Weltanschauungen im Allgemeinen, Systemkritik, Diskussionen rund um den Kapitalismus

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Hallo

drago-museweni schrieb:
Würde sogar soweit gehen, ohne Gegenbleistung kein Geld bei arbeitsfähigen Menschen.
Dafür bin ich auch, wenn jemand nur keine Lust hat zu arbeiten dann sollte die Gesellschaft auch keine Lust haben ihn bedingungslos zu finanzieren.
Arbeitsfähige Menschen die nur nicht arbeiten wollen sollten wir nicht finanzieren und das gesparte Geld auf die Rente von Arbeitnehmern umlegen.

drago-museweni schrieb:
Auch das stimmt aber die Politik sollte auch nicht immer an den Rahmenbedingungen schrauben, und seinen eigenen Bediensteten 68% Zahlen als Pension, und der arbeitende Pöbel wird mit 48% abgespeist nach 50Jahren Arbeit.
Ich gebe dir absolut Recht das unser Renteniveau sehr mager ist und daran etwas geändert muss.
Ich finde aber das wichtige Staatsbedienstete besser versorgt werden müssen als normale Arbeiter.
Ich möchte keine Polizisten haben die keine gut versorgten Beamten und nur Mindestlohn Arbeiter sind.
Ich bin absolut dafür das Rentenniveau anzuheben, ich bin aber dagegen bei wichtigen Beamten zu sparen.

Grüße Tomi
 
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Venyo schrieb:
"Bei gleichen kognitiven Fähigkeiten und Lesekompetenzen hatten Kinder aus der obersten Schicht ("obere Dienstklasse") eine fast vier Mal höhere Chance als Kinder von Facharbeitern, eine Empfehlung für das Gymnasium zu bekommen."
Das kann man gar nicht oft genug hervorheben. Und als nächstes könnte man mal überlegen, wie wahrscheinlich es ist, dass kognitive Fähigkeiten und Lesekompetenzen zwischen Zehnjährigen aus verschiedenen Schichten gleichverteilt sind. Wer meint ernsthaft, das Neugeborene aus einem einkommensschwachen Haushalt mit ungebildeten Eltern hat die gleiche Wahrscheinlichkeit, in 10 Jahren dieselben kognitiven Fähigkeiten und Lesekompetenzen entwickelt zu haben wie das Neugeborene mit reichen Akademiker-Eltern? Am Leistungsdefizit des Kindes kann es wohl kaum liegen, wenn es gerade erst geboren wurde und eine Verantwortung für das eigene Elternhaus kann man Kindern auch nicht geben.
Ich habe größten Respekt vor allen, die es der miserablen Statistiken zum Trotz schaffen und es ist eine Errungenschaft, dass das möglich ist. Dennoch: Eine Gesellschaft, die dringend auf hochqualifizierte Menschen angewiesen ist, kann es sich derartige Statistiken eigentlich nicht leisten.

Wer angesichts der blanken Zahlen trotzdem weiter auf Eigenverantwortung pocht, dem fehlt schlicht grundlegendes mathematisches Verständnis. Niemand behauptet, dass es unüberwindbare Hürden gäbe. Die Hürden sind aber, je nach Herkunft, unterschiedlich hoch.
 
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Hallo

Web-Schecki schrieb:
Das kann man gar nicht oft genug hervorheben.
Dann wiederhole ich meine Frage:
Wir haben so viele Abiturienten und Akademiker wie noch nie, haben die alle reiche Eltern aus der obersten Schicht ?

Web-Schecki schrieb:
Eine Gesellschaft, die dringend auf hochqualifizierte Menschen angewiesen ist, kann es sich derartige Statistiken eigentlich nicht leisten.
Wir brauchen doch nicht nur hochqualifizierte Akademiker, es muss nicht jeder ein Abitur und Studium machen.
Wir brauchen Fachkräfte aus allen Bereichen, vom Facharbeiter über den Meister/Techniker bis zum Akademiker.

