Weltanschauungen im Allgemeinen, Systemkritik, Diskussionen rund um den Kapitalismus

Status
Für weitere Antworten geschlossen.
Was für ein Blödsinn hier verzapft wird. Man muss sich nur weiterbilden, Meisterbrief, Studium usw...

Ja und wer macht dann solche Jobs wie Kassierer im Supermarkt, Kellner im Restaurant oder Altenpfleger ?

Ich stell mir gerade ein Handwerksbetrieb vor in dem jeder Mitarbeiter ein Meisterbrief hat. Ja die verdienen dann ja automatisch alle mehr.
Oder ein Supermarkt in dem nur Marktleiter arbeiten.

In der Fantasie geht alles.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: dideldei, KitKat::new() und DerOlf
Kassenwart schrieb:
Kassierer im Supermarkt
Aldi zahlt mindestens(!) 14 € pro Stunde an der Kasse (jaja Mindestlohn)... da braucht man KEINE Qualifikation. Ist doch super, wenn einem das Spaß macht?

Da hatte ich als Werkstudent in nem (sehr) großen Konzern deutlich weniger damals. Und da musste man fachlich schon ein bisschen was können - klar learning on the job war da auch vorhanden, aber trotzdem mehr als "Ware über Scanner und eingeben wieviel der Kunde zahlt, um das Rückgeld von der Kasse berechnen zu lassen und rauszugeben". Wobei das für mich persönlich deutlich stressiger wäre^^

MfG, R++

Edit unter mir: Danke @Tomislav2007
Dass Aufstiegsbafög eine Hybridvariante ist, wusste ich nicht. Kenne nur das "klassische" BAföG für das Studium oder halt den (allgemeinen) Bildungskredit von der KfW.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: Klingeldraht
Hallo

R++ schrieb:
Eben. Es gibt BAföG oder (zinsbehaftet) KfW-Kredite.
Das Aufstiegs BAföG ist ein Mix aus beidem.
Wenn man das Aufstiegs BAföG bekommt ist eine Hälfte ein Geschenk von der Bezirksregierung und eine Hälfte ist ein Kredit von der KfW.
Wenn man den Meister/Staatl. gepr. Techniker hat und der KfW eine Kopie vom Zeugnis schickt bekommt man vom KfW Kredit die Hälfte erlassen.
Ein Jahr nach Ende der Weiterbildungsmaßnahme muss man vom gesamten Aufstiegs BAföG (Geschenk + Kredit) nur 25% in kleinen Raten zurück zahlen.

Kassenwart schrieb:
Ja und wer macht dann solche Jobs wie Kassierer im Supermarkt, Kellner im Restaurant oder Altenpfleger ?
Ganz einfach, diejenigen die keine Lust auf Schule/Ausbildung/Weiterbildung/Studium haben.

Grüße Tomi
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Klingeldraht und R++
Tomislav2007 schrieb:
Ganz einfach, diejenigen die keine Lust auf Schule/Ausbildung/Weiterbildung/Studium haben.
Ach die haben also blos keine Lust. Dann wollen wir mal hoffen das die nicht irgendwann doch mal Lust bekommen.

Ich stellte mir grad vor alle fangen ein Studium an. Wo kauft der gute Tomi dann sein Gourmetfleisch oder Tankt seinen V8 ?
 
Hallo

Kassenwart schrieb:
Ach die haben also blos keine Lust.
Ich habe nie geschrieben das alle keine Lust haben.

Kassenwart schrieb:
Dann wollen wir mal hoffen das die nicht irgendwann doch mal Lust bekommen.
Diejenigen die keine Lust auf Schule/Ausbildung/Weiterbildung/Studium haben wird es immer geben, der Nachwuchs an Hilfsarbeitern wird uns nicht ausgehen.

