Stuttgart 21 / Proteste allgegenwärtig ...

Wie steht ihr zum Bauprojekt "Stuttgart 21"?

  • Ich bin für "Stuttgart 21".

    Stimmen: 327 48,2%
  • Mir ist es egal, ob gebaut wird.

    Stimmen: 119 17,6%
  • Ich bin gegen "Stuttgart 21".

    Stimmen: 232 34,2%

  • Umfrageteilnehmer
    678
@nicoc

Es mutet doch recht seltsam an, dass Herr Kretschman ein scheinbar so schlechtes Erinnerungsvermögen hat, dass er glaubt, der Baustopp in Folge der Schlichtung durch Heiner Geißler wäre ein Geschenk an Schwarz-Gelb gewesen. Und dass die daraus resultierenden Kosten der damaligen Landesregierung aus Gründen der Sympathie nicht in Rechnung gestellt wurden.

Der Baustopp der Bahn (und weniger der Regierung Mappus) war ein Entgegenkommen um die Debatte zu versachlichen und um so den so genannten Parkschützern den Wind aus den Segeln zu nehmen.
Die Protestbewegung, instrumentalisiert von den Grünen, kann doch nicht glauben ohne jedwede Konsequenzen einfach solange die Bauarbeiten auszusetzen, bis die daraus resultierenden Kosten das vereinbare Maximum übersteigen und man so leichter Argumente hätte das Ganze zu beenden.

Die Bahn handelt ganz Recht, die Kosten an die Landesregierung zu übertragen bzw. eine Übernahme zu fordern, denn die ist jetzt - in Stellvertretung des grün-roten Volkswillen - an der momentanen Misere Schuld.
 
... Kretschmann hat gesagt, dass der CDU nichts in Rechnung gestellt wurde.

Noxiel schrieb:
... Und dass die daraus resultierenden Kosten der damaligen Landesregierung aus Gründen der Sympathie nicht in Rechnung gestellt wurden...

... wenn damals tatsächlich auch Kosten in Rechnung gestellt wurden bin ich so schlecht informiert wie Kretschmann. Außerdem geht es ja auch um die Forderung von Schmid die Sprüchen nach Geld, seitens der Bahn, auch in rechtsabgesicherte verwertbare Papierform zu bringen. Dann kann die Politik darauf reagieren und schauen ob diese Ansprüche begründet sein können. Einfach aus populistischen Gründen ein paar Zahlen in die Luft zu werfen, um Bürger, die gegen S21 sind, zu verschrecken ist nicht in Ordnung. Und an ein Entgegenkommen der Bahn glaube ich nicht.

Die wollten durch die Schlichtung lediglich versuchen die Gegner durch (letztendlich problematischer) Argumentation aus zu hebeln. Ich würde behaupten: die Bahn hat sich bei der Schlichtung verkalkuliert und diesen Fehler bezahlen sie halt selbst (obwohl die Bahn S21 ja sowieso keinen Pfennig kostet ausser einen Imageverlust).
 
Zuletzt bearbeitet:
nicoc schrieb:
... verwechselst du eventuell wirtschaftliche Notwendigkeit (momentaner HBF) mit Interesse der Wirtschaft an einem Projekt ohne wirtschaftliche Notwendigkeit?

Welches Interesse soll die Wirtschaft haben, außer eben ihr eigenes, wirtschaftliches? Außerdem habe habe ich dann doch recht mit der Aussage, dass es eben nicht "die Wirtschaft" ist, die das durchdrückt, sondern das es da weit gefächerte Interessen gibt. Die mögen natürlich auch wirtschaftlich motiviert sein. Aber selbst wenn es sich nicht insgesamt für alle lohnen würde, für andere lohnt es sich schon. Was ist denn wirtschaftliche Notwendigkeit für wen? Kein Unternehmen muss Interesse daran haben, ob es sich für die Gesellschaft als ganzes auszahlen könnte, dass ist ja nicht ihre Aufgabe.

Warum soll ich z.b. der Bauwirtschaft vorwerfen, dass sie Interesse daran hat zu bauen? Für sie ist das wirtschaftlich notwendig. Warum soll ich der Bahn vorwerfen, dass sie Interesse an dem Ausbau der Verbindung Paris Stuttgart München hat? Ich mag bezweifeln ob das nun für den Stuttgarter selbst sinnvoll ist, ich mag die Details und Planungen anzweifeln. Aber das die Bahn Interesse daran hat ein für alle möglichst unwirtschaftliches Projekt durchzusetzen? Welchen Grund hat sie denn dafür?