Web-Schecki schrieb:
Wer angesichts der blanken Zahlen trotzdem weiter auf Eigenverantwortung pocht, dem fehlt schlicht grundlegendes mathematisches Verständnis.
Wie sollen wir das Problem denn sonst lösen, jedem ein Abitur und Studienabschluss schenken oder jedem Hilfsarbeiter soviel zahlen wie einem Ingenieur ?

Grüße Tomi
 
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Ich bin klüger oder hatte bessere Kontakte also bin ich was besseres als du , und wenn du mehr sozial veranlagt bist ist dass auch nicht mein problem , ich geh jetzt kohle schäffeln ....????
 
Tomislav2007 schrieb:
Dann wiederhole ich meine Frage:
Wir haben so viele Abiturienten und Akademiker wie noch nie, haben die alle reiche Eltern aus der obersten Schicht ?
Es geht darum, dass dieser "man muss nur wollen und eigenverantwortlich sein Leben verbessern" - Satz Bullshit ist, weil es keine Chancengleichheit in Deutschland gibt. Sind deine Eltern reich? Dann werden dir mehr Türen geöffnet (siehe Gymnasium-Empfehlungsquote). Du bekommst Nachhilfe. Im Zweifel einen Job über Vitamin B. Hast du einen ausländisch klingenden Namen? Dann wirst du eher nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen und kriegst auch weniger leicht eine Wohnung.
Die Anzahl der Abiturienten und Akademiker spielt in dem Zusammenhang absolut gar keine Rolle, reine Ablenkung.
Deine Ansichten sind ignorant und menschenverachtend. Du hast genau diese Einstellung:
https://www.reddit.com/r/antiwork/comments/12o61qx/this_is_so_true/

Ich hoffe ja, dass sich Care-Arbeiter (Pfleger, Sozialpädagoginnen, Krankenschwestern) und andere systemrelevante Berufe (Lebensmittelversorgung, Infrastruktur inkl. Müllentsorgung) mal organisieren und so lange streiken bis sie nicht mehr scheiße bezahlt werden.

Die "unteren 30%" sind keine faulen "Hilfsarbeiter", die oberen 1% sind gierig https://www.reddit.com/r/antiwork/comments/12mznoa/why_indeed/
 
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D0m1n4t0r schrieb:
Höheres Renteneintrittsalter fordern ist Blödsinn. Denn was passiert wenn Leute länger arbeiten müssen? Richtig, sie nehmen den jungen Leuten den Arbeitsplatz weg.
Du hast das Prinzip vom demografischen Wandel noch nicht ganz verinnerlicht oder?

In 10-15 Jahren werden wir um JEDE einzelne Person - völlig egal wie alt und woher sie kommen - die noch arbeiten kann froh sein.

Wir werden zunehmenden Arbeitskräftemangel haben.
D0m1n4t0r schrieb:
Fangen wir mal an mit der Person hinter der Ladenkasse.
Habt ihr keine Self-Scanning Kassen? 🤔
D0m1n4t0r schrieb:
Tankstelle übrigens auch nicht.
Also die Tankstellen die ich kenne - da bedient man sich auch selber.

Man fährt an ne Tanksäule, steckt karte rein, gibt pin ein - tankt, dann wird gebucht, man nimmt karte wieder raus und fährt weiter 🤷‍♂️
D0m1n4t0r schrieb:
Die Leute haben ja nix gelernt, müssen also in Indien und Bangladesh in der Fabrik rumsitzen und nähen.
Ja genau lasst uns hier in Zentral-Europa die Arbeitsplätze in Indien ändern 🙄
Web-Schecki schrieb:
Wer angesichts der blanken Zahlen trotzdem weiter auf Eigenverantwortung pocht, dem fehlt schlicht grundlegendes mathematisches Verständnis.
Nur unter dem Kontext - das es erstrebenswert ist, dass alle ins Gymnasium und zur Uni gehen.

