Rentendiskussion

Linke warnt vor Altersarmut


Die meisten Deutschen besitzen weniger als andere Europäer


Auf diese zwei Fakten habe ich vor ca. einer Woche mal salopp formuliert drauf hingewiesen, der Post wurde aber gelöscht, weil es ein Flame auf Stammtischniveau gewesen sei ohne Belege.
Hat wohl nicht in das neopolitische Dogma gepasst.
Fakt ist, gerade die Leute, die nicht in der Industrie oder wirtschaftsnah beschäftigt sind und/oder obenfrauf keine Akademikerpositionen begleiten, hier in der BRD wie nie seit ihrer Gründung über den Tisch gezogen werden. Über die Hälfte der Arbeitnehmer quasi rechtelose und verarmte Verfügemasse für den Rest der BRD. Jetzt hat man es wieder schwarz auf weiß.
 
Fakt ist, gerade die Leute, die nicht in der Industrie oder wirtschaftsnah beschäftigt sind
fakt ist aber auch das immer weniger "normale arbeiter" in industrie und wirtschaft vernünftig verdienen

auf kurz esicht spart sich die wirtschaft "gesund" und ertragreicher aber auf lange sicht macht si sich die eigene kundschaft kaputt. wer soll dann noch die waren kaufen?
 
Zuletzt bearbeitet:
Was juckt es die jetzigen Entscheidungsträger, was in 30,40 oder mehr Jahren ist? Solange jetzt der Bonus für die Einsparungen in die eigene Tasche fließt, ist doch alles in Ordnung. Wichtig ist nur das hier und jetzt. Und solange das dann zum eigenen Vorteil ausgelegt werden kann, werden das die Mächtigen fast immer so machen.

Siehe Kohl mit der Parteispendengeschichte, für die er dann nie belangt wurde. Weil er ja sein Ehrenwort gegeben hat, konnte er ja auch niemanden verpetzen und so. Fakt ist, daß solche Menschen in den seltensten Fällen für ihre Entscheidungen geradestehen müssen. Bzw fallen sie dann idR deutlich weicher, als der kleine Mann.
 
jap und das ist genau das problem, gerade in den managerebenen a wird leider nur fürs jahr oder maximal für die nächsten 1-2 jahre gedacht was maximal an eigenem bonus raus zu holen ist, da kümmerts nicht wenn die leute die eigentlich das geld erwirtschaften geknechtet, ausgebeutet und vor die tür gesetzt werden.

ich mein ich kanns ja bis zu nem gewissen teil nach vollziehen aber hex ganz im ernst wenn ich schon millionen habe und millionen noch dazu verdiene muss es dann noch unbedingt ein jahresbonus sein der das jahres millionengehalt um ein mehrfaches übersteigt!?!??

jaja ichw eiss gier frisst hirn und das ist des menschen grösstes problem.
ich schäme mich immer öfter unserer gattung an zu gehören.
 
Puh, da bin ich ja beruhigt, dass nicht der "kleine Mann" daran schuld ist, sondern wieder einmal "die Großen". ;)

Ich hatte doch glatt gedacht, dass der "kleine Mann" mindestens die gleiche Schuld hat, weil er sich nicht genügend (!) für seine Rechte einsetzt.
Er tritt nicht mehr in Gewerkschaften ein, geht am 1. Mai nicht mehr auf die Straße, sucht keinen Kontakt mehr zu seinem Volksvertreter und stimmt auch nicht ganz neumodisch für Online-Petitionen, welche sein Leben verbessern würden.

Bestimmte andere Kreise suchen ja den Kontakt zu Ihren Volksvertretern.
Andere wiederum bezahlen Protestierer vorm Bundeskanzleramt, um sich Gehör zu verschaffen.

"Der kleine Mann" postet dagegen hier und wundert sich, warum seine Situation nicht besser wird. :freak::
 
schuld sin eh immer die anderen, altes grundgesetz.

tja ist wohl ein neuzeitphänomen, besonders n deutsches, das wir den arsch nicht mehr hochkriegen und in letargie verfallen.

manchmal wünsch ich mir hier son par richtige volksaufstände, aber da sowas iwie nicht absehbar ist frage ich mich warum mit allen mitteln die totalüberwachungso forciert wird!??
 
