Ich bin gelernter Verwaltungsfachangestellter mit einer ausgeprägten Abneigung gegen ein Studium (ich habe es versucht, aber nach 3,5 Semestern abgebrochen - den LL.B brauche ich heute nicht mehr. Außerdem hat sich die trockene Theorie, nur um später im Beamtenverhältnis durch die Einöde von Recht und Gesetz zu wühlen, nicht gerade als meine ideale berufliche Perspektive herausgestellt). Meine Laufbahn begann bei einer Kreisverwaltung, wo ich in den Praxisphasen mehr im IT-Bereich der Verwaltung tätig war, als bei der tatsächlichen Sachbearbeitung an vorderster Front mit Kundenkontakt. Mittlerweile bin ich seit einigen Jahren Führungskraft (ob Sachgebietsleitung, Fachdienstleitung, nennt es, wie ihr wollt) bei einem kommunalen IT-Dienstleister im Bereich Fachverfahren - und Anwendungen. Die grds. Aufgabe in diesem Bereich ist es, Support zu leisten, Anwendungen zu betreuen und Lösungen für unsere kommunalen Kunden im Bundesland bereitzustellen.
Bin ich mit meinem Job zufrieden? Inzwischen ja, mehr als zufrieden sogar, auch wenn es bedeutet, viele Projekte gleichzeitig im Blick zu behalten, sich mit Nebenkriegsschauplätzen und Durchlauferhitzern auseinanderzusetzen, strategischen Weitblick zu wahren, sich oft in Geduld zu üben (die Mühlen im ÖD mahlen anders), Gremienarbeit zu leisten und zudem die Verantwortung für 12 Mitarbeiter zu tragen. Es ist allerdings ein harter Kampf, sich im öffentlichen Dienst die Hierarchieebenen hochzuarbeiten, wo altbackene, an das Beamtentum angeknüpfte Ansichten zu Abschlüssen immer noch eine große Hürde darstellen. Man wird oft nur nach formalen Qualifikationen bewertet, unabhängig von den tatsächlich erbrachten Leistungen oder der gesammelten Erfahrung. Aufsteigen zu wollen, ohne einen akademischen Abschluss vorzuweisen, erfordert nicht nur fachliches Können, sondern auch Beharrlichkeit, Geduld und die Fähigkeit, sich immer wieder zu beweisen. Das macht den Weg nach oben nicht unbedingt leichter, aber es schärft den Blick dafür, was wirklich wichtig ist: praktische Lösungen, Durchhaltevermögen und der Wille, sich nicht entmutigen zu lassen.