Ich bin vollkommen dafür, dass man sie zwingt schon etwas zu bauen, was zukunftsfähig ist, gerade wenn der Staat selber genug bezahlt. Aber jetzt noch mal 10 Jahre mit dem auch nicht viel billigeren Umbau zu K21 beschäftigt, nachdem man auch in S21 schon viel investiert hat, das wäre eben auch unwirtschaftlich und widerspräche ja dem eigentlichen Anliegen. Im Moment geht es alleine darum ob man S21 in einer größeren oder eine kleineren Variante baut, denn das ist die von allen anderen Parteien beschlossene Realität, selbst wenn die Grünen immer dagegen waren.

Ich hoffe ehrlich nicht, dass du suggerieren willst, dass die Wirtschaft all die genannten Dinge macht, weil sie es kann und nicht weil es für sie selbst wirtschaftlicher ist. Das mag aus Sicht des Bürgers anders aussehen, aber deswegen der Exkurs warum es Politik gibt. Wenn ich ein Atomkraftwerk betreibe und damit gutes Geld verdiene, warum sollte ich das ohne weiteres aufgeben? Viel mehr muss die Politik den Willen haben sich dort durchzusetzen.

Du wirfst wie gesagt einiges zu einem simplen Weltbild zusammen. Natürlich mag sich das gesamtgesellschaftlich nicht lohnen. Aber wie man das sieht, hängt auch sehr stark davon ab, welche Interessen man selber hat. Ganz abgesehen davon, dass das meiste eh nicht so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird. Mitunter erkennt man im Nachhinein doch den ein oder anderen Vorteil.

Noxiel schrieb:
Die Bahn handelt ganz Recht, die Kosten an die Landesregierung zu übertragen bzw. eine Übernahme zu fordern, denn die ist jetzt - in Stellvertretung des grün-roten Volkswillen - an der momentanen Misere Schuld.

Nein, nicht wirklich. Den Baustopp hat nicht die Landesregierung verhängt. Dieser wurde im Zuge der Schlichtung und der Wahlen von der Bahn freiwillig ausgesprochen, soweit ich mich erinnere auch mit dem Zugeständnis den Stresstest abzuwarten. Von daher hat die jetzige Landesregierung genauso wenig Verantwortung dafür wie die die letzte. Wenn man von Misere sprechen will, dann hat diese auch sehr viel früher durch die Art und Weise der Entscheidungen, Planungen und Fehlkalkulationen angefangen.

Eskaliert ist die Lage dann, als man vollendete Tatsachen schaffen wollte. Obwohl man den Willen des Volkes da durchaus kannte und es durch sein Verhalten noch massiv verschlimmert hat. Dafür kann die Bahn nichts, aber auch grün-rot nichts.

Ich gestehe der Bahn natürlich zu, dass sie versucht nun die laufenden Kosten irgendwie zu minimieren. Das heißt aber nicht, dass die Regierung dem nun einfach so stattgeben muss oder sollte. Eigentlich ist die Kostendrohung auch nur eine Finte, es ging ja viel mehr darum vor dem Ergebnis des Stresstest weiterzubauen, obwohl man zunächst ausdrücklich darauf verzichtet. Die Verträge waren der Bahn vorher bekannt, da wäre ich gespannt ob ein Gericht dann solchen Ansprüchen stattgeben würden.
 
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HappyMutant schrieb:
Nein, nicht wirklich. Den Baustopp hat nicht die Landesregierung verhängt. Dieser wurde im Zuge der Schlichtung und der Wahlen von der Bahn freiwillig ausgesprochen, soweit ich mich erinnere auch mit dem Zugeständnis den Stresstest abzuwarten. Von daher hat die jetzige Landesregierung genauso wenig Verantwortung dafür wie die die letzte. Wenn man von Misere sprechen will, dann hat diese auch sehr viel früher durch die Art und Weise der Entscheidungen, Planungen und Fehlkalkulationen angefangen.

Richtig. Und die Bahn hat keine Verträge mit einer Regierung sondern mit dem Land Baden-Württemberg ausgehandelt und die gilt es zu erfüllen. Die Bahn hat sehr wohl freiwillig den Baustopp angeordnet um eben - wie du schon erwähnst - keine vollendeten Tatsachen zu schaffen, was nur wieder Wasser auf die Mühlen der S21 Gegner bedeutet hätte um der Diskussion weiter mit emotionalen Aussagen den Boden der Sachlichkeit zu entziehen. Hier wurde doch seit Monaten ein eindeutiger Kurs, weg von der eigentlichen Kernthematik und hin zur generellen Verteufelung der Bahn gefahren.