Zuletzt bearbeitet:
ThomasK_7 schrieb:
Puh, da bin ich ja beruhigt, dass nicht der "kleine Mann" daran schuld ist, sondern wieder einmal "die Großen". ;)

Ich hatte doch glatt gedacht, dass der "kleine Mann" mindestens die gleiche Schuld hat, weil er sich nicht genügend (!) für seine Rechte einsetzt.
Er tritt nicht mehr in Gewerkschaften ein, geht am 1. Mai nicht mehr auf die Straße, sucht keinen Kontakt mehr zu seinem Volksvertreter und stimmt auch nicht ganz neumodisch für Online-Petitionen, welche sein Leben verbessern würden.

...

Ich stimme dir teilweise zu, aber der Gesetzgeber bzw. das AGG und BAG tragen bei der Gewerkschaftssache eine Mitschuld. Wäre es den Tarifpartnern möglich, bestimmte Leistungen (von Zusatzurlaub über bav bis zu Gehaltserhöhungen) nur den Mitgliedern zu Verfügung zu stellen, dann würden auch viel mehr sich für eine Mitgliedschaft entscheiden. Aber so? Siegt halt die Gier. Lasst die anderen Dummen mal zahlen.
https://www.dgbrechtsschutz.de/recht/arbeitsrecht/lohn/leistungen-nur-fuer-gewerkschaftsmitglieder/
Die Arbeitgeber werden dagegen nicht vorgehen - die sind ja schließlich froh, wenn Tarifleistungen jeder im Unternehmen erhält, da dies auf langer Sicht günstiger ist.
Selbst sind die AG natürlich alle in einem Unternehmensverband ABER ich mache Ihnen hier keinerlei Vorwurf, da es einfach aus Ihrer Perspektive vernünftig ist.

Zum 1.Mai ... naja sorry, aber der ist mir von zu viel Chaoten übernommen worden und ich habe keine Lust zwischen Antifa und Polizei zugeraten.
 
@ThomasK_7:
Wundert dich wirklich, dass die Leute sich nicht mehr gewerkschaftlich organisieren?

Sogar mein Paps musste die letzten Jahre vor seiner Rente immer wieder überlegen, ob er aus seiner Gewerkschaft austritt ... um die Beiträge zu sparen ... 30 Jahre hatte er eingezahlt, die Gewerkschaft hatte immer volle "Streikkassen" ... aber mal nen Arbeitskampf, das kam für den Vorstand wohl nicht in die Tüte. Dabei gab es durchaus Belange, für die hätte gekämpft werden können (auch wenn die Profiteure wohl nicht in Vaters Gehaltsklasse waren).

Bei der IGM (haben früher tatsächlich ab und zu mal gestreikt) wurde es lächerlich, als man einen Gerichtsbeschluss unkommentiert hingenommen hat, nach dem IGM-Streiks alles blockieren dürfen ... ausser den Produktionsabläufen im bestreikten Betrieb (damals gings um die Blockade der Werkstore).
Seitdem ist es seltsam ruhig um IGM, DGB und Co ... Einzig Eisenbahner, Piloten oder VER.DI fallen ab und zu mal durch (Warn-) Streiks auf ... Haupteffekt: Menschen, die sich drüber aufregen. Dass es dabei meist um Kürzungen bei Lohn oder Betreuungsschlüssel bei gleichzeitiger Arbeitszeitverlängerung geht, kommt bei den meisten erst garnicht an.

Was soll ein Streik bitte bringen (ausser Öffentlichkeit), der die Produktion, und damit das Tagesgeschäft eines Unternehmens NICHT stört? ... das juckt das Unternehmen doch herzlich wenig.
Und auch die Öffentlichkeit fühlt sich von Streikenden eher belästigt ... Bahn, Flüge und KiTa im "Streikbetrieb" sind störend ... daran besteht kein Zweifel ... aber scheinbar nicht schlimm genug, dass man mal bereit wäre, sich die Forderungen der Streikenden genau anzusehen ... VER.DI fordert in den meisten Bereichen schon seit Jahren keine Lohnerhöhungen mehr - die haben meist genug damit zu tun, weitere Lohnsenkungen zu vermeiden.
Aber viele Passanten ärgern sich nur über diese "ewig Unzufriedenen" ... sie meckern ja schließlich auch nicht an ihren Arbeitsbedingungen herum ... selbst Schuld kann ich da nur sagen.

