Recht auf HomeOffice

Acrylium

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Wie genau funkioniert dieses Recht der Arbeitnehmer auf HomeOffice eigentlich genau? Bei uns auf der Arbeit haben wir zwei Gruppen gebildet, da geht immer eine Gruppe für je eine Woche ins HomeOffice während die andere Gruppe in der Zeit dann vor Ort im Büro ist. Allerdings ist das nur die Theorie, denn unser Chef droht jedem der ins HomeOffice geht regelmäßig "arbeitsrechtliche Konsequenzen" an, da er sicher ist, dass man im HomeOffice ja nicht arbeiten würde. Den Vorwurf macht er immer, wenn er das Gefühl hat, von einem Mitarbeiter nichts gehört zu haben und nicht zu wissen, was dieser gerade macht. Also ziemlich subjektiv.
Allerdings: Wenn wir im "normalen" Büro sind, sprechen wir auch nicht alle paar Minuten mit dem Chef, manchmal sogar tagelang nicht wenn es nichts zu besprechen gibt.

Daher haben mittlerweile einige Mitarbeiter beschlossen, dauerhaft im Büro zu bleiben weil sie Angst vor Abmahnungen oder Kündigung haben. Ist das berechtigt? Muss man mit "arbeitsrechtlichen Konsequenzen" rechnen, wenn man ins HomeOffice geht und dort angeblich/anscheinend nicht genug arbeitet?
 
Zuletzt bearbeitet: (Typo)
Bisher gibt es in Deutschland kein Recht auf HomeOffice, auch wenn der Bundesarbeitsminister Hubertus Heil sowas plant.

Es gibt nur derzeit, Pandemiebedingt, bis zum 19.03.2022 eine Pflicht zum HomeOffice, wenn
https://www.bund-verlag.de/aktuelles~Hubertus-Heil-will-dauerhaften-Anspruch-auf-Homeoffice~.html schrieb:
Aufgrund der Corona-Pandemie sind Arbeitgeber derzeit verpflichtet, ihren Beschäftigten im Fall von Büroarbeit oder vergleichbaren Tätigkeiten Homeoffice anzubieten, wenn keine zwingenden betriebsbedingten Gründe entgegenstehen. Diese Pflicht folgt aus § 28b Abs. 4 des Infektionsschutzgesetzes und gilt zunächst befristet bis zum Ablauf des 19.3.2022.

Was ansonsten bei Dir im Betrieb an Tarifverträgen, Betriebsvereinbarungen oder sonstigen Regeln/Vorgaben herrscht, weisst nur Du oder der Betriebsrat (falls ihr sowsas habt).

Sonst gibt das, was auch schon hier beschrieben ist (Achtung, von 2021, also auch ein anderes Enddatum für die HO-Pflicht wie aktuell in 2022):
https://www.mdr.de/ratgeber/recht/homeoffice-recht-arbeitnehmer-gesetz-100.html

Für mich als Nicht-Juristen bedeutet dies: wenn der Arbeitgeber eine Präsenzpflicht anordnet und keine BV o.Ä. dagegen spricht, dann gilt diese Präsenzpflicht. Wer dieser nicht nachkommt, begeht mind. einen Verstoß gegen seinen Arbeitsvertrag. Wie das dann rechtlich zu bewerten ist, wird im Einzelfall ein Arbeitsgericht entscheiden müssen.
 
Na ja die offizielle Anweisung der Bundesregierung läuft bekanntlich im März aus.
Diese Regelung "zwang" aber bisher auch keinen AG das HO oder "mobiles Arbeiten" auch tatsächlich umzusetzen.
Heißt, wenn eine AG irgendwie begründen kann, warum wieso weshalb mobiles Arbeiten nicht möglich ist, dann ist das erstmal so. Ob und wie die Begründung formuliert sein muss, kann wohl eher ein Jurist bewerten. Aber ein kreativer Chef wird im Zweifel Lücken finden und die Präsenz somit begründen.

Grundsätzlich gibt es auch kein "Recht auf HO". Du hast nur dann ein "Recht" darauf, wenn dies in deinem Vertrag, oder einer angehängten nachträglichen Regelegung, entsprechend festgelegt ist.