Richtig ist auch, dass es nicht die Schuld der jetzigen Landesregierung ist, das damals ein Baustopp verhängt wurde. Sehr wohl aber, dass in den letzten Wochen immer mehr darauf gedrängt wurde, den Baustopp ohne Zusage einer Kostenübernahme oder weiterer Gespräche bis zum Beginn des Volksentscheid im Oktober zu verlängern. Und hier stellt sich nun die Bahn zurecht quer. Vereinbart war keine vollendeten Tatsachen bis zum Ende der Schlichtung zu schaffen. Dann erneut eine Verlängerung um der Landtagswahl in B-W Rechnung zu tragen und um der daraufhin neuen grün-roten Regierung eine gewisse Zeit zur Einarbeitung zu gewähren. Auch galt es erstmal abzuwarten, wie sich die Landesregierung zum Thema S21 aufstellt. SPD und Grüne standen vor dem Regierungswechsel in grundverschiedenen Positionen dar, was aber heute gerne übersehen wird.


HappyMutant schrieb:
Eskaliert ist die Lage dann, als man vollendete Tatsachen schaffen wollte. Obwohl man den Willen des Volkes da durchaus kannte und es durch sein Verhalten noch massiv verschlimmert hat. Dafür kann die Bahn nichts, aber auch grün-rot nichts.

Ich gestehe der Bahn natürlich zu, dass sie versucht nun die laufenden Kosten irgendwie zu minimieren. Das heißt aber nicht, dass die Regierung dem nun einfach so stattgeben muss oder sollte. Eigentlich ist die Kostendrohung auch nur eine Finte, es ging ja viel mehr darum vor dem Ergebnis des Stresstest weiterzubauen, obwohl man zunächst ausdrücklich darauf verzichtet. Die Verträge waren der Bahn vorher bekannt, da wäre ich gespannt ob ein Gericht dann solchen Ansprüchen stattgeben würden.

Den Willen des Volkes? Das ist nicht ganz richtig, wenn du mich fragst. Die Postionen im Regierungslager sind beim Thema S21 durchaus verschieden. Die SPD war vor der Landtagswahl für den Tiefbahnhof und hat erst in der heißen Phase weniger aktiv für dieses Projekt geworben um im Kielwasser der Grünen auf Wählerfang zu gehen. Das leidige Ergebnis der Koalitionsgespräche heißt nun - wie alle wissen- Volksentscheid und hat so beiden Parteien die Möglichkeit zur Gesichtswahrung ermöglicht.

Aber seien wir ehrlich, man kann bei 24,2% nicht vom Willen des Volkes reden, denn exakt soviele Stimmen haben die Grünen als strikte Projektgegner auf sich vereinigt. Allein CDU und SPD haben mit über 63% aller Stimmen einen wesentlich größeren Rückhalt im Land. Wenn wir also vom Volkswillen sprechen, dann müssen wir so realistisch sein und sagen, dass mehr als die Hälfte aller Baden-Württemberger für Stuttgart 21 sind.


Ja die Verträge waren der Bahn vorher bekannt, umso mehr wundert es mich, dass es jetzt Leute gibt, die daraus eine allgemeine Rechtfertigung begründen wollen, dass die Bahn auch weiterhin die Kosten alleine zu tragen hat. Nochmal, es war ein Entgegenkommen der Bahn keine weiteren Aufträge zu vergeben und damit Konventionalstrafen in Kauf zu nehmen. Aber Geduld - gerade wenn die Gegenseite sich so schwer mit verlässlichen Aussagen tut - ist begrenzt und daher ist es nur logisch, dass Kosten durch den zu begleichen sind, der sie verursacht und das ist hier - die aktuelle Landesregierung.
 
Naja gut, mit dem Willen des Volkes ist das so eine Sache. Ich möchte nicht behaupten, dass S21 für alle das entscheidende Wahlkampfthema war. In Stuttgart war es das aber eher als im Bundesland selbst.

Sagen wir mal, es war eine recht große Minderheit definitiv dagegen. Zu dem genannten Zeitpunkt zeigten auch diverse Umfragen eine ablehnende Mehrheit. Aber natürlich ist das Interesse am Thema nicht dauerhaft, vielen ist es eher egal, ob es nun gebaut wird oder nicht.

