Leserartikel Review: Denon AH-GC30; Kann wo Beyerdynamic scheitert, Denon punkten?

DonDonat

Commander
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Nachdem ich vor knapp einem Monat den Lagoon ANC hier einem kritischen Blick unterzogen habe, nun mein Review zum aktuell quasi einzigen Alternativ-Produkt: dem Denon AH-GC30.

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Und eins vorweg, normal würde ich hier einen Ersteindruck schildern. Da ich diesmal aber aus zeitlichen Gründen nicht dazu gekommen bin, diesen beim auspacken/ ersten Hören zu notieren, bleibt der diesmal aus. Stattdessen steige ich direkt in das Kern-Review ein um die Frage des Titels so schnell und kompetent wie für mich möglich zu beantworten.:

Kann wo Beyerdynamic [mit dem Lagoon ANC] scheitert, Denon punkten?


Zunächst, auf Anregung von @abulafia hin, aber eine kurze Einleitung: bei dem Denon AH-GC30 handelt es sich um einen Bluetooth Kopfhörer mit ANC. Laut Denon selbst, soll der Hörer eine: "natürliche Klangbalance frei von übertriebenen Verfärbungen" bieten, die "perfekt für Musik und Filme" sein soll. Ob dem tatsächlich so ist und ob der Hörer am Ende nun besser oder schlechter als der Lagoon ANC ist, soll dieses Review klären.

Und der Vollständigkeit halber noch eine kurze Liste an mehr oder weniger passenden Alternativen:
B&O H9i, B&W PX, Sony WH-1000XM3, Bose QC35, Beyerdynamic Lagoon ANC, Jabra Elite 85h.


Dabei gliedert sich mein Review in folgende Kapitel:
  1. Technische Spezifikationen
  2. Build Quality
  3. Bedienung
  4. Ergonomie
  5. Sound
  6. ANC
  7. Der Hörer im Alltag
  8. Fazit
Anmerkend dazu sei gesagt, dass ich den Hörer vor allem mit dem Lagoon ANC vergleichen werde, da sich Denon mit dem GC30 ähnlich wie Beyerdynamic im Segment der "Audiophilen" Bluetooth-Hörer positioniert und dementsprechend eine andere Strategie verfolgt als z.B. Bose oder Sony. Nichtsdestotrotz, werde ich natürlich auch Vergleiche zum QC35 und dem XM3 ziehen.


Technische Spezifikationen
  • Bauart: Over-Ear
  • Gewicht : 287 Gramm
  • Bluetooth: Ja
  • Akkulaufzeit: bis zu 20 Stunden (Bluetooth/ANC aktiv)
  • Ladezeit: 2 Stunden (volle Ladung), 15 Minuten (6 Stunden Spielzeit)
  • Bluetooth-Codecs: AAC, aptX, aptX HD
  • Bluetooth-Version: 4.0
  • Bluetooth-Profile: CVC, HSP, HFP
  • Impedanz: 16 Ω/Ohm
  • Empfindlichkeit: 98 dB/mW
  • Frequenzgang: 5 – 50,000 Hz
  • Weitere Funktionen: Auto-Standby, USB-Audio-In,
  • Touch: nein (stattdessen physische Tasten)
Zubehör (mit im Lieferumfang dabei):
  • Transportbox
  • abtrennbares Kabel 2 x 1,3m Klinke auf Miniklinke (ein mal mit und ein mal ohne Fernbedienung)
  • 1,2m USB auf Micro-B Kabel

Build Quality:

Einer der für mich wichtigsten Punkte, bei einem "High End" Hörer ist die Build Quality. Und in diesem Punkt waren leider weder Sony, noch Bose oder auch Beyerdynamic (mit dem Lagoon) für mich ausreichend. Die fast ausschließliche Verwendung von Plastik passt einfach nicht zum Preisschild von knapp 300€ oder mehr.

