Schule - was läuft falsch? Eine kleine Geschichte

Der Daedalus

Commander
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Ich will nicht über Gewalt an Schulen oder sowas sprechen. Viel mehr über die Art wie Unterrichtet wird.

Heute im Englisch Kurs haben wir einen sehr tollen Text gelesen. Ich will ihn hier mal frei übersetzt und etwas gekürtzt wieder geben.

Einleitung: Es geht um einen Lehrer (ich Erzähler) der entscheiden soll, ob die null Punkte die ein anderer Lehrer einem Schüler für die Beantwortung einer Frage gegeben hatte gerechtfertigt sind oder nicht. Es geht um das Fach Physik.

Ich fragte als erstes, was die Aufgabe war. Der Lehrer nannte die Frage: "Wie lässt sich die Höhe eines Hauses mit Hilfe eines Baromethers bestimmen?".
Dann las ich mir die Antwort des Schülers durch: "Man nehme das Barometer, knote ein sehr langes Seil daran fest und begebe sich auf das Dach des Gebäudes. Dann lässt man es herunter bis auf den Boden. Die Länge des Seils bis zum Dach gibt dann die Höhe des Hauses an."

"Gut" sagte ich, "die Frage wurde beantwortet wie verlangt aber eigentlich hat der Schüler ja nicht gezeigt dass er physikalisch denken kann. Also hat er eigentlich auch nicht die volle Punktzahl verdient."
Ich schlug dem Lehrer vor es noch ein zweites Mal zu versuchen ihm die Frage zu stellen, der Lehrer stimmte zu.
Ich stellte dem Schüler die Frage nochmal diesmal mit dem Zusatz, dass er physikalische Gestze zur Beantwortung nutzen muss.
Der Schüler stetze sich hin und kriztelte kurz was auf sein Papier. Nach einer halben Minute war er fertig.
Die Antwort: "Man nehme das Barometer, gehe auf das Dach des Gebäudes und lasse es runter fallen. Dabei stoppe man die Zeit bis es unten aufschlägt. Durch die Formel s=1/2 at² lässt sich dann die Höhe des Gebäudes ermitteln."

Ich und mein Kollege waren verwirrt, aber wir gaben es auf und kamen beide zu dem Schluss, dass wir ihm die volle Punktzahl geben müssen, obwohl er es eigentlich nicht so gemacht hat, wie es erwartet wurde.

Später fragte ich den Schüler, ob es auch noch andere Möglichkeiten gäbe.

"Klar", sagte dieser, "es gibt viele Möglichkeiten"
"Zum Beispiel könnte man die länge des Barometers messen und dann einzeln die Stufen des Gebäudes hinauf gehen. An die Wand macht man immer einen Strich für die Länge des Barometers. Einen über den anderen. Hinterher zählt man dann die Anzahl der Striche und multipliziert diese Zahl mit der länge des Barometers. Dadurch bekommt man die Höhe. Das wäre sicher die direkteste Art und Weise."

"Aber es gibt auch noch eine sehr viel wissenschaftlichere. Man macht aus einem Band und dem Barometer ein Pendel. Mit diesem Pendel kann man dann den Wert für G (Erdbeschleunigung) ermitteln. Das macht man einmal auf dem Boden und dann auf dem Dach des Gebäudes. Aus der Differenz kann man die Höhe ermitteln."

"Aber der bei weitem einfachste Weg ist folgender: Man nimmt das Barometer und geht in den Keller zum Hausmeister des Gebäudes. Dann sagen sie genau das zu ihm: "Ich habe hier dieses wunderschöne Barometer, sie bekommen es, wenn sie mir die Höhe dieses Gebäudes sagen."."

Ich fragte daraufhin den Schüler, ob er die Antwort, die eigentlich gefordert war wisse.

"Selbstverständlich", sagte dieser, "aber ich habe absichtlich eine andere gegeben, weil ich es nicht mag, dass man immer so penetrant einen Weg gehen muss. Es gibt viele Wege das Problem zu lösen und das wollte ich Zeigen."