Meine Aussage bezog sich wirklich auf den Baubeginn und die Umstände. Und das es rumorte wusste man. Der Einsatz der Polizei verschaffte dem ganzen dann eine ganz andere Richtung. Deswegen bin ich schon der Meinung, dass die Misere eben auch auf andere Faktoren zurückgeht.

Das die Grünen den Volksentscheid wollten, dass dies in den Koalitionsgesprächen dann auch so umgesetzt wurde, dass wusste die Bahn. Von daher würde ich das nicht mangelnde Verlässlichkeit durch grün-rot nennen wollen, selbst wenn das natürlich vertraglich nicht geregelt war. Aber die Regierung hat nun mal gewechselt. Natürlich gibt es den Volksentscheid vor allem deswegen, weil die Grünen ein Versprechen halten wollen und im Grunde S21 auch für sie nicht wirklich zu verhindern ist. Gesichtswahrung ist das richtige Stichwort.

Aber muss man dann verstehen, warum die Bahn versucht diesen für sich negativ zu beeinflussen? Es ist bekannt, dass Bahn und Grüne andere Ansichten haben. Das muss man jetzt nicht noch einmal verdeutlichen. Ich habe gesagt, dass ich es aus wirtschaftlichen Erwägungen noch nachvollziehen kann, bzw. es eine Legitimation gibt das zu tun.

Aber aus taktischen Gründen ist es schlicht unklug. Die gemachten Zugeständnisse waren damals wie heute durch die politische Situation sinnvoll. Sicherlich will man nicht ein weiteres Jahr abwarten, denn im Winter baut es sich deutlich schlechter und somit wäre wohl der richtige Baubeginn dann erst 2012. Nur zu riskieren, dass sich doch noch eine Mehrheit dagegen findet wäre ja bedeutend schlechter. Die SPD hat schließlich zugesagt das Ergebnis des Volksentscheids mitzutragen. Die Grünen haben ebenfalls gesagt sich daran zu halten, falls die Mehrheit für S21 ist.

So ganz ist mir also nicht klar, warum man jetzt darauf beharrt, trotz beschlossenen Volksentscheid, trotz laufendem Stresstest. Das Ergebnis dieses Test soll ja auch Grundlage für zugesagte Nachbesserungen sein, wenn sich die Kapazitäten als zu knapp erweisen. Wähnt man sich in so einer guten Verhandlungsposition, dass man jetzt die Kostenfrage zu seinen Gunsten verschieben kann? Weiß man schon, was der Stresstest bringen wird? Oder will man nur glaubhaft nachträgliche Schadensersatzforderungen begründen?

Also im Sinne meiner vorherigen Ausführungen: Lohnt es sich für die Bahn das gerade jetzt zu machen? Muss es ja wohl.
 
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HappyMutant schrieb:
[...]Ich möchte nicht behaupten, dass S21 für alle das entscheidende Wahlkampfthema war. In Stuttgart war es das aber eher als im Bundesland selbst.
S21 war doch Gegenstand in allen großen überregionalen Medien, egal ob Print oder elektronisch.
Und es hat den Grünen definitiv viele Sympathiepunkte beschert, sich auf die Seite des vermeintlich ungehörten Bürgers zu stellen, der in Großprojekte nicht involviert und einfach zu schlucken hat, was ihm vorgesetzt wird.

HappyMutant schrieb:
Sagen wir mal, es war eine recht große Minderheit definitiv dagegen. Zu dem genannten Zeitpunkt zeigten auch diverse Umfragen eine ablehnende Mehrheit. Aber natürlich ist das Interesse am Thema nicht dauerhaft, vielen ist es eher egal, ob es nun gebaut wird oder nicht.
Und das ist der Punkt. Es ist doch schon seit jeher so, dass Menschen eher Dinge ansprechen und beklagen, welche ihnen nicht passen als das sie sich über eine - für sie positive - Situation äußern.
Und eine Minderheit, bleibt eine Minderheit. Egal wie groß sie ist. Es sollte nicht zum Standard in Deutschland werden, dass jene die am lautesten schreien, letztendlich über die politischen Geschicke im Land entscheiden.
Ich kann mich nämlich eher an abfällige und herablassende Bemerkungen zur Landesregierung und gegenüber der Bahn erinnern, als umgekehrt. Der Gedanke des zivilen Ungehorsams wurde doch während den Tagen im Oktober 2011 pervertiert um sich gewalttätig gegen die Polizei und den Bauherren Bahn durchzusetzen.