Speziell, wenn man sich die Kabel-gebundenen Hörer in der Preis-Kategorie anschaut, kommt mir persönlich, etwas dreister als nötig formuliert, fast schon das Kotzen, wenn ich dann wieder einen Bluetooth ANC Hörer in die Hand nehme. Natürlich sind nicht alle Hörer so "schlecht": der B&W PX z.B. ist in Sachen Build Quality sehr gut (aber für mich aufgrund der Ergonomie einfach nicht nutzbar). Ebenfalls als positives Beispiel kann hier der Beyerdynamic Aventho sowie Amiron Wireless genannt werden. Die beiden Hörer sind sehr gut verarbeitet, wirken robust und gerade der Aventho punktet außerdem mit tauschbaren Ohrpolstern. Ebenfalls positiv in diesem Aspekt bewertet werden kann der Audio Technica DSR9BT, welcher aber leider aufgrund des Preises und der gebotenen Features von mir auch zurück geschickt werden musste.

Der GC30 siedelt sich nun so ganz allgemein nun in dem Bereich des DSR9BT an. Er besteht teilweise aus Metall (Aluminium hier, beim DSR9BT war es wenn ich mich richtig erinnere Magnesium) und zu teilen aus Plastik. Dabei weiß vor allem zu gefallen, dass die Halterung der Muschen, dank der Metal-Konstruktion, wirklich robust aussieht und sich auch genau so robust anfühlt.

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Ebenfalls sehr positiv bewerten kann ich das Scharnier: wo es beim Lagoon eher klein und komplett aus Plastik gefertigt war, ist es hier aus Metall und Plastik UND fällt dabei deutlich größer aus. Hier besteht meiner Meinung nach wirklich kaum/ kein Anlass für Kritik.

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Wo aber Anlass zur Kritik besteht, ist in den Verwendeten Materialien zum Bezug der Polster. Das Kunstleder wirkt zwar hochwertig, ähnlich wie beim Lagoon, aber es ist und bleibt eben KUNST-leder. Schlimmer noch, die Polster lassen sich nicht tauschen, was ein absolut gerechtfertigter Kritikpunkt in Punkto Langlebigkeit ist.

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Ein weitere Punkt, den ich in meinem Review zum Lagoon schon als Kritik am GC30 gelesen habe, ist dass seine Muscheln "gummiert" sind. Und auch wenn ich persönlich dies nicht als Kritikpunkt sehe, da die Außenseite der Muscheln ja selten in Kontakt kommt, so muss natürlich trotzdem darauf hingewiesen werden, dass sich eine solche Beschichtung durch Umwelteinflüsse und physischen Kontakt schneller abnutzt als es bei reinem, lackiertem/ poliertem Plastik der Fall wäre.

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Außerdem nicht unerwähnt bleiben sollen die Spaltmaße: diese sind konstant zwischen Mittelmaß und gut. Hörer wie der DSR9BT oder der Amiron Wireless sind hier noch mal eine Nummer besser aber im Großen und Ganzen passt das in diesem Bereich schon.

Als dritt letztes möchte ich noch über die Anschlüsse sprechen. Micro-USB im Jahr 2019 ist definitiv ein Kritikpunkt, der mich fast schon vom Kauf abgeschreckt hat. Auffallend ist in der Praxis dabei, dass der Port im Hörer etwa 1mm tief eingelassen ist und somit sicher nicht für alle Micro-USB-Kabel nutzbar ist. Im Gegensatz zum DSR9BT, ist es aber ein ganz normales Micro-USB-Kabel, dass sich abseits des vorher genannten Aspekts durch quasi jedes andere Kabel tauschen lässt. Schade ist außerdem, dass des nur ein Mini-Klinken-Port ist. Ein vollwertiger Klinken-Anschluss wäre mir hier einfach lieber gewesen, da er nicht so fragil ist.


Und bevor ich es noch vergesse, ein paar Worte zu den Kabeln. Das USB-Kabel ist ein "Flachkabel" und wirkt einigermaßen robust. Die Klinke auf Mini-Klinke Kabel würde ich aber als Durchschnitt bezeichnen: sie sind weder sehr dick noch dünn und der 90° geknickte Anschluss am Klinken-Stecker kann sowohl von Vorteil als auch von Nachteil sein.