1. Mai ... ich war die letzten 15 Jahre eigentlich immer dabei (bis auf krankheitsbedingte Ausfälle), und ich wäre nach dem ersten mal nicht wieder hingegangen, wenn das nicht teil meiner Arbeit gewesen wäre. Hass-Redner am laufenden band, die dem "Volk" in bester Goebbels-Manier erklären, das es "Kämpfen" muss (rein akkustisch hätte das auch ein NSdAP-Parteitag sein können ... nur, dass die Stoßrichtung eine etwas andere war).
Antifa und Autonome tun sich das bei uns grundsätzlich nicht an ... das Publikum ist meist etwas älter, oft migrationshintergründig ... und teilweise auch nur da, weil nach Abschluss der Maikundgebung das benachbarte Freibad seine Tore erstmals im Jahr wieder öffnet (wahrscheinlich der Hauptgrund für die hohe Famiienbeteiligung).

Ich verstehe die Kritik am "kleinen Mann" der sich nicht wehrt ... aber ich sehe auch auf der anderen Seite, dass von den ehemals vorhandenen Abwehrmechanismen des Proletariats nicht viel mehr übrig geblieben ist, als zahnlose und ohnehin handzahme Papiertiger.
Einer Gewerkschaft, die für mich eintritt trete ich gerne bei ... allerdings sehe ich das bei den meisten Gewerkschaften mit denen ich zu tun hatte nicht ... tatsächlich bemerke ich ausserhalb der Maikundgebung fast nur VER.DI ... der Rest, ist mehr so'n "1. Mai-Gimmick".
Gwerkschaften, die vorm aktiven Arbeitskampf zurückschrecken (oder sich die Effektvität dieser Maßnahmen gerichtlich verbieten lassen), sollten eigentlich an Mitgliedermangel sterben.
Und das DAS nicht geschieht, daran kann man dem kleinen Mann die Schuld geben, aber nicht daran, dass unsere Gewerkschaften zum größten Teil ihren Namen zu Unrecht tragen.

Noch als Tipp nebenbei: Bei Geschäftsaverhandlungen mit dem DGB immer auf festen Zahlungsfristen bestehen ... sonst wartet man solange auf seine Kohle, bis der Verein mal wieder einen neuen Vertrag aushandeln möchte.
Leider muss man mit denen von vornherein so verhandeln, als wären das die übelsten Abzocker unter der Sonne.
 
Zuletzt bearbeitet:
Merkwürdig das du gerade die IGM erwähnst - sicherlich ist das von dir gestellte Beispiel ein fatales Zeichen gewesen - wobei auch ich sagen muss, dass Streiks eine gewisse Grenze habe sollten. Bringen Streiks etwas, wenn man "sein" Unternehmen damit langfristig schadet?
Sollte nicht auch die langfristige Beschäftigungssicherung im Blickfeld stehen? Hierzu sind zufriedene Kunden aber ebenso wichtig.
Also ich kenne sehr viele Leute, die z.B. aus Prinzip keine Lufthansa mehr fliegen und zwar nicht, da sie der Meinung sind, dass Streiks falsch sind - das Bordpersonal sollte z.B. auch mal dran sein oder Streiks immer zur Urlaubszeit und Weihnachten (okay diesmal nicht) ist zwar effektiv, aber bringt doch die Kundschaft zu der Konkurrenz, oder nicht?

Zurück zur IGM. Ich habe Bekannte, die in IGM Unternehmen arbeiten (von großen Konzernen bis zu kleinen Unternehmen) und die schwärmen von den IGM Leistungen. 35h Woche und andere tolle Tarifleistungen. Bin ehrlich gesagt auch schon am überlegen, ob ich nicht die Branche zu einem IGM oder IGBCE Unternehmen wechseln sollte. Sicherlich geht es besser, aber gerade Verdi nur wegen der Streiks als Beispiel zu nehmen? Das Ergebnis ist doch ausschlaggebend.
Allerdings muss man Verdi zugestehen, dass sie die schwierigeren Unternehmen bedienen. Dienstleistung ist ein ganz anderes Gewerbe, als Industrie oder gar Chemie (IGBCE). Noch ärmer sind wohl nur die NGG Leute dran.
Ich kann meine Gewerkschaft zum Glück nur loben - vor allem die Vorort Leute sind super und immer zur Hilfe bereit.
 
Zuletzt bearbeitet:
Mir gings auch mehr darum, dass lokal bei uns neben VER.DI KEINE andere Gewerkschaft Präsenz zeigt, wenn nicht grade 1. Mai ist.
Wenn eine Gewerkschaft Leistung zeigt, dann ist da ja vollkommen OK ... aber warum bekomme ich davon dann so garnichts mit?
Ein bisschen PR würde da wohl nicht schaden ... aber weder Lokalzeitungen, noch lokale Nachrichtenredaktionen FINDEN etwas Erwähnenswertes von den anderen (etablierte Gewerkschaften) ... VER.DI macht hingegen regelmäßig Schlagzeilen.