Ich will nicht ausschließen, dass die aufgeheizte Stimmung durch Mappus und den Einsatz der Wasserwerfer nicht zusätzlich eskalierte ABER da wurde viel von den Parkschützern im Vorfeld provoziert. Wenn man die Ebene der sachlichen Debatte verlässt um mit Gewalt seine Interessen durchzusetzen, dann ist das weit vom Konsensgedanken entfernt, den die Schlichtung eigentlich angestrebt hatte.

HappyMutant schrieb:
Meine Aussage bezog sich wirklich auf den Baubeginn und die Umstände. Und das es rumorte wusste man. Der Einsatz der Polizei verschaffte dem ganzen dann eine ganz andere Richtung. Deswegen bin ich schon der Meinung, dass die Misere eben auch auf andere Faktoren zurückgeht.
Selbstverständlich. Es gab sicher einige Schlüsselmomente die zur Eskalation geführt haben, aber ich lese vermehrt eben nur, dass diese Fehler ausschließlich auf Seiten der Bahn und der damaligen schwarz-gelben Landesregierung zu suchen sind.

HappyMutant schrieb:
Das die Grünen den Volksentscheid wollten, dass dies in den Koalitionsgesprächen dann auch so umgesetzt wurde, dass wusste die Bahn. Von daher würde ich das nicht mangelnde Verlässlichkeit durch grün-rot nennen wollen, selbst wenn das natürlich vertraglich nicht geregelt war. Aber die Regierung hat nun mal gewechselt. Natürlich gibt es den Volksentscheid vor allem deswegen, weil die Grünen ein Versprechen halten wollen und im Grunde S21 auch für sie nicht wirklich zu verhindern ist. Gesichtswahrung ist das richtige Stichwort.
Der Volksentscheid ist die Notlösung beider Parteien. Die Grünen wußten schon während dem Wahlkampf, dass die Hürden für einen Volksentscheid viel zu hoch sind und nur ein verschwindend geringer Teil innerhalb der Partei hat zu diesem Zeitpunkt an einen Erfolg geglaubt. DAS hat man dem Bürger aber natürlich nicht verraten, denn das hätte sich im Programm nicht gut gemacht, denn so konnte man den "Wutbürger" schön im Glauben lassen, die Volksbeteiligung sei eine rein grüne Idee und Zeichen besseren Demokratieverständnisses.
Ich weiß nebenbei gesagt garnicht, wie weit die Initiative der Grünen mittlerweile gediehen ist, die Landesverfassung umzuschreiben um das Quorum aus der Volksabstimmung zu streichen, sprich um die Anforderung - für ein möglicherweise positives grünes Ergebnis - zu senken.

HappyMutant schrieb:
Aber muss man dann verstehen, warum die Bahn versucht diesen für sich negativ zu beeinflussen? Es ist bekannt, dass Bahn und Grüne andere Ansichten haben. Das muss man jetzt nicht noch einmal verdeutlichen. Ich habe gesagt, dass ich es aus wirtschaftlichen Erwägungen noch nachvollziehen kann, bzw. es eine Legitimation gibt das zu tun.
Die Bahn verweist deswegen auf die zusätzlichen Kosten und eine Beteiligung durch die Regierung, da es bereits Pläne bei den Grünen gab (oder noch gibt, bin da nicht auf aktuellem Stand), diese Mehrkosten eines erweiterten Baustopps auf die Endrechnung aufzuschlagen und so geschickt die Hürde zu reißen, die in der S21 Schlichtung als Voraussetzung für eine Fortsetzung des Baus vereinbart wurde.
 
1. Zu den Protesten wurde hier in diesem Thread wirklich ausführlich genug diskutiert. Ich sehe jetzt irgendwie nicht den Anlass mit den exakt gleichen Argumenten und Herangehensweisen das einfach ein Jahr später noch einmal aufzuwärmen.

2. Was denn nun? Ist es ein entscheidendes Thema gewesen, ist es eine Minderheit, die doch bitte nicht zu entscheiden hat? Tatsache ist, es hat den Wahlkampf beeinflusst, darüber sind wir uns einig. Tatsache ist aber auch, dass es nicht das alleinige Thema war, obwohl du es erst so hinstellst und hier nun aber so recht nicht entscheiden kannst, ob es nun entscheidend war, ist oder hätte sein dürfen.