Kassenwart schrieb:
Wo kauft der gute Tomi dann sein Gourmetfleisch oder Tankt seinen V8 ?
Ich kaufe Fleisch bei meinem Lieblingsmetzger (Siehe meine Signatur) oder bei Bauern in meiner Umgebung.
Tanken kann ich auch an Tankautomaten, dafür brauche ich keine Tankstelle mit menschlichen Arbeitskräften.
Der Tankwart der das Öl kontrolliert und die Scheibe putzt ist schon weg, der Kassierer ist auch sehr bald weg.
Der Kassierer wird bei Tankstellen nur noch für das Supermarkt Sortiment gebraucht und nicht für das tanken.

Kassenwart schrieb:
Ich stellte mir grad vor alle fangen ein Studium an.
Genau darauf läuft es doch schon seit Jahrzehnten hinaus, die Anzahl der Studenten steigt kontinuierlich.
Wie ich schon schrieb, wenn das so weiter geht hat bald jeder Bäcker/Koch/KFZler/etc. einen Bachelor.

Grüße Tomi
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: Klingeldraht und kim88
Kassenwart schrieb:
Was für ein Blödsinn hier verzapft wird. Man muss sich nur weiterbilden, Meisterbrief, Studium usw...
Ja das neoliberale Märchen vom "Wohlstand für alle" ™. Es kann jeder Lotto Millionär werden, bloß halt nicht alle... Hier sollten vielleicht einige mal die eigene Perspektive verlassen und das gesamte gesellschaftliche Bild betrachten.

Ich habe auch neun MA unter mir. Es konnte halt nur einer Referent werden.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: getexact und Klingeldraht
Hallo

A415 schrieb:
Ja das neoliberale Märchen vom "Wohlstand für alle" ™.
In der Realität werden aktuell an jeder Straßenecke alle möglichen Fachkräfte gesucht, da ist für jeden der will was dabei.
Wer das nicht für sich nutzen will und lieber als Hilfsarbeiter/Bürgergeldempfänger auf der Couch sitzen bleibt ist selber schuld und hat Pech gehabt.

Grüße Tomi
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Klingeldraht
Tomislav2007 schrieb:
Wer das nicht für sich nutzen will und lieber als Hilfsarbeiter/Bürgergeldempfänger auf der Couch sitzen bleibt ist selber schuld und hat Pech gehabt.
Nicht jeder Hilfsarbeiter/Bürgergeldempfänger hat die kognitiven oder sozialen Fähigkeiten einen Beruf zu erlernen bzw. sich weiter zu bilden bzw. mit der heutigen Arbeitswelt zurecht zu kommen. Einen gewissen Bodensatz an Bildungsverlierern wird man immer haben. Da jetzt zu behaupten er/sie müsse sich nur weiter bilden und würde sonst faul auf der Couch sitzen ist schon sehr klischeehaft...
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: getexact und DerOlf
Kassenwart schrieb:
Ach die haben also blos keine Lust.
Bei vielen, die sich über fehlendes Gehalt beschweren, kommt es mir in der tat so vor. Da wird erst mal, ohne festen Job (aber hoffentlich mit Ausbildung), in die Großstadt gezogen (anderes ist in D heute wohl nicht mehr zumutbar, max. noch der Verbleib am Geburtsort), sich dann über die fehlenden billigen Wohnungen beschwert und dann angefangen, sich einen Job zu suchen.

Hat man den, muss man darin zwangsweise bis zu seiner Rente bleiben, weil man ja so ausgebeutet wird, dass einem sowohl die Lust wie auch die Ideen fehlen, sich anderweitig weiter entwickeln zu können.

Warum gibt es seit Jahren so viele Jobangebote im Verkaufsbereich (vermutlich nicht mitten in M oder HH) weit oberhalb vom Mindestlohn, und andererseits wird sich über den Mindestlohn im Handel beschwert?

Auch der Angestellte mit Studienabschluss hat damit nicht ausgelernt und fängt als Abteilungsleiter oder Senior-Experte sein Berufsleben an. Außer, er gibt sich seinem ersten AG einfach hin und ist selber Schuld, wenn er nichts aus seinen individuellen Fähigkeiten macht. Wie so üblich, geistig oder körperlich eingeschränkte Personen nicht eingeschlossen.