Meiner Meinung nach, war es ein unglaublicher Fehler, sich die Blockade von Werkstoren verbieten zu lassen ... damit es verständlich wird, meine Gedanken dazu:
Das Unternehmen produziert etwas, und lebt von den Erlösen aus dem Verkauf dieser Produktion.
Solange diese Produktion und der Vertrieb laufen, wrft das Unternehmen Gewinn ab.
Wenn nun die Belegschaft streikt, stockt die Produktion und der Vertrieb läuft trocken, in Folge dessen gerät das Unternehmen in Probleme. Diese Probleme sind dem Vorstand viel brennender bewusst, als gesundheitsgefährdende Arbeitsbedingungen oder eine zu schlechte Entlohnung.
Die Erlöse aus dem Unternehmen sind der einzige Hebelpunkt, an dem ein Arbeitskampf ansetzen kann, denn solange diese Erlöse weiterhin in ausreichender Höhe erzielt werden, kann es den Verantwortlichen egal sein, wer da in der Produktion arbeitet ... hauptsache es WIRD gearbeitet.
Die Unternehmerlösung ist daher denkbar einfach - Streikbrecher ... also Menschen, die in einem bestreikten Betrieb arbeiten. Vor dem Urteil war es möglich, diese Streikbrecher von der Produktion fernzuhalten (durch Blockade) ... nach dem Urteil ging das nicht mehr (das unternehmen hätte rechtliche Schritte einleiten können.
Der Effekt: Gewerkschaftlich organisierte Arbeiter bestreiken nicht mehr die Produktion ihres Unternehmens, sondern lediglich ihren eigenen Arbeitsplatz ... an dem sie selbst für die Dauer des Streiks NICHT arbeiten.

Das eigentliche Ziel des Streiks ... die Unterbindung der Arbeit unter den bestehenden Bedingungen ... ist auf diese Weise nicht zu erreichen.
Dem Vorstand sind die Bedingungen, unter denen gearbeitet wird, genau so lange egal, wie ihre Folgekosten fürs Unternehmen nicht den Gewinn übersteigen.
Dies kann mMn nur durch eine effektive Unterbindung des Tagesgeschäfts geschehen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Fakt ist doch, dass die Lohn- und Gehaltsstruktur inkl. Rentenzahlungen in gewerkschaftlich stark organisierten Branchen für den durchschnittlichen Arbeitnehmer mehr Vorteile bringt, als in gewerkschaftlich nicht organisierten Bereichen. Würden viel mehr Betriebe Tariflohn zahlen, gänge es vielen Arbeitnehmern deutlich besser.
Das allein ist schon Beweis genug, dass Gewerkschaftsarbeit etwas bringt, auch wenn man mit den Details nicht haussieren geht.
Geht es dem Betrieb gut, ist auch für die Gewerkschaft forderungsmäßig etwas zu holen (Frühverrentung usw.).

Da manche Foristen zur Arbeit ein gespaltenes Verhältnis haben, wundert es mich nicht, dass diese das Streikrecht so in den Himmel loben, weil da muss man ja nicht Arbeiten! Am liebsten Trittbrettfahrer bei Gewerkschaftserfolgen sein wollen, aber keine Mitgliedsbeiträge zahlen wollen, weil das ja etwas kostet (Konsumverzicht).
 
ThomasK_7 schrieb:
Am liebsten Trittbrettfahrer bei Gewerkschaftserfolgen sein wollen, aber keine Mitgliedsbeiträge zahlen wollen, weil das ja etwas kostet (Konsumverzicht).

Ein Punkt der mir auch immer sauer aufstößt, da ich da so einige Kollegen habe, die eben drüber lachen, wenn wir anderen zu Warnstreiks rausgehen. Weil das eben dann vom Gleitzeitkonto abgezogen wird. Aber wir driften hier gerade irgendwie zu sehr von der Rentendiskussion ab ;).
 
alsgo hier in meiner gegend bringt die IGM dir nur wirklich was wenn du direkt bei VW angestellt bist (dann gehts dir aber auch ausserordentlich gut, hab ich gehört), alle anderen dienstleister und kleinbetriebe zählen nicht wirklich für die, bringen ja auch nix ein.
 