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Nun als vorletzten Punkt noch kurz zur Transportbox: diese ist sehr robust und lässt sich einfach mit einem Reißverschluss öffnen.
Ebenfalls nett ist, dass sie außen und innen ein Gummi-Bund mit kleiner Tasche hat, in die man Kabel oder Papier stecken kann.
Der Hörer sitzt dabei Sicher in der Box und wackelt nicht hin und her. Nicht so schön ist dabei aber, dass er aufgrund eines extra Filz-Teils im oberen Drittel quasi nur in eine Richtung rein passt... Außerdem sind die Dimensionen mit 22cm x 15,5cm x 6cm nicht die kleinsten.

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Zu guter letzt noch ein paar Worte zu den physischen Schaltern: dadurch, dass der GC30 keine Touch-Fläche hat, gibt es für jede Funktion physische Schalter bzw. ein Mapping der Schalter auf Funktionen die keinen eigenen Schalter bekommen konnten. Dabei sind die Schalter gut verarbeitet. Sprich, die Spaltmaße sind gering, der Druckpunkt deutlich spürbar und auch sonst haben sie sehr wenig Spiel zum "wackeln".

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Bedienung:

Im Gegensatz zu quasi allen anderen ANC Modellen auf dem Markt, setzt Denon NICHT auf eine Touch-Eingabe, sondern auf analoge Knöpfe. Rechts unten an der Ohrmuschel sind Play/Pause, Lauter/ Leister sowie der ANC Schalter. Links hingegen der Schalter zum Anruf-Annehmen/ Auflegen.

Insgesamt würde ich die Bedienung als "gelungen" beschreiben: das Mapping der Buttons ist schnell gemerkt und funktioniert im Alltag Problemlos. Speziell durch die unterschiedlichen Oberflächen und Höhen der Schalter, lassen sich diese ohne Probleme (und vor allem schnell) durch ertasten finden.

Mit persönlich gefallen die Analogen-Knöpfe hier auch besser als die Touch-Fläche beim XM3. Anders sieht es jedoch beim Vergleich zum Lagoon aus: hier würde ich die präzise Steuerung des Lagoon über Touch eher bevorzugen als die physischen Schalter am GC30. Aber da in diesem Fall besonders der persönliche Geschmack wichtig ist, sollte man auch persönlich abwägen ob man mit analogen Schaltern klar kommt oder ob dass bereits ein KO-Kriterium für einen ist.

Gut, weiter im Text. Der ANC Schalter muss einige Sekunden gedrückt werden um das ANC zu (de-)aktivieren. Ein weiterer kurzer Klick auf den ANC Schalter wechselt dann den ANC-Modus.

Die Regelung der Lautstärke via Lauter/ Leister funktioniert im Alltag auch ohne Probleme, erreicht aber bei weitem nicht die Präzision, die der Lagoon mit seiner guten Touch-Steuerung vorlegt.

Anrufe mit dem Hörer tätigen funktioniert zufriedenstellend, auch wenn die Mikrofon-Qualität eher so "ok" ist.

Was einigen Leuten aber fehlen wird, ist die automatische Pausierung beim Absetzen: diese Funktion fehlt beim GC30 nämlich leider.
Mich persönlich stört dass zwar nicht, aber ich möchte es dennoch erwähnen, da man sich an ein solches Bequemlichkeits-Feature doch sehr schnell gewöhnen kann.

Außerdem fehlt so weit ich es gesehen habe der Support für Alexa/ Google/ Siri. Hierbei ähnlich wie beim automatischen pausieren: mich stört es nicht, wer aber seinen Voice-Assistenten häufig nutzt, für den wird das Fehlen ein durchaus großer Kritikpunkt sein.

Zu guter letzte sei noch die automatische Abschaltung nach 10min erwähnt: gibt der Hörer nichts wieder, schalter er sich zuverlässig nach 10min ab. Und ob sich dass deaktivieren lässt, weiß ich ehrlich gesagt nicht.