Was die ganzen Menschen die Philosophie oder Genderstudies studiert haben nachher arbeiten sollen weiss ich auch nicht.
 
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kim88 schrieb:
Du hast das Prinzip vom demografischen Wandel noch nicht ganz verinnerlicht oder?
Es kann aber nicht bedeuten, das dann die, die noch da sind zu tode schuften sollen, vielleicht sollte auch mal Automatisierung (Roboter Sozialabgaben) besteuert werden, es kann doch nicht sein das ganz wenige soviel Geld haben das die nie ausgeben und andere sollen dann noch länger arbeiten, das das Geld beim Staat reicht.

Ich würde die Ausgaben massiv reduzieren, da gibt es genug Hebel zum ansetzen.
Tomislav2007 schrieb:
Ich finde aber das wichtige Staatsbedienstete besser versorgt werden müssen als normale Arbeiter.
Es kommt drauf an welche, Bundestag gäbs genug Sparpotenzial erst verkleinern, zb zur Relation US Kongress wären nur noch knapp 125Leute, ich ließe mir noch eingehen maximal soviele wie Wahlkreise (ca.350) keiner mehr.
Und dann nicht nach 8 Jahren schon anspruch auf 2000€ Pension
Tomislav2007 schrieb:
Ich möchte keine Polizisten haben die keine gut versorgten Beamten und nur Mindestlohn Arbeiter sind.
Da würde ich auch nichts sparen.
Tomislav2007 schrieb:
Ich bin absolut dafür das Rentenniveau anzuheben, ich bin aber dagegen bei wichtigen Beamten zu sparen.
Da sagst du es bei wichtigen, gibt genug die es nicht sind, aber wie gesagt das ganze System ist faul, zulasten derer die es finanzieren.
 
Hallo

Venyo schrieb:
Sind deine Eltern reich? Dann werden dir mehr Türen geöffnet (siehe Gymnasium-Empfehlungsquote). Du bekommst Nachhilfe.
Ach so und wenn man keine reichen Eltern hat macht man gar nichts und bleibt Hilfsarbeiter oder mit Bürgergeld auf der Couch sitzen ?

Venyo schrieb:
Hast du einen ausländisch klingenden Namen? Dann wirst du eher nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen und kriegst auch weniger leicht eine Wohnung.
Ich habe einen ausländischen Namen und ich hatte noch nie Probleme eine Arbeitsstelle und Wohnung zu bekommen, ich mache wohl was falsch.
Ob man eine Arbeitsstelle bekommt liegt nicht mehr am Namen, heutzutage mit dem Fachkräftemangel wird (fast) jeder eingeladen der sich bewirbt.
Schau dich doch mal in den Unternehmen um, überall sind Ausländer/Migranten, Ausländer/Migranten sind in den Unternehmen oft schon die Mehrheit.

Venyo schrieb:
Deine Ansichten sind ignorant und menschenverachtend.
Wenn es ignorant und menschenverachtend sein soll wenn ich von jedem (der geistig und körperlich dazu in der Lage ist) erwarte arbeiten zu gehen und sein eigenes Leben in die eigenen Hände zu nehmen, dann bin ich sehr gerne ignorant und menschenverachtend.
Ich werde Erwachsene nicht wie Kinder behandeln und ihnen den Hintern pudern, das können andere machen.

Venyo schrieb:
Es geht darum, dass dieser "man muss nur wollen und eigenverantwortlich sein Leben verbessern" - Satz Bullshit ist, weil es keine Chancengleichheit in Deutschland gibt.
Es ist kein Bullshit, es mag sein das Kinder von reichen Eltern bessere Chancen und mehr Unterstützung haben wenn es um Abitur/Studium/etc. geht.
Es muss doch nicht jeder Arzt, Rechtsanwalt oder Top Manager werden, selbst ein Kind von Hilfsarbeitern kann eine normale Berufsausbildung machen.

drago-museweni schrieb:
Es kommt drauf an welche, Bundestag gäbs genug Sparpotenzial erst verkleinern,
Was ist eigentlich daraus geworden das man die Direktmandate abschaffen und so den Bundestag verkleinern will ? Diese Idee finde ich sehr gut.