Das Problem bei sehr kleinen Unternehmen ist, dass dort oft nicht einmal der Betriebsrat, wenn es einen gibt, unterstützt wird oder sogar torpediert wird z.B. mit darauf spezialisierten Anwälten.
Ich kann nur von meiner Heimat (Sachsen Anhalt) sprechen. Dort ist dann auch der Grad der gewerkschaftlichen Vertretung innerhalb eines Unternehmens sehr gering und für z.B. 1-2 Mitglieder kann nicht wirklich etwas ausgehandelt werden. Wie DerOlf oben erwähnt hat. Wie soll so ein funktionierender Streik erfolgen?
Andererseits kann ich von einem Beispiel berichten, da waren die Angestellten neidisch auf die guten Abschlüsse bei tariflich gebundenen Konkurrenzunternehmen und haben sich zu einer sehr hohen Anzahl der Gewerkschaft angeschlossen. Wurde vorher unter den Angestellten abgesprochen und schon gab es eine Verhandlungsbasis - jetzt haben sie einen Tarifvertrag. Auch IGM. Hängt halt viel von der Region und den Vertretern ab.
Ergänzung ()

Tharamur schrieb:
Ein Punkt der mir auch immer sauer aufstößt, da ich da so einige Kollegen habe, die eben drüber lachen, wenn wir anderen zu Warnstreiks rausgehen. Weil das eben dann vom Gleitzeitkonto abgezogen wird. Aber wir driften hier gerade irgendwie zu sehr von der Rentendiskussion ab ;).

Stimmt. Diese Kollegen haben wir auch, aber naja ich bin nicht für die Mitglied, sondern für mich und meine Kollegen. Ärgern tut es mich trotzdem. Allerdings haben wir im letzten Tarifvertrag durchsetzt, dass Warnstreiks und andere gewerkschaftliche Tätigkeit nicht vom Gleitzeitkonto abgezogen wird.

Ich finde schon, dass es auch mit der Rentendiskussion zutun hat. Starke Gewerkschaften könnten für einen guten Lohn sorgen, der dann wieder zumindest die gesetzliche Rente stärken würde. Auch vergünstigte BAV Verträge oder VL könnten ausgehandelt werden.
 
Wenn nur "einige Foristen" eine falsche Einstellung zu Arbeit haben, warum haben wir dann nicht noch 12-14H-Tage? Weil das vielen dann eben doch ZU VIEL ist (vor allem wenn man davon dann gerade so leben kann).

Rein rechnerisch komme ich mit etwas Verhandlungsgeschick mit 15H/Woche aus (20-30 Schüler), natürlich kommt da noch Vor- und Nachbereitungszeit dazu ... aber das sind vielleicht 5-10 H/Woche.
Bei einem Monatsentgelt von €75,00 pro Schüler (für Klavierunterricht in dieser Region noch niedrig) komme ich mit ~25 Schülern auf €1250,00 (ca. 33% gehen für die Raummiete ab - für Mietswohnung ist so'n Klafünf etwas zu laut).
Nach Krankenkasse, Steuer, evtl. Rentenbeitrag, Miete+Nebenkosten sowie Telefon bleiben dann um die €300,00 - €400,00 - da kann ich von Leben.
Warum soll ich krampfhaft versuchen, auf eine 40H-Woche zu kommen, wenn für mein Leben auch 20 ausreichen? Wenn es denn 30 werden (wegen mehr Schülern), dann ist das nicht schlimm ... aber es ist für mein momentanes Leben einfach nicht erforderlich (was natürlich NICHT bedeutet, dass ich den 30. Schüler einfach ablehnen würde, wenn ich ihn zeitlich bedienen kann).
Am Ende erfüllt diese Arbeit einen Zweck ... sie soll mir meine Freizeit finanzieren ... und da es dabei um eben Letztere geht, gilt für mich hier ganz klar, dass ich meine Freizeit natürlich mit so wenig Arbeit wie möglich finanzieren möchte.
Mein monetärer Bedarf sähe sicher anders aus, wenn ich Familie hätte. Meine Wohnkosten sind natürlich dadurch etwas niedriger, dass ich in Wohngemeinschaften wohne, und für Familie ist das mMn nix.

Was bitte ist an dieser Einstellung zur Arbeit "falsch"? Es ist die konsequente Anwendung eines kapitalistischen Grundprinzips - maximaler output bei minimalem input.
Warum soll ich mit meiner Ware (Arbeitskraft) nicht genau so handeln, wie ein Unternehmer mit seinen Waren?
Natürlich "verkaufe" ich diese Ware am liebsten an den, der mir dafür möglichst viel Geld zahlt, denn Geld = Zeit ... Freizeit, die ich nicht für den Gelderwerb opfern muss.