Zusätzlich kommen die Leute, die jahrzehnte in Teilzeit arbeiten wollen (Schlüsselkinder gab es auch schon in den 1970ern) und entsprechende Jobs suchen und am Ende meckern, dass sie nach 40 Jahren Berufstätigkeit keine ausreichende Rente bekommen.

Kassenwart schrieb:
Ich stellte mir grad vor alle fangen ein Studium an. Wo kauft der gute Tomi dann sein Gourmetfleisch oder Tankt seinen V8 ?
Tanke geht. nicht nur im Ausland, schon seit >20 Jahren vollautomatisch, das klappt beim E-Auto ja auch. Da braucht es für die Tanke noch den LKW-Fahrer, der gelegentlich die Tanken beliefert, sobald diese automatisiert meldet, dass die Vorräte zu Neige gehen. Ohne die Leute, die dort freiwilig zu hohe Preise für Lebensmittel zahlen, wären die Jobs da m.M.n. schon lange wegrationalisiert.

Das Gourmetfleisch gibt es weiterhin vom Metzgermeister, der seinen eigenen Hofladen führt und entweder selber Verkauft oder die Familie hat, die das, parallel zum Hofbetrieb, mitmacht. Im Zweifel, falls der Betrieb groß genug ist, gibt es noch den ein oder anderen Fleischerei-Fachverkaufenden (M/W/D), der sich nach der Stelle beim Aldi weitergebildet hat (oder vom Meister gar im Betreib weiter gebildet wird). Und zum Schluss gibt es für die Leute, welche die Öffnungszeiten nicht einhalten können/wollen, noch passende Verkaufsautomaten mit dem eingeschränkten Angebot für dieses Klientel. Alles ist bei uns schon seit längeren an mehreen Stellen üblich.

Kassenwart schrieb:
Ich stell mir gerade ein Handwerksbetrieb vor in dem jeder Mitarbeiter ein Meisterbrief hat. Ja die verdienen dann ja automatisch alle mehr.
Azubis und Gesellen gibt es also nicht mehr, da die Meisterausbildung zwingend sofort nach der Gesellenprüfung in Vollzeit stattfindet? Das Gegenteil davon war früher wohl nur meine eingeschränkte Sichtweise auf die paar Handwerksbetriebe, zu denen ich persönliche Kontakte hatte. Da ist keiner auf Dauer Geselee ohne spezifische Weiterbildungen geblieben, selbst wenn er nicht den Meister/Techniker gemacht hat.

A415 schrieb:
Ich habe auch neun MA unter mir. Es konnte halt nur einer Referent werden.
Die werden dort auch alle bis zur Rente bleiben? Seltsam, dass alle meine Bekannten schon mehrmals ihre Stellen und Aufgabengebiete gewechselt haben (auch noch mit >50). Teils innerbetrieblich, teils aber auch mit AG-Wechsel. Und nahezu immer verbunden mit Weiterbildungen, teils vor dem Wechsel und teils danach.

Aber klar, wer zum Mindestlohn als Verkäufer oder Bauarbeiter anfängt, muss bis an sein Lebensende in dieser Position zum Mindestlohn arbeiten.
Ergänzung ()

A415 schrieb:
Da jetzt zu behaupten er/sie müsse sich nur weiter bilden und würde sonst faul auf der Couch sitzen ist schon sehr klischeehaft...
Wenn ich mir unsere Oberland Werkstätten ansehe, dann passt das durchaus (nicht für die dortigen Mitarbeiter). Wer nunmal körperlich oder geistig so eingeschränkt ist (und nicht nur keinen Bock auf Schule und Ausbildung hatte), der muss entsprechend gefördert werden. Die Mitarbeiter (geistig und/oder körperlich eingeschränkte Personen) dort erhalten entsprechende Ausbildungen/Einweisungen, um, ihren Fähigkeiten entsprechend, Tätigkeiten zu verrichten.