Grüße Tomi
 
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Tomislav2007 schrieb:
Hallo

Wir brauchen doch nicht nur hochqualifizierte Akademiker, es muss nicht jeder ein Abitur und Studium machen.
Wir brauchen Fachkräfte aus allen Bereichen, vom Facharbeiter über den Meister/Techniker bis zum Akademiker.


Wie sollen wir das Problem denn sonst lösen, jedem ein Abitur und Studienabschluss schenken oder jedem Hilfsarbeiter soviel zahlen wie einem Ingenieur ?

Grüße Tomi
Natürlich nicht, man sieht ja was passiert wenn völlig Überqualifizierte unseren Staat lenken.

Es wäre aber angebracht einen Mindestlohn auf 16 Euro zu bringen angesichts der Hausgemachten Inflation.
Sonst darf man sich nicht wundern wenn keiner Bock hat.
 
Hallo

xxlrider schrieb:
Natürlich nicht, man sieht ja was passiert wenn völlig Überqualifizierte unseren Staat lenken.
Sorgen machen mir eher die nicht/falsch qualifizierten im Bundestag, wie z.B. ein Philosoph und Germanist als Bundesminister für Wirtschaft.

xxlrider schrieb:
Es wäre aber angebracht einen Mindestlohn auf 16 Euro zu bringen angesichts der Hausgemachten Inflation.
Das bringt gar nichts, einen Tag nach Erhöhung des Mindestlohns werden die Preisschilder für Waren/Dienstleistungen erhöht und die Kaufkraft bleibt die gleiche.

Grüße Tomi
 
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Tomislav2007 schrieb:
Wir haben so viele Abiturienten und Akademiker wie noch nie, haben die alle reiche Eltern aus der obersten Schicht ?
Genau diese Art der Argumentation nimmt mein Beitrag vorweg - grundlegendes mathematisches Verständnis (insbesondere des Wahrscheinlichkeitsbegriffs) vorausgesetzt. Für alle Leute ohne dieses Verständnis gibt es den letzten Absatz zur Veranschaulichung.

Tomislav2007 schrieb:
Wir brauchen doch nicht nur hochqualifizierte Akademiker, es muss nicht jeder ein Abitur und Studium machen.
Wir brauchen Fachkräfte aus allen Bereichen, vom Facharbeiter über den Meister/Techniker bis zum Akademiker.
Das wäre dann wohl ein klassisches Strohmannargument.

Tomislav2007 schrieb:
Wie sollen wir das Problem denn sonst lösen, jedem ein Abitur und Studienabschluss schenken oder jedem Hilfsarbeiter soviel zahlen wie einem Ingenieur ?
Inwiefern würden sich dadurch die kognitiven Fähigkeiten und Lesekompetenzen der Zehnjährigen aus einkommensschwachen Haushalten ohne Akademikereltern erhöhen?

kim88 schrieb:
Nur unter dem Kontext - das es erstrebenswert ist, dass alle ins Gymnasium und zur Uni gehen.
Nein, das ist absoluter Blödsinn. Man verschenkt doch offensichtlich als Gesellschaft massiv Potenzial, wenn nicht alle Menschen die besten Chancen zur Entwicklung ihrer kognitiven Möglichkeiten bekommen. Die dürften übrigens auch dann hilfreich sein, wenn man später nicht aufs Gymnasium geht oder studiert. Stattdessen haben Akademikerkinder nicht nur deutlich bessere Voraussetzungen dafür, diese Fähigkeiten zu entwickeln, sondern werden auch dann, wenn diese eher unterdurchschnittlich sind, tendenziell besser behandelt als Arbeiterkinder. Die hätten vielleicht aus den gleichen Voraussetzungen in Hinblick auf ihre kognitiven Fähigkeiten deutlich mehr gemacht, aber hatten diese Voraussetzungen schlicht nicht.