PS:
Ich wollte Gewerkschaften nicht schlechtreden, sondern nur einige Aspekte anführen, die mMn dazu beitragen, dass sich Einzelne nicht gewerkschaftilich organisieren.
Dass wir überhaupt ein Rentensystem besitzen, Sozialleistungen beziehen können und nicht den oben erwähnten 12-14 Stunden-Tag unter unmenschlichen Bedingungen arbeiten müssen ... das alles verdanken wir unter anderem einigen Gewerkschaftern, die notfalls auch mit ihrem Leben für die Kollegen gestritten haben.
Eine Arbeitswelt, in der es nie Gewerkschaften gab, möchte ich mir lieber nicht vorstellen ...
 
Zuletzt bearbeitet:
Was machst du aber, wenn du mal nicht mehr in einer WG wohnst? Oder gehst du davon aus, daß du in einer solchen alt und grau wirst? Zudem, wie willst du dann mal für später was zurück legen? Du gehst ja bei deiner Rechnung, wie du selbst sagst, vom momentanen Zustand aus. Da kann sich aber auch ruckzuck was dran ändern und du stehst vor dem Nichts. Und wenn es nur so kommt, daß der Rest aus deiner WG auszieht und keiner mehr nachrückt. Ausser du lebst in so einer Hippie-Komune ;).

Für mich wäre das einfach nichts, weil ich eben auch im Alter mal halbwegs abgesichert sein will. Zudem kommen da eben dann solche Gedanken bei auf, wie sie ThomasK (war er glaub, falls nicht, sorry. Dann hatte ich das falsch im Gedächtnis) ausformuliert hat. Wärend andere eben ihrem 40 oder 50 Std Job nachgehen, kommst du halt deutlich gemütlicher über die Runden mit deinen 20-25 Std. Aber wenn du dann im Alter eben genau deswegen auf Hilfe vom Staat angewiesen bist, kommt die Kohle von denjenigen, die die 40 oder mehr Stunden abgeleistet haben und eben nicht so viel freie Zeit hatten wie du.

Wenn einer nicht mehr machen kann (aus welchen Gründen auch immer), aber so zumindest seinen Beitrag leistet, ist das für mich in Ordnung. Wenn aber einer könnte und nur nicht will (weil ihm seine Freizeit wichtiger ist) und am Ende der Gemeinschaft deswegen auf der Tasche liegt, find ich das nicht in Ordnung.
 
DerOlf schrieb:
Was bitte ist an dieser Einstellung zur Arbeit "falsch"? Es ist die konsequente Anwendung eines kapitalistischen Grundprinzips - maximaler output bei minimalem input.
Warum soll ich mit meiner Ware (Arbeitskraft) nicht genau so handeln, wie ein Unternehmer mit seinen Waren?
Natürlich "verkaufe" ich diese Ware am liebsten an den, der mir dafür möglichst viel Geld zahlt, denn Geld = Zeit ... Freizeit, die ich nicht für den Gelderwerb opfern muss.

Falsch finde ich die Einstellung gar nicht, aber die Begründung (nach Prinzipien des Kapitalismus) wirkt auf mich leicht schräg.
Der moderne Kapitalismus basiert bei der Lohnarbeit auf Prinzipien, die schon Luther geschildert hat. Du arbeitest nicht um zu überleben, das war vor der Reformation durchaus noch üblich, du arbeitest, damit du in den Himmel kommst. Die Religion spielt heute keine Rolle große mehr, sie wurde durch die Ersatzreligion Kapitalismus (Konsum/Arbeit) ersetzt. Ein schöner Artikel dazu: http://www.zeit.de/karriere/2016-11/martin-luther-reformation-arbeit-kapitalismus
 
Natürlich würde ich auch 40 oder 50 Schüler unterrichten, und käme damit dann auch auf knapp 40H/Woche ... mit knapp €2500 Brutto.
Mir ging es aber nicht darum, was MÖGLICH wäre, sondern um das, was nötig ist, um mein jetziges Leben zu finanzieren ... und für die nächsten 5 Jahre gehe ich auch nicht unbedingt von einer gravierenden Veränderung aus (wegen Wohnung, Pflegebedarf o.Ä.).
Natürlich wäre es toll, die Wohnung, in der meine WG gerade lebt, alleine mieten zu können ... aber bis ich knapp €1000,- für eine Wohnung ausgeben KANN, muss noch einigermaßen viel Wasser die Wupper runter.
Ausserdem gefällt mir am WG-Leben nicht nur der Kostenaspekt ... ich habe auch zuhause gerne Menschen um mich.