Was will uns diese amüsante Geschichte sagen.

Ich erkenne vieles wieder, was ich auch noch aus meiner Schulzeit kenne (ist jetzt 2 Jahre her). Es war immer/oft nur ein Weg richtig, obwohl es viele Wege gab.
Lehrer waren aber auch oft nicht in der Lage dazu diese Wege zu erkennen bzw. es als richtig anzuerkennen. Sie wollten IHRE Lösung.

Ich kenne auch genug wirkliche Genies, die eigentlich in der Schule untergegangen sind, denn ihre komplexen und oft unkonventionellen Denkweisen wurden nicht anerkannt. Und oft wird genau dadurch diesen Leuten die Zukunft verbaut.

Ich frag mich, wozu wir ein Zentralabi brauchen, da geht die Individuelle Leistungsfähigkeit und Intelligenz noch mehr unter.

Bin gespannt auf eure Meinungen erst recht auf die der Schüler unter uns.
 
Ich handle eigentlich so wie der Schüler in deinem Beispiel. Meisten kenne ich die Methode nicht die der Lehrer will oder hab sie einfach vergessen und probier es halt auf eine andere Weise. Meistens klappt das auch ganz gut und werde für mein Kreativität gelobt. Hauptsache das Ergebnis ist richtig ist das Motto unseres Lehrers wie man da hinkommt ist ihm eigentlich egal .Ich bin Schüler der 11.Klasse auf einem Allgemeinbilden Gymnasium.:)
 
Mir stellt sich bei der Geschichte wieder die Frage, ob diese "Messmethode" vorher im Unterricht durchgenommen wurde.
Wenn ja, dann haette der Schueler diese vermutlich anwenden MUESSEN, es geht nicht um die engstirnigkeit der Lehrer (wie er ja spaeter angibt, diese zu zeigen)...wenn das also im Unterricht durchgenommen wurde, dann hat man das so (eigentlich) auch anzuwenden...voellig egal ob in einer muendlichen Pruefung, oder einer schriftlichen.
Sicherlich gibt es viele Moeglichkeiten, aber es wurde nunmal nach dieser einen (!) gefragt, da diese im Unterricht behandelt wurde.
Man koennte natuerlich auch andere tolerieren, muss der Lehrer aber nicht (nicht weil er engstirnig ist, sondern weil es behandelt wurde, und somit anzuwenden war!)

Hab ich bei mir in der Schule schon oft genug erlebt, und lernte damit zu Leben, und das ganze auch so zu machen.
Was meistens sogar einfacher war, als irgendwelche komischen Theorien zu benutzen.
Diese kann man spaeter, sobald man die Ausbildung geschafft hat, anwenden - Und Zwar im Job. Dort wird ja sogern mal nach "Innovation" und "Unkonventionallität" gefragt.

so denn ;)
 
Die Frage hätte wohl eher lauten müssen: "Wie bestimmt man die Höhe eines Hauses ausschließlich mit einem Barometer?"

Aufgaben werden ja nicht zum Spaß gestellt, zumal man ja auch nicht bei Jeopardy, sondern in der Schule ist...
 
Ich denke ehrlich gesagt auch, dass die Schule (Gymnasium) den Schülern in erster Line grundsätzliche Dinge beibringen soll. Und zu Physik gehört nunmal beispielsweise auch das Wissen über Barometer (Anwendung und Funktionsweise). Somit fände ich es okay, wenn der Schüler nur eine verminderte Punktzahl bekäme (er hat die Aufgabe gelöst, aber nicht so, wie es verlangt war (der Schüler weiss genau, was verlangt ist)).

Ich meine: wenn ich mich zurückerinnere an die Schule (2. Jahre her), dann hab ich i.d.R. einen alternativen Lösungsweg (ähnlich abwegig wie im Beispiel) nur dann hingeschrieben, wenn ich die korrekte Lösung nicht kannte. Aber die volle Punktzahl hätte ich dafür jetzt nie verlangt.
 