Wie viele Kinder aufs Gymnasium gehen oder studieren ist doch vollkommen unabhängig von der Tatsache, dass die Wahrscheinlichkeit, dies zu tun, deutlich vom Bildungs- und Vermögensstatus des Elternhauses abhängt.
 
Hallo

Web-Schecki schrieb:
Genau diese Art der Argumentation nimmt mein Beitrag vorweg - grundlegendes mathematisches Verständnis (insbesondere des Wahrscheinlichkeitsbegriffs) vorausgesetzt. Für alle Leute ohne dieses Verständnis gibt es den letzten Absatz zur Veranschaulichung.
Ich brauche kein mathematisches Verständnis, das überlasse ich Mathematikern.
Mir reicht es aus ein schönes Leben und eine gut bezahlte Arbeitsstelle zu haben.

Web-Schecki schrieb:
Das wäre dann wohl ein klassisches Strohmannargument.
Es soll ein Strohmannargument sein zu schreiben das es uns nicht im geringsten weiter bringt wenn alle Menschen ein Abitur und Studium machen ?
Es soll ein Strohmannargument sein zu schreiben das es besser ist eine Berufsausbildung zu machen als Hilfsarbeiter/Bürgergeldempfänger zu sein ?

Web-Schecki schrieb:
Inwiefern würden sich dadurch die kognitiven Fähigkeiten und Lesekompetenzen der Zehnjährigen aus einkommensschwachen Haushalten ohne Akademikereltern erhöhen?
Du hast es erkannt, gar nicht.

Web-Schecki schrieb:
Die hätten vielleicht aus den gleichen Voraussetzungen in Hinblick auf ihre kognitiven Fähigkeiten deutlich mehr gemacht, aber hatten diese Voraussetzungen schlicht nicht.
Und was sollen wir machen, sollen wir Kindern von Hilfsarbeitern jetzt noch Nachhilfe finanzieren ?
Nein Danke, die Eltern sollen sich um ihre Kinder kümmern, die sollen ihre Suppe selber auslöffeln.
Vielleicht sollten manche Eltern ihre Kinder einfach mal sinnvoll erziehen/beschäftigen und nicht an der Playstation parken um Ruhe zu haben.

Grüße Tomi
 
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Tomislav2007 schrieb:
Dafür bin ich auch, wenn jemand nur keine Lust hat zu arbeiten dann sollte die Gesellschaft auch keine Lust haben ihn bedingungslos zu finanzieren.
Arbeitsfähige Menschen die nur nicht arbeiten wollen sollten wir nicht finanzieren und das gesparte Geld auf die Rente von Arbeitnehmern umlegen.

Das Problem ist halt der Ansatz, mit dem man an die Sache rangeht. Man hat es immer mit Einzelfällen zu tun, es braucht aber im ersten Moment eine pauschale Regelung, bis der Einzelfall geprüft wurde. Wenn man nun alle Arbeitslosen vorverurteilt, wird man etliche arme Schweine in die Pfanne hauen, die tatsächlich gerne arbeiten würden, aber aus welchen Gründen auch immer nichts finden. Geht man hingegen erstmal davon aus, dass die Leute für ihre Situation nichts können, finanziert man eben im ersten Moment auch jene, die tatsächlich einfach keinen Bock haben. Mir ist zweiteres einfach lieber.

