Beelzebot schrieb:
Diese stehen an, völlig egal ob das gewollt ist oder nicht.
Vorab ein Geständnis: Du hast eine
völlig andere Richtung eingeschlagen als ich vermutet habe. Ich habe dich für jemanden gehalten, der du augenscheinlich überhaupt nicht bist. Mea culpa, Entschuldigung.
Edit: Wall of text, sorry.
Beelzebot schrieb:
Die Welt ändert sich jeden Tag, wenn man drauf nicht reagiert, verliert man. Der Transformationsporzess der Digitalisierung wurde beispielsweise völlig brach liegen gelassen. Die der Sozialsysteme ebenso, eine Anpassung an die demografischen Realitäten findet noch immer nicht statt und dabei sind die Erkenntnisse auf das Kommende bereits Jahrzehnte alt.
Da ist - leider - wirklich etwas dran. Im Endeffekt hat jede Regierung das Problem entweder dreist ignoriert oder aus diversen Mängeln einfach vor sich her geschoben. Mittlerweile ist der Berg aber so hoch und der Anstieg so steil, das es schwer wird, diesen überhaupt noch zu erklimmen. Gerade bei der Digitalisierung ist so unglaublich viel verschleppt worden, vor allem unter Schröder und noch mehr unter Merkel, das es nicht mehr feierlich ist. Die deutsche Verwaltung ist ein unglaubliches Monster und schon alleine von den Workflows schwer abzubilden bzw. zu modellieren sein, die Frage der Datenspeicherung, -verknüpfung und -verteilung kommt noch obendrauf.
Die Kritik ist vollkommen richtig, es ist aber falsch, der aktuellen Regierung da irgendwelche Meriten zuzuschreiben. Die hat genauso wenig Ahnung. Es wird irgendein Beschluss gefasst, irgendein Gesetz verabschiedet und damit hat es sich für die Damen und Herren dann erledigt. Es wird zum Mittagessen auf Schloss Meseberg geladen und dann wird dafür schwadroniert, welch hervorragende Arbeitsbilanz man doch hätte. Ich kann mich nicht erinnern, dass irgendeine Regierung jemals ein anderes Fazit über ihre eigene Arbeit gezogen hätte als ein "sehr positives".
Die "demographischen Realitäten" sind wichtig, keine Frage - aber wie löst man das Problem? Ich persönlich habe mich damit abgefunden, mich nicht mehr auf das Rentensystem verlassen zu können und frühzeitig angefangen, selbst vorzubauen. Mir ist dabei durchaus klar, dass das nicht für jeden infrage kommt - aber eine Lösung habe ich in diesem Fall auch nicht auf der Hand, deswegen fällt mir gerade hier Kritik schwer. Hast du eine Idee?
Die Digitalisierung jedenfalls hat auch noch eine zweite Schneide - Deutschland ist, wie du mit den "demographischen Realitäten" so schön beschrieben hast, ein eher altes Land. Meine Eltern etwa haben beide ein Smartphone, aber nur mein alter Herr benutzt das Ding zu mehr als nur zum Telefonieren und SMS (!) schreiben. Irgendeinen Behördenvorgang online zu erledigen, bekommt aber auch er nicht mehr auf die Reihe. "Digitalisierung" kann den beiden mehr oder minder gestohlen bleiben.
Erinnerst du dich an die Anfänge von DSL hierzulande? Wie lange hat es nochmal gedauert, bis zumindest die größeren Städte mehr oder minder flächendeckend mit brauchbarem "Breitband" versorgt waren?
Beelzebot schrieb:
Das ist nicht nur an die Politik der vorangegangenen 16 Jahre anzuknüpfen, sondern eher an die letzten 30-40 Jahre. Alle notwendigen Investitionen in Bildung, Infrastruktur, Energie, sozialpolitische Entwicklung usw. wurden brach liegen gelassen: Stagnation.
Ebenfalls richtig. Die Frage ist hier aber, was in dieser Zeit "wichtiger" geworden ist als etwa die Infrastruktur. Es wurde gern der "Aufbau Ost" zitiert, aber meistens nur von Leuten, denen nicht klar war, dass auch die Ostdeutschen den Solidarzuschlag tragen mussten. Was also ist genau passiert - und
warum?
Beelzebot schrieb:
Darum gibt es auch keine Digitalisierung oder ein Konzept dazu. Stillstand ist einfach zu bequem gewesen. Oder fallen unseren Straßen, Brücken, Schienen, Schulen, Krankenhäuser usw. auseinander, weil seit zwei Jahren eine neue Regierung an der Macht ist?