Aber so oder so hat es auch dazu geführt, die Grünen zur zweitstärksten Kraft zu machen und CDU und FDP massiv zu schwächen. So funktioniert Demokratie und Politik und da brauchen wir uns ehrlich nicht darüber unterhalten, was eine vermeintliche Minderheit durchgesetzt haben soll. Ob es nun eine aktive Mehrheit für das Projekt gab oder nur eine desinteressierte Masse gegen eine aktive Minderheit, das ist eben die Frage. Und wer nicht wählt, wer nicht aktiv an Politik interessiert ist, der muss eventuell damit leben, dass andere die Themen bestimmen.

Zumal du das ganze ausschließlich mit den "Parkschützern" in Verbindung bringst, die wiederum eben nicht unbedingt die Mehrheit des Protest symbolisieren müssen und zweitens du tatsächlich den Gegnern vorwirfst ihre Interesse mit Gewalt durchzusetzen. Als sei dies ernsthaft das bevorzugte Mittel gewesen. Als sei halt der Demonstrant als solche Schuld, wenn er da so steht und protestiert. Obwohl gerade in dem Fall die Polizeitaktik wirklich zu Recht auseinandergenommen wurde und die ganze unnötige Eskalation wirklich gut dokumentiert ist. Zudem auch noch die versuchte Manipulation der veröffentlichten Videos nachgewiesen wurde, also auch der Polizei die Brisanz klar war. Und trotzdem reduziert man es auf "Selber Schuld, die Gewalt ging von den Demonstranten aus".

Sorry, aber warum um alles in der Welt drehst du die Debatte hier auf den Anfang zurück, entgegen der bekannten Fakten? Darum ging es hier gerade nicht. Sondern wir waren gerade bei den politischen Folgen und den Entscheidungen und ich würde doch gerne auch dabei bleiben.
_______

Nein, die Grünen haben die Bürger nicht über die Chancen des Volksentscheids belogen. Denn die Hürde waren vorher klar, darüber wurde ja genug lamentiert. Es war ohnehin erklärtes Ziel das nötige Qurom zu senken. Gegen beides hat sich insbesondere auch die CDU vor der Wahl allerdings gewehrt. Die CDU wollte ohnehin kein Volksentscheid aus Prinzip. Außer Frau Merkel, die halt die Wahl zum Volksentscheid über S21 ausrief (wohlwissend, dass eben nicht über S21 abgestimmt wird). Wir wissen wie gut das funktionierte...

Tatsache ist, die 33% der Wahlberechtigen erhält man nie als Zustimmung, das ist mehr als zur Regierungsbildung aktuell notwendig ist. Unbestritten ist sicher auch, dass du gerade erst den Volksentscheid als Idee der Grünen hingestellt hast.

Die SPD war vor der Landtagswahl für den Tiefbahnhof und hat erst in der heißen Phase weniger aktiv für dieses Projekt geworben um im Kielwasser der Grünen auf Wählerfang zu gehen.

Aber:

so konnte man den "Wutbürger" schön im Glauben lassen, die Volksbeteiligung sei eine rein grüne Idee

Etwas schwierig ihnen den Volksentscheid einerseits vorzuwerfen, aber andererseits so zu tun als hätten sie die Idee auch noch geklaut. Wenigstens das sollte man ihnen doch die politische Vertretung dieser Sache zugestehen, wenn man die Idee selbst schon für unsinnig hält.

Kann man natürlich streiten ob Volksvertreter ohne konkrete Informationen über Finanzierung und Ausmaße über solche Projekte in Ausschüssen beraten und dem Parlament zur Abstimmung vorlegen sollten (um sich dann hinter diese sehr variablen Verträge zu stellen, wenn der ganze Spaß konkret wird) oder ob Bürger ohne konkrete Informationen direkt über solche Projekte abstimmen sollten. Für mich ist beides ähnlich unbefriedigend, aber bei ersteren habe ich eher das Gefühl, dass sie ihre Aufgabe nicht so ganz gerecht wurden.