Ergonomie:

Wenn ich den Nightowl als "Couch" bezeichnet habe, auf die man sich immer gerne setzt und die aufgrund dicker Polster und einer großen Fläche immer bequem ist, muss ich denn GC30 als "Bürostuhl" beschreiben. Er sitzt bequem, hat weiche Polster und passt sich sehr gut der Kopfform an. Im Gegensatz zum Lagoon muss man mit dem GC30 außerdem nicht erst lange rum-experimentieren, bis man einen einigermaßen bequemen Halt gefunden hat: Hörer aufgeklappt, aufgesetzt und aufgeatmet. Er passt mir quasi auf Anhieb mit nur marginalen Längen-Anpassungen.

Der Anpressdruck ist etwa so wie beim Lagoon, verteilt sich hierbei aber besser über die deutlich weicheren Polster, so dass der GC30 am Ende etwa vollständig rund ums Ohr abdichtet und sein Gewicht so optimal verteilen kann.

Apropos Polster, diese sind zwar weich und verteilen den Druck gut, könnten aber einige Millimeter dicker sein. Ich habe einfach mal nachgemessen und 1,7-1,8cm ist das Ergebnis. Hier machen andere Hörer aus einem ähnlich preisigen Segment z.B. in Form des Nightowl mit 2,5cm (!) einen deutlich besseren Eindruck. Das Poster oben auf dem Kopf allerdings würde ich als sehr gut bezeichnen: es ist ebenfalls sehr weich, gibt genug nach und durch die Bauart des Bügels, verteilt es den Druck auf dem Kopf auch gut.

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Ebenfalls kritikwürdig ist die Größe der Ohrmuscheln: sie reichen gerade so aus, damit der Hörer mich nicht drückt und auch bei leichten Verschiebungen noch bequem sitzt. Stimm der Winkel aber nicht (z.B. man setzt den Hörer weit vorne auf dem Kopf auf), dann kommt mein Ohr aber schon an das Polster. Dass ist zugegebenermaßen nicht unangenehm, da die Polsterung sehr weich ist, sorgt aber gerade bei den aktuellen Temperaturen schnell für warme Ohren. Hier empfinde ich DT770, Amiron Wireless oder auch Nightowl einfach als deutlich besser, da die Muscheln viel größer sind.

Für einige vielleicht interessant, ist außerdem, dass sich die Muscheln um 90° klappen lassen. Dies ermöglich dann den Hörer dann auch um den Hals zu tragen, wenn man gerade mal angesprochen wird. Hierbei ist das Metall aber auch ein kleiner Nachteil: im Winter wird es so sicher schnell unangenehm ;)

Insgesamt würde ich die Ergonomie des GC30 aber als gut bezeichnen: er drückt nicht, verteilt den Druck gut und lässt sich aufgrund der weichen Polster auch lange tragen. Nur im Sommer möchte man ihn wegen des Kunstleders und der nicht sehr großen Ohrmuscheln nicht als zu lange aufhaben.


Sound:

Kommen wir nun zum wichtigsten Punkt eines jeden Kopfhörers, "Ja wie klingt das Schei*teil denn nun?".
Kurz, sehr gut. Lang, sehr gut ABER...

Was Denon mit dem GC30 gelungen ist, ist ihm eine neutrale, natürliche, ja fast schon nüchternd analytische Abstimmung zu geben.
Dass ist aber auch das große ABER, denn speziell im Bereich der geschlossenen Kopfhörer fehlt es dem GC30 einfach Bass.

So zaubert mir Metal/ Hard Rock einfach nicht das Lächeln auf die Lippen, was ich mit einem Nightowl habe.
Dass heißt aber nicht, dass der GC30 in anderen Bereichen schlechter ist: sein Detailgrad ist exzellent für einen Bluetooth Hörer und auch die Präzision, mit der er arbeitet ist überdurchschnittlich. Lediglich im Punkto Dynamik vermisse ich etwas, kann aber nicht genau beschreiben, was es ist.

