgemeinern und hängt
stark von einem selbst ab. Nichtsdestoweniger haben (1) bis (3) aber jeweils ihre speziellen Foki, die eben den Einstieg in bestimmte Bereiche teils stark wahrscheinlicher (oder unwahrscheinlicher) machen.
Beispielsweise in der Finanzbranche gibt es etwa in Frankfurt oder München spezialisierte Institute für Wirtschaftsinformatik, wo man dann dual studiert; praktischer Teil dann meist bei einer Bank o.Ä.
Das ist hochqualifizierend für diesen Sektor, aber eben auch
nur für diesen Sektor. (1) ist also vor allem etwas für Menschen, die praktisch arbeiten wollen und auch schon (zumindest grob) wissen
wo oder
was.
(2) sind unter anderem die typischen Softwarearchitekten und Ähnliches. Da werden in der Regel alle diejenigen glücklich, die praktisch orientiert und zumindest im gröberen Sinne für irgendeinen praktischen Bereich sich qualifizieren möchten, dabei aber nicht auf sehr viel allgemeinen, theoretischen Background verzichten möchten. Eine Mischung eben aus Praxis und Theorie.
(3) ist die Anlaufstelle für die typischen Akademikerberufe, d.h. das "Top-End" im Consulting, IT-Sicherheit (etwa Kryptographie, Penetration Testing, generelle Security-Konzepte in komplexen Systemen), Algorithmik, Robotik, künstliche Intelligenz, jegliche Art von Bio-/Physik-/Chemie-Informatik, HPC / Cloud, Complex System Engineering, usw. usf.
Also alle diejenigen Feldern, in denen man ohne sehr starken Theoriehintergrund gar nicht anfangen kann, weil das Berufsbild z.B. unter anderem aus Forschung+Entwicklung, Simulation, Naturwissenschaft, ... besteht.
Jan_Niklas_2222 schrieb:
Ich liebe Mathe und ich würde es gerne weiterlernen.
Noch - sofern du dich damit nicht schon privat beschäftigt hast - weißt du gar nicht was Mathematik ist. In der Realschule lernt man "Rechnen" und "Formelumstellen", um das mal etwas zu polemisieren. Im Abi lernt man erstmals etwas über die grundlegenden Dinge, etwa Analysis und Lineare Algebra. Auch da aber nur auf Einstiegsniveau und mit "praktischem Fokus" -> also Textaufgaben lösen und Dergleichen.
Mathematik ist später schon fundamental anders und das lernt man erst, sobald man höhere Mathematik an der Uni hat.
Lunge schrieb:
Dein Vater hat Recht. Wer erst mal gearbeitet hat weiß überhaupt worauf es wirklich im Job ankommt.
Das halte ich für sehr gewagt, siehe oben. Wenn man z.B. in einen der theorielastigen Berufe später einsteigen möchte, dann würde ich eine Ausbildung eher als Zeitverschwendung ansehen; auch weil man in diesen typischen Akademikerberufen ohne Studium i.d.R. gar nicht einsteigen kann, ist man zumindest bezüglich dieser Felder nach der Ausbildung genauso schlau wie vorher.
Da würde ich, so wie andere hier vor mir, den direkten Gang ins Studium viel eher empfehlen. Ich würde ihn aber nicht pauschal oder ausschließlich empfehlen.
Wenn man etwa für Systemadministration brennt, dann ergibt ein Studium keinen Sinn. Zum Einen braucht man als SysAdmin viel (praktische) Erfahrung und zum Anderen ist es aus genau diesem Grund (Linux, Windows, Networking, ... "aus dem FF beherrschen") auch so praktisch, dass die Theorieinhalte
viel zu wenig für ein Studium sind, d.h. in dieser Richtung gibt es gar kein Studium, sondern ausschließlich direkte berufliche Qualifikationen.