Natürlich zählen auch die Kosten für den Baustopp zum Projekt. Am Ende ist diese Grenze aber doch wachsweich, da sie ebenfalls nur Absichtserklärungen sind. Lass es 100 Millionen sein, die ein längerer Baustopp kostet. Schlimm genug, aber damit schaffst du es nie die vermeintliche Grenze zu reißen, dazu ist die Gesamtsumme schon viel zu gigantisch und die Unwägbarkeiten aufgrund des Stresstest noch um ein vielfaches größer. Nämlich wenn die in den Plänen vorhandene Erweiterung des Bahnhofs als notwendig befunden wird. Auf diese hat man ja aus Kostengründen verzichtet. So wie auf vernünftige Rettungswege, Zugänge usw. die man erst in der Schlichtung nachträglich durchsetzen musste. Selbst wenn jemand so eine Taschenspielertrick versucht, ich hoffe es ist keiner so naiv, ich habe auch bisher nichts davon gelesen, dass man es bewusst machen würde. Denn getrickst wurde ja schon um die Kosten niedrig zu halten.

Ich möchte gar nicht behaupten, dass eine Seite fairer als die andere spielt. Ehrlich gesagt ist die Art und Weise wie Politik durch Politiker und Bürger gemacht wird für mich ziemlich verhunzt. Und am Ende geht es nur darum rauszufinden, wer denn Schuld hat. Egal ob es eigentlich mit der Sache was zu tun hat oder nicht. Irgendwie auch eine Motivation solche Diskussionen zu führen, weil mich das nervt.
 
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Und es geht weiter mit den "friedlichen" Protesten der Parkschützer in gelöster Feierabendstimmung. :rolleyes:

http://www.sueddeutsche.de/politik/...762?commentCount=12&commentspage=3#kommentare
http://www.stuttgarter-zeitung.de/i...ten.0c783e76-ea6f-4bbf-9e39-0b29631159b7.html
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,769519,00.html

Meiner Einschätzung nach werden die Teile der aggressiven und gewaltbereiten Parkschützer am Tag 1 nach der Volksabstimmung (sofern sie denn überhaupt kommt) so derbst auf die - pardon - Fresse fallen ob den Ergebnissen die uns da erwarten, dass die Nacht danach vermutlich an "gelöster Feierabendstimmung" nicht zu überbieten sein wird.

Durch solche Aktionen von Gestern verspielen die Parkschützer alle Sympathien in der Gesellschaft und machen es der aktuellen Regierung immer schwer sich ablehnend gegenüber den S21 Plänen zu äußern.

Wutbürger, das ich nicht lache....
 
Die Sprecher beider Seiten haben diese Übergriffe ja verurteilt. Aber ich stimme Dir zu, der "Sache" hilft das nicht weiter. Jedoch: was hilft hier überhaupt weiter? Schlichtungsgespräche? Stresstests? Überhaupt Stresstest, was wird da eigentlich getestet, wenn das zu testende noch nicht existiert? Egal... offensichtlich hilft hier nichts weiter, denn gebaut wird so oder so. Das zeigt das Verhalten der Bahn in letzter Zeit ganz klar. Dass da einige wenige durchdrehen, ist nachvollziehbar. Nicht in Ordnung, aber verstehen kann ich es dennoch.
 
Ich finde die Grünen haben ihre Wähler total verarscht. Erst so tun das ende mit den Bahnhof ist. Und dann weiterbauen lassen als sei nichts gewesen. Die sind ja in der Wählerveraschung noch schlimmer als die FDP.
 
Hm... ich denke, das ist lediglich natürliches Parteienverhalten. Das einzig Enttäuschende ist vielleicht, dass die Grünen genau wie die anderen Parteien agieren. Aber warum sollten sie sich auch im festgetretenen Politzirkus anders verhalten? Die Probleme, Zwänge, verführerischen Angebote etc. sind für die aktuellen Politiker ebenso vorhanden, wie für die vorherigen.

In der Opposition lebt es sich einfach ungenierter, da kann man gerne mal mit Idealen hausieren gehen, solange man sie nicht umsetzen muss. In der Regierungsverantwortung ist es immer schwerer, das hat man nicht zuletzt bei Obama und jetzt mit den Grünen in BW gemerkt.
 
Dass die Grünen die Wähler verarscht hätten ist Quark.
Die Bahn gehört dem Bund, und das Land bezahlt einen großen Teil der Kosten.
Solange das Land den Hahn zudreht wird da garnichts gebaut.
Die Bahn tut so, als ob irgendwo Geld verschwendet worden wäre, und als ob irgendwelche Verträge irgendwelche Kosten verursachen würden.

Wessen Geld denn nun? von wem an wen?

Wer jetzt nicht profitiert sind die Baufirmen, weil nicht gebaut wird.
Sonst niemand.