Das ist dann zwar eine sehr einfache Möglichkeit für die "normalen" Betriebe, ihre Behindertenquote zu erfüllen ohne selber Arbeitsplätze für diese Leute schaffen zu müssen. Aber am Ende dürfte es eine win/win Situation sein und insg. besser, wie die Leute (die ja offensichtlich arbeitsfähig sind) mit Bürgergeld zu hause zu lassen.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: kim88
A415 schrieb:
Ja das neoliberale Märchen vom "Wohlstand für alle" ™. Es kann jeder Lotto Millionär werden, bloß halt nicht alle...
Um diese Kernaussage-/frage (was ist die Konsequenz davon) wird immer ein großer Bogen gemacht.
Ähnelt irgendwie sehr stark jeglicher "Diskussion" zu Religionen.
A415 schrieb:
Hier sollten vielleicht einige mal die eigene Perspektive verlassen und das gesamte gesellschaftliche Bild betrachten.
Wie bei der Religion scheint es für diese Menschen unmöglich zu sein.

A415 schrieb:
Ich habe auch neun MA unter mir. Es konnte halt nur einer Referent werden.
Man muss den neun doch nur sagen, dass jeder Referent werden kann und hat damit augenscheinlich den Beweis, dass jeder der es nicht ist/schafft, dumm/faul ist ...

So einfach ist das :freak:
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: KitKat::new(), DerOlf und Skaiy
Man kann sich auch "einfach" selbständig machen. Da fragt keine Sau nach Ausbildung oder Studium. Zumindest, wenn man nicht gerade ne Arztpraxis eröffnen will. =P

Ist zwar viel Arbeit und Papierkrieg ohne Gnade, weil Digitalisierung in Deutschland immer noch ein Fremdwort ist. Aber im Erfolgsfall verdient man mehr als jeder Ingenieur oder was weiß ich. Ich persönlich schaffe es da auch ohne Studium auf sechsstellige Beträge jährlich. Und ich hab während der Inflationszeiten nicht mal meine Preise erhöht.

Generell gibt es tatsächlich genügend Möglichkeiten, selbst was an der eigenen Situation zu ändern. Dennoch werde ich den Teufel tun, und alle in eine Schublade stecken. Ich gehe immer erstmal davon aus, dass die Leute unverschuldet in Not geraten. Das mag naiv sein. Das ist mir aber lieber, als ganze Bevölkerungsgruppen pauschal zu verurteilen. Darunter wäre unter Garantie mindestens einer, dem ich damit Unrecht tun würde.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: getexact
Die Forderung "Man solle sich weiterbilden/umschulen/xyz" basiert auf dem Punkt, dass dies Leute machen sollen, wenn sie mehr verdienen wollen.

Nicht darauf, dass das einfach so jeder machen soll.

Wenn ich mit meinem Einkommen des "Dullijobs" aka. "Schraubensortieren" nicht zufrieden bin, dann schaue ich was in meinen Möglichkeiten (und/oder Interessen liegt) und akquiriere Wissen/Kompetenzen/Qualifikationen. Dies ermöglicht mir, "höherwertige" Arbeiten verrichten zu können/dürfen.

Will ich das nicht, muss ich halt mit Mindestlohn zurechtkommen, aber soll doch bitte aufhören zu meckern und zu fordern, wie Ludwig XIV. leben zu können...

PS: Unabgängig davon ist, dass einige Jobs in Relation zu anderen (massivst) unterbezahlt sind. Hier sind wir aber dann wohl bei Gesellschaftlicher Anerkennung/Wertschätzung.

MfG, R++
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: Tomislav2007 und Klingeldraht
Andy8891 schrieb:
Um diese Kernaussage-/frage (was ist die Konsequenz davon) wird immer ein großer Bogen gemacht.
Ähnelt irgendwie sehr stark jeglicher "Diskussion" zu Religionen.

Die Kernaussage und Konsequenz ist ziemlich simpel. Menschen können freie und eigene Entscheidungen treffen und die Weichen für ihr Leben stellen

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Menschen auch mittel- und langfristig mit den Konsequenzen - die aus diesen Entscheidungen kommen - leben dürfen oder müssen. So komplex ist das nun wirklich nicht.