Einfach gesagt ..
du hast damals den Job angetreten und dir wurde vertraglich zugesagt ganz, oder zu einem Teil, HO machen zu können ... somit wäre die Arbeitsstätte bzw. der Erfüllungsort festgelegt und wesentlicher Bestandteil deines Vertrags.

Nun möchte der AG das aber nicht mehr ..

Dann kannst du dagegen rechtl. vorgehen und wirst wahrscheinlich auch Recht bekommen.
In der Realität muss man sich dann aber auch fragen, ob man überhaupt mittel- oder langfristig für einen solchen AG tätig sein möchte.
Des Weiteren, wenn du dein Recht einklagst und gewinnst, bleibt fraglich was du wirklich gewonnen hast.
Denn ein verbitterter Chef wird das kaum so hinnehmen und jede Gelegenheit nutzen dir den Tag und deinen Job zu erschweren.

Hatte Ihr denn vor oder durch Corona eine schriftl. Regelung zum Thema HO?
Klingt fast ein wenig so, als wenn ihr das mehr oder weniger einfach selbst entschieden und umgesetzt habt.

Wie dem auch sei .. möglicherweise ist freundliches Gespräch, im Verbund mit guten Argumenten, mit Vertretern der Belegschaft und dem Geschäftsführer insgesamt zielführender, um hier eine für alle Seiten "gute" Regelung zu finden.
 
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Acrylium schrieb:
da er sicher ist, dass man im HomeOffice ja nicht arbeiten würde. Den Vorwurf macht er immer, wenn er das Gefühl hat, von einem Mitarbeiter nichts gehört zu haben und nicht zu wissen, was dieser gerade macht.
Klingt nach Totausfall im Bereich Kompetenz zur Mitarbeiterführung :p

Acrylium schrieb:
weil sie Angst vor Abmahnungen oder Kündigung haben.
Passt dazu
"Management by fear und punishment" ist dabei so ziemlich das unqualifizierteste

Keine 5 Minuten länger bleiben als unbedingt notwendig - ist mein einziger Rat zu Deiner Frage, rechtliche Aspekte wurden ja schon geschrieben
 
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Also vor der Pandemie gab es bei uns kein HomeOffice. Unser Chef hat das dann gezwungenermaßen eingeführt, war aber nie glücklich damit und will das auch direkt mit Auslaufen der gesetzlichen Vorschriften dazu wieder abschaffen. Eine schriftliche Regelung wurde dazu nie getroffen.

Er bietet also HomeOffice all seinen Mitarbeitern an, so wie es das Infektionsschutzgesetzt vorschreibt, aber wenn sich jemand für dieses Angebot entscheidet, bekommt diese Person regelmäßig arbeitsrechtliche Konsequenzen angedroht.

Meine Arbeit kann man nicht wirklich messen, daher kann ich auch keinen richtigen Vergleich was die Produktivität angeht erstellen.
 
Bei uns bereitet man sich schon jetzt drauf vor. Das Motto wird lauten "das neue normal". Es geht dann auch in Richtung "Shared Desk" (klar dann kann man Gebäude verkaufen).

Es wurde verkündet das es kein 100% Homeoffice mehr geben wird, aber auch kein 100% Rückkehr ins "Büro".

Vermutlich wird e auf 65/75% Büro herrauslaufen. Das operative und betriebliche Personal hat davon natürlich nix.

Für manche wird es sich also ändern, das die ab März wieder ins Büro müssen und man kehrt zu den bisher üblichen 1 - 2 Tage Homeoffice pro Woche zurück.

Einige "verlangen" auch die komplette Rückkehr. Zumindest bis jetzt wurde aber jedem der Mobil oder im Homeoffice arbeiten konnte das auch ermöglicht. Dafür habe ich unter anderem auch großflächlig Laptops, Dockingstationen und Headsets beschaffen müssen.
 
Arbeitgeber sind seit November 2020 dazu verpflichtet, Beschäftigten die Arbeit von zu Hause aus anzubieten, allerdings und genau das ist der Knackpunkt, wenn nicht betriebliche Gründe dagegen sprechen.

