Ich habe nicht gesagt "deswegen" eskalierte es, ich habe gesagt dann. So schreibt es der Artikel. Die Kausalität liegt da schon nahe, wenn der Focus das Wort "Schließlich" verwendet und sich auf den Polizeibericht bezieht. Weshalb ich das auch als Argument nutzte.
Nun mag das für den Einzelnen nicht gelten, aber es ist hoffentlich von anderen Einsätzen bekannt, dass es eine Gruppendynamik gibt und das hier eine Lage entstand, in dem die Gegner schon an Ort und Stelle waren und friedlich dort verweilten und dann die Polizei und Baufahrzeuge anrückten. Es ist doch kaum eine Neuigkeit gewesen, dass die Anwesenden nicht einfach bei dem Beginn der Arbeiten zuschauen würden. Genau deswegen waren sie ja da, um es zu verzögern. Ist die Polizei so naiv und nimmt an, die würden dann in der großen Masse schon einfach gehen? Es entstand also auch erkennbar an der Beschreibung eine Situation, wo die anwesende Masse teils massiv unter Druck gesetzt wurden, mit den bekannten Folgen.
So und nun kommt es sicherlich zu Reaktionen die nicht besonnen waren, keine Frage. Die aber keineswegs von der großen Masse ausgingen. Wie darauf reagiert wurde, so wie es in dem Artikel auf den du dich stützt beschrieben wurde, das kann keinesfalls als deeskalierend empfunden werden. Aber selbst wenn man nun die Räumung des LKWs als angemessen betrachtet, selbst mit Einsatz von Pfefferspray und Wasserwerfern, was ich durchaus als hart betrachtet, so war das nach der Beschreibung ein isoliertes Ereignis. Wann die Demonstranten in welchem Umfang "schließlich"(!) die Polizisten beworfen haben, wie groß die Gefährdung überhaupt war, das ist äußerst unklar. Verletzungen genau deswegen scheint es nicht gegeben zu haben. Die Polizisten, die hier zum Einsatz kamen und deren Einsatzleiter, haben hoffentlich eine Ausbildung genossen, die Besonnenheit empfiehlt. Wenn die scheinbar vereinzelten Würfe der Grund für den Einsatz waren, obwohl das der Polizeibericht gar nicht behauptet, um so mehr Klärungsbedarf besteht über die Taktik.
Das Problem ist aber für mich, dass 1000 Menschen, die eine Fläche blockieren als Provokateure gelten und damit dann der massive Einsatz von Wasserwefern und Pfefferspray als angemessenen Reaktion hingestellt wird und dann eventuelle Gegenreaktionen die man damit zwangsläufig in Kauf nimmt als Rechtfertigung herhalten müssen. Es gibt keine weitere Begründung, warum das Vorgehen angemessen und notwendig war. Schön, dass man den ersten Vorfall und den zweiten zusammenwirft, aber letztendlich muss sich genau an dem Punkt die Polizei fragen: War das noch angemessen? Musste man die Blockade sofort und mit diesen Mittel auflösen? Selbst mit Vorwarnung ist das alles nur keine Deeskalation.
Und was du schon seit Beginn der Diskussion nicht verstehst: Auch der Aufenthalt in einer nicht "freigegebenen" Zone berechtigt keinen massiven Einsatz von Gewalt. Fakt ist, die Leute waren da und sie waren dort absichtlich da, weil es sonst keinen Effekt gehabt hätte, dass sie da waren. Das kann man nun sicherlich verurteilen, weil es rechtlich gesehen nicht legal war und wenn man es streng nimmt Nötigung. Das heißt aber nicht, dass deswegen Wasserwerfer, Pfefferspray oder vielleicht Gummigeschosse, wie du es vorgeschlagen hast, angemessen wären. Oder das alles angemessen wäre, weil es noch härtere Mittel gäbe und in anderen Ländern eingesetzt werden gegen Demonstranten.
Ich frage dich nochmal: Was hat die sofortige Räumung mit diesen Mitteln notwendig gemacht? Bitte sage mir nicht, weil die Blockade illegal war. Das sagt nichts darüber aus, ob es angemessen war.
Man hat sich mit dem Einsatz einen Bärendienst erwiesen, denn Härte und Zeitpunkt waren unverhältnismäßig. Man hat sich am Ende durchgesetzt, um die dann ohnehin schon illegalen Fällarbeiten zu beginnen, aber zu welchem Preis? Wenn immer derart so vorgegangen würde, die deutsche Polizei hätte nicht nur ein kleines Image-Problem. Denn mag es bei Hooligans, "schwarzen Blöcken" und Neonazi-Aufmärschen von der Mehrheit goutiert werden; wenn es die Mitte betrifft, sieht das anders aus. Dummerweise wird das in frühstens zwei Jahren von Gerichten geklärt werden, was angemessen war und was nicht. Gerade erst sind diverse Maßnahmen zum G8-Gipfel als rechtswidrig eingestuft worden.