So dann bist du also der Meinung, dass wenn man in Klasse 1-10 gelernt hat, in Mathematik ein Ergebnis von 10 zu erreichen, es mehrere Möglichkeiten gibt, und nicht nur eine, dann ein Lehrer in der 11.Klasse das Recht hat, beispielsweise in einer Fragestellung bei einer Klausur nur eine Lösung geltend zu machen?

10 kann man bekanntlicherweise z.B. durch 2x5, 4x2,5, 1x10, 10x1 erreichen. Das sind alles richtige Lösungen. Wäre mir neu, dass ein Lehrer bestimmen kann, dass nur 2x5 richtig ist. :rolleyes:

Manche Lehrer nehmen sich oft sehr viel raus. Solange man einen korrekten Lösungweg hat und ihn auch verständlich und genau definiert dargelegt und das Ergebnis bewiesen hat, muss meines Erachtens der Lehrer das Ergebnis als korrekt anerkennen und volle Punktzahl geben.
Man darf sich halt nur nichts aus den Fingern saugen, der Weg muss sachlich schon korrekt sein.
Sollte jemand da mal Probleme haben, empfehle ich doch dringends ein Gespräch mit dem Direktor oder eine Nachfrage bei einem Anwalt. Ganz sicher bin ich mir der Rechte der Lehrer dann doch nicht.

Richtige Sachen können schlecht als falsch deklariert werden. Dabei ist es auch völlig unabhängig, was im Unterricht dran kam, und was nicht. Der Lehrer hätten jedoch die Möglichkeit, in der Frage klarzustellen, dass die Lösung aus dem Unterricht genannt werden soll. Dazu muss der Lehrer aber den kompletten Unterrichtsverlauf nachweisen können und zudem dürfte nie ein Schüler gefehlt haben. :rolleyes:

mfg Simon

btw. Die Schule hab ich vor rund einem Jahr nach der 11.Klasse Gymnasium an den Nagel gehängt und darf mich jetzt lediglich an der Berufsschule ergötzen.
 
@Schlumpfinator:

Es ist doch eigentlich völlig irrelevant, welcher Weg unterrichtet wurde. Die Fragestellung war klar. Die Frage wurde immer klar und richtig beantwortet. Also volle Punktzahl.
Warum soll ich zur Beantwortung der Frage dass wenige Stunden gelernte verwenden müssen, wenn es nicht klar gefordert ist?
Schule ist Vorbereitung aufs Berufsleben. Im Berufsleben muss man auch improvisieren und es gibt in den seltensten Fällen den EINEN richtigen Weg. Es gibt viele Wege und man muss überlegen, welcher das beste Gesamtergebnis bringt.

@arterius

Find ich gut, dass es bei euch so abläuft. Bei uns war es leider nicht so. Der eine Weg war gefragt und alles andere war nicht in Ordnung (ausnahmen bestätigen da sicher die Regel).
Allerdings waren die Fragestellungen auch meist so, dass es nur den einen Weg gab.
"Ermitteln sie die Höhe des Gebäudes mithilfe eines Barometers unter benutzung seiner Funktion, anhand von physikalischen Gesetzen und ohne andere Hilfsmittel." So hätte das dann bei uns geheißen.
 
Simon schrieb:
Richtige Sachen können schlecht als falsch deklariert werden. Dabei ist es auch völlig unabhängig, was im Unterricht dran kam, und was nicht. Der Lehrer hätten jedoch die Möglichkeit, in der Frage klarzustellen, dass die Lösung aus dem Unterricht genannt werden soll.
Ich sehe es so, wie du und (c)!
...der Lehrer hat klarzustellen - in der Fragestellung - was er will, anstatt spaeter dem Schueler auf eine unkonventionelle Antwort weniger Punkte zu geben...was mE eine Sauerei ist, soweit der Schueler mit dem anderen Ergebnis zum richtigen Ergebnis kommt.

so denn ;)
(ich bitte um entschuldigung, falls sich meine Beitraege widersprechen :rolleyes: ;))

Edit:@DerDaedalus, da hast du Recht, wie ich oben schon sagte, bei klarer Fragestellung, ist das alles kein Problem...aber so wie der Lehrer oben gefragt hat, denke ich, ist es legitim!
 