Und nun zur Aussge konkret? Will den jeder Millionär werden? Ist das ein Ziel, das ausnahmslos alle Menschen die auf dem Planeten rumwuseln verfolgen?

Wäre mir neu. In meinem Umfeld wollen das die wenigsten viele haben ganz andere Lebensziele. Eltern zu werden, ein Eigenheim zu besitzen, oder mal in Kalifornien zu surfen, oder mal einen super speziellen Berg hochzuklettern, etc

Menschen sind unterschiedlich, so sind es auch ihre Träume und Ziele. Daher die Aussage "Jeder kann Millionär werden aber nicht alle" stimmt natürlich. Aber richtiger wäre "Jeder kann Millionär werden aber nicht alle wollen das" wäre noch richtiger.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: DerOlf
gymfan schrieb:
Ohne die Leute, die dort freiwilig zu hohe Preise für Lebensmittel zahlen, wären die Jobs da m.M.n. schon lange wegrationalisiert.
Das ist grundfalsch.

Ohne die Leute, die den überteuerten Supermarktkram kaufen, könnte sich in Deutschland momentan keine Tankstelle über Wasser halten. Das ist auch der Grund, weswegen die vollautomatischen Zapfsäulen im Ausland schon länger Standard sind, in Deutschland aber noch die Ausnahme (eigentlich nur bei Supermarkt-Tankstellen, die eh keinen Gewinn abwerfen müssen).

In Deutschland tun sich die Tankstellenbetreiber schwer damit, zu automatisieren, weil dann ja der Beikonsum wegfallen könnte, von dem die Tanke finanziert wird.
Die Automatische Tankstelle wird kommen ... aber da wird der Sprit dann etwas teurer sein, weil die Kosten ja irgendwie mindestens gedeckt werden müssen ... mit ein oder zwei cent pro verkauftem Liter Sprit funktioniert das nicht, nichtmal dann, wenn man sich die Mitarbeiter komplett spart.
 
Naja, Shell bastelt ja schon an neuen Tankstellen, die ganz ohne Zapfsäulen und dafür mit umso mehr Ladepunkten für E-Autos auskommen. Natürlich inklusive Shops für allen möglichen Kram. Das nette beim Laden von E-Autos ist ja auch, dass die Kunden da immer mindestens 20 Minuten Zeit zum Shoppen haben.

Ich denke, das wird allgemein das Zukunftsmodell sein, während die klassische Tankstelle mehr und mehr verschwindet. Es gibt ja heute schon nur noch halb so viele Tankstellen wie vor 20 Jahren, habe ich im Handelsblatt gelesen. Der ewiggestrige Deutsche wird sich natürlich wieder länger als der Rest der Welt gegen den Wandel stellen. Dennoch ist die Tankstelle in ihrer jetzigen Form eher ein Auslaufmodell. Was nichts Schlechtes sein muss.

Automatisiert wird da natürlich auch werden. Ich gehe ja heute schon in den Rewe, ohne Kontakt zu irgendwelchen Mitarbeitern zu haben. Ich finde das auch sehr angenehm und bin großer Fan von Self-Checkout. Vor allem, da ich die Artikel beim Einkaufen schon scannen und einpacken kann und an der Kasse dann einfach nur noch durchusche, statt mühselig alles nochmal auszupacken, aufs Band zu legen und dann wieder einzupacken. Nervt doch.

In meiner alten Heimat hat tegut auch kleine Supermärkte aufgestellt, in denen man überhaupt keinem Personal mehr begegnet. Man öffnet per EC-Karte die Tür und kauft ganz entspannt ein. Ein Träumchen. Das zeigt recht klar, wohin die Zukunft geht. Viele einfache Tätigkeiten sind am Aussterben. Und so viele Programmierer kannste gar nicht beschäftigen, um die Jobs alle zu ersetzen. Vor allem, da die KI perspektivisch auch programmieren können wird, auch komplexere Sachen.