Natürlich nicht. "Stillstand" finde ich hier jedoch als Terminus nicht angemessen. "Stillstand" beinhaltet für mich eben sehr wohl die Instandhaltung bestehender Infrastruktur. Unterbleibt die, reden wir nicht mehr von Stillstand, sondern von Vernachlässigung und netto betrachtet von Abbau.
Beelzebot schrieb:
Das ist auch nicht das Problem, sondern die Fokussierung auf nur eine Land: China
Das trifft nicht ganz zu, vor allem nicht in Bezug auf Rohstoffe und Energie.
Beelzebot schrieb:
Mittlerweile ist der Wert an Smartphones und Computerteilen die wir von dort importieren doppelt so hoch wie das was unsere Industrie dorthin an Autos verkauft. Dieses Ungleichgewicht ist über 10 Jahre hinweg immer größer geworden und ist bei 85 Milliarden Euro angekommen. Ist das auch auf eine "ideologisch geprägte Wahlentscheidung" zurückzuführen?
Nein. Wenn du dir den Verlauf der Kurve allerdings ansiehst, fällt dir eine Sache ganz zwingend auf, die im Jahr 2019 begann. Und die hat ausnahmsweise nichts mit Politik oder bestimmten Regierungen zu tun ...
Ich glaube allerdings nicht - und das ist in der Tat nur eine Vermutung, kein Wissen -, dass die aktuelle Regierung in der Lage ist, an diesem Trend irgendwas zu ändern.
Beelzebot schrieb:
Nein. Der Erfolg der Bundesrepublik nach dem Zweiten Weltkrieg ist beispiellos. Gewesen. Das ging nur mit großen Investitionen und viel, viel Aufwand. Hier bleibe ich dabei, weder kurz noch billig.
Beelzebot schrieb:
Wie kann man kontinuierlich AKWs abbauen und als einzigen Ersatz die Brücken-Energie Gas, von einem autokratisch regierten System, setzen?
Und hier bewegen wir uns dann doch wieder im ideologisch gefärbten Bereich. Wer brüllte bitte schon immer "Atomkraft Nein Danke!"? Wer hat nach Fukushima vollkommen überhitzte Demonstrationen abgezogen und eine irrwitzige Debatte angestoßen? Merkel und ihre Regierung sind hier klar schuldig, sich von Ideologen und Spinnern Angst machen zu lassen, soviel ist richtig.
Was das autokratisch regierte System betrifft - das wird nicht besser. Russland war wenigstens über all die Jahre ein verlässlicher Lieferant, das kann man nicht wegdiskutieren. Und ob Saudi-Arabien jetzt so wahnsinnig viel "sauberer" ist als Russland kann man sehr lange und sehr hitzig diskutieren. Energie so billig wie möglich zu machen ist an und für sich der richtige Gedanke, trotzdem verstehe ich sehr wohl, was du gerade an diesem Punkt mit Diversifizierung und Abhängigkeiten meinst - und ich komme nicht umhin, dir vollumfänglich Recht zu geben.
Beelzebot schrieb:
Einen Ausbau von Alternativen wurde zugunsten von Wahlerfolgen sogar gänzlich zurückgestellt.
Kein Wunder, denn die "regenerativen Energien" sind eine Mogelpackung.
Beelzebot schrieb:
Wieso macht man sich von einem einzigen Land ökonomisch so stark abhängig, zumal es uns mittlerweile mehr nimmt als gibt? Es wurde versäumt rechtzeitig alternative Absatzmärkte zu erschließen. Indien als Absatzmarkt hätte schon vor 10 Jahren aufgebaut werden müssen, nicht erst jetzt.
Indien ist kein Absatzmarkt für deutsche Produkte und wird das auch in den nächsten zehn Jahren nicht werden. Man kann an einige Wohlhabende das eine oder andere Auto verkaufen und ein paar Verpackungsmaschinen, aber damit hat es sich. China als Absatzmarkt zu ersetzen ist sehr, sehr schwierig bis unmöglich. Wie genau willst du denn Indien "ausbauen" oder wie hätte das passieren müssen?
Nach Indien wurden letztes Jahr so um die 16 Milliarden Dollar an deutschen Waren exportiert. Nach China mehr als das Achtzehnfache.
Beelzebot schrieb:
Ich denke nicht in Parteipolitik (die sind für mich alle gleich), sondern in Fortschritt. Und da Fortschritt i.d.R. Wachstum nach sich zieht, sollte das im Interesse Aller sein. Sich dem zu verschließen ist Konservatismus.
Dem ersten Teil kann ich zustimmen, was Konservatismus ist, solltest du vielleicht nochmal überdenken.