Zuletzt bearbeitet:
Normalerweise rechne ich auch nach dem Schema F das wir in der Schule beigebracht bekommen. Wenn ich aber einen schnelleren und verständlicheren Lösungsweg sehe dann benutz ich ihn auch. Man Lehrer streicht mir das auch meistens erst falsch an aber später wieder richtig, weil er den Weg endlich verstanden hat. ;)
 
Ich will ja nix sagen, aber dei Geschichte hat sich (angeblich) in Kopenhagen zugetragen und das Genie mit den Antworten soll Niels Bohr gewesen sein :D.
Der hat ja bekanntlicherweise, als erster Däne überhaupt, den Nobelpreis für Physik entgegennehmen dürfen.

CU Endurance
 
Schlumpfinator schrieb:
...der Lehrer hat klarzustellen - in der Fragestellung - was er will, anstatt spaeter dem Schueler auf eine unkonventionelle Antwort weniger Punkte zu geben
Das ist doch nicht nötig, oder? Das erinnert mich irgendwie an Amerika, wo alles bis ins letzte Detail ausformuliert sein muss, damit auch der Hinterletzte checkt, was zu tun ist (Bsp: Katze darf nicht in Mikrowelle getrocknet werden).

Ich meine: wenn in Physik das Thema Barometer und Ähnliches durchenommen wird und dann eine Prüfung über dieses Thema durchgeführt wird, dann kann man doch annehmen, dass es dem Schüler klar ist, wie er die Frage zu beantworten hat.

Ich finde es überhaupt nicht verkehrt, wenn man sich einen alternativen Weg ausdenkt, aber so wie im Beispiel (Schüler kennt den richtigen Weg, sagt ihn aber erst zum Schluss) gehts in der Praxis ja nicht zu und her. Praktisch ist es doch so, dass der Schüler die (offensichtlich) geforderte Antwort nicht weiss und sich mit einer anderen Antwort rausretten will; selbstverständlich mit einer Riesendiskussion.

Muss der Schüler denn nicht auch lernen, dafür geradezustehen, wenn er das Lernziel nicht lösen kann? Und nicht alles in Frage zu stellen und durchzudiskutieren?
 
FH16 schrieb:
Ich meine: wenn in Physik das Thema Barometer und Ähnliches durchenommen wird und dann eine Prüfung über dieses Thema durchgeführt wird, dann kann man doch annehmen, dass es dem Schüler klar ist, wie er die Frage zu beantworten hat.
Wenns ihm aber nicht klar ist, und er mit einer alternativen, merkwuerdigen Loesung genauso , zum gleichen Ergebnis kommt, dann kann der Lehrer ihm nicht 0 (!) Punkte geben (so wie ich das verstanden hab, hat er ihm 0Pkt gegeben), sondern ihm hoechtens einige Abziehen.(irgendwer sagte das auch schon ;))

so denn ;)