Die anstehende industrielle Revolution mit vorherigen zu vergleichen, führt ins Leere. Denn es werden erstmals auch im großen Stil Jobs überflüssig, die bisher noch geistigen Einsatz erforderten und damit als sicher galten. Das mittlere Management wird in Zukunft quasi komplett überflüssig werden. Eigentlich ist das alles ja auch was Gutes. Den Menschen wird unheimlich viel Arbeit abgenommen. Aber solange Arbeit bei uns noch immer der heilige Gral ist, begegnen wir einer einmaligen Chance halt mal wieder mit Angst und Abneigung.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: getexact, Revan1710 und Andy8891
kim88 schrieb:
Menschen können freie und eigene Entscheidungen treffen und die Weichen für ihr Leben stellen

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Menschen auch mittel- und langfristig mit den Konsequenzen - die aus diesen Entscheidungen kommen - leben dürfen oder müssen. So komplex ist das nun wirklich nicht.
Eben. Menschen setzen sich ihre eigenen Ziele ... und die sind eben nicht zwingend mit den Zielen anderer Identisch.

Ich kann mich in dem Gebiet, auf welches ich mich im Studium spezialisiert habe, weiterbilden lassen, so viel ich will ... ein besseres Gehalt springt dabei nicht raus, weil der ganze Bereich einfach scheiße bezahlt wird, und die wirklich attracktiven Jobs eben nur dann frei werden, wenn mal einer stirbt oder in den Ruhestand geht.
Gerade weil man in dem Bereich nicht viel Geld verdient, sitzen dort auf den Stellen haufenweise Leute, die garnicht einsehen, den Job "schon mit 65" hinzuwerfen ... die werden dann teilweise mit 80 Zwangsverrentet ... und lungern trotzdem noch weiter in ihrem ehemaligen Berufsumfeld rum, solange das die Gesundheit irgendwie zulässt.

Aber ich habe diese Entscheidung getroffen und lebe nun mit den Konsequenzen.
Das bei Teilzeit keine auskömmliche Rente zusammenkommt, ist mir spätestens seit meinem 25 Lebensjahr klar ... ich werde arbeiten müssen, bis es wirklich nicht mehr geht. Und auch das ist eine Perspektive, mit der ich mich vor Jahrzehnten schon abgefunden habe. Kreativarbeiter sterben halt arm ... und das weiß auch jeder vorher, weswegen die meisten das auch eher als "Nebenjob" bzw. "teures Hobby" betrachten.

Ich arbeite als Angestellter, um das Geld für mein teures Hobby ranzuholen ... Riechtum war nie mein Ziel.

Die ganze Debatte um die Faulheit oder den mangelnden Leistungswillen der "GenZ" hat mMn nur einen Kern. Das ist der Gedanke "mir selbst ging es am Anfang auch scheiße, und warum sollen die jungen Leute es einfacher haben?".

Damit mal klar wird, wie sinnlos sowas eigentlich ist:
Ich musste im Mathestudium das schriftliche Radizieren lernen.
Da könnte ich mich jetzt ja auch hinstellen, und behaupten, dass niemand sich "Mathematiker" nennen darf, der das nicht kann ... dabei nutzt das heute wirklich niemand mehr, weil jeder Billigst-Taschenrechner das einfach viel schneller kann.
Rechnen mit Logarithmentaflen ... das gleiche ... wozu soll man eine Berechnungsmethode erlernen, die darauf ausgerichtet war, das Rechnen zu vereinfachen, weil es keine technischen Hilfsmittel gab.
Heute braucht das keine Sau mehr, weil es technische und elektronische Hilfsmittel gibt.
Niemand berechnet die Statik eines Bauwerkes heute noch mit einem Rechenschieber und einer 7-stelligen Logarithmentafel in der Hand ... die Berechnungen macht der Computer.
Wozu soll ich lernen, Winkel mit Zirkel und Lineal/Geodreieck zu konstruieren, wenn ich im Arbeitsalltag dann eh mit einem Grafikprogramm arbeite, bei dem ich für die selbe Arbeit nur auf das passende Bildchen klicken muss?
Für einen rechten Winkel (oder 45°, 22,5°, 112,5° u.s.w.) brauche ich nur zwei Stöcker und ein Stück Bindfaden ... aber dafür kannste in der modernen Welt eben auch nichts kaufen, denn was ich dazu auch brauche, ist ein bisschen mehr Zeit, als die 3ms, die das Grafikprogramm braucht.