Auch bei 50 Schülern würde sich mein Bedarf ja nicht automatisch erhöhen ... ich hätte dann eben Einnahmen, die ich nicht zum Leben brauche.
Selbsverständlich würde das dann zurück- oder angelegt ... ebenso selbstverständlich würden sich meine Ansprüche verändern, das Alter bringt meist auch Ausgaben mit sich, mit denen man nicht unbedingt rechnet. Dass ich teure Behandlungen und Medikamente brauchen könnte ist klar ... aber den genauen Umfang dieser Ausgaben kann ich momentan nicht so gut abschätzen.

50 Schüler sind im Privatbereich nachfragebedingt ziemlich utopisch (variiert natürlich je nach Region). 20 - 30 sind eine realistische Einschätzung für die Region, in der ich lebe, sind ausreichend für meinen Lebensstandard ... und ja ... ich reiße mir dabei auch kein Bein aus.
Wenn es der Markt hergibt, dann nehme ich auch mehr Schüler ... schließlich macht mir die Lehrtätigkeit meistens sogar Spass.

Im Prinzip geht es für mich momentan darum, finanziell auf eigenen Beinen zu stehen (auch um unser Sozialsystem nicht zu belasten ... jeder Euro, den ich verdiene, muss nicht vom Steuerzahler kommen) ... wenn ich DAS geschafft habe, dann kann ich über Mittel und Wege nachdenken, in diese Systeme einzuzahlen ...
Aber BIS dahin ist das einfach müßig - ich habe mir abgewöhnt, in Gedanken Geld auszugeben, welches ich nicht habe.

@Schrammler:
Dass ich meine Einstellung kapitalistisch begründe, hat seinen Grund darin, dass alles mögliche in unserer Gesellschaft auf Effizienz (besonders im Bezug auf die Kosten) gebürstet wird ... man will viel herausbekommen, dafür aber am liebsten KEINERLEI Leistung bringen ... das oben genannte kapitalistische Prinzip: im Extremfall 100% output (minimal) bei 0% input (maximal).
Überall wird uns das als "normal" vorgebetet (nicht der Extremfall, aber das Streben danach) ... nur den eigenen Arbeitsalltag soll man plötzlich NICHT daran ausrichten?
Warum sind uns unsere Lohnnebenkosten schon fast peinlich ... weil wir es für "normal" halten, auf diese Weise Opfer von Profitoptimierenden Maßnahmen zu werden ... woanders ist es eben noch ein bisschen billiger und niemand nimmt es eiem Unternehmen wirklich krumm, wenn es die Produktion an einen günstigeren Standort verlagert ... (als ob die Produkte dadurch billiger oder besser werden könnten).
Für Unternehmen ist das normal ... für Privatpersonen scheinbar nicht.

Ich finde da passt was nicht ... ich bin mir gerade unsicher, ob Kapitalismus ohne diese Diskrepanz (zw. AG und AN) überhaupt funktionieren würde.

Ich musste an dieser Einstellung übrigens sehr lange arbeiten. Eigentlich bin ich eher sozial, teile gerne (auch wenn ich selbst nur wenig habe) und biete meine Dienste auch umsonst an - wie weiter oben bereits erwähnt.
Leider habe ich die Erfahrung gemacht, dass diese Einstellung nicht nur nicht reich macht, sie macht regelrecht arm, denn wer sich drauf verlässt, dass was zurückkommt, naja ... der ist verlassen ... der ist eben Opfer und dazu verdammt, sein leben lang abgezockt zu werden.
Deswegen bin ich nun ganz angestrengt Kapitalist ... ohne Kapital (von sozialem oder kulturellem Kapital mal abgesehen, damit kann ich euch totschmeißen).
 
Zuletzt bearbeitet:
Hallo

DerOlf schrieb:
Bei einem Monatsentgelt von €75,00 pro Schüler (für Klavierunterricht in dieser Region noch niedrig) komme ich mit ~25 Schülern auf €1250,00 (ca. 33% gehen für die Raummiete ab - für Mietswohnung ist so'n Klafünf etwas zu laut).
Nach Krankenkasse, Steuer, evtl. Rentenbeitrag, Miete+Nebenkosten sowie Telefon bleiben dann um die €300,00 - €400,00 - da kann ich von Leben.
...
Was bitte ist an dieser Einstellung zur Arbeit "falsch"? Es ist die konsequente Anwendung eines kapitalistischen Grundprinzips - maximaler output bei minimalem input.
Warum soll ich mit meiner Ware (Arbeitskraft) nicht genau so handeln, wie ein Unternehmer mit seinen Waren?
Du scheinst nicht zu wissen was Kapitalismus und Unternehmertum in der Praxis/Realität bedeutet.
Jeder kapitalistische Unternehmer würde bei deinen Einnahmen die Arbeit sofort einstellen und mit etwas beginnen was sich lohnt und wovon man ohne staatliche Hilfe leben kann.
Deine Einstellung ist falsch weil deine Arbeit nicht viel bringt außer das du dir und deiner Umwelt mit deiner Ausrede einreden kannst das du etwas machst was du Arbeit nennst.