FH16 schrieb:
Ich finde es überhaupt nicht verkehrt, wenn man sich einen alternativen Weg ausdenkt, aber so wie im Beispiel (Schüler kennt den richtigen Weg, sagt ihn aber erst zum Schluss) gehts in der Praxis ja nicht zu und her. Praktisch ist es doch so, dass der Schüler die (offensichtlich) geforderte Antwort nicht weiss und sich mit einer anderen Antwort rausretten will; selbstverständlich mit einer Riesendiskussion.
Bei dem Punkt die richtige Antwort zu wissen, und sie nicht zu sagen stimme ich dir voll zu! Der Lehrer kann ja schliesslich nicht wissen, dass der Schueler alles weis, aber einen anderen Weg geht um ihm irgendetwas klar zu machen.
Trotzdem kann der Lehrer ihm, soweit die Loesung am Ende die Richtige ist, keine 0 Punkte geben.
Muss der Schüler denn nicht auch lernen, dafür geradezustehen, wenn er das Lernziel nicht lösen kann? Und nicht alles in Frage zu stellen und durchzudiskutieren?
Wie gesagt, wenn er denn wirklich die Loesung nicht weiss, aber zufaelligerweise mit dieser methode auf das richtige Ergebnis kommt kann der Lehrer ihm in keinem Fall 0 Punkte geben. Ob er es nun nicht besser wusste, oder aber einen alternativen Loesungsweg gefunden hat, aendert an der richtigen Loesung rein gar nix (Am ende kann er natuerlich sagen, er haette keine Ahnung von nix gehabt :D)


so sehe ich das...:D
so denn ;)
 
Zuletzt bearbeitet:
FH16 schrieb:
Muss der Schüler denn nicht auch lernen, dafür geradezustehen, wenn er das Lernziel nicht lösen kann? Und nicht alles in Frage zu stellen und durchzudiskutieren?
Lernziel ist für mich, dass ein Schüler in der Lage ist, eine bestimmte Aufgabenstellung sachlich korrekt zu lösen. Wie er das macht, bleibt doch letzten Endes jedem selbst überlassen.
Der Lehrer soll sich gefälligst klar ausdrücken, so kommen erst garnicht Diskussionen auf.

Mit Denkweisen aufzwingen wäre ich ganz vorsichtig.

mfg Simon
 
@Schlumpfinator: keine Frage, Null Punkte ist/wäre natürlich völlig ungerecht. Ich finde es einfach okay, nicht die volle Punktzahl zu bekommen, wenn das Ergebnis stimmt, aber der Weg eigentlich ja falsch ist.

@Simon: nun ja, ich denke, es kommt halt ein Bisschen aufs Fach drauf an. Bei Mathe zum Beispiel bin ich auch der Meinung, dass es egal sein soll, wie man die Aufgabe löst. Hauptsache der Lösungsweg macht Sinn und führt zum korrekten Ergebnis. Aber beim Physikbeispiel finde ich einfach, dass der Schüler wenigstens probieren soll, mit der Funktionsweise des Barometers zu antworten und nicht eine fadenscheinige Antwort zu liefern.

"Der Lehrer soll sich gefälligst klar ausdrücken": finde ich nicht. Weil wenn er das tun würde, hätte er keinen Handlungsspielraum mehr. Heisst: wenn du einen alternativen Lösungsvorschlag bringst, bekommst du effektiv keine Punkte dafür, weil er die Fragestellung nicht erfüllt. Da hat dann aber niemand etwas davon. Besser der Lehrer lässt einiges offen und gibt im Zweifelsfalle mehr Punkte. Wenn er will, soll er die volle Punktzahl geben, ich würde aber ein Bisschen weniger als das Maximale geben...
 
FH16 schrieb:
@Schlumpfinator: keine Frage, Null Punkte ist/wäre natürlich völlig ungerecht. Ich finde es einfach okay, nicht die volle Punktzahl zu bekommen, wenn das Ergebnis stimmt, aber der Weg eigentlich ja falsch ist.

"Der Lehrer soll sich gefälligst klar ausdrücken": finde ich nicht. Weil wenn er das tun würde, hätte er keinen Handlungsspielraum mehr. Heisst: wenn du einen alternativen Lösungsvorschlag bringst, bekommst du effektiv keine Punkte dafür, weil er die Fragestellung nicht erfüllt. Da hat dann aber niemand etwas davon. Besser der Lehrer lässt einiges offen und gibt im Zweifelsfalle mehr Punkte. Wenn er will, soll er die volle Punktzahl geben, ich würde aber ein Bisschen weniger als das Maximale geben...