Aber das könnte ich alles ignorieren, und behaupten, dass man da halt durch muss, wenn man sich Mathematiker nennen können will ... aus nur einem einzigen Grund: "Ich musste da ja auch durch".
Tatsächlich waren die obigen Beispiele (schriftl. Radizieren, die Arbeit mit Logarithmentafeln und das geometrische konstruieren) historisch interessant ... aber in der mit einem abgeschlossenen Mathestudium zugänglichen Arbeitswelt nunmal unnützes Wissen bzw. sogar "Balast".
Ich weiß, wie es geht, wenn die maschinellen Hilfsmittel mal ausfallen ... aber in der modernen Arbeitswelt geht mit ausgefallenen Hilfsmitteln schon aus versicherungstechnischen Gründen einfach garnichts mehr. Wozu sich also mit dem Wissen belasten, welches man nur dann bräuchte, wenn man mit ausgefallener Technik weiterarbeiten dürfte?
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: sedot, Andy8891 und OdinHades
kim88 schrieb:
Die Kernaussage und Konsequenz ist ziemlich simpel.
In der Theorie ja ... und was davon bleibt in der Realität übrig?
Ist genau das gleiche wie bei Verbrechen .... jaja die Menschen dürfen halt einfach keine Verbrechen begehen ...
und was davon bleibt in der Realität übrig?

Und wenn die Ausflüchte kommen mit .... jaja aber der Großteil hält sich ja an die Gesetze .... ja und genau dieser Großteil interessiert mich dann auch nicht ... was ist mit den Verbrechern?
.... Aber der Großteil ist ja nicht kriminell ....

kim88 schrieb:
Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Menschen auch mittel- und langfristig mit den Konsequenzen - die aus diesen Entscheidungen kommen - leben dürfen oder müssen. So komplex ist das nun wirklich nicht.
Dann schau auf die Realität ...

kim88 schrieb:
Und nun zur Aussge konkret? Will den jeder Millionär werden? Ist das ein Ziel, das ausnahmslos alle Menschen die auf dem Planeten rumwuseln verfolgen?
Das ganze Konzept von Glücksspiel, Aktien usw. ist die Antwort darauf ...

Wenn ich dir ne Million schenken würde, würdest du diese dann ablehnen? Hier schreibst du vielleicht, ja würde ich, aber in der Realität bezweifele ich das stark, denn die geschenkte Million ist bildlich gesprochen die Aktie, in die du vielleicht zufällig, vielleicht bewusst investiert hast und diese durch die Decke gegangen ist.

kim88 schrieb:
Wäre mir neu. In meinem Umfeld wollen das die wenigsten viele haben ganz andere Lebensziele. Eltern zu werden, ein Eigenheim zu besitzen, oder mal in Kalifornien zu surfen, oder mal einen super speziellen Berg hochzuklettern, etc
Weil diese Menschen in der Realität leben und wissen, dass man nicht einfach im Lotto gewinnt.

Das ist wahrscheinlich auch die Mehrheit der Gesellschaft.

Das Problem ist jedoch, dass eine Gesellschaft nur so gut ist, wie das schwächste Glied.
Wenn das schwächste Glied Probleme bereitet, müssen ALLE anderen ihr Verhalten ändern.
Aber dadurch das diese ihr Verhalten ändern, kommen weitere schwache Glieder hinzu, wodurch wieder der Rest das Verhalten ändern muss usw. usw.

kim88 schrieb:
Menschen sind unterschiedlich, so sind es auch ihre Träume und Ziele. Daher die Aussage "Jeder kann Millionär werden aber nicht alle" stimmt natürlich. Aber richtiger wäre "Jeder kann Millionär werden aber nicht alle wollen das" wäre noch richtiger.
Das wäre wie oben erwähnt zu 99,9% falsch.
Das Problem beim Beweis wäre, dass die Menschen sehr misstrauisch sind. Dh. wenn du mir aufeinmal ne Million schenken würdest, würde ich sofort nach dem Grund fragen und deine vielleicht ehrliche Schenkung hinterfragen.
 