In Punkto Bühne erzeugt der GC30 ein Erlebnis, dass ich so bei ANC Hörern auch noch nicht hatte: die Details sind räumlich sehr gut verteilt und lassen sich oft einer bestimmten Richtung zuordnen. Dabei wirkt der Hörer auch erstaunlich "offen" und man hört die Grenzen der Bühne bei weitem nicht so stark wie es beim Lagoon, XM3 oder auch beim QC35 der Fall ist. Meiner Meinung nach, wird in diesem Punkt selbst der Amiron Wireless übertroffen (wenn man ihn manuell ans Ohr anpresst, damit der Sound nicht entfleucht ;) ), der bisher das Beste war was ich als Bluetooth Hörer in Sachen Bühne auf hatte.

Hört man Synth-Wave, so fällt einem auf, dass der Hörer Details gut separiert und diese auch angenehm räumlich aufteilt. Was mir dabei aber aufgefallen ist, ist dass das S stark betont wird. Also bin ich noch mal zu meinem Freund (New) Metal gegangen und habe mich durch Linkin Park, Papa Roach, Nothing More, Metallica, Iron Maiden etc. noch mal gehört. Und siehe da: ja, das S hebt sich überdeutlich vom Rest ab. Ich hätte fast schon von einem Beyer-Peak gesprochen, habe mir aber von sagen lassen, dass der 990 deutlich und der 880 etwas schlimmer sind als der GC30. Dennoch möchte ich hier festhalten, dass mir das harte S negativ aufgefallen ist. Oder anders gesagt, wer "allergisch" auf den Beyer-Peak reagiert, der sollte sich zwei mal überlegen, ob der GC30 was für ihn wäre.

Insgesamt und ich kann es selbst kaum glauben, dass ich es schreibe, erinnert mich die Abstimmung und die allgemeine Signatur stark an einen AKG 612Pro. Dass fängt bei der Klangfarbe und Bühne an, geht über den Detailgrad und die Dynamik bis hin zum eben reduziertem Bass. Selbst im direkten Vergleich, sprich beide Hörer spielen das selbe und man tauscht sie hin und her, fallen mir nur wenige Unterschiede zwischen den beiden auf. Der K612 klingt insgesamt etwas "luftiger" (was halt seiner offenen Bauweise geschuldet ist) und er hat nicht so ein hartes S. Abseits davon sind sie aber wirklich sehr, sehr ähnlich und wenn man mir nicht sagen würde, ich hätte einen Denon Wireless mit ANC auf, wäre ich definitiv von einer modifizierten K612er Variante ausgegangen.

Mir gefällt die Abstimmung der Hörers, weswegen ich ihn auch als den aktuell am besten klingenden Bluetooth Hörer mit ANC bezeichne. Allerdings ist mir bewusst, dass genau dass auch der Punkt ist, wieso der Hörer vielen eben nicht gefallen wird.
Hier bleibt also jedem nur selbst überlassen, seine eigenen Vorlieben zu kennen, sonst kann der Kauf eventuell nach hinten losgehen.


ANC:

Ein großer Kritikpunkt beim Lagoon ANC war das namensgebende ANC. Wo Sony aktuell Spitze in diesem Bereich ist und Bose noch eine sehr gute Leistung liefert, hatte es Beyerdynamic leider nicht geschafft das ANC sinnvoll zu implementieren: ja, es hat die Geräuschkulisse etwas verringert, aber bei weitem nicht so gut wie es der XM3 geschafft hat.

Denon geht mit dem GC30 nun ähnliche Wege wie der Lagoon: das ANC reduziert die Umgebungsgeräusche zwar, ist aber nicht so gut wie beim XM3. Fairerweise muss man aber sagen, dass es merklich besser ist als beim Lagoon: wo ich beim Lagoon im Zug das Rattern noch einigermaßen wahrgenommen habe, filtert der GC30 dies ganz gut weg. Steht man an einer stark befahrenden Straße in der Innenstadt, so hört man die Autos auch noch einigermaßen, aber bei weitem nicht so störend wie ohne ANC oder so stark wie beim Lagoon.

Was mich am GC30 beim ANC aber stört ist, dass die drei vorhandenen Profile kaum einen Unterschied machen: egal ob City, Office oder Airplane Mode, man merkt fast keinen Unterschied. Lediglich im Büro bei rauschendem Rechner und unterhaltenden Kollegen konnte ich einen marginalen Unterschied zwischen Office- und Airplane Mode feststellen. Dieser ist aber so geringfügig, dass es mir schwer fällt diesen überhaupt in Worten zu benennen.