Wer bestimmt, dass der Weg falsch ist? Er ist vielleicht nicht nach dem Wunsch des Lehrer aber deswegen ist er NICHT falsch.

Ein Lehrer hat sich klar auszudrücken, wenn er eine bestimmte Antwort haben möchte. Wenn er Freiraum lässt, MUSS er aber auch andere Lösungswege voll gelten lassen.

mfg Simon
 
Der Lehrer soll sich so klar ausdrücken, dass der Schüler weiss, welcher Weg gefragt ist. Beim Barometerbeispiel ist doch zum Beispiel ganz klar, was für einen Weg der Lehrer sehen will.

Das (extreme) Bespiel mit dem Barometer ans Seil hängen und Seillänge messen ist doch nix anderes als Mogelei. Das hat nun wirklich nix mehr mit Physik zu tun. Das ist einfach nur albern.

Es kommt halt immer drauf an... Das Pendel verdient sicher mehr Punkte... Heisst: andere Lösungswege ja, aber in Grenzen.
 
Warum sollten in der Schule andere Regeln gelten als im Alltagsleben bzw. im Beruf.

Ich bekomme als Ingenieur (wenn ich dann einer bin) eine Aufgabe mit einer Anforderungsliste.
Das, das und das muss ein Teil, was ich entwickle Erfüllen und das ganze zu dem Preis oder billiger.
Wie ich nun das ganze realisiere ist meine Sache. Ob ich jetzt eine M4 oder eine M5 Schraube nehme ist meine Sache.

Sicher wenn der Schüler gerade in ner Physik Klausur sitzt, dann impliziert das, das man an das Problem physikalisch ran geht. Daher kann man sagen, dass der erste Weg vielleicht nicht die vollen Punkte verdient hat.
Der zweite und der mit dem Pendel aber auf jeden Fall. Es ist eine physikalische herangehensweise an eine Frage die klar gestellt wurde.
Alle Anforderungen der Aufgabe wurden erfüllt und das Problem gelöst, fertig aus.
Genau das läuft nämlich falsch in der Schule.
Warum haben denn so viele Angst vor Naturwissenschaften? Weil in der Schule immer/oft nur ein Weg beigebracht wird. Das fördert in keinster Weise die Kreativität und das "selbst überlegen". Ich hab was gelernt und das wende ich an, wenn es abgefragt wird.
Gerade Physik, Mathe und Co arbeiten aber eigentlich nicht nach einem solchen Schema. Hier ist im späteren Leben (wenn man diese Wissenschaften auch nach der Schule braucht) vorallem wichtig, dass man sich sachen schnell herleiten kann und selber einen Lösungsweg findet.
Lernt man sowas durch die ständige Anwendung irgendwelcher auswendig gelernten Schemata? Nein!


/edit:

Außerdem warum muss ich es so machen, wie der Lehrer es haben will? Ich finde keine befriedigende Antwort auf die Frage.
 
"Wie lässt sich die Höhe eines Hauses mit Hilfe eines Baromethers bestimmen?" Nun gut, dann analysieren wir doch mal die Fragestellung. Darin steht nirgendwo, dass ein Seil oder ein Lineal (zur Messung der Länge des Barometers) benützt werden darf. Einfach nur das Barometer. Werden also in der Antwort andere Hilfmittel beigezogen, kann die Antwort zwar richtig sein, nicht aber der Weg!

"warum muss ich es so machen, wie der Lehrer es haben will"? Du musst im Alltag das Problem auch so lösen, wie dein Chef/Kunde es will. Wenn der Kunde sagt, dass du mit M4-Schrauben zwei Teile zusammenschrauben sollst, dann sollst du das einfach tun, auch wenn es ggf. sinnvoller wäre, das Problem mit viel weniger M6-Schrauben zu lösen. Der Kunde wird schon wissen, warum er die Anweisung gegeben hat (Lagerbestände an M4-Schrauben etc...).