  • Gefällt mir
Reaktionen: KitKat::new()
  • Gefällt mir
Reaktionen: Revan1710, Web-Schecki, KitKat::new() und 2 andere
Hallo

DerOlf schrieb:
Die ganze Debatte um die Faulheit oder den mangelnden Leistungswillen der "GenZ" hat mMn nur einen Kern. Das ist der Gedanke "mir selbst ging es am Anfang auch scheiße, und warum sollen die jungen Leute es einfacher haben?".
Ich sehe/interpretiere das anders:
Ich habe für meinen gut bezahlten Arbeitsplatz gelernt/gearbeitet, warum sollen junge Menschen für einen gut bezahlten Arbeitsplatz nicht auch lernen/arbeiten ?

Wo kommt diese Vollkasko all inclusive Mentalität her das man (von wem auch immer) ein schönes Leben auf dem Silbertablett serviert und geschenkt bekommt ?

Venyo schrieb:
"Bei gleichen kognitiven Fähigkeiten und Lesekompetenzen hatten Kinder aus der obersten Schicht ("obere Dienstklasse") eine fast vier Mal höhere Chance als Kinder von Facharbeitern, eine Empfehlung für das Gymnasium zu bekommen."
Wir haben so viele Abiturienten und Akademiker wie noch nie, haben die alle reiche Eltern aus der obersten Schicht ?
Es geht doch auch gar nicht darum das alle Abitur machen und Akademiker werden, eine Berufsausbildung würde viele schon deutlich nach vorne bringen.

A415 schrieb:
Nicht jeder Hilfsarbeiter/Bürgergeldempfänger hat die kognitiven oder sozialen Fähigkeiten einen Beruf zu erlernen bzw. sich weiter zu bilden bzw. mit der heutigen Arbeitswelt zurecht zu kommen
Es kann doch nicht sein das Fachkräfte an jeder Straßenecke gesucht werden und wir gleichzeitig 2,6 Millionen junge Menschen ohne Berufsabschluss haben.
Natürlich mangelt es nicht allen an der Lust auf Schule/Ausbildung/Studium, aber genau so wenig mangelt es allen an den kognitiven/sozialen Fähigkeiten.

A415 schrieb:
Einen gewissen Bodensatz an Bildungsverlierern wird man immer haben.
Das ist absolut richtig, das war schon immer so, das ist so und das wird immer so sein.
Das Problem ist die Zahl der jungen Menschen ohne Berufsabschluss ist in den letzten Jahren sehr stark angestiegen, diesem Trend müssen wir entgegen wirken.

Grüße Tomi
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: Klingeldraht
Tomislav2007 schrieb:
Wo kommt diese Vollkasko all inclusive Mentalität her das man (von wem auch immer) ein schönes Leben auf dem Silbertablett serviert und geschenkt bekommt ?
Zunächst kommt die auf jeden Fall aus deinem Kopf.

Ich kenne jedenfalls niemanden, der ein solches "Vollkasko all inklusive leben" wirklich erwartet und ich denke auch in deinem Bekanntenkreis werden solche Menschen ziemlich selten sein.
Die Frage ist also, wo dieser Vorwurf herkommt.

Oder ist das einfach wieder die historische Konstante "die faule Jugend"? Es gibt eigentlich keine Großelterengeneration, die das nicht von ihrer Enkelgeneration behauptet hätte (eigene Enkel meist ausgenommen).
Vielleicht ist das momentan nur aufgrund der Überalterung unserer Gesellschaft so oft zu hören und zu lesen.
 
Zuletzt bearbeitet:
  • Gefällt mir
Reaktionen: getexact, KitKat::new(), Revan1710 und 6 andere
Status
Für weitere Antworten geschlossen.
Zurück
Oben