Außerdem störend ist am GC30, dass er beim anschalten manchmal mit und manchmal ohne ANC aktiviert wird: man schaltet ihn ohne ANC ab, setzt ihn eine Stunde später wieder auf und plötzlich ist das ANC an oder umgekehrt. Ich habe keine Ahnung, wieso dass manchmal passiert, es ist mir aber nun gleich mehrmals aufgefallen, dass der Hörer sich nicht korrekt merken kann, ob ANC nun an war oder nicht.

Positiv anmerken kann ich jedoch die Sound-Qualität mit ANC. Diese verliert nur ein klein wenig an Präzision und Details (speziell an räumlichen Details), behält aber ansonsten die selbe Charakteristik bei.

Für mein Gefühl, ist das ANC hier eine sehr gute Mischung aus Geräusch-Unterdrückung und einem Beibehalten des eher audiophilen Klangs (und im Gegensatz zu Beyerdynamic, gibt es hier auch keine Firmware-Probleme ;) ).


Der Hörer im Alltag:

Um es kurz zu machen, der GC30 macht sich im Alltag sehr gut. Egal ob im Büro beim Programmieren, im Zug auf dem Weg oder beim Laufen durch die Stadt. Dank seiner guten Isolierung, dem einigermaßen guten ANC sowie dem bequemen Sitz kann man den Hörer lange angenehm tragen und dabei seine Lieblings-Musik genießen.

Auch ist die Laufzeit bei praktischer Nutzung geht in Ordnung: die angegebenen 20h kann ich so in etwa bestätigen. Da ich meist nicht sehr laut Musik höre, waren es bei mir sogar etwas mehr als 21h mit ANC. Ohne kann ich nicht sagen, wie lang er hält, ich würde aber so auf 30h tippen.

Ansonsten bleibt mir noch zu sagen, dass der Hörer trotz meiner Kritik unter Ergonomie bequem genug für einen Arbeitstag ist.
Auch für mich als Brillenträger gab es keinerlei Probleme, wobei ich bezüglich der Brille auch nicht als zu empfindlich bin.

Was das Hören von Musik angeht, so funktioniert der GC30 quasi für alle Genre, macht aber aufgrund des eher schwachen Bass-Fundaments nicht so viel Spaß wie z.b. ein Amiron Wireless oder auch ein Lagoon.

Für Podcasts ist der Hörer aber sehr gut geeignet: Stimmen klingen klar und gut verständlich.

Lediglich bei Filmen/ Serien würde ich ein ? setzen: dadurch, dass der Hörer KEIN AptxLL hat, ist er eher bedingt für solche Szenarien geeignet. Für mich reicht es für YouTube und ab und an mal eine Folge auf Netflix aber wer auf einen leichten Versatz von Ton zu Bild sehr empfindlich reagiert, für den wäre dann doch eher das AptxLL des Lagoon etwas.

Und nur der Vollständigkeit halber: der Hörer eignet sich nicht zum Zocken. Oder genauer, er eignet sich nur zum Zocken von Spielen, bei denen der Bass keine wichtige Rolle spielt. Sprich, Shooter sind einfach nicht sehr schön zu spielen und bei Rennspielen fehlt auch das gewisse Etwas. Indie-Spiele wie Sunless Skies, Bastion oder auch Space Sims ala ED fand ich aber in Ordnung. Angemerkt sie hierbei aber, dass ich den Hörer in diesen Fällen via meines AVR (Denon X1100W) betrieben habe. AptxHD ist zwar für Musik nice aber für Spiele leider nicht geeignet...

Ein Punkt, der beim GC30 sehr gut ist, ist dass man ihn sowohl via Klinke als auch via USB betreiben kann: so reicht ein Micro-USB-Kabel aus um den Hörer überall nutzen zu können, selbst dann wenn das Notebook eventuell keinen Klinkenanschluss hat. Positiv dabei ist außerdem, dass das Grundrauschen durch die USB-Nutzung auch nicht ansteigt. Leider ist das Kabel aber mit 1,2m nicht als zu lang. 1,5m oder sogar noch mehr wären meiner Meinung nach besser gewesen.