EDIT: nur um es klarzustellen: ich finde ja auch nicht, dass man stur eine Formel (oder Schema) auswendig lernen soll. Einfach alles in Massen. Das gegebene Beispiel mit der Seillänge ist einfach lächerlich, verdient darum klar nicht die volle Punktzahl. Zudem zeigt das Beispiel auch, dass der Schüler nicht verstanden hat, was ein Barometer ist, bzw. was es macht. Und das Lernziel war wohl (das ist der Fragestellung zu entnehmen) ganz offensichtlich, dass dies bekannt hätte sein müssen. Eine Prüfung ist ja dazu da zu überprüfen, ob der Stoff der vorangegangenen Lektionen verstanden wurde oder nicht. Und das ist bei diesem Beispiel ganz klar nicht gegeben. Warum also die volle Punktzahl?

EDIT: Die Schule ist auch nicht das Gleiche wie die Praxis. Weil praktisch ist der Ansatz nicht von Interesse, nur das Ergebnis zählt. Aber in der Schule wird eben nicht primär das Ergebnis, sondern der Lösungsweg gefragt. Und der Lösungsweg soll widerum aufzeigen, was der Schüler vom Thema verstanden hat.
 
Zuletzt bearbeitet:
FH16 schrieb:
"warum muss ich es so machen, wie der Lehrer es haben will"? Du musst im Alltag das Problem auch so lösen, wie dein Chef/Kunde es will. Wenn der Kunde sagt, dass du mit M4-Schrauben zwei Teile zusammenschrauben sollst, dann sollst du das einfach tun, auch wenn es ggf. sinnvoller wäre, das Problem mit viel weniger M6-Schrauben zu lösen. Der Kunde wird schon wissen, warum er die Anweisung gegeben hat (Lagerbestände an M4-Schrauben etc...).
Ja, wenn der Kunde sagt, du sollst es speziell mit den M4 Schrauben machen, dann macht man es auch so. Eben weil er es ausdrücklich gesagt hat.
Hätte der Kunde jetzt einfach nur plump gesagt: "Schrauben sie mir das Ding zusammen", kann er später nur schlecht rummeckern, warum ich auf einmal andere Schrauben genommen habe. :rolleyes:
Woher soll ich das denn Wissen, dass der Kunde ausgerechnet mit diesen M4 Schrauben etwas zusammengeschraubt haben will?=

mfg Simon
 
Ich kann es nur nochmal schreiben (aber das letzte Mal für heute): "Wie lässt sich die Höhe eines Hauses mit Hilfe eines Baromethers bestimmen?" lautet die Frage. Es ist klipp und klar formuliert, dass das Hilfsmittel nicht ein Lineal oder ein Seil, sondern ein Barometer ist!

Stell dir vor, der Kunde gibt dem Bauingenieur den Auftrag, mit Hilfe von Stahlträgern und Stahlseilen eine Brücke zu bauen. Der gesunde Menschenverstand sagt ganz klar: baue eine Hängebrücke. Wenn der Bauingenieur nun aber so frei ist und mit den genannten Hilfsmitteln einen Kran baut um mit diesem dann Steine hochzuhieven um ein Steinviadukt zu bauen, dann wird ihm der Auftraggeber wohl kaum die "volle Punktzahl" geben, auch wenn er die genannten Hilfsmittel benützt hat. Ich sage nur: gesunder Menschenverstand.

Oder man gibt dem Tiefbauer den Auftrag, mit 20 Mio. € eine Strasse zu bauen. Dann soll er auch nicht Münzen/Noten im Wert von 20 Mio. € benützen, um daraus den Belag zu machen, auch wenn sich der Auftrag so interpretieren liesse. Die verlangte Vorgehensweise ist ganz klar ersichtlich und daran hat man sich zu halten. Ausser man geht in Zukuft lieber zum Arbeitsamt.
 
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