Diese versuche den Bau weiterzubringen sind jediglich ein versuch der bahn die grünen zu zwingen den geldhahn wieder aufzudrehen. als ob die da irgendwie was fertigbauen könnten ohne das geld vom land. es geht nur darum die bevölkerung gegen die protestler aufzubringen, damit eventuell wieder zustimmung entsteht und kosten durch die polizeiarbeit verursacht wird.

erstmal muss der stresstest durch sein.
und dann wird man erstmal schauen ob ein neuer bahnhof in irgeneiner form irgenwie einen tatsächlichen fortschritt bringt. ansonsten investiert das land die milliarden zum beispiel in öffentliche verkehrsmittel, bildung, kitas und andere infrastrukturmaßnahmen, die wesentlich nachhaltiger sind.
 
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DVNO schrieb:
Dass die Grünen die Wähler verarscht hätten ist Quark.

Lies Dir das Thema aufmerksam durch. Wir haben es bereits thematisiert und auch mir wurde bewiesen, dass mindestens der Herr Ministerpräsident vor der Wahl etwas anderes versprochen hat, als nun eingetreten ist.
 
Was man so alles liest. Einige der Taten werden übrigens auch auf der offiziellen Parkschützer Seite hervorgehoben. Von manchen als Trophäe, von andere als Armutszeugnis tituliert.

[...]Aktivisten hätten den Bauzaun niedergerissen und das Gelände gestürmt, teilte die Polizei mit. Es seien Reifen zerstochen, Radmuttern abmontiert, Sand und Steine in die Benzintanks gefüllt, unzählige Kabel und Schläuche abgerissen sowie Wasserrohre zerstört worden.
http://www.sueddeutsche.de/politik/...tzer-weisen-gewaltvorwuerfe-zurueck-1.1110847
 
wie würden sich Autofahrer verhalten wenn man eine 4-spurige Autobahn einfach auf 2 Spuren einschnürrt um dann wieder auf 4-spurig zurückführt?
Genauso ist es mit dem Schienennetz. Mit dem neuen unterirdischen Bahnhof ist es bei Bedarf einfach weitere Röhren anzuhängen um dem Aufkommen in der Zukunft gerecht zu werden.
Wenn alle Protestler (Terroristen- Hobbyaktivisten- Krawallmacher etc..) Bahnkunden wären würde sich die Bahn freuen. Wenn diese Personen sich schon vor über 20 Jahren zu Wort gemeldet hätten, würde Vieles schon im Vorfeld ohne Krawall geklärt worden sein.
Die in der Umgebung durchgeführten Protestkundgebungen haben nur für viel Müll, Krach und Unmut der Anwohner und Verkehrsteilnehmer geführt.
 
nen passender vergleich zu der lage in stuttragt wär der:
du bist in einer klasse, in der letzten klasse. bald ist abschlussfahrt, es soll nach prag gehen.
kurz vor der abfahrt teilt euch der lehrer mit es geht nicht nach prag, es geht nach paris.

vielleicht wäre paris besser, aber menschen sind von natur aus angepisst und kindisch wenn pläne so halbspontan geändert werden. zumal paris dann auch noch 3 mal so viel kostet wie prag.

so seh ich das. im grunde ist das von vorn herrein falsch gelaufen. die bahn hat einfach nur ne miese pr, ist nen extrem intransparenter verein der von natur aus auf kundenbeschiss baut. die landesregierung war auch brettblöd das nicht viel weiter mit den medien zu komunizieren.
in dem klima was da zwischen verantwortlichen und gegnern herrscht gedeien nicht mal mehr unkräuter.
das wird ein zankapfel bleiben, einfach aus menschlich "ich bin dagegen und das ist auch gut so" mentalität. da ziehen keine argumente mehr.
also einfach durchziehen, fertig.
unterwegs noch diese scheiß trittbrettfahrer überleben die diesen schauplatz als spielburg identifiziert haben, und den protest aussitzen = endlösung.
den ein zurück zum ursprung gibt es nicht mehr, dafür ist schon zu viel geld verbrannt worden.
 
Mich wundert es ja dass es ausgerechnet heute so ruhig im Thread hier ist? Nach den bestandenen Stresstests.
 
das ergebniss ist noch garnicht raus, kann man also schlecht von bestanden reden.
 
Stimmt, das Ergebnis ist noch nicht raus. Trotzdessen berichten die Medien von bestandenem Stresstest oder?
 
weil keiner der sogenannten journalisten die pressemitteilungen der bahn nachrecherchiert.
 
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