Darüber hinaus gibt es ja einen sehr weiten Interpretationsspielraum darüber, wer denn nun arbeiten kann und wer nicht. Bei psychischen Erkrankungen zum Beispiel höre ich immer wieder von sehr vielen Menschen, dass die Betroffenen sich "nicht so anstellen" sollen. Oder das klassische Beispiel mit dem Familienmensch, der sich auf dem Land ein Häuschen gekauft hat, blöderweise dort seinen Job verloren hat und nun in einer strukturschwachen Region nichts Neues findet. Ist jemand pauschal als unwillens zum Arbeiten anzusehen, wenn er nicht nach drei Monaten sein Haus verkauft und die Kinder entwurzelt, um irgendwo anders eine neue Stelle anzutreten? Ich denke, das ist mindestens diskussionswürdig.

xxlrider schrieb:
Es wäre aber angebracht einen Mindestlohn auf 16 Euro zu bringen angesichts der Hausgemachten Inflation.

Da die Inflation aktuell in erster Linie durch steigende Löhne angetrieben wird, würde das tatsächlich ins Leere laufen. Es ist eine himmelhochschreiende Ungerechtigkeit, dass die Leute ganz unten keinen oder kaum einen Inflationsausgleich bekommen, während der jammernde Mittelstand schon seit einer ganzen Weile eifrig bedient wird. Mit der Gießkanne lässt sich das aber leider nicht beheben.
 
Das mit dem Fachkräftemangel ist übrigens völliger Unsinn.
Wir haben offiziell 2,62 Millionen Arbeitslose.
Und dann kommt noch das dazu.
https://www.tagesschau.de/wirtschaft/konjunktur/hg-arbeitslosenzahlen-101.html

Hätten wir wirklich Fachkräftemangel dann würden die Arbeitslosenzahlen ja massiv nach unten gehen.
Was wir haben ist ein Mangel an Personen die sich ausbeuten lassen und unter schlechten Arbeitsbedingungen arbeiten wollen! Immer mehr Leute haben begriffen dass es auch anders gehen kann und fordern das jetzt ein.

Schichtarbeit? Wochenendarbeit? 40 Stunden Woche + Überstunden, also im Endeffekt 48 Stunden pro Woche. Arbeitsverträge in denen steht "Mit dem Lohn/Gehalt sind Überstunden bereits abgegolten." Bereitschaftsdienste auf Abruf ? Nachtarbeit. Und generell Arbeiten die so anstrengend sind dass man sie nicht ein Leben lang machen kann.

Ich kenne zufällig paar Frauen die als Altenpflegerin im Altenheim arbeiten. Die haben rotierend Frühschicht, Spätschicht und Nachtschicht was an sich schonmal extrem belastend ist. Aufgrund unseres geilen Gesundheitssystems siehts bei denen mittlerweile so aus dass pro Schicht 1 examinierte Altenpflegerin auf der Station ist, für ca. 30 Alte Leute, und dann noch 4-5 Hilfskräfte da sind.
Die haben alle ein hohes soziales Verantwortungsgefühl und wenn mal wer ausfällt und die Altenheimleitung deswegen dann anruft dann sind die auch ne Stunde später auf der Arbeit.
Was die Arbeit angeht, das ist von der Belastung her wie Akkordarbeit weil die Vorgaben wie lange man für welche Arbeit brauchen darf so niedrig sind. Die hetzen von Person zu Person.
Was die körperliche Belastung angeht, das ganze geht voll auf den Rücken weil die Alten Leute oft umgelagert werden müssen weil sie sich sonst wundliegen, sog. Dekubitus.
Die haben mit 17/18 die Ausbildung angefangen und wussten da schon, dass mit spätestens 50 Jahren der Rücken kaputt ist. Aber die machen die Arbeit gerne und sind sehr sozial eingestellt.
Aber das wird schamlos ausgenutzt von den Krankenkassen und Altenheimbetreibern, denn eigentlich bräuchten die Leute dringend mehr Personal und zwischen den Schichtwechseln mindestens 3 freie Tage, also im Endeffekt eine 4-Tage Woche weil man da sonst auf Dauer auf dem Zahnfleisch geht.