DerOlf schrieb:
Mir ging es aber nicht darum, was MÖGLICH wäre, sondern um das, was nötig ist, um mein jetziges Leben zu finanzieren
Kapitalismus bedeutet aber das maximal mögliche zu erreichen und nicht sich mit dem minimal nötigen zu begnügen.

DerOlf schrieb:
Im Prinzip geht es für mich momentan darum, finanziell auf eigenen Beinen zu stehen (auch um unser Sozialsystem nicht zu belasten ... jeder Euro, den ich verdiene, muss nicht vom Steuerzahler kommen) ... wenn ich DAS geschafft habe, dann kann ich über Mittel und Wege nachdenken, in diese Systeme einzuzahlen ...
Solange du Hartz4 Empfänger/Aufstocker bist stehst du nicht auf eigenen Beinen, du stehst maximal auf einem Bein, das andere Bein hält/stützt dir der Staat (bzw. die Gemeinschaft).
Auf eigenen Beinen zu stehen bedeutet sein Leben selber zu verdienen, dazu gehört auch seine eigene Rente zu verdienen und nicht im Alter der Gemeinschaft auf der Tasche zu liegen und Grundsicherung kassieren.
Du hälst es doch wohl nicht wirklich für eine lobenswerte Leistung einen Teil des Hartz4 Satzes selber verdienen zu können ?

DerOlf schrieb:
Dass ich meine Einstellung kapitalistisch begründe, hat seinen Grund darin, dass alles mögliche in unserer Gesellschaft auf Effizienz (besonders im Bezug auf die Kosten) gebürstet wird ... man will viel herausbekommen, dafür aber am liebsten KEINERLEI Leistung bringen ... das oben genannte kapitalistische Prinzip: im Extremfall 100% output (minimal) bei 0% input (maximal).
Nach deiner Definition wäre jeder Hartz4 Empfänger der nicht arbeiten will ein Maximal Kapitalist, weil er Geld fürs Nichtstun bekommt.

DerOlf schrieb:
Ich musste an dieser Einstellung übrigens sehr lange arbeiten. Eigentlich bin ich eher sozial, teile gerne (auch wenn ich selbst nur wenig habe) und biete meine Dienste auch umsonst an - wie weiter oben bereits erwähnt.
Nur weil du privat gerne teilst bist du noch lange nicht sozial, um sozial zu sein mußt du auch der Gesellschaft/Gemeinschaft (die dich durchfüttert) etwas zurück geben.
Gesellschaftlich gesehen bist du eher asozial als sozial, wenn wir folgende Definition von asozial nehmen (Ich weiß nicht mehr wo ich diese gelesen habe):
Asozial: Eine Person die in einer Gesellschaft/Gemeinschaft lebt und von dieser profitiert, aber selber der Gesellschaft/Gemeinschaft nichts zurück gibt.

DerOlf schrieb:
Deswegen bin ich nun ganz angestrengt Kapitalist ... ohne Kapital
Belügst du dich gerade selber oder versuchst du uns zu belügen ?

DerOlf schrieb:
(von sozialem oder kulturellem Kapital mal abgesehen, damit kann ich euch totschmeißen).
Das sind ganz tolle Dinge, aber diese Dinge zahlen keine Miete, füllen nicht den Kühlschrank und halten auch nicht unser Sozial-/Rentensystem am laufen.

Wenn alle so wie du denken würden dann wäre Deutschland pleite und wir hätten gar kein Sozial-/Rentensystem, zum Glück gibt es uns Roboter die den ganzen Mist hier mit Ihrem Roboteralltag finanzieren.

Grüße Tomi
 
Zuletzt bearbeitet:
Kapitalismus bedeutet aber das maximal mögliche zu erreichen und nicht sich mit dem minimal nötigen zu begnügen..
Eine in meinen Augen aus verschiedenen Gründen unzulässige Aussage über das charakteristische Wesen des Kapitalismus.
Leider kann ich aus Zeitgründen nicht näher darauf eingehen.
 

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