Ich erlaube mir mal eine Zusammenfassung:
Die These, die AU ab Tag 1 hätte keinerlei Effekt auf Fehltage und würde lediglich zu einer höheren Belastung bei Arztpraxen und Unternehmen führen, wurde zumindest mit Statistiken unterfüttert, die eine solche These nahelegen. Dennoch gilt diese These einigen hier als "unbelegt", weil ja die tatsächliche Situation noch nicht beleuchtet werden kann.
Geiler Trick ... das muss ich schon zugeben.
Aber mit der Übertragung haperts dann.
Was bedeutet das denn für die These, dass eine AU ab Tag 1 zu weniger Fehltagen führen würde, die Arztpraxen nicht überlasten würde und auch den bürokratischen Aufwand für alle Beteiligten reduzieren würde?
Eine These, für die es bisher keinerlei Belege gibt, ausser "Bauchgefühl" (wenn es einem damit besser geht, kann man das natürlich "gesunden Menschenverstand" nennen) und die vom Urheber selbst als "problematisch" beschriebenen Ländervergleiche anhand der OECD-Zahlen.
Auch das ist bisher "nur" eine These ... und auch diese ist nicht letztgültig zu beweisen (dann wäre es ja auch keine These mehr ... Begründung ist der obige "geile Trick").
Müsste ich eine dieser Thesen verteidigen, ich würde mich ganz klar und tatsächlich ohne langes Nachdenken für die obere These entscheiden, weil ich bei unterer beim besten Willen keine Chance sehe, diese wissenschaftsmethodisch ausgebildeten Leuten irgendwie zu verkaufen.
Falls jemand nicht weis, was ich mit "wissenschaftsmethodisch ausgebildet" meine:
https://de.wikipedia.org/wiki/Forschungsmethode
Die Frage, welche der zwei "diskutierten" Thesen hier in diesem Spiel wohl die besseren Chancen hätte, überlasse ich euch.
Ich denke jedenfalls, dass wir uns dieses Ei (AU ab Tag 1) besser nicht legen sollten. Die Indizien dafür, dass das nur in die Hose gehen kann, sind zu zahlreich.
Oder mal in "wissenschaftlich". Aus den existierenden Daten lassen sich mit der Hypothese, dass es eine fkächendeckende "AU ab Tag 1-Verpflichtung" gibt (nach Merz eigenen Worten soll es die NICHT geben), viel einfacher negative Szenarien ableiten, als Positive. Es gibt einen großen Bereich im Arbeitsleben, in dem schon heute eine solche Verpflichtung standard ist. Auch zu diesem Bereich liegen Daten vor ... und die zeigen genau das, was die "unbelegbare These" hier annimmt ... man geht wegen jedem kleinen Wehwehchen zum Arzt, weil man eine AU braucht, um nicht arbeiten zu müssen und die Tage der AU werden relativ oft bis auf den letzten ausgeschöpft.
Genau das Szenario, was man hier mit "Bauchgefühl" und "kann nicht bewiesen werden" bekämpft, zeigt sich in den Daten aus diesem Arbeitsbereichen.
Es steht also eine These, die sich in existierenden Daten wenigstens ablesen lässt, gegen eine, für die es keinerlei belastbare statistische Indizien gibt.
@Incanus und
@P4ge scheinen ihre ganze Hoffnung drauf zu setzen, dass diese Daten schon zu erbheben sein werden, wenn die AU ab Tag 1 Pflicht endlich da ist.
Tatsächlich wird sich gerade durch die Ausnahmeregelungen (deutschlandtypisch) wirklich nichts ändern. Wer schon heute eine AU ab Tag 1 braucht, der wird sie weiter benötigen, und der Rest wird weiter Karenztage nutzen. Nur wenige Unternehmen werden ihre Politik diesbezüglich ändern, weil das vor allem erstmal Unruhe in den Betrieb bringt.
Die ganze Kampagne ist eine Luftnummer, deren wirklicher Zweck sehr wahrscheinlich nichtmal der Krankenstand ist.