Also kann der Arbeitgeber durchaus verlangen, dass Mitarbeiter aus betrieblichen Gründen, wieder in den Betrieb kommen. Wenn er jetzt Mitarbeiter auffordert in den Betrieb zu kommen, diese dem nicht nachkommen, kann dies arbeitsrechtlichen Konsequenzen nach sich ziehen.
 
Erkekjetter schrieb:
Und was will er abmahnen? Abmahnen kann man nachweisbare vergehen, keine vermutungen.
So wie ich das verstanden habe, sagt er, es gehöre zu meinen arbeitsvertraglichen Pflichten, mich regelmäßig aus dem HomeOffice bei ihm zu melden und zu berichten, woran ich gerade arbeite.
 
Steht das in deinem Arbeitrsvertrag? Und wenn dem so wäre, dürfte einmal am Tag ein Anruf dem genügen oder wie will er ggf. vor einem Arbeitsgericht begründen, dass das im Homeoffice notwendig ist, im Büro aber nicht, wo er ja auch nicht alle paar stunden hinter euch steht.

Nicht alles, was Chefs sagen, denken oder androhen ist auch rechtlich irgendwie relevant. Im Gegenteil, das trifft sogar überraschend selten bei nicht wenigen Chefs zu.
 
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Acrylium schrieb:
Allerdings ist das nur die Theorie, denn unser Chef droht jedem der ins HomeOffice geht regelmäßig "arbeitsrechtliche Konsequenzen" an, da er sicher ist, dass man im HomeOffice ja nicht arbeiten würde.
Das ist natürlich Quatsch, er müsste darlegen, dass du im Homeoffice nichts arbeitest oder erheblich weniger als wenn du im Betrieb ist. Kann er das nicht, kann dir arbeitsrechtlich auch nichts passieren.

Aber wie gesagt, wenn er betriebliche Gründe anführt, dass Homeoffice nicht geht, dann musst du in die Firma.
 
Goldsmith schrieb:
betriebliche Gründe
Die er auch nachweisen muss. Der Verdacht, dass die Mitarbeiter im Home Office nicht arbeiten würden, ist kein ausreichend betrieblicher Grund. Und ein "Find ich aber besser!" auch nicht.

btw. Selbst wenn er eine Abmahnung schreibt, kann man die immer noch prüfne und in nicht wenigen Fällen auch anfechten.
 
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Und Abmahnungen sind eh ein stumpfes Schwert, über 90 % der Abmahnungen, die vor ein Arbeitsgericht gehen, werden abgeschmettert zugunsten des Arbeitnehmers.
Ergänzung ()

Erkekjetter schrieb:
Die er auch nachweisen muss. Der Verdacht, dass die Mitarbeiter im Home Office nicht arbeiten würden, ist kein ausreichend betrieblicher Grund.

Dem ist ganz sicher so.
 
Acrylium schrieb:
Meine Arbeit kann man nicht wirklich messen, daher kann ich auch keinen richtigen Vergleich was die Produktivität angeht erstellen.
Das glaub ich nicht :)
Aber ja, das zeigt das eigentliche Problem mit deinem Chef auf.
 
Kann er denn von mir verlangen, dass ich ihm täglich einen detailierten Bericht darüber schreibe, was ich am Vortag im HomeOffice alles gemacht habe? Insbesondere, wenn ich solche zeitraubenden und für mich nervenden Berichte in normalen Büro nicht schreiben muss.
 
Ein Arbeitgeber muss berechtigtes Interesse haben an solchen Arbeitsnachweisen haben, das greift zum Beispiel bei Mitarbeitern, die im Außendienst arbeiten, oder eben im Home-Office.
 
Acrylium schrieb:
Insbesondere, wenn ich solche zeitraubenden und für mich nervenden Berichte in normalen Büro nicht schreiben muss.
Bleibt halt weniger Zeit für die eigentliche Arbeit. Einfach unter jeden Bericht drunterknallen: "30 Minuten Bericht schreiben"
 
Und diese 30 Minuten würde ich jeden Tag drunterschreiben, dann hat sich das schnell erledigt.
 
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