Durch die Schicht- und Wochenendarbeit kommt deren Familie natürlich auch zu kurz. Wenn schonmal 2 von 4 Wochenenden im Monat wegfallen ist das nicht gerade toll für die eigene Familie. Und wenn dann noch wer ausfällt werden daraus auchmal 0 Wochenenden im Monat oder 20 Tage Arbeit am Stück ohne freie Tage dazwischen.

Und solche Zustände herrschen ÜBERALL im Gesundheitssystem. Im Krankenhaus genauso wie im Altenheim, genauso wie in der häuslichen Pflege. Überall zu wenig Personal und zu wenig Zeit für die Patienten. Und wenn jemand krank wird, dann wirds richtig schlimm für die Angestellten.
Und was ich da geschrieben habe das ist nichts neues, sondern das ist seit mindestens 30 Jahren so.

Man schaue sich an was während Corona war. Wir haben die Pflegekräfte im Krankenhaus beklatscht und Helden genannt. Aber wir haben NIX getan um deren Arbeitsbedingungen zu verbessern, denn das würde ja Geld kosten.
Was dringend nötig wäre, wäre mehr Personal, weniger Arbeit für den einzelnen und eine bessere Bezahlung um überhaupt noch Leute zu motivieren den Job zu machen.

Übrigens in dem Zusammenhang interessant wäre wenn wir mal nach Nordeuropa gucken. Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland. Das sind die Länder mit der besten Bildung die regelmäßig den tollen PISA Test gewinnen, mit den höchsten Steuern, mit den glücklichsten Menschen und seit kurzem: Mit der 4-Tage Woche. Und deren Rente und Arbeitslosengeld ist übrigens auch ziemlich hoch.
Die haben sogar sowas wie BAFÖG für alle gemacht. Jeder der da studiert bekommt Bafög. Weil die wissen dass die Leute später mehr verdienen und das dann über Steuern mehr an Geld wieder reinkommt.
In Deutschland wäre sowas völlig undenkbar, da müsste jeder Einzelfall erstmal geprüft werden ob das dem überhaupt zusteht.
Alles wovon in Deutschland ständig geredet wird, dass das nicht gehen würde und schlecht für die Wirtschaft wäre, das haben die einfach gemacht und deren Bevölkerung ist glücklich und zufrieden damit. Und deren Wirtschaft läuft auch. Da ist nicht alles zusammengebrochen.

Wir werden hier in Deutschland verarscht, von Wirtschaft und Medien und meistens gehören die Medien dann auchnoch der Wirtschaft. Die Schreiben nicht das was gut für alle wäre sondern die schreiben das was gut für das Wirtschaftsunternehmen ist dem die Medien gehören.
Und Wirtschaftsunternehmen wollen immer dass die Leute viel arbeiten und die Löhne niedrig sind bei gleichzeitig wenig Rechten für die Beschäftigten.
 
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OdinHades schrieb:
Bei psychischen Erkrankungen zum Beispiel höre ich immer wieder von sehr vielen Menschen, dass die Betroffenen sich "nicht so anstellen" sollen.
Das ist ja tatsächlich auch n richtig hartes Gebiet. Ich kenn das ja sowohl aus direkter eigener Erfahrung, als auch aus der letzten Beziehung. Wenn du soweit bist, dann bist du wirklich richtig am Arsch. Um nochmal auf den Techniker von vorhin zurückzukommen, ja das ist auch ein Punkt, warum ich das in absehbarer Zeit nicht umsetze. Dafür fehlt einfach die Kapazität bei der Psyche im Moment komplett. Das Verhalten und die Einstellung der Krankenkasse(n) machen das jetzt auch nicht grade besser.
 
@D0m1n4t0r
Das ist auf jeden Fall auch ein Faktor. Kann ich auch zu berichten. Meine Frau ist Sozialarbeiterin, hat dafür ellenlang studiert und was nicht alles. Und bekommt ein Gehalt, das den Namen nicht mal verdient. Je sozialer der Beruf, desto asozialer ist immer noch die Bezahlung.