Fazit:

Um die anfangs gestellte Frage zu beantworten: ja, Denon schafft es mit dem GC30 das zu erfüllen, was Beyerdynamic mit dem Lagoon leider nicht geschafft hat. Und zwar einen Bluetooth Hörer für den Audiophilen Hörer zu liefern, der aufgrund seiner Art quasi eine Art "Alltags-Gerät" für fast alle Situationen ist.

Der Hörer ist sehr gut verarbeitet, klingt gut, hat eine für Bluetooth Hörer tolle Bühne, isoliert gut, hat ein einigermaßen gutes ANC und sitzt dabei noch bequem. Einzig und alleine der zu dezente Bass, der Micro-USB Anschluss sowie die eher unterdurchschnittliche Akkulaufzeit muss hier beanstandet werden.

Außerdem muss ich als dezenter Beyerdynamic Liebhaber oder korrekter, als Liebhaber der Möglichkeit deren Hörer mit Ersatzteilen selbst zu reparieren aber noch kritisieren, dass sich die Polster nicht tauschen lassen. Ebenfalls Kritik bekommt das Kunstleder, was gerade im Sommer einfach nicht so angenehm wie Velours oder Alcantara ist. Im gleichen Atemzug muss außerdem hervorgehoben werden, dass sich der Akku ebenfalls nicht tauschen lässt.

Ansonsten leistet sich der GC30 aber keine großen Schnitzer und ist aktuell der mit Abstand beste Bluetooth Hörer mit ANC, wenn man auf einen neutralen, (für geschlossene Hörer) fast schon nüchtern analytischen Klang steht. Als ehester Vergleich hier muss ich hier als Besitzer des AKG K612 Pro diesen nennen, da er sich dem GC30 in Sachen Klang-Farbe und Abstimmung erstaunlicher Weise sehr ähnelt.



PS: solltet ihr Fragen, Anmerkungen oder Kritik haben, einfach hier drunter schreiben :)
PPS: für mein Review zum Lagoon ANC bitte HIER klicken. Für mein Review zum Nightowl bitte HIER klicken.
 

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abulafia

Commodore
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Interessant allemal, musste aber erst erst 'ne Menge lesen und googeln um das einordnen zu können.

Vielleicht kannst eine Einführung schreiben, aus der der Verwendungszweck hervorgeht. Es handelt sich ja um nur ein Travel-Headset der 400 € Klasse mit Active-Noice-Cancelling. Dachte erst es wären normale Kopfhörer.

Als Alternativen kann man das Bose QuietComfort 35 II, Jabra Elite 85h und Sony WH-1000XM3 vergleichen.
 

Cooder

Lt. Commander
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Einzig und alleine der zu dezente Bass, der Micro-USB Anschluss sowie die eher unterdurchschnittliche Akkulaufzeit muss hier beanstandet werden.

Außerdem (...) sich die Polster nicht tauschen lassen. Ebenfalls Kritik bekommt das Kunstleder (...), dass sich der Akku ebenfalls nicht tauschen lässt.

Ansonsten leistet sich der GC30 aber keine großen Schnitzer
Naja, finde das schon eine Menge grobe Schnitzer. Polster nicht tauschbar, Akku nicht tauschbar, also ein 350 Euro teures Wegwerfprodukt.
 

DonDonat

Commander
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@Cooder und wie schaut es bei der Konkurrenz oder ganz allgemeinen im Bluetooth Hörer markt aus?
In 99% der Produkte kannst du weder die Polster tauschen, noch den Akku. Und ja, selbst Beyerdynamic macht es bei ihren Bluetooth Produkten so ;)

Dementsprechend beanstande ich es hier auch, kritisiere es aber nicht als groben Schnitzer, da es einfach kein Produkt gibt, dass diese Schnitzer nicht hat.


@abulafia alles klar, füge ich der Einleitung noch hinzu.
Weitere Alternativen wären dann noch der B&O H9i und der B&W PX.
 
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