Ohne mein üppiges Einkommen könnte sie ihrer Arbeit überhaupt nicht nachgehen. Sie macht das aus Leidenschaft und ist in der glücklichen Lage, sich das erlauben zu können. Aber was ist mit all denen, die weniger Glück hatten? Über einen Mangel an Sozialarbeitern brauchen wir uns echt nicht wundern, und ich bezweifle sehr stark, dass es in anderen sozialen Berufen sehr viel besser aussieht. Wären die Stellen attraktiver, würden sich mit Sicherheit auch Bewerber finden. Mit Forderungen, dass Arbeitslose einfach den nächstbesten Job annehmen sollen und ansonsten verhungern sollen, fördert man letztlich nur Ausbeutung, lässt sich kaum leugnen.
 
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Tomislav2007 schrieb:
Ach so und wenn man keine reichen Eltern hat macht man gar nichts und bleibt Hilfsarbeiter oder mit Bürgergeld auf der Couch sitzen ?
[...]
Es ist kein Bullshit, es mag sein das Kinder von reichen Eltern bessere Chancen und mehr Unterstützung haben wenn es um Abitur/Studium/etc. geht.
Es muss doch nicht jeder Arzt, Rechtsanwalt oder Top Manager werden, selbst ein Kind von Hilfsarbeitern kann eine normale Berufsausbildung machen.
Diese Aussagen haben nichts mit der Aussage "es gibt in Deutschland keine Chancengleichheit" zu tun. Du tust aber so als gäbe es sie (keine Ahnung warum, weils besser in dein Weltbild hast, in dem du gerne auf "Hilfsarbeitern" und Bürgergeldempfängern rumhackst, weil du dich dann besser fühlst (oder einfach ein schlechter Mensch bist). Guck doch mal nach oben anstatt nach unten, da gibts auch Anlass zu Kritik).

Ich habe einen ausländischen Namen und ich hatte noch nie Probleme eine Arbeitsstelle und Wohnung zu bekommen, ich mache wohl was falsch.
Ob man eine Arbeitsstelle bekommt liegt nicht mehr am Namen, heutzutage mit dem Fachkräftemangel wird (fast) jeder eingeladen der sich bewirbt.
1. Anekdote
2. Stimmt nicht:
https://interaktiv.br.de/hanna-und-ismail/
https://www.sueddeutsche.de/politik/bewerbung-diskriminierung-auslaender-1.5711270
 
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OdinHades schrieb:
Da die Inflation aktuell in erster Linie durch steigende Löhne angetrieben wird, würde das tatsächlich ins Leere laufen. Es ist eine himmelhochschreiende Ungerechtigkeit, dass die Leute ganz unten keinen oder kaum einen Inflationsausgleich bekommen, während der jammernde Mittelstand schon seit einer ganzen Weile eifrig bedient wird. Mit der Gießkanne lässt sich das aber leider nicht beheben.
Ich bezog mich ausdrücklich auf die unteren Einkommensgruppen. Nix Gießkanne.
Auch das immer noch Arbeitsverträge geben darf wo Mehrarbeit mit dem Bruttogehalt abgegolten sein dürfen, halte ich für kriminell.
Leistung muss bezahlt werden.

Und wenn die Arbeitgeber nur Geld verdienen wenn sie ihre Beschäftigten ausbeuten, sollen sie dichtmachen.
Auch die Spesensätze für Fahrpersonal sind ein Witz, zumindest innerdeutsch.
 
xxlrider schrieb:
Und wenn die Arbeitgeber nur Geld verdienen wenn sie ihre Beschäftigten ausbeuten, sollen sie dichtmachen.
Vergiss nicht, dass für die Kapitalisten dieser Punkt (der auch zum Kapitalismus dazugehört) praktisch das Kryptonit ist und mit: Lieber Ausbeutung als Systemcrash wegdiskutiert wird.
 
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